„Bing!“ Das Mail landete am 31. Jänner, punkt 18:00 Uhr in meiner Mailbox. In der Betreffzeile ein geöffnetes Schloss und die Information „Das Registrierungsfenster ist offen.“ Absender: Ötztaler Radmarathon. Mehr war an dem kalten, stürmischen Homeoffice-Wintertag nicht nötig, um ein aufgeregtes Kribbeln im Bauch auszulösen. Es ist wieder einmal so weit. Es ist Ötzi-Zeit.

Wenige Minuten später war auch schon ein Appartement in Sölden reserviert und die Jungs aus dem Radsportverein per WhatsApp alarmiert: „Es besteht die Möglichkeit zur Einzelanmeldung, Minigruppenanmeldung (2-4 Pers.) und Teamanmeldung (5-35 Pers.). Wird die Minigruppe bzw. das Team ausgelost, sind automatisch alle Teilnehmer dabei, die sich im Rahmen des Anmelde-Prozederes in dieser Anmeldeliste eingeschrieben haben.“ Nichts sollte unversucht bleiben, um das Erlebnis „Ötzi“, den klassischen vier-Berge-Radmarathon, möglichst auch gemeinsam anzugehen.

1: Das Kühtai / 2017
„Der Ötztaler Radmarathon? Ja spinnst du komplett?“ Meine Kollegen, Freunde und Familie waren sich einig: „Jetzt hat er völlig den Verstand verloren.“ Doch umso mehr Gegenwind kam, desto mehr reifte der Gedanke in meinem Kopf. Und die Überzeugung: „Euch zeige ich es. Ich kann das!“

Ich hatte zwar keine Ahnung, was es bedeuten würde, 238 km und 5.500 Höhenmeter am Stück zu fahren, aber das würde ich bei der Gelegenheit schon erfahren. Irgendwie würde ich es schon hinbekommen und das Finisher-Trikot nach Hause bringen. Bis zum Start Ende August waren schließlich noch gut fünf Monate Zeit.

Als ich dann tatsächlich auf der Startliste stand war Grundstein für den Sprung vom Wochenend-Hobby-Radler zum ambitionierten Amateur gelegt. Meine erste Ötzi-Teilnahme im Jahr 2017 war die Initialzündung für die nun fünf Jahre andauernde, verquere Hass-Liebe zum Bergfahren. Davor war ich nur selten 100 Kilometer und im Jahr gerade einmal 2.000 Kilometer gefahren. Seither ist mein Jahrespensum aber schon auf rund 10.000 km und 150.000 Höhenmeter angewachsen. Ein 100er – vor noch gar nicht so langer Zeit eine unvorstellbar lange Distanz – ist nur noch eine etwas längere, lockere Geschichte 200, auch 300 Kilometer und mehr gehen sich gut an einem Tag aus, wenn das Wetter passt und die Arbeit genug Zeit lässt.

2017 war mein großes Ziel aber noch das Ziel. „Finishen“. Und bis zum Schluss war ich mir nicht sicher, ob das auch möglich sein würde. Zwei Tage vor dem Rennen stolperte ich auf das YouTube-Video vom Ötztaler Besenwagen aus dem Jahr 2016 (siehe unten). Sah die enttäuschten Gesichter der von den Strapazen Gezeichneten, die von der Rennleitung am Jaufenpass aus dem Rennen genommen wurden oder für die noch später auf der Strecke Endstation war. Und nahm sie als letzten Ansporn. Ein halbes Jahr Vorbereitung, um dann mit dem Besenwagen ins Ziel zu fahren? Nicht mit mir!

„Heimkehren“: Der Besenwagen als abschreckender Ansporn.

Ich hatte zuvor schon an einigen Radmarathons teilgenommen, aber der Ötzi war doch eine ganz andere Schuhnummer. Und Sölden eine Überraschung. Hier war das Rennen keine Randerscheinung mit einem kleinen, in einem abgelegenen Winkel eingerichteten Start-Ziel-Gelände. Der ganze Ort war für das Rennen herausgeputzt und feierte Radmarathon. Alles drehte sich um das Rennen und seine 4.000 Teilnehmer. Die Erkenntnis: Im Ötztal ist ein Radmarathon keine von ein paar Enthusiasten organisierte Rundfahrt, sondern ein echtes Fest, perfekt organisiert und in Szene gesetzt vom Organisationskomitee und tausenden freiwilligen Helfern. Inklusive Live-TV-Übertragung. Man merkt, dass hier richtige Tourismus-Profis am Werk sind, die alle Register ziehen. Chapeau!

Dann der Tag des Rennens. Als ich kurz nach 6 Uhr morgens zum Starterfeld anrolle stehen die Teilnehmer bereits weit nach hinten an der Dorfstraße. Die Anspannung und Aufregung ist allen ins Gesicht geschrieben, ich bin da keine Ausnahme. Und die Zeit bis zum Startschuss der das Peloton Richtung Ötz loslässt zieht sich wie das Warten auf das Christkind und die Weihnachtsbescherung. Alle versuchen die Zeit irgendwie totzuschlagen, zupfen an ihrer Kleidung herum, kontrollieren zum x-ten Mal den Reifendruck oder legen noch einen Power-Riegel nach.

Energie. Kann. Man. Beim. Ötzi. Nicht. Genug. Haben.

Dann der erlösende Kanonenschuss. Es dauert einige Minuten, bis sich das Peloton auch weiter hinten, wo ich stehe, in Bewegung setzt, langsam Richtung Startlinie rollt und dann schnell immer mehr Fahrt aufnimmt. Die Abfahrt nach Ötz im dichten Feld ist nichts für schwache Nerven. Gefühlt sausen permanent links und rechts andere Teilnehmer an mir vorbei, der Weg wird einige Male ziemlich eng. Es liegt wohl auch daran, dass ich noch ein echtes Ötzi-Greenhorn bin. Aber ich fühle mich nicht wirklich wohl und lasse mich lieber ein bisschen weiter zurückfallen, wo weniger Gedränge ist. Dort konzentriere ich mich auf meine Fahrt und darauf, nicht schon bei der ersten Abfahrt wegen eines blöden Crashs aus den Träumen und dem Rennen geworfen zu werden.

Dann der erste Berg. Das Kühtai. 1200 Höhenmeter, die mit einer knackigen Rampe beginnen, die das Peloton gleich auf den ersten Kilometern weit auseinander reißt. Die Favoriten und Siegfahrer haben sich längst vom Feld abgesetzt und fahren ihr eigenes Rennen. In einer anderen Liga. Way out. Doch hier, mitten im Peloton, bin ich umringt von Alltags- und Hobby-Fahrern, den Helden der Landstraße, die zum ersten Anstieg ansetzen. Und damit genauso zu kämpfen haben wie ich. Der Climb zieht sich über gut 18 Kilometer, mit einer durchschnittlichen Steigung von 6,3% und vereinzelten, bis zu 18% steilen Rampen hinauf auf 2017 Meter Seehöhe.

Die Hektik der vorangegangenen Abfahrt ist bald einem monotonen, gleichmäßigen Schnaufen gewichen. Alle sind bemüht, ihr Tempo zu fahren und möglichst nicht zu viel Körner am ersten Berg liegen zu lassen. Einige Flachstücke zwischendurch geben Zeit zum Durchschnaufen und am Ochsengarten angelangt glaube ich kurz, schon den Kühtaisattel erreicht und den ersten Berg überwunden zu haben, doch von dort sind es nochmals 5,6 Kilometer und 330 Höhenmeter bis ganz nach oben, zum Skigebiet und der ersten Labstation. Die ich – wie dann auch in den folgenden Jahren – links liegen lasse. Die Riegel stecken im Trikot und die Trinkflachen sind auch noch gut gefüllt.

2: Der Brenner / 2018
2017 bin ich im Kurzarmtrikot am Kühtai angekommen und habe nur zur Abfahrt schnell die Windjacke übergezogen. Doch jeder Ötzi ist anders, wenngleich sich an der Strecke seit 2003 nur im Ausnahmejahr 2021 (Steinschlag am Kühtai) etwas geändert hat. 2018 wurden die Teilnehmer am Kühtai mit Schneeregen empfangen. Es war – gelinde gesagt – eine eher unlustige Angelegenheit. Aber ich hatte die Erlebnisse des Vorjahres noch in so guter Erinnerung, dass ich mir von Regen und Schlechtwetter nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollte und mich weiter durchkämpfte. (Details zum Ötzi 2018 hier im Bericht: Ötztaler Radmarathon 2018 – Tour de force )

Bei Schönwetter ist die Abfahrt vom Kühtai Richtung Innsbruck ein Genuss. Ein rasantes Erlebnis, bei der manche sogar mit über 100 km/h geblitzt werden. Bei Schlechtwetter wird es allerdings schnell zu einer Spießrutenfahrt, bei der Felgenbremsen ein echter Nachteil sind. Scheibenbremsen am Rennrad waren 2018 aber ohnehin noch eine Seltenheit und erst auf ganz wenigen High-End-Rädern zu sehen.

Irgendwann war die Abfahrt dann aber doch vorüber, im Tal lockerte es auf, sogar die Sonne blinzelte ein klein wenig durch die Wolken und es ging weiter, zuerst flach von Kematen nach Innsbruck – das einzige nennenswerte Flachstück auf der Ötzi-Runde – und dann zum Brenner. Der ist mit 800 Höhenmetern auf 36 Kilometern und – von Innsbruck weg – nur 2,2% durchschnittlicher Steigung vermeintlich der leichteste der vier Berge auf der Ötzi-Runde. Vermeintlich, weil der Brenner ein fieser Hund ist und dazu verleitet, zu viel zu geben. Er lockt regelrecht dazu, sich mitreißen zu lassen, sich einer schnelleren Gruppe anzuhängen, bis man den Anschluss verliert, erst recht weiter zurückfällt und wertvolle Körner für die nächsten zwei Anstiege auf den Jaufen und das grimmige Timmelsjoch, verpulvert.

2018 wusste ich schon, was für ein heimtückischer Geselle der Brenner ist und ich bemühte mich, an mein Tempo zu halten. Zumal sich oben an der Passhöhe schon wieder die Wolken zusammenbrauten. Kräfte schonen war angesagt. Es war zu kalt und zu nass für irgendeine Wunsch-Zielzeit.

3: Der Jaufenpass / 2019
Ein Jahr später war ich oben, an der Brenner-Labstation dagegen voll auf Kurs Richtung Neuner-Zeit. Meine Marschroute hieß „2/4/6/9“ – nach 2 Stunden am Kühtai, nach 4 Stunden am Brenner, nach 6 Stunden am Jaufen und nach 9 Stunden am Timmelsjoch, und nach knapp 10 Stunden in Sölden im Ziel.

2019, das war aus sportlicher Sicht mein bisher bester Ötzi. Und wettertechnisch obendrein. Der 1. September 2019 war ein Tag, wie man sich ihn zum Rennradfahren kaum besser wünschen kann. Und alles war angerichtet. Ich war bestens vorbereitet und so fit wie ich nur sein konnte. Während ich zwei Jahre davor noch gezittert hatte, rechtzeitig vor Ablauf der Karenzzeit am Brenner zu sein, zitterte ich jetzt nur noch um die Minuten, die mein Garmin zählte. 4:09 Stunden waren vergangen, als ich am Brenner angekommen war. Nach einer kurzen Pause in der Labstation die Abfahrt nach Sterzing vor mir und gleich darauf – praktisch ohne Verschnaufpause der nächste Anstieg auf den Jaufenpass. 1100 Höhenmeter, 14,7 Kilometer und 7,5% durchschnittliche Steigung ohne gröbere Rampen dazwischen.

Herausgeputzt für den Ötzi: 2019, kurz vor der Kühtai-Sattelhöhe. Ride with a smile.

Das macht den Jaufen auch zu einem meiner Lieblings-Berge. Er verlangt schön gleichmäßig Leistung, ohne in den roten Bereich zu zwingen. Trotzdem gelang es mir nicht, die 9 Minuten aufzuholen. Es kamen noch ein paar dazu. Nach 6:12 Stunden war ich an der Labe, an der Passhöhe auf 2076 m bei Kilometer 154 waren dann 6:23 Stunden vergangen und die 9er-Zeit noch greifbar, aber nur noch schwer machbar. Zugegeben: Ich habe dann drauf gepfiffen. Vielleicht weil ich nicht genug auf das Ziel fokussiert war. Grundsätzlich aber weil ich mehr auf das Erlebnis Ötztaler als auf irgendeine bestimmte Zielzeit aus war. Denn ganz ehrlich: wen juckt es, ob ich am Ende in der Rangliste auf Platz 2.350 oder auf Platz 1.967 liege? Ob ich eine halbe Stunde kürzer oder länger unterwegs bin?

… und / 2020

Wenn die Auffahrt auf den Jaufenpass ein Erlebnis ist, dann ist Abfahrt nach St. Leonhard ist erst recht eines. Die Straße ist nicht im besten Zustand, aber beim Ötzi ist sie gesperrt für den Verkehr, abgesichert und wer seine Ängste hintanstellt und sich ein Herz nimmt, wird damit belohnt, fast 20 Kilometer und 1.360 Höhenmeter bei durchschnittlich 7% Gefälle bergab brausen zu können. 2019 bedeutete das knapp 24 Minuten aktive Erholung mit einem fetten Grinser im Gesicht. Eine echte Belohnung, die ich mir selbst erradelt hatte.

2020 konnte ich davon wie alle anderen nur erzählen. Die Corona-Pandemie hatte Europa fest in Griff. Es war unmöglich, ein grenzüberschreitendes Rennen wie den Ötztaler Radmarathon durchzuführen, und so musste der 40. Ötztaler Radmarathon abgesagt werden. Zum bisher einzigen Mal in seiner Geschichte, in der das Rennen schon etliche Male an der Kippe stand. Für alle treuen Seelen ließen sich die Veranstalter etwas Besonderes einfallen lassen: Den „Ötztaler Social Radmarathon“. Die Challenge: Am Wochenende, an dem der Ötzi eigentlich stattfinden hätte sollen die Distanz von 238 km zu fahren.

Nur die Distanz? Was bitte ist ein Ötzi ohne Höhenmeter? … und so beschloss ich mit meinem Freund Wolfgang, praktisch vor unserer Haustür einen „Wienerwald-Ötzi“ zu fahren. 8 Runden rund um unseren Hausberg, das Schöpfl, 253 Kilometer und 5.300 Höhenmeter, ein Höhenprofil wie eine Fieberkurve. Das Auto zur Labstation umfunktioniert, die bei jeder zweiten Runde kurz angefahren wurde.

Ötztaler Social Radmarathon im Wienerwald (29. August 2020)

Es war ein abenteuerliches Erlebnis, zumal wir beide im Corona-Jahr nicht wirklich austrainiert waren. Mit einer Fahrzeit von knapp 13 Stunden blieben wir aber zumindest in der offiziellen Karenzzeit … und waren uns danach einig, den „echten“ Ötzi auf jeden Fall möglichst bald wieder fahren zu wollen.

4: Das Timmelsjoch / 2021

2021. Nach einem Jahr Pause wieder zurück in Sölden. Immer noch ist Corona allgegenwärtig, aber zumindest ist die Pandemie und das Infektionsgeschehen soweit kontrollierbar, dass mit Impfnachweisen und Tests, Abstandregeln und strengen Verhaltensbestimmungen für die Labstationen wieder ein Ötzi veranstaltet werden kann. Auch ein Felssturz an der Kühtaistraße, der eine Streckenänderung über den Haiminger Berg nötig machte konnte das Organisationsteam davon abhalten, das Rennen durchzuführen. Erst recht nicht die Schlechtwetterprognose, die schlimmes befürchten ließ und zahlreiche angemeldete Teilnehmer davon abhielt, überhaupt nach Sölden anzureisen und an den Start zu gehen.

Ich hatte mich nicht abhalten lassen – weder vom Steinschlag, noch vom Schlechtwetter, auch nicht von Corona. Beinahe hätte mich aber eine Verbrennung am rechten Unterschenkel, die ich mir zwei Wochen vor dem Ötzi zugezogen hatte, aus der Startliste geworfen. Ich musste mein Training abbrechen und konnte praktisch nur noch mit hochgelagertem Bein herumsitzen, abwarten und hoffen, dass das Bein rechtzeitig wieder belastbar wird.

Es wurde. Zwar nicht so, wie ich mir das gewünscht hätte, aber immerhin so, dass ich den Jubiläums-Ötzi fahren konnte. Es war eine Freude und Ehre, wieder am Start zu sein, nach einem Jahr ganz ohne Radmarathon. Und der Jubiläums-Ötzi war wieder einmal eine ganz spezielle Fahrt. Eine Genussfahrt, auch wenn weder der Körper noch das Wetter richtig mitspielten und wegen eines Steinschlags ein Umweg über den Haiminger Sattel gefahren werden musste. Ein paar Extra-Höhenmeter und Extra-Kilometer. Die aber keine Rolle spielten.

Der olympische Gedanke war Motivation genug. Dabei sein. Durchhalten. Den Schweinehund überwinden und als große Belohnung zum Schluss die alte, malerische italienische Militärstraße hinauf zum Timmelsjoch fahren, durch den Tunnel nach Österreich und dann sie Abfahrt nach Sölden, mit der Mautstation als kurzen Gegenhang und den Teufelslappen bei Zwieselstein als letzten Schupfer vor dem Ziel, wo das Finisher-Trikot als Trophäe für alle wartet, die sich durchbeißen.

„99% der Teilnehmer*innen haben keine Siegchance“, schrieb Christian Gemmato in seinem „Ketterechts-Blog„. Und völlig recht hat er. Warum also darüber jammern, dass die Strecke nicht original, ein paar Höhenmeter und ein paar Kilometer mehr zu fahren sind und eine persönliche Bestzeit nicht erreicht werden kann? Wen kümmert es, wie lange irgendjemand ins Ziel braucht? Wer die Ötzi-Runde fährt sollte sie genießen und sich darüber freuen, dass sie beim Radmarathon für den Verkehr gesperrt ist. Dass an allen Ecken und Enden Streckenposten und hilfsbereite freiwillige Helfer postiert sind, die nötigenfalls schnell zur Stelle sind. Dass es an den Labstationen auch für die letzten im Feld, Stunden nach den Spitzenreitern, immer noch reichlich Essen und Trinken gibt. Es ist Gelegenheit, das Erlebnis aufsaugen, es – ganz im Sinne des Wortes – zu erfahren. Die Strecke ist zum Niederknien schön und einen echten Preis gibt es nur für den Letzten – als Lohn und Dank dafür, sich durchgekämpft zu haben.

Ich habe Gemmato auf seinem „Esel“ auf der Strecke zweimal kurz getroffen. Einmal bei der Anfahrt ans Kühtai, wo er mir schon von seinen Rückenschmerzen erzählt hat und meinte, dass er an dem Tag wohl nicht ins Ziel kommen wird und das zweite Mal bei der Anfahrt auf das Timmelsjoch, als er am Straßenrand sitzend auf den Besenwagen gewartet hat. Ich konnte weiter und auch das Timmelsjoch, den „Passo Rombo“ bezwingen. 26,5 km sind es von St. Leonhard bis zum Tunnel, 1.751 Höhenmeter bei 6,5% durchschnittlicher Steigung. Wobei einige Rampen 13% und mehr Steigung haben. Auf gut halber Höhe, bei km 17,5 und nach 1.000 Höhenmetern gibt es ein kurzes flacheres Stück und die Labstation Schönau. Zwei Jahre davor hatte ich an dieser Stelle kurz überlegt, weiterzufahren und dann doch vielleicht noch unter 10 Stunden im Ziel zu sein. 2021 war ich überhaupt erst nach gut 10 Stunden in der Schönau. Und es war gut. Vielleicht wäre es auch gut gewesen, wie Gemmato auf den Besenwagen zu warten, denn das Wetter war von da an sehr bescheiden. Regen setzte ein, wurde immer stärker, erst recht nach dem Tunnel auf österreichischer Seite, bei der Abfahrt nach Sölden, während der auch meine Bremsen schon nicht mehr wirklich wollten. Zumindest war ich für das Schlechtwetter gerüstet und im Ziel war alles fast wie immer: Ausgepowert und glücklich, dabei gewesen zu sein. Ringsum zufriedene Ötzi-Teilnehmer, die sich ihren Traum erfüllt hatten und als Lohn für die Tausenden Trainingskilometer und Hunderten Trainingsstunden ihr Finisher-Shirt abholen konnten.

5: 2022 – 40 Jahre Ötztaler Radmarathon

2021 fand zwar der 40. Ötztaler Radmarathon statt, aber auch 2022 gibt es bei dem Rennen wieder einen runden, 40. Geburtstag zu feiern: Der Ötzi wird 40 Jahre alt. Der erste Ötztaler Radmarathon fand 1982 statt, und der Wurm in der Zählung kommt davon, dass es 1996 gleich zwei Ötzis gab. Den ersten mit Start/Ziel in Sölden und den zweiten eine Woche später mit Start/Ziel in Steinach.

Wer bei der zweiten 40er Feier im 2022 dabei sein kann und will, sollte die Gelegenheit beim Schopf ergreifen und sich im Februar registrieren. Die Verlosung findet dann Mitte März statt. Wer gelost wird bekommt die Möglichkeit, sich kostenpflichtig anzumelden. Doch auch ohne Losglück ist noch nicht aller Tage Abend. Für Registrierte gibt es bis Ende Juni immer wieder Möglichkeiten, an einen Startplatz zu kommen.

Sicher ist jedenfalls jetzt schon: Wie jedes Jahr wird das Organisationskomitee rund um Dominik Kuen einen Bewerb auf die Beine stellen, der für all die Strapazen, die man als Teilnehmer dafür in Kauf nehmen muss, mehr als entschädigt. Das Motto des Ötztaler Radmarathons ist: „Ich habe einen Traum.“ Mit Träumen alleine kommt man allerdings nicht besonders weit. Da gehört schon noch viel Engagement und Schweiß dazu. Die Zeit zum Trainieren beginnt jetzt.

Zur Registrierung: oetztaler-radmarathon.com

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