Die zweite Woche des TCR. Von der Sierra Brava, über Madrid, an die spanische Nordatlantik Küste.
TCR #8 Von der Extremadura in die La Mancha
Mittwoch, 14. Mai. Was für ein Tag! Ich wurde regelrecht überwältigt von den grandiosen Eindrücken.
Nach einem typisch spanischen Frühstück (Kaffee und ein getoastetes Brötchen) im ebenso typisch spanischen Hostal Restorante Cerezo in Guadalupe konnte ich meine Fahrt nach Norden fortsetzen. Schon nach wenigen Kurven entdeckte ich ein erstes Straßenschild, auf dem die Entfernung nach Madrid angegeben war.


„Nur“ noch 224 km in die Metropole. Mit dem Aero-Rennrad wäre ich am Abend dort. Mit der schwer beladenen KATIE bedeutete das aber – so viel war mir inzwischen klar – dass ich die Hauptstadt Spaniens erst am nächsten Tag erreichen würde. Dazwischen lag erneut weites Land.

Und wenn schon. Fast jeder Kilometer des heutigen Tages hätte gerne doppelt so lang sein können. Madrid kann da noch warten.



Mein Weg führte über die wunderschöne und kaum befahrene EX102 zum Mirador del Estrecho de la Pena Amarilla und dann den Puerto de San Vicente hoch, einen kleinen Pass, der auch gleichzeitig die Grenze zur La Mancha ist. Ich hatte die Extremadura durchquert. Yeah, wieder ein kleines Häkchen in der langen Liste von Häkchen, die ich auf meiner weiteren Reise noch setzen musste.
Es ging auch flott voran. Die Straße gehörte mir Einzig die Gewitterwolken, die sich mehr und mehr verdichteten, bereiteten mir etwas Sorge. Noch war ich auf der Sonnenseite, aber letztlich holte mich in der Mancha der Regen dann doch ein. Ich musste zum ersten Mal während meiner Tour die Rahmentasche öffnen, um das Regengewand herauszuholen.

An dieser Stelle: Es lohnt sich, beim. Regengewand in beste Qualität zu investieren. Im Grunde gilt das dür die ganze Ausrüstung. Alles Andere bringt überhaupt nichts.
Aber weil ich gerade beim Regengewand bin: in minderwertigen Klamotten schwitzt man unendlich und ist nach fünf Minuten Fahrt im Regen außerdem erst recht komplett durchnässt ist und fängt zu frieren an. Und das Regengewand muss auch immer sofort griffbereit sein. Ohne dass man es erst suchen oder vielleicht auch noch eine andere Tasche ausräumen muss. Und dann schon alles nass ist, bevor man in die Regenjacke geschlüpft ist. Daher ist auch in meiner Rahmentasche nur das Regengewand und sonst nichts.
Regen ist eine Sache, Gewitter eine andere. Wenn es ringsum blitzt und donnert, wird es auch Mit dem besten Gewand Zeit, einen Unterstand zu suchen.
Ich hatte Glück. Keine fünf Kilometer nachdem ich mein Regengewand angezogen hatte, zweigte meine Route auf die Via Verde de la Jara ab. Eine weiter aufgegebene Bahnstrecke, die jetzt nur noch für Wanderer und Radfahrer da ist. Was für ein Luxus!
Die herrliche Trasse ließ mich die nächsten 50 Kilometer lang jubeln. Und gleich zu Beginn der Strecke war der erste von zahlreichen Tunnels. Hier fand ich Unterschlupf und konnte in Ruhe warten, bis das Gewitter abgezogen war.

Ich nutze die Zeit, um zu essen und wollte mir auch einen Kaffee kochen. Leider musste ich aber feststellen, dass meine Zündhölzer feucht und mein Feuerzeug ebenfalls nass und kaputt war. Das war ärgerlich. Oder besser gesagt: ich ärgerte mich über mich selbst. Warum hatte ich weder Outdoor-Zündhölzer noch ein Sturmfeuerzeug eingepackt? Die gehören eigentlich auf jede A-Liste eines Bikepackers.
Der Ärger dauerte aber nicht lange an, denn immerhin konnte ich etwas essen. Das Gewitter zog auch bald ab, der Regen hörte auf und damit hieß es „Bahn frei“ für stundenlangen Genuss. Auf den nächsten 52 Kilometern sollte mir wieder einmal kein Mensch begegnen.
Als ich in Calera y Chozas wieder auf die Straße kam, war ich komplett geflasht von den Eindrücken. Ich freute mich darüber, dass ich im Vorfeld der Reise so viel Zeit in die Routenplanung gesteckt hatte, um diesen und im Grunde alle anderen Wege seit der Abfahrt aus Tarifa zu finden und einzuplanen. Auch wenn die Fahrt dadurch länger dauerte und ich weit davon entfernt war, 200 Kilometer am Tag zu fahren – das Erlebnis wiegt weit mehr.
Der Rest des Tages war unspektakulär. Ich fuhr die Straße weiter bis zum Ort Talavera de la Reina, wo ich in einem Café endlich den schon länger ersehnten Kaffee bekam, Essen und Trinken – und ein neues Feuerzeug – einkaufen konnte und fuhr anschließend aus der Stadt hinaus, um mir einen Platz zum Übernachten zu suchen. Das Glück war mir auch dabei beschieden und führte mich zu einem einsamen Grillplatz am Rio Tajo, den ich wieder einmal ganz für mich alleine hatte.


Hier konnte ich mein Zelt aufschlagen, Abendessen kochen, im Tajo schwimmen und an einer Feuerstelle auch ein kleines Lagerfeuer machen. Fast schon kitschig-schön und etwas zu laut singen hier jetzt die Nachtigallen für mich. Morgen geht meine „Vuelta“ weiter, nach Madrid. Das Leben ist schön.
Route und Daten zum Tag: strava.com/activities/14481231872

TCR #9 Hola, Madrid!
Donnerstag, 13. Mai. Es kann nicht jeder Tag ein goldener sein. Der heutige war ein eher mühsamer. Dabei war der Start recht nett. Ich habe mir Kaffee und Porridge zum Frühstück gekocht und die Ruhe am Rio Tajo genossen. Danach habe ich das Nachtlager abgebaut – schön langsam stellt sich auch dabei Routine ein, es dauert allerdings immer noch etwas lange, bis alle Utensilien wieder eingepackt und am Rad verstaut sind. Anschließend habe ich KATIE noch ein kleines Service gegönnt und dabei auch den seit Sevilla aus der Spur laufenden Vorderreifen ordnungsgemäß montiert.
Und ich packte auch meinen Müll sorgfältig ein. Ich habe mir nämlich selbst ein striktes „Zero-Littering“ verordnet. Zurückbleiben darf dabei grundsätzlich nur, was biologisch abbaubar ist. Alles Andere muss ordentlich entsorgt werden.
Es liegt schon viel zu viel Müll in der Landschaft, weil Dinge einfach weggeworfen werden. Grauenhaft. Wo es doch gar kein „wegwerfen“ gibt. Schon der Begriff ist falsch. Denn wenn man etwas „wegwirft“ ist es nämlich nicht weg, sondern bleibt es an dem Ort, an den man es hingetan hat, nur man selbst bewegt sich davon fort. Es ist eines meiner Ziele, bei meiner Fahrt möglichst keine Spuren zu hinterlassen.

Aber zurück Zum heutigen Tag. Mühsam gemacht hat ihn vor allem der Wind, der mir permanent ins Gesicht blies. Und das in einer wenig aufregenden Agrarlandschaft mit kilometerlangen Feldern, durch die sich meine Route bis schnurgerade bis zu den Wolken am Horizont zog. Mit dazwischengestreuten Kreisverkehren.

Auch die gelegentlichen Siedlungen, oft halb verfallene und vergessene, fast menschenleere Ortschaften, in denen man längst nicht mehr weiß, was das Wort „Aufschwung“ bedeutet, trugen wenig zur Stimmungsaufhellung bei.

Auf Dauer war das ziemlich zermürbend. Ich bekam alle möglichen Zustände, Hunger und Durst quälten mich, obwohl ich ständig aß und trank, mein Nacken schmerzte und ich musste immer wieder Pausen einlegen. Ich steckte in einem richtigen Loch.

Ein Kaffee und ein Cola in einer der wenigen am Weg liegen geöffneten Bars halfen mir, den schlimmsten Hänger zu überwinden.
Bis auch wieder Gewitterwolken aufzogen, der Himmel pechschwarz wurde und kalter Wind aufkam. Ich war noch ungefähr 40 Kilometer von meinem Ziel – der Kathedrale von Madrid – entfernt und drauf und dran, es für den Tag gut sein zu lassen. Zumal meine Wetter-App meldete, dass es in Madrid starke Gewitter gäbe.
Doch genau in diesem Moment packte mich der Ehrgeiz. Ich war schließlich schon öfter einmal in den Regen gekommen, hatte auch die kalte Regenschlacht beim Ötztaler Radmarathon 2018 durchgehalten. Da würde ich doch auch einen spanischen Regenguss überstehen. Falls überhaupt einer käme.
Also holte ich meine Regenjacke und den Helm hervor und zog sie über. Damit war ich schon einmal vor dem kalten Wind geschützt. Dann aß ich noch meine letzten Rettungsringe – eine Handvoll Gummibärchen – und fuhr los, fest entschlossen, heute noch nach Madrid zu fahren, mir dort ein Zimmer zu nehmen und zu Abend zu essen. Ob mich der Regen erwischt oder auch nicht.
Das löste neue Energien in mir aus. Energien, die ich an diesem Tag bis dahin nicht aufbringen konnte. Ich fuhr ein Wettrennen gegen den Regen und das Gewitter. Und ich gewann.

Ich kam in Madrid an, ohne nass geworden zu sein. Und sogar die Sonne ließ sich wieder blicken. Für die Fahrt ins Zentrum, zur Katethrale, hätte es sicher einfachere und schnellere Wege gegeben. Doch letztlich war das egal. Ich fuhr zur Katethrale hoch, checkte mir dort schnell ein Zimmer in der Altstadt und zur heißen Dusche und dem weichen Bett gab es dann auch noch ein warmes Abendessen. Was will man mehr?
Sidestory: Ohne es beim Planen zu wissen war ich die letzten zwei Tage am alten Pilgerweg „Camino Real de Guadalupe“ unterwegs, der von Guadalupe nach Madrid führt. Ich bin jetzt also auch ein Fahrradpilger. Na, wenn das kein gutes Omen ist …


Route und Daten TCR Etappe #9 strava.com/activities/14492175743

TCR #10 Como ir al norte?
Freitag, 16. Mai. Madrid. Wecker um 7:30, Kaffee und Porridge im Hotelzimmer kochen (mit dem Wasserkocher natürlich … . Restfeuchte aus dem Radgewand föhnen. Gepäck wieder am Rad verstauen. Nochmal mit zuhause telefonieren. Und los geht’s wieder.
Ja, sicher. Die Stadt und ihre Prachtgebäude sind beeindruckend. Und vor allem auch groß. Wenn ich wieder einmal hierher komme, muss ich mir mehr Zeit nehmen. Vielleicht doch den Prado besichtigen und ein royales Boccadillo mit frittiertem Tintenfisch essen. Heute wollte ich aber schauen, dass ich rasch aus der Stadt und wieder Richtung Norden komme. Aber nicht ohne vorher zumindest noch zwei Goodies in einer Pasticceria zu kaufen. Kleines Glück für den Weg mitnehmen. Und noch einmal zur Kathedrale und zum Königspalast schauen.
Einen Weg zu finden ist normalerweise kein Problem, denn schließlich habe ich auch eine Route erstellt und meinem Garmin gespeichert. Und mein Garmin ist als Fahrrad-Navi grundsätzlich sehr souverän. Meine zuhause erstellte Route führt über kleine Straßen nach Norden und ich finde auch schnell den Weg zum Fluss Manzanares, an dem entlang ein Geh- und Radweg längs durch die Stadt führt. Zur Playa de Madrid, einer überdimensionalen Freizeit- und Spottanlage. Etliche Kilometer begleitet die Playa den Fluss. Es gibt Bäder, Golfplätze, Tennisanlagen – whatever.

Ich folge dem Pfad und lande plötzlich in einer Sackgasse und in einer Badeanlage, wo offensichtlich schon vor einigen Jahren Badeschluss war. Der Weg nach Norden endet hier.
Also ist einmal Zeit für eine kleine Pause und zum Naschen. Die Köstlichkeiten aus der Pasticceria schmecken vorzüglich. Ich mache mir keine großen Gedanken und genieße.

Dann versuche ich, einen anderen Weg zu finden. Ich treffe eine Gruppe Radfahrer, die aber ebenfalls keine Ahnung hat, wie man von hier aus weiterkommt und auf der Suche nach einem Weg ist.
Ich finde eine weitere Straße, die verheißungsvoll Richtung Norden führt. Ich folge ihr und lande an einem von einem Soldaten bewachten Tor, der mir erklärt, dass ich hier nicht weiter dürfe. Sperrgebiet. In meinem schlechten Spanisch versuche ich ihm zu entlocken, wie ich außen um das Sperrgebiet herumkomme. Doch er wiederholt nur, dass ich umdrehen müsse.
Also wieder zurück. Nächster Versuch. Etwas umständlich gelange zu einem Radweg Richtung Norden, auf dem zahlreiche Radfahrer unterwegs sind. Ich muss dafür Katie eine Treppe nach unten tragen. Doch es sieht gut aus. Am Garmin erkenne ich, dass der Weg parallel zu der von mir geplanten Route verläuft. Das muss es sein! Vamos, Katie!
Einige Kilometer später ist allerdings wieder an einem bewachten Zaun Schluss. Fahrverbot. Ist das wie aus dem Tennessee Williams Stück am Ende gar der Fluch des Camino Real, aus dem es kein Entkommen gibt?

Ich frage eine Gruppe Rennradfahrer, wie man denn von hier aus nach Norden kommt und werde belehrt, dass es hier keinen Weg gäbe. Die Straßen, die mein Garmin anzeigt, existieren zwar. Aber Richtung Norden ist alles militärisches Sperrgebiet, und das ist für Normalsterbliche nicht passierbar.
Die von der schwer bepackten Katie beeindruckten Radfahrer schlagen vor, mich zu einer Straße zu begleiten, von der ich Richtung Norden weiterfahren könne.
Meine Spanischkenntnisse sind zwar sehr bescheiden, doch ich kann immerhin verstehen, dass ich von dem Kreisverkehr, an dem wir uns verabschiedeten, rund vier Kilometer weiter bergauf fahren müsse. Nach einer kurzen Abfahrt würde dann eine Brücke kommen, unter der ich durchfahren müsse. Dahinter liege dann ein weiterer Kreisverkehr. Dort müsse ich links abbiegen und würde zu einer schönen, nur für Radfahrer zugänglichen Radroute nach Norden kommen.
Eine nur für Radfahrer zugängliche Route? Ich dachte an einen weiteren Corredor Verde und freute mich darauf. Doch es war schließlich genau das Gegenteil von dem, was ich erhofft hatte. Die „Cycling Pista“ führt zwar nach Norden, ist aber ein Begleitweg der stark befahrenen Autobahn M30.

Ernsthaft? Das soll ein schöner Radweg sein? Leute … Über 30 Kilometer begleitet der permanent von Rampen durchsetzte Weg die Autobahn. Einmal an der rechten, einmal an der linken Seite. Ich erinnere mich während der Fahrt auch daran, zuhause, bei der Planung der Route, genau aus dem Grund eine Alternative gesucht zu haben. Keinesfalls wollte ich die Autobahn entlang fahren. Jetzt war ich doch hier gelandet.
Als ich endlich in „Tres Cantos“ von der Pista abbiegen kann, bin ich schon ziemlich streichfähig, hungrig und durstig. Denn eigentlich hatte ich vor, bei der Ausfahrt aus Madrid gleich einmal bei einem Shop anzuhalten, Proviant einzukaufen und mir dann einen netten Platz zum Essen zu suchen. Das war vor fast vier Stunden.
In Tres Cantos kippe ich in den erstbesten Supermarkt, und weil ich schon richtig hungrig bin, kaufe ich viel zu viel ein. Also für mindestens drei Personen. Gleich neben den Supermarkt gibt es eine Treppe im Schatten. Dort platziere ich mich und schlinge alles runter, was in mich hineinpasst. Um wenige Kilometer darauf in ein Food-Koma zu kippen. Ich konnte nicht mehr weiterfahren. Musste mich einfach hinlegen und mich ausruhen.

Es dauert eine ganze Weile, bis ich mich zur Weiterfahrt aufraffen kann. Und die Landschaft wieder als erbauend sehe. Ich befinde mich in den Ausläufern der Sierra de Guadarrama im Norden von Madrid, auf deren Gipfeln noch Schnee liegt.

Und wie schon am Vormittag habe ich dann wieder Navigationsschwierigkeiten. Der Grund? Manche Straßen, die ich zuhause am PC gefunden und in meine Route eingeplant hatte, gibt es einfach nicht oder sind bloß unfahrbare Wanderwege. Ich muss anhalten und eine Alternative suchen.

Das klappt ja im Grunde auch ganz gut. Ich muss mich dafür immer nur nur zum nächsten an meiner Route liegenden Ort navigieren lassen. Mit der Einstellung „Auf Straßen navigieren“. Das Problem ist nur, dass es hier außer der Autobahn bloß Trails gibt, Wanderwege. Ich höre Motocross-Fahrer, die offensichtlich ihren Spaß daran haben, diese Wege mit ihren Bikes umzuackern.
Zum Tagesabschluss werde ich also wieder in einen steilen Anstieg gelenkt, der kurz darauf in eine Schotterstraße mündet. Google Maps und Garmin Routing sind sich einig, dass dies hier der richtige Weg für Radfahrer ist. Also los. Rein ins Vergnügen!

Was als feine Gravelpiste beginnt, wird bei der nächsten Rampe Anstieg zu einer unfahrbaren Herausforderung. Der Weg ist vom Regen derart ausgewaschen, dass wieder einmal schieben angesagt ist. Spuren von Mountainbike- und Motocross-Reifen zeigen mir, dass ich nicht gänzlich falsch bin. Und dass es ein Spaß sein kann, hier durchzubrettern. Wenn man kein schweres Reisegepäck dabei hat.

Es wird wieder finster. Ich bin zwar wieder keine 100 Kilometer weit gekommen, habe aber genug. Meine Motivation, mich weiter durchzukämpfen ist im Keller. Ich beschließe, mir im nächsten Ort wieder ein Zimmer für die Nacht zu nehmen. Bis dahin muss ich allerdings noch ein gutes Stück bergauf schieben. Als ich Stunden später als eigentlich gedacht in La Cabrera ankomme, befindet sich gleich am Ortsrand. Das 2-Sterne-Hotel / Restaurant Mavi. Die Entscheidung, hier zu bleiben fällt in Sekundenbruchteilen. Duschen, essen, trinken, schlafen. Mehr will ich nicht mehr. Das Essen ist mittelmäßig, aber zumindest reichlich und warm. Danach wieder Wäsche waschen und allem schlafen. Denn Schlaf ist die beste Erholung. Gute Nacht!
Route und Daten zum Tag strava.com/activities/14501054721

TCR #11 Sierra del norte de Guadalajara
Samstag, 17. Mai. Was für einen Unterschied eine Nacht machen kann. Gestern Abend war ich noch demotiviert, heute schon wieder voll Tatendrang.
Ich versuchte, früher wegzukommen, und weil ich vom Vortag noch Essen übrig hatte, das ich nicht noch länger herumführen wollte, verputzte ich noch im Zimmer drei Packungen griechisches Mango-Joghurt und ein Schoko-Tascherl, holte mir beim Rausgehen in der Cafeteria noch einen Kaffee und los ging es wieder.
Von Cabrera kam ich auf die M127 und die M126, zwei wunderschöne, verkehrsarme Nebenstraßen, die als „Straßen der Burgen und Schlösser“ beschildert waren.

An diesem Samstagmorgen waren auch etliche andere Rennradfahrer unterwegs, die mir „Venga! Venga!“ zuriefen und nicht schlecht über mich und mein beladenes Rad staunten. Ansonsten gab es Natur pur.

Dazwischen lagen weit verststeut einzelne Dörfer.

Das Bergdorf Manjiron war für die übrigen Rennradfahrer der Wendepunkt. Hier füllten sie ihre Trinkflaschen am Dorfbrunnen auf, um dann wieder bergab zu rollen.

Ich machte das auch, aber für mich ging es dann noch weiter bergauf. Also nutzte ich die Gelegenheit, um auch gleich noch etwas zu essen und im kleinen Lebensmittelgeschäft von Manjiron zwei frische Bananen und ein Cola zu kaufen. Immer wieder zu Essen und den Kohlenhydrate-Spiegel immer hoch zu halten ist für mich schließlich überlebenswichtig. Mehr noch als die Dehnungsübungen, die ich möglichst jeden Abend zu machen versuche.

Die Strecke führte direkt in die Sierra Norte del Guadalajara. Und was als hügelige Mittelgebirge begann, wurde am Ende ein richtiges Gebirge mit 2000 Meter hohen Bergen. Der höchste der drei Pässe, die ich heute fahren sollte, lag auf 1792 Meter. Doch davon war ich noch weit entfernt.


Ab Manjiron war ich dann auch nahezu der Einzige, der an diesem Samstag dort unterwegs war. Den ganzen Tag lang sah ich nur eine Handvoll Autos und einige Motorräder. In einem Gebiet, das mir endlos weit erschien.
Die Straße wand sich durch das Gebirge. Orte oder Siedlungen gab es auch keine mehr. Ich musste zwei Pässe, auf 1350 und 1550 Metern Seehöhe passieren.

Dann endete die Straße. Zum dritten Passübergang auf knapp 1800 Meter führte nur noch eine Gravel-Piste. Und das Warnschild bei der Einfahrt ließ nichts Gutes erwarten.

Es kam, wie es kommen musste. Zu Beginn war alles problemlos und Spaß. Ich hatte den Berg wieder einmal ganz für mich alleine. Nur einmal kam mir ein Motorradfahrer auf einem Motocross-Bike entgegen. Er hielt an und fragte mich erstaunt, wo ich denn hin möchte. Ich erklärte ihm, dass ich über den Berg und auf der anderen Seite hinunter, zum Stausee wollte. Worauf er Katie beäugte und mich dann fragte: „Mit dem Rad? Ohne Motor?“
Lachend antwortete ich, dass ich nicht nur über den Berg, sondern danach noch viel weiter nach Norden, nach Norwegen, zum Nordkap will. Ohne Motor. Nur mit Muskelkraft. Woraufhin er mich ungläubig ansah, mir kopfschüttelnd „Good luck“ wünschte und weiter Richtung Tal fuhr.
Für mich war dann bald auch wieder einmal Schluss mit fahren. Es hieß wieder schieben, allerdings nur ein Stück. Bald darauf war die Forststraße wieder fahrbar. Schön, aber nur kurz. Denn dann hatte ich dritte Reifenpanne meiner Reise. Wie das Video zeigt war das allerdings kein Wunder.
Von Hey-Ho, Let’s go! …
… zu „Oh no!“

Ein klassischer „Snakebite“ stoppte mich. Vorausschauend hatte ich in Sevilla gleich zwei neue Ersatzschläuche für die Weiterreise gekauft. Aber irgendwie schon eigenartig. Ich war jetzt jahrelang praktisch ohne Reifenpanne unterwegs gewesen. Und nun schon die dritte in nur gut einer Woche.
Diesmal dauert das Wechseln auch nicht sonderlich lange. Man bekommt eben auch Übung… Frisch bereift geht es, danach auch bald wieder auf Asphalt, der dritten Passhöhe entgegen.
Die Luft wird kühler und dünner. Und das Bergpanorama ist eine Wucht.

Zum Abschluss gibt es als Belohnung noch eine Abfahrt Richtung Riofrio Stausee. Allerdings auf einer sehr abenteuerlichen Straße. Diese wurde zwar irgendwann asphaltiert, doch das muss Jahrzehnte her sein. Seither haben sie Wind und Wetter ordentlich ramponiert.
Gut durchgerüttelt fahre ich vom Stausee noch weiter in den Ort Riaza, wo ich mich im noch geöffneten Supermarkt mit Essen eindecke und für die Nacht einmiete. Ich hatte zwar mit dem Gedanken gespielt, am Stausee mein Zelt aufschlagen, aber der Riofrio trägt seinen Namen nicht umsonst. Als die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, wurde es richtig frisch. Ein warmes Hotelzimmer mit einer Badewanne (was für ein Luxus!!!) war mir dann doch lieber. Ich möchte schließlich morgen wieder weiterfahren.
Route und Daten zum Tag: https://www.strava.com/activities/14511452402

TCR #12 Großartig in Kastilien Leon
Sontag, 18. Mai.
Die Spanier verstehen es zu feiern. Und sie lieben Fernsehen. Wenn ich unterwegs irgendwo Halt mache, um in einem Café etwas zu trinken, läuft dort mit ziemlicher Sicherheit eine Telenovela.
Als ich gestern Abend in Riaza ankam und im Hotel Plaza (das so heißt, weil es zentral am großen Ortsplatz liegt und nicht mit dem mondänen Plaza Hotel verwechselt werden soll) eincheckte, da war die Party bereits voll im Gange. Man schaute Stierkampf auf Großbildschirmen und bejubelte die Toreros.

Die Party ging dann nahtlos in ein gemeinsames Songcontest-Schauen über und da mein Zimmer genau darüber war, bekam auch ich mit, dass Österreichs JJ gewonnen hat. Gratulation und – weil ich gleich danach las, dass der ORF deshalb einige Millionen braucht: Nein, das denke ich nicht. Nur ein gutes Konzept. Wenn man es nicht schafft, einen Event wie den #ESC gewinnbringend zu veranstalten, dann läuft etwas gehörig falsch.
Als ich dann kurz nach 10:00 auscheckte und an der Theke des Plaza meinen Frühstückskaffee trank, da war das Plaza innen schon wieder gerammelt voll. Man schaute gemeinsam die Papst-Messe aus Rom.

Ich machte mich auf den Weg. Fernsehen ist etwas, das mir seit Beginn meiner Reise noch keine Sekunde abgegangen ist. Ich genieße stattdessen das echte, wirkliche Leben in vollen Zügen.
Der heutige Tag reiht sich ein in die großartigen Tage, die ich – besonders seit der Abfahrt aus Tarif – bisher erleben konnte. Das Wetter perfekt, die Landschaft umwerfend schön und dabei wieder einmal kaum Verkehr.

Seit gestern Abend bin ich in Kastilien Leon unterwegs. Die Passhöhe auf 1792 Metern markierte die Grenze zur La Mancha. Rückblickend haben der Mancha nur die Windmühlen gefehlt, die ich dort auch noch erwartet hatte. Außer einigen Ruinen bekam ich aber nichts zu sehen, das an eine Windmühle erinnert hätte.
Kastilien Leon kann mit den schönen Erinnerungen an Andalusien, die Extremadura und die Mancha bestens mithalten.

Im Grunde hatte ich zuhause überlegt, ab Tarifa alle 10 Tage einen Ruhetag einzulegen. Doch ich fühlte mich gut und frisch. Auch gab es an der heutigen Strecke weder hohe Berge noch Gravel-Passagen. Mein Plan war daher, einfach zu fahren und den Tag zu genießen. Am Ende würde ich sehen, wie weit ich gekommen wäre.
Die Natur- und Kulturschätze des Landes machten es mir leicht, den Tag zu genießen. Und der leichte Südwind unterstützte mich bei meiner Fahrt durch das zumeist leicht wellige Land zusätzlich.

Ich hätte fast den ganzen Tag lang filmen und fotografieren können, aber dann wäre ich gar nicht mehr zum Fahren gekommen.

Der einzige Haken ist, dass es nicht ewig so schön bleiben wird. Im Ort Santo Domingo de Silos angekommen prüfte ich meine Übernachtungsoptionen und stellte fest, dass noch in der Nacht Regen aufkommen wird, der morgen Vormittag anhalten soll. Am Nachmittag sollen dann Gewitter aufziehen. Und für meine nächsten Ziele, San Sebastian und die Pyrenäen, deutet die Prognose auch auf eine unbeständige, gewittrige Wetterlage hin. Ich werde es sehen und die weitere Route beizeiten bestimmen.

Aufgrund der Prognose für die heutige Nacht beschloss ich jedenfalls, mir am Weg ein Zimmer zu nehmen. Im kleinen Ort Barbadillo del Mercado kamich im Hotel Dona Lambra unter. Morgen werde ich dann schon sehen, wie die Wetterlage tatsächlich ist.
Ein kleines Abenteuer gab es noch zum Abschluss des Tages, beim Abendessen im Hotel Dona Lambra. Weil die Küche geschlossen war, gab es nur Tapas aus einer Vitrine zur Auswahl. Und was – ohne meine Lesebrille – aussah wie Tortellini oder Calamari Fritti, entpuppte sich als „Orejas“ – Schweinsohren. Wie ich danach nachgelesen habe, eine typisch-spanische Spezialität. Aber auch wenn ich Food-Experimenten gegenüber normalerweise sehr aufgeschlossen bin, konnte ich das nicht essen. Nach zwei Bissen grauste mir so sehr, dass ich den Rest stehen ließ und nur noch die Sauce mit etwas Brot auftunkte.

Sorry, dafür fehlte mir dann der Mut.
Route und Daten zum Tag: strava.com/activities/14522393375

TCR #13 ins Baskenland
Montag, 19. Mai. Es war eine gute Entscheidung, gestern im Dona Lambra in Barbadillo del Mercado zu übernachten. Das Dona Lambra ist ein typisches Trucker-Hotel/Restaurant/Café. Und daher machten auch ab 6:30 ständig LKW-Fahrer dort Halt für einen Coffee-Stopp um eine Jause für den Tag zu kaufen.

Mein Zimmer ging zur Straße raus, doch es störte mich gar nicht, vom Verkehre geweckt zu werden. Ich wollte ohnehin bald los, denn das Wetter sah, wie gestern prognostiziert, gar nicht gut aus. Über Nacht war es zwar noch trocken geblieben, aber über dem Land und in den Bergen der Sierra de la De Manda, die ich noch überqueren musste, hingen bereits dicke, schwarze Wolken. Zudem hatte es deutlich abgekühlt.
Ich hoffe nur, dass ich mir beim Abendessen mit den traditionellen spanischen Tapas nichts eingefangen habe. In der Nacht hatte ich Bauchschmerzen und tagsüber spielte heute meine Verdauung verrückt. Dünnpfiff. Für solche Fälle habe ich Kohletabletten im Gepäck. Ich hoffe, die wirken bald. Es ist nämlich kein Spaß, während der Fahrt mehrmals schnell einen Platz finden zu müssen, an dem ich die Hose runterlassen kann – wofür ich wegen der Träger zuerst auch noch mein Radtrikot ausziehen muss.
Der erste Regenguss erwischte mich bereits kurz nachdem ich aufgebrochen war. Ich konnte Katie und mich aber glücklicherweise in einem Heuschober unterstellen und abwarten.

Den weiteren Tag über hatte ich mit dem Regen mehr Glück. Es hingen zwar ständig schwarze Wolken am Firmament, ich selbst bekam nur wenig von dem Nass ab, das ringsum ständig abging. Den über Nacht um rund 15 Grad gefallenen, nun sehr frischen Temperaturen konnte ich jedoch nicht entgehen.

Auf 1400 Meter Höhe am Puerto del Manquillo angekommen lag die Temperatur deutlich unter 10 Grad und mir wehte eine steife, kalte Brise entgegen. Es war Zeit, mich warm anzuziehen und flott ins Tal zu kommen, wo es wieder wärmer war.

Bergab fuhr ich dann den Rio Arlanzon entlang und auf die Via Verde de la Sierra de la Demanda, einer weiteren aufgelassenen Bahnlinie. Es war aber mühselig, an der Via Verde zu fahren, und ich wechselte wieder zurück auf sie Straße, die BU-820, die sich an der anderen Seite des Flusses durch das Tal schlängelte. Verkehr war wie bereits in den vergangenen Tagen praktisch nicht existent, und so konnte ich die herrliche Landschaft wieder einmal richtig genießen.
Im Bergdorf Pineda de la Sierra entdeckte ich im Vorbeifahren das Blanco Pineda, ein hübsches, kleines Restaurant, und machte für einen Coffee-Stopp Halt. Inzwischen hatte ich gelernt, jede Möglichkeit dafür dankbar zu nutzen. Und das war auch gut so. Nicht nur wegen des leckeren Kuchens. An Essen zu kommen war nämlich im weiteren Tagesverlauf wieder eine Herausforderung. Vielleicht war das angesichts meiner Magenverstimmung – die ich noch nicht richtig ernst nahm – auch gut so. In den weiteren kleinen Bergdörfern am Weg waren jedenfalls weder Geschäfte noch Lokale geöffnet.
Mangels Alternative packte ich in Alarcia am Ortsbrunnen meinen Gaskocher aus und kochte mir eine Portion Makkaroni, unter die ich eine Dose Thunfisch mischte. Wahrlich kein Gourmet-Essen, aber ich wurde zumindest satt.

Mein Weg führte mich weiter über die Berge und großartige, kleine Nebenstraßen. Ich passierte die Valmala-Höhe und kam durch etliche kleine Ortschaften, in denen die Zeit scheinbar vor langem stehengeblieben ist. So etwas wie eine touristische Infrastruktur oder auch nur eine kleine Bar gab es hier nicht.




Das Wetter blieb unbeständig und frisch. Zwischendurch regnete es immer wieder einmal. Die Schauer waren unberechenbar, versetzten die Landschaft aber in ein außergewöhnlich schönes Licht. Schließlich erreichte ich die 30.000-Einwohner-Stadt Miranda de Ebro. Dort konnte, beziehungsweise wollte ich aber nicht bleiben. Es war noch etwas früh, um die Fahrt des Tages zu beenden. Ich sah außerdem keinen netten Platz für mein Zelt. Es gab einige leerstehende Industrieruinen, halb verfallen, mit zerborstenen Fenstern und Graffiti-besprühten Wänden. Doch ich hatte nicht den Mumm, in einer solchen Halle mein Nachtlager aufzuschlagen. Auch wenn vermutlich gar nichts passiert wäre und es garantiert ein trockenes Plätzchen gefunden hätte. Wer weiß, wer und was sich dort herumtreibt. Außerdem hatte ich hatte Hunger. Und wieder einmal nichts mehr zu essen.
Inzwischen war ich im Baskenland angekommen. Und weil das Wetter nach wie vor unbeständig war, suchte ich via Google Maps und Booking.com nach einem Zimmer. Doch das Angebot entlang meiner Route war bescheiden. Ich wollte nicht dutzende Kilometer davon abweichen, denn das hätte mindestens eine Stunde zusätzliche Fahrzeit bedeutet, um dorthin und eine weitere Stunde, um wieder zurück auf die Route zu kommen. Wenn man mit einem Auto unterwegs ist, fallen 20, 30 Kilometer nicht wirklich ins Gewicht. Am Rad sieht das allerdings ganz anders aus.
Schließlich kam ich in den schmucken, kleinen Ort Nanclares de la Oca (Langraiz Oka). Hier hatte die Bobby’s Bar geöffnet, und ich bekam zumindest etwas zu essen und zu trinken. Nach zwei belegten, getoasteten Sandwiches und einem Glas Orangensaft war ich wieder gestärkt. Ein Hotel oder etwas Ähnliches, einen Platz zum Übernachten gab es allerdings nicht. Via Google Maps fand ich etwas außerhalb der Ortschaft, an der Autobahn E-80, ein Fernfahrer-Hotel und beschloss, dorthin zu fahren. Es blieb beim Versuch, denn das Hotel lag auf der anderen Seite der Autobahn und ich fand keinen Weg, um dorthin zu kommen. Nachdem ich mehrfach im Kreis gefahren war und immer wieder an der Autobahn wenden musste, gab ich auf und entschied, weiter nach Vitoria-Gasteiz zu fahren. Dort gab im Hotel Centro Vitoria ein erschwingliches Zimmer. Vitoria-Gasteiz war allerdings noch rund 40 Kilometer, also rund zwei Stunden Fahrt entfernt. Die Sonne stand ohnehin schon sehr tief. Es war also klar, dass ich nicht mehr bei Tageslicht ankommen würde. Irgendwie schien mir das aber dennoch die beste Option zu sein, und ich machte mich auf den Weg.
Es dauerte gefühlt ewig, bis ich die Stadt erreicht, das Industriegebiet am Stadtrand durchquert hatte und im Zentrum war. Erst nach 22:00 Uhr war ich beim Hotel und gab meine Daten am Self-Check-In-Terminal ein. Ich hätte fast darauf gewettet, dass das nicht klappt. Doch der Automat spuckte tatsächlich meinen Zimmerschlüssel aus, ich schob Katie in den Aufzug und weiter ins Zimmer. Ich fand noch einen Automat mit Snacks und Getränken. Immerhin. Und war wieder Abend-Routine angesagt. Wieder einmal das stinkige Gewand auswaschen. Ich war müde. Es war ein langer Tag. Ich war fast 14 Stunden unterwegs gewesen, aber immerhin war ich heute über 170 Kilometer weit gekommen und die spanische Nordküste jetzt in Reichweite. Nur noch rund 70 Kilometer, eine kurze Etappe entfernt.
Route und Daten zum Tag: strava.com/activities/14533659338

TCR #14 Touchdown an Spaniens Nordküste

Dienstag, 20. Mai. Nach zwei Wochen ist der erste große Brocken meiner Fahrt in den Norden geschafft. Ich bin an Spaniens Nordküste angekommen und habe damit das ganze Land durchquert.
Es war ein sehr emotionaler Moment, in Deba anzukommen und den Strand und das Meer zu sehen. Ich brauchte eine Weile, um mich wieder zu fassen.
Also bin ich stattdessen noch zum Itxaspe Campingplatz weiter, der großartig gelegen ist und einen wunderschönen Ausblick auf die Küste und das Hinterland bietet. Dort konnte ich den Tag ausklingen und Revue passieren lassen. Wie auch die ersten zwei Wochen meiner Reise.
Nach San Sebastian wollte ich dann nicht mehr weiterfahren. Nicht wieder mühsam in eine Stadt rein, um dann wieder spät ein Hotel und ein geöffnetes Lokal suchen zu müssen. In dem kleinen Deba selbst gibt es jedoch nur eine Pension (voll belegt) und ein 4-Sterne-Hotel (zu teuer).




Ich war längst nicht so weit gekommen, wie ich mir das gedacht hatte. Doch das störte mich nicht. Mein Weg durch Spanien über viele Nebenstraßen, die Sierras und Schotterpisten war eben zeitaufwendiger, dafür aber erheblich beeindruckender und erlebnisreicher als ein direkter Weg über Schnellstraßen. Und ich war daher froh, die Route so geplant zu haben. Mit Ausnahme der Einfahrt und Ausfahrt von Madrid. Und ja, Gibraltar hätte ich auch auslassen können. Aber nachdem das Projekt in meinem Kopf seit langem „Gibraltar-Nordkap“ hieß, konnte ich daran schlecht vorbei.
Außerdem: Was sind schon Pläne? Man kann sich Dinge ewig überlegen. Man wird niemals alles bedenken können. Letztlich muss man sich einfach entscheiden, etwas zu tun und handeln. Wenn das Resultat nicht so ist, wie man sich das vorgestellt hat, muss man eben flexibel sein. Sich der Situation anpassen und den weiteren Weg adaptieren. Es ist sinnlos, sich über Vergangenes, nicht Veränderbares Gedanken zu machen und darüber zu lamentieren.

In Vitoria-Gastelez, wo ich in einem Self-Check-In Hotel die Nacht verbracht hatte, brauchte ich zunächst eine Apotheke. Dort kaufte ich eine Viererpackung „Ensure“, Flüssignahrung. Dazu dann noch Bananen, Nüsse und im einer Pasticceria trockene Kekse zum Knabbern.

Keine Food-Experimente mehr! Meine Verdauung rebelliert nämlich immer noch vom letzten. Um bei den zwischendurch anfallenden „Emergency Stopps“ schneller zu sein blieben die Träger der Radhose daher auch heute unten. Dann sitzt die Hose zwar nicht mehr so perfekt, aber ich musste so nicht erst die ganze Oberbekleidung ausziehen, wenn sich ein Stopp abzeichnete.
Die Strecke … sie führte heute über lange Zeit durch das Tal des Flusses Deba, das zumeist tief eingeschnitten und links und rechts von Bergen umgeben ist. Ortschaften gab es viele, manche erinnerten an Innsbruck, wenn sich das Tal einmal öffnete, dann war dort Industrie angesiedelt und auch entsprechender Verkehr. Radfahrer konnte man dennoch ganz gut, weil es fast das ganze Tal entlang wieder einen der alten Bahntrassenwege gibt. Am Deba entlang ist der sogar asphaltiert.

Morgen muss ich nach San Sebastian und dort ein Sportgeschäft suchen. Ich brauche neue Reifen. Nach nur zwei Wochen Fahrt durch Spanien ist das Profil an meinem Hinterreifen schon komplett abgefahren und der Vorderreifen sieht auch schon ziemlich mitgenommen aus. Das Gewicht und die vielen Gravel-Passagen haben den Gummis brutal zugesetzt. Und zur Beruhigung der Nerven muss ich wieder einen zweiten Ersatzschlauch kaufen. Und neue, leichte und wassertaugliche Barfuß-Schuhe. Meine sind heute während der Fahrt unbemerkt vom Rad gefallen. Ich hatte den Gurt, mit dem sie befestigt waren, nach einer Pause nicht richtig festgemacht. Tja, Pech, passiert hoffentlich nicht nochmals.
Und dann wartet Frankreich!
Route und Daten zum Tag: strava.com/activities/14541439281

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