Aus dem Kinderzimmer zum Millionär: Geizhals kauft tarife.at

„Ich lebe Preisvergleich“, sagt Maximilian Schirmer, und wenn man dem 29jährigen Jungunternehmer zuhört, dann glaubt man ihm das auch aufs Wort. Auf Statussymbole legt Schirmer keinen Wert. Er besitzt kein Auto, fährt stattdessen lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln und – Zweiter Klasse – mit der Bahn und lebt bescheiden in einer 69-Quadratmeter-Mietwohnung. „Ich brauche nicht mehr. Wozu auch?“, sagt er.

Seine Leidenschaft gehört seit über einem Jahrzehnt dem Preisvergleich. Noch vor Abschluss der Matura startete er im Kinderzimmer seines Elternhauses sein erstes Unternehmen, eine Online-Plattform um Tarife von Internet- und Mobilfunkanbietern zu vergleichen, aus der im Juli 2012 die Plattform tarife.at entstand. Eine Plattform, über die im Corona-Jahr 2020 über 50.000 Benutzer neue Verträge abgeschlossen haben und die somit Österreichs größtes Vergleichsportal am Mobilfunk- und Telekommunikationsmarkt ist.

Self-Made-Unternehmer

„Es ist so einfach, ein Internet-Business zu gründen. Man braucht nicht viel. Einen Computer, eine Internet-Verbindung und Zeit“, sagt Schirmer. Wie viel Zeit er über die Jahre in den Aufbau und die Programmierung seiner Plattform investiert hat, darüber mag er heute nicht mehr nachdenken. Während andere Gleichaltrige in ihrer Jugend das Leben ausgelotet haben saß Schirmer zuhause vor seinem Computer und bastelte an Algorithmen, um seine Vergleichsplattform leistungsfähiger, besser und schneller zu machen. „Erst gestern bin ich wieder vier, fünf Stunden lang gesessen, um den Algorithmus zu verbessern, sodass die Seite jetzt um 20 Millisekunden schneller lädt“, erzählt er und setzt nach: „Was hätte ich sonst mit meiner Zeit angefangen? Es ist Lockdown und den Film, den sich meine Freundin angesehen hat kannte ich schon.“

Wer etliche Arbeitsstunden investiert, um die Ladezeiten einer Website um 20 Millisekunden zu verbessern, der muss – im positiven Sinne – ein Besessener sein. Und diese Besessenheit des Maximilian Schirmer hat sich auch in der Branche herumgesprochen, ebenso seine Bescheidenheit und Sparsamkeit. Markus Nigl, Vorstand der zur heise new media GmbH gehörenden Vergleichsplattform Geizhals.at, ist auf Schirmer und sein inzwischen zum 3-Mann-Betrieb angewachsenes Unternehmen mit aktuell monatlich rund 350.000 Besuchern aufmerksam geworden und hat Gefallen an dem Jungunternehmer und seinem Ethos gefunden.

Sparmeister trifft Geizhals

Die gegenseitige Wertschätzung hat zu Gesprächen geführt, ob das tarife.at Angebot nicht eine wertvolle Ergänzung für die Vergleichsplattform Geizhals.at wäre. Und schließlich zu der nun öffentlich gewordenen Übernahme von tarife.at durch Geizhals.at. Was den stets kühl und klar kalkulierenden Schirmer nun zum Millionär macht.

„Der Verkaufspreis liegt im mittleren, einstelligen Millionenbereich“, sagt Schirmer, und da er tarife.at bisher gänzlich ohne Beteiligung eines Investors praktisch im Alleingang hochgezogen hat, bleibt der Erlös auch bei ihm. Große Pläne, was er mit dem Geld anfangen sollte hat er noch keine. „Es wird sicher angelegt. Ich werde jetzt garantiert nicht anfangen es groß auszugeben. Wofür auch? Ich habe alles, was ich brauche“, sagt er.

Konkretere Pläne hat er stattdessen für tarife.at, wo er wie vertraglich vereinbart zumindest noch für die nächsten fünf Jahre Geschäftsführer bleiben wird – mit Option auf Verlängerung. Gemeinsam mit dem Geizhals-Team soll das Angebot ausgebaut werden – wobei sich tarife.at jedoch weiterhin auf den Bereich der Internet- und Telefontarife fokussieren will. „Es soll keine X-beliebige Vergleichsplattform werden. Versicherungen oder ähnliche Sachen sind nicht mein Ding“, betont Schirmer. Stattdessen soll daran gearbeitet werden, das Angebot von tarife.at mit dem von Geizhals zu kombinieren. Etwa, indem bei Smartphone-Preisvergleichen zusätzlich ein Tarif-Check angeboten wird. Schirmer: „Aus unserer Sicht macht das Sinn. Eine Integration muss aber extrem behutsam geschehen, denn Heise und Geizhals sind extrem auf das Feedback ihrer Community bedacht. Und wenn die ein Angebot nicht gut findet, dann fliegt es auch wieder hinaus.“       

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