Wir stehen vor der größten Herausforderung“

„Wir stehen vor der größten Herausforderung“

Georg Serentschy © Rene Prohaska

Georg Serentschy, früherer Chef der Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde RTR und aktuell Managing Partner der Serentschy Advisory Services GmbH und Senior Director von Arthur D. Little, im Interview über die Entwicklungen und Herausforderungen der Telekommunikationsbranche im Jahr 2015.

In Österreich kommt eben die vierte Mobilfunkgeneration LTE ins Laufen. 2015 werden etliche neue Player, wie etwa Hot (Hofer Telekom), UPC oder Tele2 als virtuelle Mobilfunkanbieter (MVNOs) starten oder haben dies bereits getan. Wie geht es weiter?
Georg Serentschy: In der Telekommunikation gibt es einige revolutionäre Entwicklungen, deren Auswirkungen unterschätzt werden. So wie die Entwicklung im Mobilfunk von Anfang an unterschätzt wurde. Ich erinnere mich, 1997 bei einem Kongress die mutige Prognose aufgestellt zu haben, dass wir im Mobilfunk einmal eine Penetration von 50 Prozent erreichen könnten. Das konnte damals selbst Hans-Jörg Tengg nicht glauben. Er meinte, dass das niemals der Fall sein wird. Heute stehen wir bei einer Penetration von über 150 Prozent.

Gemessen an den globalen Herausforderungen der Telcos sind die MVNOs jedoch eine Fußnote. Entscheidend für die Zukunft der Telcos ist, dass ihre traditionellen vertikalen Geschäftsmodelle für ursprünglich getrennte Dienste wie Sprachtelefonie, Textnachrichten (SMS) aber auch für das traditionelle Fernsehen durch das Geschäftsmodell der Internetfirmen („Over-The-Top“ Player, OTTs) zu austauschbaren Anwendungen in einem neuen, horizontal organisierten Feld der „Digitalen Dienste“ werden. Dadurch werden die Telcos in deren traditionellen Bereichen von den OTT-Unternehmen an die Wand gespielt. OTTs wie WhatsApp, WeChat oder SnapChat untergraben das bestehende Geschäftsmodell für SMS, ein Geschäft, das für die Telcos einmal eine Goldgrube war. Die Einnahmen aus dem SMS-Geschäft sind im Sturzflug. SMS war einmal eine Lizenz zum Gelddrucken. Jetzt ist es im freien Fall. Daraus erklärt sich teilweise auch der unglaubliche Wert von WhatsApp. Wie kann so ein Unternehmen 19 Milliarden Dollar wert sein? Die Antwort liegt im Maschinenraum der OTTs, einer gigantischen Datensammel- und Verarbeitungsmaschine. Der Zugang zu diesem Maschinenraum wird zur größten geschäftlichen und regulatorischen Herausforderung aller Beteiligten werden.

Ähnliche Umwälzungen sind auch beim Fernsehen absehbar.
Serentschy: Die subversive Kraft des Internets wird auch das traditionelle Fernsehen mit voller Wucht treffen. Es ist eine strategisch irreführende Wahrnehmung, dass der lineare TV-Konsum steigt, die Nutzerzahlen und –stunden werden noch durch die demografische Entwicklung und das Nutzerverhalten der Generation 55+ gerettet. Das lineare Fernsehen wird – wie die traditionelle Sprachtelefonie und die SMS – durch das Internet überrannt werden. Die Versammlung der Familie um den „Digitalen Feuerplatz“ zur gemeinsamen Konsumation von Nachrichten und Unterhaltung gibt es so nicht mehr, Ausnahmen sind vielleicht sportliche Großereignisse, wie Olympische Spiele. Netflix und Google Chromecast sind erst der Anfang, es wird noch jede Menge weiterer Anbieter für internet-basierte on-demand Angebote geben, mit denen sich jeder sein eigenes Programm erstellt.

Zurück zur Telekommunikation: Auch Roaming war für die Netzbetreiber einmal eine Goldgrube.
Serentschy: Falls sich das Soft-SIM Konzept, an dem Apple seit 2010 arbeitet, durchsetzen sollte, wird damit – unabhängig von politischen Entscheidungen und noch dazu schneller – das Ende von Roaminggebühren kommen. Viel wichtiger ist jedoch ein anderer Paradigmenwechsel: Mit Einführung dieses Konzeptes geht die Kundenbeziehung vom Netzbetreiber auf den Hersteller des Endgerätes über, eine brandgefährliche Entwicklung für die Mobilfunkfirmen. Eine Soft-SIM ist keine physische SIM-Karte im herkömmlichen Sinn mehr, sondern eine im Gerät installierte Software. Damit soll es möglich sein, in einem beliebigen Land einen beliebigen Netzbetreiber auszuwählen und dessen Angebot zu nutzen – ohne dass man zuvor einen Vertrag mit dem jeweiligen Netzbetreiber abschließt. Mit dem Launch des iPad Air 2 hat Apple einen Zwischenschritt zur Soft-SIM getan, mit einer „universellen“ SIM-Karte von Apple, die dem Verbraucher die Option gibt, aus den an der Apple SIM-Karte teilnehmenden Netzbetreiber zu wählen. Derzeit nehmen in den USA AT&T, Sprint und T-Mobile teil (nicht jedoch Verizon), in Europa nur EE (Everything Everywhere) in UK. Es bleibt abzuwarten, wie dieser Versuch von Verbrauchern und Netzbetreibern aufgenommen werden wird und ob damit der Weg zur Soft-SIM geebnet wird.

Damit wird die Regulierung der Märkte aufgebrochen.
Serentschy: Technologische Entwicklungen und Innovationen gehen meist so schnell vor sich, dass Politik, Ordnungshüter und Regulatoren dabei oft zu Statisten werden. Ein Problem in der europäischen Telekom-Politik und -Regulierung ist, dass sie unglaublich detailverliebt ist und daher jede Anpassung an Markt- und Technologieentwicklungen langsamer von Statten geht als die Technologiezyklen in den Markt kommen. Das noch größere Problem liegt jedoch in der Tatsache, dass das riesige Feld der Digitalen Services, erbracht durch OTTs völlig unreguliert ist und gleichzeitig wettbewerbende Dienste, die von den traditionellen Telcos erbracht werden mikro-reguliert sind. Für die wirklich großen Herausforderungen fehlen Wettbewerbsbehörden und Regulatoren die passenden Instrumentarien. Da wird zum Beispiel unter Ausschöpfung aller Fristen in Brüssel lange diskutiert, unter welchen Auflagen in einem europäischen Land zwei Mobilfunkbetreiber fusionieren dürfen – wie es etwa in Österreich im Fall von 3 und Orange und gleichzeitig wird die Mega-Fusion von Facebook und WhatsApp einem Konglomerat mit fast 2 Mrd. Kunden, größer als der weltgrößte Mobilfunkbetreiber, ohne vertiefte Untersuchung einfach durchgewunken. Es ist wohl nicht böser Wille, aber den Ordnungshütern fehlen für solche Fälle einfach die Instrumentarien. Für die großen Themen, die den Markt bewegen und die Kunden beherrschen, wie zum Beispiel den Zugang zu den gigantischen Datensammlungen der OTTs, gibt es derzeit keine regulatorischen Ansätze.

Die Frage ist, wie man damit umgeht: Lässt man die Marktkräfte entscheiden oder versucht man, lenkend einzugreifen?
Serentschy: Auf Grund der Tatsache, dass Politik und Ordnungshüter in und außerhalb der EU ein Methodendefizit für diese Umwälzungen haben, gibt es in der Tat vermehrt Strömungen, die es alleine dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen wollen, wer gewinnt und wer verliert. Ich bin da skeptisch und meine, dass sich Politik und Regulatoren nicht zurück lehnen dürfen, sondern sich intensiv und vorausschauend mit den internationalen Entwicklungen befassen müssen und diese mutig in ihre Entscheidungen einfließen lassen sollten. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Netzneutralität, also die Frage nach der Gleichbehandlung oder Priorisierung von Daten bei der Übertragung im Internet. Etwas überspitzt formuliert: Irgendeine europäische Lösung wäre besser, als keine und damit die Regelung den einzelnen Staaten zu überlassen. So würden wir in Europa einen Fleckerlteppich, mit 28 unterschiedlichen Lösungen in den EU-Mitgliedsstaaten bekommen.

Es gibt auch ein regulatorisches Paradoxon. Enttäuscht von der Politik in Brüssel, versuchen einige Unternehmen wieder verstärkt, ihre Anliegen national zu regeln. Die Verfechter dieser paradoxen Position haben offenbar übersehen, dass es seit dem Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon kein Veto in Brüssel mehr gibt; vielmehr ist es erforderlich, für seine Anliegen in Brüssel qualifizierte Mehrheiten zu organisieren und diese Prozesse sind wesentlich anspruchsvoller als die Vetokeule zu schwingen.
Eine der wichtigsten Aufgaben im Bereich der Regulierung ist daher, dass es schleunigst zu einer Harmonisierung der Frequenz Vergaben kommen muss. Aber die Mitgliedsstaaten haben im Rat dagegen gestimmt, jeder will weiter sein eigenes nationales Süppchen kochen. Die Folge ist, dass Europa weiter hinter die anderen Regionen der Welt zurückgefallen ist.

Der nächste Rückschlag für Europas IT-Industrie?
Serentschy: Europas IT-Industrie ist ja bereits weitgehend den Bach hinunter gegangen, und die Netzwerkausrüster in Europa sind heute lange nicht mehr das, was sie vor 20 Jahren waren. In Europa wurde GSM erfunden und zum Weltstandard. Siemens, Alcatel, Nokia und Ericsson waren damals Technologieführer. Davon ist nur wenig geblieben, weil sich Europa nicht zu einer konzertierten Industriepolitik durchringen konnte und damit meine ich nicht Protektionismus.

Für die Konsumenten ist immer auch interessant, wie geht es mit den Preisen weitergeht. Zuletzt wurden die Preise im Mobilfunk etwas erhöht. Wie schätzen Sie die Entwicklung auch angesichts der MVNO’s ein?
Serentschy: Der Fokus der Brüsseler Wettbewerbshüter liegt offenbar in der Magie der Zahl „vier“, ein Denken, das sehr stark von statischen Effizienzüberlegungen getragen ist. Andererseits gibt es die gut abgesicherte empirische Evidenz, dass die Frage ob es drei oder vier Anbieter im Markt gibt, letztlich für das Preisniveau nicht entscheidend ist, entscheidend ist vielmehr ob die Netzbetreiber ausreichend EBITDA Marge verdienen um überhaupt die gewaltigen Investitionen in neue Technologien, Netzausbau sowie Netzqualität stemmen zu können. Neuere ökonomische Forschung hat gezeigt, dass 38% EBITDA Marge das Optimum an Investitionsanreizen für den Netzbetreiber bietet, eine Marge, von der die meisten Europäischen Telcos nur träumen können. Die Anzahl der Anbieter in einem Markt ist ein Resultat ökonomischer Fakten und sollte daher – in gewissen Grenzen – dem Markt überlassen werden und nicht den Behörden. Was die jüngsten Entwicklungen der Endkundenpreise in Österreich betrifft, sollte man nicht hektisch auf eine kurzfristige Entwicklung reagieren, sondern bedenken, dass die Preise immer noch unter dem Niveau von 2011 liegen, im internationalen Vergleich nach wie vor sehr günstig sind und der Eintritt der MVNOs sicherlich eine preisdisziplinierende Wirkung ausüben wird.

Spannend ist die Entwicklung vor allem was die Preise für die Internet-Nutzung betrifft. Europas Netzbetreiber sind noch nicht auf die Unit-Preis-Debatte aufgesprungen. Ein „Kilo Internet“ kostet in Europa wesentlich mehr als in Nordamerika. Wenn man „Preis“ sagt, sollte man dazu sagen, ob man den monatlichen Rechnungsbetrag meint, oder den Preis pro MB Daten, SMS oder Minute Gespräch.

Angesichts des Kosten- und Investitionsdrucks ist fraglich, wie lange es noch in jedem Land drei nationale Netzbetreiber geben wird.
Serentschy: Der europäische Binnenmarkt wird kommen und Zug um Zug wird es eine Welle von Mergern geben. Die Anzahl der physischen Netze in Europa wird damit schrittweise zurückgehen. Wesentliche ökonomische Treiber hinter diesen Mergern sind einerseits die Erweiterung des Produktportfolios („Triple Play und Quad Play“) und andererseits die Nutzung von Größenvorteilen. Diese Größenvorteile („Dynamischer Effizienzgewinn“) stellen die Basis für die erforderliche Investitionskraft der Telcos für Netzausbau und Innovation dar.

Die gegenwärtig spannendste Entwicklung sind die Merger zwischen Kabel- und Mobilfunkbetreibern, weil damit neben den traditionellen nationalen Spielern („Incumbents“) ein zweiter Vollanbieter in den Markt eintritt. Darüber hinaus erfahren diese Merger auch wenig Gegenwind von den Wettbewerbshütern, weil dabei Unternehmen aus zwei verschiedenen Sektoren zusammenkommen.

Sie hatten 2012 auch den Vorsitz im Gremium der europäischen Regulierungsbehörde BEREC und kennen auch daher die EU-Diplomatie. Was wären ihre Wünsche an Günther Oettinger, den neuen EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft?
Serentschy: Das sind vier. Erstens, dass der digitale Binnenmarkt mit sehr energischen Schritten vorangetrieben wird. Es dauert schließlich an die fünf Jahre, dass man auch etwas in diese Richtung bewegen kann.

Zweitens muss eine EU-einheitliche Lösung für das Copyright-Problem gefunden werden, die dem digitalen Zeitalter angepasst ist, den Verbrauchern Rechtssicherheit gibt, der Kreativwirtschaft zu Gute kommt und deren bürokratischen Überbau eindämmt.
Drittens muss eine EU-einheitliche Lösung für das Thema Netzneutralität gefunden werden, basierend auf dem Prinzip der Ko-Existenz von nicht gemanagten Diensten, wie dem freien und unbehinderten Internetzugang und gemanagten Spezial-Diensten, wie zB e-Health, Videokonferenzen und sicherheitskritische Dienste, um nur einige zu nennen.
Viertens muss es rasch zu einer koordinierten Vergabe weiterer Mobilfunk-Frequenzen, wie zB dem 700MHz Band, der sogenannten zweiten Digitalen Dividende kommen. Es ist aus Europäischer Sicht völlig ineffizient, dass diese in jedem EU-Land zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit unterschiedlichen Methoden vergeben werden; so werden wir keine Europäischen Telcos von Weltformat schaffen. Und man muss über die Laufzeit der Nutzungsrechte nachdenken. In den USA gibt es „Eternal licences“ – also „ewig“ gültige Lizenzen, die zur sehr hohen Investitionsbereitschaft der Unternehmen beitragen. Europa hat eine Generalüberholung der Frequenzpolitik verdient und nicht die Fortsetzung der Kleinstaaterei. Um erfolgreich zu sein, müssen wir Europäische Souveränität gewinnen und dafür wohl ein Stück nationale Souveränität aufgeben.

Elfenbein, Bärenfelle, Tigerzähne – blutige Geschäfte im Internet

Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) schlägt Alarm: Im Internet blüht der Handel mit Wildtieren, Wildtierteilen und daraus gefertigten Produkten. Geschätzte 7,8 Millionen Euro wurden im Jahr 2014 damit umgesetzt. Echtes Elfenbein steht besonders hoch im Kurs. Mit den fragwürdigen Produkten werden Millionen umgesetzt. In Österreich ist die Internet-Plattform willhaben.at eine Drehscheibe für die blutigen Geschäfte.

Elefanten-Stoßzähne, Elfenbein-Schnitzereien, Hörner von Nashörnern, Bärenfelle, Tigerzähne oder präparierte Reptilien und exotische Vögel: Im Internet boomt Geschäft mit „Souveniers“ der besonderen Art: Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) hat den Online-Handel mit Wildtieren, Wildtierteilen und Produkten daraus untersucht und ist zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen: Auf insgesamt 280 Internet-Plattformen in 16 Ländern haben die Tierschützer insgesamt 33.006 bedrohte Wildtiere, Wildtierteile oder Produkte gefunden.

Ich habe die Probe aufs Exempel gestellt und dabei festgestellt, wie einfach es ist, an die fragwürdigen Produkte zu kommen. In Österreich zeigte sich das Internetportal „willhaben.at“ als eine der Drehscheiben für die Wildtier-Produkte. Dort wurden etwa ganze Elefanten-Stoßzähne angeboten (Zwei Stück, je 4,5 Kilo schwere Elefantenzähne), in die eine Elefantenherde geschnitzt wurde. Aus Elfenbein geschnitzte Elefanten auf Horn oder aus Elfenbein geschnitzte „Partysticks mit Tiermotiven“.

„Willhaben.at“: Elefanten-Stoßzähne und Elfenbein-Schnitzereien.  (Screenshots vom 25.11.2014)

Auch andere fragwürdige Produkte wurden – zumeist unter dem Deckmantel „Antiquität“ oder „Kunsthandwerk“ – über die österreichische Internet-Plattform angeboten. Felle von Grizzlybären etwa – garantiert aus Nichtraucherhaushalten – oder Ketten mit Tigerzähnen.

Die Veröffentlichung des Artikels auf Format.at blieb nicht ohne Folgen. Kurz darauf meldete sich Willhaben-Sprecher Sprecher Thomas Reiter, der betonte, die sechs Mitarbeiter des Unternehmens, die mit der Überprüfung der Inserate beschäftigt sind, wären keineswegs überfordert, die Angebote auf ihre Legalität zu prüfen.

Hintergrund: Unter den Artenschutz fallen laut Reiter etwa im Falle von aus Elfenbein gefertigten Gegenständen lediglich Objekte, die nach 1980 nach Österreich gebracht wurden. Daher sei auch der Handel mit Elfenbein, das schon über 35 Jahre im Land ist, legal. Nachzuweisen, dass es sich um legale Angebote handle, sei Pflicht der Verkäufer. Es gäbe entsprechende Zertifikate, mit denen das möglich sei, erklärt Reiter. „Wir können aber als Marktplatz nicht nicht jedes Zertifikat kontrollieren und garantieren, dass keine illegalen Produkte gehandelt werden.“

STOSSZÄHNE UND FAHRRÄDER

Während sich der Internet-Marktplatz eBay schon lange nicht mehr darauf einlässt, jedes Angebot auf seine Legalität zu prüfen müssen und den Handel mit Elfenbein zum Beispiel schon seit 2009 grundsätzlich nicht mehr gestattet, will willhaben.at davon nicht lassen. „In der Geschäftsleitung wurde das diskutiert, aber beschlossen, den Handel mit Elfenbein weiter zuzulassen“, sagt Reiter und erklärt weiter: „Unseren Geschäftsbedingungen zufolge sind die Verkäufer für ihre Angebote haftbar. Sie machen sich auch strafbar, wenn sie illegale Produkte zum Verkauf anbieten.“ Auch bei Fahrrädern – die, wie Reiter selbst sagt in Österreich oft gestohlen und über willhaben.at weiterverkauft werden, müsse man sonst einen Eigentumsnachweis fordern.

Verkäufer halten die Geschäftbedingungen wie die Recherche zeigte jedoch nicht davon ab, auch illegale Wildtier-Produkte zu inserieren. Zumindest funktioniert bei willhaben aber die Kontrolle auf Zuruf: Die im Zuge der Recherche zu diesem Artikel gefundenen Angebote – Bärenfelle und kunstvoll geschnitztes Elfenbein – wurden als Reaktion auf die Berichterstattung offline genommen.

Abgesehen davon, dass es bei einem Großteil der Anzeigen nicht möglich ist, mit Gewissheit zu sagen, ob es sich um legale Angebote handelt, für die alle artenschutzrechtlichen Bestimmungen für den Handel mit geschützten Tieren eingehalten wurden, ist es Robert Kless, dem Kampagnenleiter für Wildtierhandel beim IFAW-Deutschland, allerdings gleichgültig, ob es sich um Antiquitäten handelt oder nicht: „Meist fehlen entsprechende nachprüfbare Belege. Der Online-Handel erhöht die Bedrohung ohnehin gefährdeter Arten und ermöglicht es kriminellen Händlern, unauffällig und anonym ihrem blutigen Geschäft nachzugehen“, erklärt er und weist auf die dramatische Zunahme derartiger Angebote hin: Bei einer gleichartigen Untersuchung im Jahr 2008 hat der IFAW nur 7000 Angebote auf 183 in elf Ländern gefunden. Kless fordert daher Online-Marktplatzbetreiber auf, mit der Polizei und dem Zoll zusammenzuarbeiten und den Verkauf bedrohter Tiere oder ihrer Produkte gänzlich zu verbieten: „Sie müssen leicht zugängliche und verständliche Informationen über die geltenden artenschutzrechtlichen Bestimmungen sowie über die Gefahren für das Überleben von bedrohten Arten durch den illegalen Handel bereitstellen.“

„Willhaben.at“: Bärenfelle und Tigerzahn-Gürtel. (Screenshots vom 25.11.2014)

STRENGERE REGELN GEFORDERT

Im Kampf gegen den illegalen Tierhandel verlangt der IFAW von den Regierungen auch schärfere Gesetze. Mehr als ein Drittel der 2014 international erfassten Anzeigen waren demnach Elfenbein-Angebote, 26 Prozent boten Reptilien an. 54 Prozent der Verkaufsanzeigen betrafen lebende Tiere, 46 Prozent Wildtierprodukte oder -teile. Den gesamten Angebotswert bezifferte der IFAW auf 7,8 Millionen Euro. Etliche Anzeigen gab die Organisation zur Weiterverfolgung an die Behörden weiter – wegen Zweifeln an der Legalität.

Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert die Einfuhr bedrohter Reptilien nach Europa auch außerhalb des Internet-Handels. In der EU seien Wildfänge frei verkäuflich, die in ihren Herkunftsländern aber geschützt seien. „Professionelle Tierschmuggler haben sich auf solche Arten spezialisiert, denn dies verspricht maximalen Profit bei minimalem Risiko“, berichtete die Biologin der Organisation, Sandra Altherr.

Als besonders wertvoll gelten nach ihren Angaben derzeit Borneo-Taubwarane für 8.000 Euro pro Paar, neuseeländische Waldgeckos für 5.300 Euro je Paar und fransige Baumschleichen aus Guatemala für 2.800 Euro pro Paar. Aufgefallen ist der Organisation, dass sich in Hamm im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen im Umfeld einer Reptilienbörse eine regelrechte Drehscheibe für die Tiere in ganz Europa entwickelt habe.

Financing Stars: „Geld ausgeben ist super!“

Financing Stars: "Geld ausgeben ist super!"

Financing Stars Bernhard Baumgartner (li) und Jürgen Vogl. © Jürgen Vogl

 Jürgen Vogl und Bernhard Baumgartner sind seit Jahren in der österreichischen Business-Kabarett-Szene aktiv. Für ihr neues €COmedy Programm "Financing Stars" haben sie sich die Unterstützung von Bernhard Felderer, dem früheren Direktor des Instituts für Höhere Studien und heutigen Präsident des österreichischen Staatsschuldenausschuss geholt. "Financing Star" Jürgen Vogl im Interview.

Bernhard Baumgartner und Sie sind seit Jahren als Wirtschafts-Kabarettisten aktiv. Für das neue Programm „Financing Stars“ haben Sie sich die Unterstützung von Bernhard Felderer, dem früheren Direktor des Instituts für Höhere Studien und heutigen Präsident des österreichischen Staatsschuldenausschuss geholt. Wie ist es dazu gekommen?
Jürgen Vogl: Hintergrund ist, dass Herr Felderer meinen Partner Bernhard Baumgartner bei einer Gala gesehen hat. Felderer meinte damals, er würde so gerne ein Kabarett über die Finanzwirtschaft sehen, in dem sie Finanzwelt mit Humor erklärt wird, weil das mit der nüchternen, trockenen Methode offenbar nicht möglich ist und es ihn nervt, dass sich niemand auskennt.

Was kann man sich von dem Programm erwarten?
Jürgen Vogl: Wir haben uns eine Fernsehshow ausgedacht. Die „Financing Stars.“ Wir wollen damit die ganze Finanzwelt ansprechen. Den Raika-Angestellten aus Gänserndorf genauso wie den Versicherungsvertreter oder den Bank-Generaldirektor. Und natürlich auch den kleinen Sparer, der nicht weiß, was er mit seinem Geld machen soll.

Welche Rolle spielt Herr Felderer dabei?
Jürgen Vogl: Ich hatte mit ursprünglich vorgestellt, dass er unser David Attenborough wird, der Biologe aus den BBC-Dokumentationen, der alles erklären kann. Ich hätte es total super gefunden, wenn er zum Beispiel bei der Börse vorbeigeht und die Börse erklärt – also den seriösen Part gibt und wir dann unseren Blödsinn dazu machen. Die Idee hat Felderer zwar gefallen, aber letztlich hat er wohl um sein seriöses Image gefürchtet und wollte dann doch nicht mitmachen. Aber er stand uns bei der Entwicklung des Programms als Berater zur zur Seite und wird auch zur Premiere kommen. Auf die Bühne wollte er nicht.

Was kann man sich unter „Financing Stars“ vorstellen? Banker, die wie die „Dancing Stars“ vor einer Jury antanzen und alternative Anlageprodukte vorführen?
Jürgen Vogl: Nein, wir spielen eine Fernseh-Show, wie in einem Live-Studio. Bernhard und ich sind Moderatoren von Cash Cow TV, einen privaten Fernsehsender, dessen erfolgreichste Sendung eben „Financing Stars“ ist. Wir moderieren die Sendung und sind, weil wir so erfolgreich sind, schon auf dem Sprung nach Amerika.
Unsere Show ist eine Art „TV total“, das Thema ist aber Wirtschaft und Finanzen. Mit einem Außenstudio auf Cayman Islands, von wo unser der Mitarbeiter der „Geldpresse“ Nachrichten liefert. Es gibt das Institut für Höhere Schadenwirtschaft und dessen Leiter, einen Hedgefondsmanager, Power-Point-Präsentationen über Offshore-Märkte und Offshore-Finanzplätze. Biene Maja und Willi werden über das Wirtschaftswachstum sprechen: Brauchen wir immer mehr Klatschmohn oder sollen wir uns einfach einmal in die Wiese legen? Aber auch einen Finanzastrologen, der Horoskope von allen Unternehmen hat und daraus deren Entwicklung vorhersagt.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung des Programm?
Jürgen Vogl: Am schwierigsten war es sicher, abzuschätzen, welches Wissen wir voraussetzen können. Was können die Leute im Publikum von Finanzprodukten, Offshore-Märkten oder Fremdwährungskrediten wissen? Für das öffentliche Programm haben wir das Niveau jetzt relativ weit unten angesetzt. In der Hoffnung, dass es zumindest die Finanzer im Publikum verstehen.

Die Häuslbauer haben mit Fremdwährungskrediten Schwarzgeld gewaschen

Wie erklärt man Finanzprodukte in einem Kabarett? kann man darüber lachen?
Jürgen Vogl: In unserem Programm gibt es zum Beispiel einen History-Channel, in dem wir erklären, wie Fremdwährungskredite erfunden wurden und wie sie funktionieren. Warum konnte denn die Schweiz das Geld so billig hergeben? Wie konnte es sein, dass das Zinsniveau in der Schweiz bei 1,5 Prozent und bei uns bei acht Prozent lag? Ganz einfach deswegen, weil in den Schweizer Banken Milliarden Schwarzgeld liegen. Das wurde dann von den österreichischen Häuslbauern weiß gewaschen.

Herr Felderer ist Präsident des österreichsichen Staatsschuldenausschuss. Wie schätzen denn die Financing Stars die österreichischen Staatsschulden ein?
Jürgen Vogl: Entspannt. Interstellar sind wir ja eigentlich schuldenfrei. Sogar die ganze Erde. Wir schulden niemanden etwas. Aber Staatsschulden einfach erklären – das ist schwierig. Das kann auch Herr Felderer nicht. Etwa die Frage, wem wir das Geld eigentlich schulden. Wenn man die Staatsschulden aufteilt, dann entfallen auf jeden Österreicher ungefähr 38.000 Euro. Wem aber kann ich die 38.000 Euro zahlen, wenn ich meinen Teil der Staatsschulden zurückzahlen will? Wir haben versucht, das herauszufinden. Aber es ist unmöglich, weil Staatsanleihen und Aktien so schnell gehandelt werden. Vor 20 Jahren war die Haltedauer einer Aktie bei vier Jahren, heute bei 20 Sekunden. Das Geld geht in Sekundenschnelle von A nach B. Bei den Summen, die dabei verschoben werden, wird einem schwindlig. Herr Felderer war unser Joker, damit wir inhaltlich keinen Topfen von uns geben. Aber selbst ein Experte wie er kann auf einfache Fragen oft keine klare Antwort geben.

Lotto und Sportwetten sind die Hedgefonds des kleinen Mannes

Viele stellen sich die Frage, was sie mit ihrem Geld machen sollen. Zinsen gibt es schließlich so gut wie keine mehr. Was wäre denn die Empfehlung der „Financing Stars“, wenn man plötzlich 100.000 Euro hat – wie zum Beispiel die Gewinner der „Großen Chance“ im ORF, aber keine Idee, was man damit anstellen soll?
Jürgen Vogl: 38.000 Euro davon sind Staatsschulden. Die bekommt also Herr Felderer. Wir werden daher bei unseren Vorstellungen eine Sammelbox aufstellen, wie in der Kirche. Wer 38.000 Euro dabei hat, kann sich gleich entschulden. Herr Felderer wird sich dann darum kümmern, dass das Geld in die richtigen Hände kommt. Entweder in die des Bundespräsidenten oder des Finanzministers. Dem Herrn Schelling kann man ja vertrauen. Bleiben noch 62.000 Euro. Die sollte man zum Großteil ausgeben.

Also leben wie George Best, der einmal sagte: „Das meiste Geld habe ich für Alkohol und Frauen ausgegeben, den Rest verprasst“?
Jürgen Vogl: Geld ausgeben ist grundsätzlich eine super Sache. Unser Rat als „Financing Stars“ wäre es, 67,4 Prozent der verbleibenden 62.000 Euro in direkte private Wohlstandsinvestitionen zu stecken. Autos, Schuhe oder was auch immer. Bleiben noch 20.000 Euro. Davon könnte man die Hälfte in die Hedgefonds des kleinen Mannes investieren. Lotto, Sportwetten und so weiter – oder auch in Aktien. High-Risk-Investments eben Den Rest könnte man wieder splitten. 5000 Euro in einen Sparstrumpf stecken, der an der Tür hängt und den Rest in einen Bausparer investieren. Dann hat man ein Sparbuch und man kann der Mama oder der Oma beim Weihnachtsessen zeigen, dass man brav spart und für die Zukunft vorsorgt.

Wie stehen die „Financing Stars“ zu Wetten auf Rohstoffe und Währungen?
Jürgen Vogl: Sehr aufgeschlossen. Es ist ja so, dass die Rohstoffe in der 1-Cent-Münze mehr wert sind, als der nominelle Wert der Münze. Man könnte also die 5000 Euro im Sparstrumpf als 1-Cent-Münzen sparen. Und ein paar Dollar sollte man auch kaufen. Um sie später einmal den Enkelkindern zeigen zu können. Damit sie wissen, wie die alte Weltwährung ausgesehen hat.

Und wenn man heute ein Unternehmen gründen möchte – wo sollte man das tun?
Jürgen Vogl: Das ist derzeit nicht ganz so einfach. Irland war in der Vergangenheit super, oder Delaware. Aber jetzt geht die EU gegen Steuerinseln vor. Vielleicht sollte man jetzt ein wenig abwarten. Es wird sicher bald neue Offshore-Destinationen und Möglichkeiten geben. Schwimmende Firmeninseln im Meer vielleicht oder auch Satelliten-Adressen im Weltall.

FINANCING STARS

€COmedy von Jürgen Vogl und Bernhard Baumgartner
Premiere: 10.11.2014, Casanova, Wien
Weitere Termine im November und Dezember 2014 in Wien und Salzburg sowie im Jänner, Februar und März 2015 in Wien.
Weitere Informationen zum Programm:
www.voglohnee/financing-stars

Ein Haus, einfach zum Mitnehmen

Ein Haus, einfach zum Mitnehmen

 

Simple Home – das Haus zum Wohnen für zwischendurch. © Gerhard Feldbacher/Simple Home

 

Mit seinem portablen Wohnstudio hat der Salzburger Architekt Gerhard Feldbacher das Ferienhaus neu erfunden. Das "Simple Home" ist ein Haus, das an (fast) jedem beliebigen Ort abgestellt und wieder mitgenommen werden kann. Nachhaltigkeit und ein gehobener Wohnkomfort inklusive.

Ein Start-up. Im Jahr 2014 versteht man darunter gerne ein neu gegründetes Unternehmen, das an Apps oder anderen High-Tech-Lösungen für Smartphones, Tablets oder – was dann fast schon ein bisschen retro ist – Computer arbeitet. Dahinter stehen dann meistens Absolventen einer FH oder gestandene Techniker, die ihre Ideen gerne auch mittels Crowdfunding finanzieren.

Das „Simple Home“ des Salzburger Architekten Gerhard Feldbacher fällt komplett aus diesem Bild. Feldbachers Erfindung hat rein gar nichts mit den trendigen Apps zu tun, und wurde auch nicht via Crowdfunding oder mit dem Gewinn aus einem Start-Up-Wettbewerb finanziert, sondern schlicht und einfach mit einer Jungunternehmer-Förderung des Austria Wirtschaftsservice (AWS).

Feldbachers „Simple Home“ ist ein Haus zum Mitnehmen. Ein portabler Zweitwohnsitz, den man dort aufstellt, wo es einem gerade gefällt und der sich dann auch ebenso leicht wieder abtransportieren lässt. Der Clou an seiner Erfindung ist das Pop-up-System, mit dem das Haus binnen weniger Minuten und ganz ohne Kran dort steht, wo man es haben will: Es wird mit einem LKW gebracht, der sich ein wenig anhebt. Darauf werden die Steher an der Unterseite des Hauses heraus geklappt, der LKW senkt ab und fährt weg. Das Haus bleibt auf 1,50 Meter hohen Stelzen stehen. Der Raum darunter ist zugleich Hochwasserschutz und Abstellplatz für Fahrräder, Griller und andere Gerätschaften.

Einfach: Lärchenholzfassade, ausklappbare Terrasse und ausfahrbare, beschattete Schlafkoje. © Gerhard Feldbacher/Simple Home

 

HOLZ STATT PLASTIK

Das Wohnkonzept des jungen Architekten ist dabei nicht bloß eine bessere Variante eines Wohnwagens oder eines Mobile Homes, die man von Campingplätzen kennt. So ist sein „Simple Home“ auch kein Kunststoff-Verschlag, sondern ein massives, zehn Tonnen schweres Objekt mit einer zehn Zentimeter dicken Massivholzwand und einer entsprechenden Dämmung für ein angenehmes Wohnklima an kalten und heißen Tagen. Wer sich für ein Modell mit integrierter Photovoltaikanlage entscheidet, kann darin sogar energieautark leben und an kalten Tagen sorgen Infrarotpaneele oder ein Holzofen für Wärme.

Die Ausstattung und die Einrichtung sind auf ein Minimum reduziert, aber ebenfalls hochwertig und funktionell: Eine oder zwei Schlafkojen, die aus dem Basis-Quader herausgeschoben werden. Eine ausklappbare Terrasse. Großzügige Tür- und Fensterflächen aus 2-fach Isolierverglasung, die das 20 Quadratmeter große Basismodell geräumiger wirken lassen als es tatsächlich ist. Dazu ein schlichter Küchenblock und eine Nasszelle, die wahlweise an ein vorhandenes Wasser- und Kanalnetz angeschlossen oder ebenfalls autark betrieben werden können.

Der Wohnraum und der Küchenblock des „Simple Home“. Rechts vorne die Schlafkoje. © Gerhard Feldbacher/Simple Home

 

Ein Jahr lang hat Feldbacher an mit den Mitteln des AWS realisierten Prototyp gearbeitet. „Meine ursprüngliche Idee war die eines nachhaltigen Ferienhauses, aber es hat sich herausgestellt, dass die Leute die unterschiedlichsten Ideen haben, wie sie das Haus verwenden und darin leben wollen“, sagt er.

Seit dem Sommer ist er mit seinem 18 Quadratmeter großen Smart Home auf Roadshow und erlebt dessen Vielseitigkeit immer wieder auf Neue. Im Herbst war es bei der Ars Electronica in Linz das mobile Atelier des Radiosenders Ö1, bei Musikfestivals die Luxus-Variante eines Wohnmobils am Campingplatz und an der Hohen Wand in Niederösterreich ein Feriensitz mitten im Grünen. Eines ist aber geblieben: Die Möglichkeit, von einem Tag auf den anderen weiterzuziehen. Und selbst denjenigen, die das nicht wollen bietet Feldbacher inzwischen eine Lösung an. Zusätzlich zu dem ursprünglichen „Home To Go“ hat er eine zweite Variante, das „Home To Stay“ entwickelt. Es ist ein wenig größer und damit auch familienfreundlicher. Feldbacher hat aber für alle Wünsche ein offenes Ohr und kann das „Simple Home“ individuell für die Wünsche seiner Kunden anpassen. Allerdings: „In der Basisversion ist das Haus in zwei Monaten lieferfertig. Bei besonderen individuellen Wünschen dauert es natürlich etwas länger.“

INFO SIMPLE HOME

– Massivholz mit hinterlüfteter Lärchenholzfassade
– Nutzfläche ca. 18 Quadratmeter
– Wahlweise eine oder zwei Schlafkojen (ausziehbar)
– Küchenblock und Nasszelle
– ausklappbare Terrasse
– Preis nach Ausführung ab 44.000 Euro
http://www.simple-home.at/

Jamie Oliver – der Pop-Koch als Arianna Huffington der Küche

Jamie Oliver - der Pop-Koch als Arianna Huffington der Küche

Jamie Oliver, Koch-Star und Millionär © 2014 Getty Images

Am 31. Oktober erscheint das neue, 16. Kochbuch des britischen Pop-Kochs Jamie Oliver „Jamies Wohlfühlküche“ in Deutsch. Es ist genau genommen ein Kochbuch seiner Fans, denn die darin gesammelten Rezepte hat Oliver von diesen via Instagram gesammelt.

Starkoch Jamie Oliver weiß, wie er sich verkaufen kann. Der unkonventionelle Koch-Stil, den der 39-jährige Brite in seinen Fernseh-Koch-Shows zur Schau gestellt hat, hat ihm mittlerweile ein Vermögen von 240 Millionen Pfund und einen Platz unter den 400 reichsten Briten eingebracht.

Dabei beruht sein Erfolg eigentlich auf einen großen Zufall. 1997 wurde in dem Londoner Nobelrestaurant, in dem Oliver damals arbeitete, eine BBC-Dokumentation gedreht. Weil sein Kollege krank war sprang der erst 23 Jahre alte Jungspund für diesen ein. „Ich wollte eigentlich gar nicht ins Fernsehen. Doch als die Dokumentation rauskam, war ich plötzlich in allen Szenen im Hintergrund zu sehen“, erzählt Oliver, der sich plötzlich bei einer Autogrammstunde wieder fand, umringt von 2.000 Leuten, schreienden Mädchen.“Die Polizei musste gerufen werden, denn die Leute hätten sich fast zerquetscht.“

Von da an ging alles ganz schnell. Es folgte eine Reihe von TV-Shows und das große Geld. Er startete ein Projekt, in dem er sozial benachteiligten Jugendlichen das Kochen beibrachte. Das war gut für das Image, hat ihn aber fast in die Pleite getrieben. „Ich war naiv, altklug und hatte viel Geld. Diese drei Dinge zusammen sind sehr gefährlich.“

KOCH, KEIN GESCHÄFTSMANN

Oliver stellte fest, selbst kein guter Geschäftsmann zu sein und schaffte sich ein Umfeld, das sich um die Vermarktung des Pop-Kochs kümmerte. Mit Erfolg. Seine „Jamie Oliver Shows“ laufen mittlerweile in über 100 Fernsehstationen der Welt. Er hat mehrere Restaurants und es gibt eine eigene Jamie Oliver Merchandising Division, die Küchenutensilien mit seiner Signatur vertreibt.

Der Firmensitz seines Imperiums ist im ebenso trendigen wie teuren Londoner Stadtteil Shoreditch. Es ist mit Holzmöbeln und weichen Ledersofas eingerichtet. An den Wänden hängt moderne Kunst, in einer Ecke ist eine große Küche. Wären da nicht die Mitarbeiter, sähe es aus wie in einem seiner Restaurants.

KOCH-TIPPS DER FANS

Am 31. Oktober – pünktlich zum Weihnachtsgeschäft – erscheint das neue, mittlerweile 16. Kochbuch Olivers in der deutschen Übersetzung. Aus diesem Anlass hat der Pop-Koch eine auserwählte Schar von Journalisten in sein Headquarter eingeladen, die er – ganz seinem Image entsprechend in Jeans und T-Shirt empfängt.

„Jamies Wohlfühlküche“ ist der Titel des Buchs, das sich gerade in der Adventzeit wohl verkaufen wird wie geschnittenes Brot. Und genau genommen ist es gar kein richtiges Jamie Oliver Buch. Die darin gesammelten Rezepte hat der Starkoch diesmal gar nicht selbst kreiert. Er hat seine Fans via Instagram gefragt, was deren liebstes Wohlfühlgericht sei und bekam binnen eines Tages über 10.000 Antworten. Die Rezepte mit den meisten Stimmen aus aller Welt kamen leicht abgewandelt ins Buch. Oliver ist damit so etwas wie die Ariana Huffington der Küche.

Im Rezepte sammeln war Oliver immer schon gut. Diesmal gibt er aber zut zu, manche Rezepte, die von seinen Fans aus der Crowd gekommen sind, vorher selbst nicht gekannt zu haben. Was letztlich aber gleichgültig ist. Es sind nun seine Rezepte, mit denen er Geld verdienen wird. Und ob sich danach auch ein Wohlgefühl einstellt ist auch nicht garantiert. Essen zum Wohlfühlen ist schließlich, wie der selbst Koch sagt, „etwas sehr Subjektives“.