Vera Kremslehner, Chefin der Kremslehner Hotels: "Wir müssen optimistisch bleiben."

Hotelchefin Vera Kremslehner: „Bis zum Sommer wird es noch sehr hart“

Die Wiener Hotelière Vera Kremslehner über die schwierige Situation der Stadthotellerie in Zeiten der Pandemie, die Sorgen der Mitarbeiter in Kurzarbeit und das Hoffen und lange Warten auf ein Ende des Schreckens.

„Ich habe viel Zeit, mehr als genug Zeit…“, so beginnt das Gespräch mit der Wiener Hotelière Vera Kremslehner im bis auf wenige Firmengäste leeren Hotel Regina am Rooseveltplatz in Wien mit direktem Blick auf die neugotische Votivkirche.

Es ist Jänner 2021. Seit elf Wochen sind in ganz Österreich alle Hotels und Gastronomiebetriebe geschlossen. Im zur Bekämpfung der Corona-Pandemie verhängten Lockdown gibt es nur wenige Ausnahmen, unter denen Gäste aufgenommen werden dürfen, wie unaufschiebbare Geschäftsreisen. Unter anderem für diese ist das Hotel Regina, in dem auch die Zentrale der Kremslehner Hotels eingerichtet ist, geöffnet. Als einziger Betrieb des Familienunternehmens, zu dem vier Wiener Stadthotels und vier Restaurants gehören.

Im Haus ist es still. Nur eine Hand voll Mitarbeiter sind an der Arbeit, um nach dem Rechten zu sehen und den Betrieb für das Notwendigste aufrecht zu halten. Im holzvertäfelten Seminar- und Besprechungszimmer sind Heizstrahler aufgestellt. „Es ist ein bisschen frisch. Aber es lohnt sich nicht, das ganze Haus zu heizen“, entschuldigt sich Kremslehner, die mit ihrer Schwester Eva gemeinsam operative Geschäftsführerin der Kremslehner Hotels ist, ein wenig. 125 Jahre alt wurde das Familienunternehmen im Jahr 2020. „Es gab eine sehr bescheidene Feier“, sagt sie.

Dabei war alles angerichtet für eine große Feier. In den Jahren davor, 2018 und 2019, hatte der Städtetourismus geboomt wie nie zuvor. Die Kremslehner-Gruppe hatte wie viele andere der Branche Rekordergebnisse einfahren können. Hatte großzügig investiert und war für das Jahr 2020 praktisch ausgebucht. „Wir haben vor mittlerweile neun Jahren das Johann Strauß Hotel dazugekauft und es damals voll fremdfinanziert. Geplant war, dass im Juni 2020 die letzte Rate dafür abbezahlt wird wir damit erstmals in der Firmengeschichte schuldenfrei gewesen wären“, sagt Kremslehner.

Showstopper Corona

Doch dann kam die Pandemie. Das Corona-Virus war in Österreich angekommen und der erste Lockdown machte alle Pläne zunichte. „Wir haben das große Glück, dass wir vor der Pandemie gut dagestanden sind. Wir hatten zwar mächtig investiert und der Lockdown im März war für uns blöd, denn nach den schwachen Monaten im Jänner und Februar waren wir bereit, loszustarten“, erinnert sich die Hotel-Chefin. Das Risiko wurde zumindest etwas dadurch gemildert, dass der Familie auch die Immobilien gehören. Dennoch sagt Kremslehner rückblickend: „Ich habe drei Monate lang nicht geschlafen. Wir wussten nicht, ob die Kurzarbeit kommt, wie und ob das für uns als Firma administrierbar ist. Es war alles sehr schwierig.“

Daran hat sich seither grundsätzlich wenig geändert. Auch knapp ein Jahr später hat die Pandemie Österreich fest in Griff. Doch zumindest gibt es mittlerweile Hoffnung und mit der Impfung Aussicht darauf, dass in den nächsten Monaten langsam eine Rückkehr zur Normalität möglich ist. Eine Aussicht, die auch Vera Kremslehner im folgenden Interview zuversichtlich nach vorne blicken lässt.

Zur Person

Vera Kremslehner, geb. 1971, ist mit ihrer Schwester Eva (geb. 1976) operative Geschäftsführerin des in vierter Generation als Familienbetrieb geführten Unternehmens Kremslehner Hotels GmbH. Der Familie gehören die vier Wiener Stadthotels Regina, Royal, Johann Strauss und das Graben Hotel sowie die Restaurants Roth, Firenze Enoteca, Settimo Cielo und die Trattoria Santo Stefano. Zusätzlich betreuen die Kremslehner Hotels Teile der Gastronomie des Wiener Opernballs und, das Catering in der Volksoper und in den Kammerspielen. In den Kremslehner-Hotels sind aktuell rund 180 Mitarbeiter beschäftigt. Im Jahr 2019 lag der Umsatz der Firmengruppe bei rund 15 Millionen Euro.


„Wir müssen das heurige Jahr abhaken“

Vera Kremslehner
Lächeln, auch wenn es schwer fällt: Hoteliére Vera Kremslehner alleine an der Rezeption im fast leeren Hotel. © martinsteiger.at

trend: Frau Kremslehner, wie ist es, seit Monaten fast alleine in einem Hotel zu sein?
Vera Kremslehner: Im ersten Lockdown hatten wir ganz geschlossen. Da war das auch noch nicht ganz klar, wie das mit Geschäftsreisen ist. Das ist jetzt zum Glück nicht der Fall. Man kommt am Morgen herein, und es ist zumindest Licht im Haus. Man muss als Eigentümer natürlich jeden Tag arbeiten, um alles zu koordinieren. Auch wenn es eigentlich wenig zu tun gibt. Wir haben aber zumindest ein paar Mitarbeiter da, die wir sehen. Die sich auch freuen, zur Arbeit kommen zu können.

Der Lockdown dauert nun bereits über elf Wochen. Hätten Sie angenommen, dass Sie so lange schließen müssen?
Es hätte keiner gedacht, dass der Lockdown so lange dauert. Wir haben aber für uns beschlossen, offen zu lassen, obwohl es sich finanziell nicht auszahlt. Einfach auch als Service für die Stammgäste. Wir haben auch Mittags ein Take-Away eingerichtet, als Angebot für die Menschen in der Nachbarschaft und unsere Stammgäste, die uns im Sommer darauf angesprochen hatten und gefragt haben, ob wir das machen würden, wenn wieder alles geschlossen werden muss.

Welche Rückmeldung bekommen Sie von den wenigen Gästen, die Sie derzeit haben?
Wir bekommen sehr viel positives Feedback. Auch von den alten Leuten, die rundherum wohnen. Die alleinstehend und dankbar sind, wenn jemand ein warmes Essen für sie kocht. Die kommen fast jeden Tag und bedanken sich, dass wir geöffnet haben. Das gibt uns wieder ein bisschen Mut und Hoffnung. Wirtschaftlich gesehen macht es keinen Sinn, geöffnet zu haben. Aber es ist gut für die Seele. Und es ist auch gut, dass hier ein Licht brennt. Es ist ein Zeichen. Das Regina ist doch an einem prominenten Platz.

Ich gehe davon aus, dass wir bis Ostern geschlossen haben.

Wie viele Ihrer Zimmer sind denn derzeit belegt?
Ausgenommen von ein paar wenigen Geschäftsreisenden gibt es keine Touristen. Diejenigen, die jetzt kommen sind Bauarbeiter oder Leute, die im AKH Untersuchungen haben und vielleicht nicht fahren können oder die unaufschiebbare Termine haben. Wenn wir derzeit fünf Prozent Auslastung haben, dann ist es viel. Zuletzt hatten wir einmal 15 unserer 170 Zimmer belegt. Das war eine richtige Ausnahme, dass wieder einmal so viel los war. Das war richtig schön. Man muss aber auch sagen, dass in der Stadt kaum Hotels offen sind. Daher haben wir ein bisschen mehr Geschäft. Und diejenigen, die jetzt kommen sind auch extrem dankbar. Unsere Stammgäste finden es schön, dass wir offen haben.

Der Lockdown wurde nun einmal bis zum 7. Februar verlängert, aber eigentlich weiß man auch dann nicht, ob er zu Ende sein wird oder ob man sich auf eine unbestimmte Zeit einrichten muss.
Die Hotellerie wird dem aktuellen Stand nach erst Ende Februar öffnen können. Ich gehe aber davon aus, dass wir bis Ostern geschlossen haben. Man muss realistisch sein. Ich finde es auch gesamtwirtschaftlich ganz wichtig. Ich bin da absolut beim Bundeskanzler und bei der Regierung. Es macht überhaupt keinen Sinn, die Gastronomie oder die Hotellerie jetzt aufzumachen. In den Ferien wäre es natürlich gut für das Geschäft gewesen, aber dann hätten wir drei Wochen danach wieder die hohen Infektionszahlen gehabt.

Sie gehören also nicht zu der Gruppe, die sich eine rasche Öffnung wünscht.
Bei den aktuellen Infektionszahlen macht das keinen Sinn. Ich bin wirklich sehr für einen generellen Stopp. Es muss die Impfung kommen, dann können wir alle gemeinsam starten. Dieses hin- und her Aufsperren – Zusperren macht keinen Sinn. Und wozu sollten jetzt die Hotels aufsperren? Ganz Europa ist im Lockdown. Es kommen keine Gäste aus Deutschland, Holland oder Italien. Gegen Ostern sollte es dann möglich sein. Wenn man wieder mehr hinausgehen und mehr draußen sein kann. Ich hoffe, dass dann in ganz Europa wieder eine Art Reisefreiheit kommt. Für die Stadthotellerie wäre das besonders wichtig. Es hängt aber alles an der Impfung. Bis die kommt müssen wir noch Geduld haben.

Leider sind schon viele Befürchtungen wahr geworden.

Die Pandemie, ein europäisches Problem.
Richtig. Mittlerweile stimmen sich die Länder auch besser untereinander ab statt immer wieder einzeln Reisewarnungen auszugeben. Europa muss hier zusammenhalten.

Wie stehen Sie zu dem Thema Eintrittsregeln, dass man wieder ein Hotel, einen Gastronomiebetrieb oder eine Veranstaltung besuchen darf, wenn man einen negativen Test vorweisen kann?
Ich wäre dem sehr kritisch gegenüber gestanden, wenn das jetzt gekommen wäre. Wir haben lange diskutiert, ob es für uns Sinn macht, die Hotels zu öffnen. Ich weiß auch nicht, ob ein Restaurant-Besucher bereit wäre, sich testen zu lassen, damit er sich in ein Restaurant setzen kann. Ich glaube nicht, dass das viel Sinn gemacht hätte. Wenn wir im März oder April so weit sind und wir wieder draußen sein können, kann ich mir das vorstellen. Dann werden auch die Schnelltests viel weiter verbreitet sein. Die Leute werden gesehen haben, dass das schnell geht und funktioniert. Andererseits: wie soll ein Gastronom kontrollieren, von wann ein Schnelltest ist? Das ist alles noch ziemlich unausgegoren.
Für Hotels kann ich mir vorstellen, dass das kommt. Da könnte man an der Rezeption einen Test machen. Für das Theater wären die Leute vermutlich auch dazu bereit. Generell finde ich es toll, dass etwas unternommen wird. Ich hätte es nur jetzt, im Jänner und Februar sehr kritisch gesehen.

Vera Kremslehner
Vera Kremslehner vor dem Hotel Regina am Wiener Rooseveltplatz.© martinsteiger.at

Gehen wir davon aus, dass der Tourismus im zweiten Halbjahr langsam wieder anläuft: Welche Auslastung würden Sie dann benötigen? Wie stellen Sie sich das vor mit dem europäischen und internationalen Geschäft?
Ich habe im Dezember das Budget für 2021 gemacht und in den Monaten Jänner, Februar und März „Null“ hingeschrieben, denn realistisch glaube ich nicht, dass es vor Ostern losgeht. Für das Jahr 2021 habe ich mit einer Gesamtbelegung von 30 Prozent kalkuliert. Ich hoffe, ich habe damit nicht Recht. Aber ich habe jetzt schon so oft Recht gehabt. Ich habe schon im März 2020 gesagt, dass es 2021 keine Ballsaison und keinen Opernball geben wird. Auch das hat damals niemand geglaubt. Niemand konnte sich ein Jahr ohne Ballsaison vorstellen. Leider ist vieles jetzt wahr geworden.

Mit einer Auslastung von 30 Prozent können Sie leben?
Diese 30 Prozent sind natürlich eine Katastrophe. Aber mit den Zuschüssen und dem Verlustersatz, die wir bekommen, schaffen wir es. Grundsätzlich müssen wir müssen das heurige Jahr aber abhaken. Das ist vorbei. Davon gehe ich aus. Wir müssen schauen, dass Österreich anspringt. Im Sommer 2020 haben wir gesehen, dass das funktioniert. Österreich muss halbwegs kommen. Dann kommen auch die kleinen Firmen. Dann hat man wieder Geld, Seminare, Tagungen. Das reicht noch lange nicht, um überhaupt die Kosten zu decken. Aber es ist ein Anfang.

Es wurde und wird uns großartig geholfen.

Wie sind Sie denn mit den Unterstützungen der Regierung bisher durchgekommen? Wie zufrieden oder wie glücklich kann man denn damit sein?
Im Großen und Ganzen bin ich damit heute unglaublich glücklich und wahnsinnig zufrieden. Das war im März nicht absehbar. Als wir damals zugesperrt haben war es wirklich hart. Im März haben wir eine Planung gemacht und uns überlegt, wie wir in den September kommen. Demnach wären wir dann bei einem Minus von sechs Millionen Euro gestanden. Das war ohne Kurzarbeit und ohne Beihilfen gerechnet. Es wurde uns aber grandios geholfen und es wird uns weiterhin grandios geholfen.
Wir sind allerdings als Unternehmen schon etwas durch den Rost gefallen sind, weil wir zu groß sind. Es sind alle vier Hotels in einer GmbH zusammengefasst. Es gab daher für uns im November einmalig 800.000 Euro als Unterstützungszahlung. Das ist der Maximalbetrag, mit dem der Beihilfenrahmen nach wie vor gedeckelt ist. Das Problem trifft viele aus der Branche. Da wird die EU hoffentlich noch etwas nachjustieren. Auch die Österreichische Hoteliersvereinigung ÖHV interveniert sehr stark in diese Richtung.

Im November wurden doch 80 Prozent Umsatzersatz in Aussicht gestellt.
Aber gedeckelt mit 800.000 Euro. Der November-Ersatz lag daher bei uns bei 60 Prozent dessen was er eigentlich gewesen wäre, und damit war es vorbei. Trotzdem muss man die Kirche im Dorf lassen und sagen: Wir haben 800.000 Euro bekommen. Das ist unfassbar viel Geld. Das hätten wir uns im März nie erträumen lassen. Insofern bin ich sehr dankbar. Und die 800.000 Euro waren auch sofort am Konto. Wir haben den Antrag über finanzonline gestellt und das Geld war wenige Tage später da. Das ging wirklich rasch und unkompliziert. Und der November-Ersatz war natürlich toll, weil wir in dem Monat auch die doppelten Löhne bezahlen mussten. Das war der Regierung natürlich bewusst, dass man hier helfend eingreifen muss. Mit Null Umsatz und doppelten Löhnen kann keine Rechnung aufgehen.
Bei der Kurzarbeit hat das seinerzeit länger gedauert. Was aber auch verständlich ist, denn man musste das System erst aus dem Boden stampfen. Es tun alle ihr Bestes. Irgendwo funktioniert es eben nicht ganz so reibungslos.

Ihre Mitarbeiter sind ja nun schon seit einer gefühlten Ewigkeit in Kurzarbeit.
Wir haben im Februar 2020 die ganze Belegschaft aller vier Hotels und Restaurants in Kurzarbeit geschickt und haben und von ganz wenigen getrennt, wo das mit Pensionierungen möglich war. Und wir mussten uns von den geringfügig Beschäftigten Mitarbeitern trennen, die normalerweise an den von uns betreuten Theaterbuffets wie in der Volksoper und den Kammerspielen arbeiten. Geringfügig Beschäftigte kann man nicht in Kurzarbeit schicken. Sonst sind aber alle 180 Mitarbeiter in der Kurzarbeit.

Die Situation ist psychisch sehr belastend.

Wie geht es den Mitarbeitern dabei?
Es ist sehr schwer für die Leute. Auch finanziell. Sie bekommen zwar eine Ersatzrate von 80 Prozent, aber natürlich nur vom Grundgehalt, und in der Gastronomie und Hotellerie lebt man eigentlich vom Trinkgeld und Provisionen. Jede Rundfahrt, die gebucht wird, jede Taxifahrt bringt normalerweise eine Provision, die an das Team geht. Das gibt es jetzt natürlich alles nicht. Trotzdem sind sie dankbar, wenn sie arbeiten können. Wir bekommen immer das Feedback, dass es sie freut, irgendetwas tun zu können, weil ihnen zuhause die Decke auf den Kopf fällt. Heute verkauft etwa unser Rezeptionschef das Mittagessen-to-go. Ich verstehe die Mitarbeiter, die sich fast darum prügeln, dass sie im Dienstplan berücksichtigt werden. Wir machen das ganz genau im Rad, damit jeder einmal zum Einsatz kommt. Kurzarbeit und Lockdowns schlagen allen auf die Psyche. Jetzt auch zusätzlich, weil Winter ist, weil man nicht so viel raus kann, weil es früh dunkel wird. Und natürlich auch weil das Ganze schon sehr lange dauert.

Vera Kremslehner
Hotelchefin als Mentalcoach für Mitarbeiter in Kurzarbeit: „Wir telefonieren viel, versuchen, die Leute aufzubauen.“ © martinsteiger.at

Man hört immer öfter, dass Beschäftigte aus der Hotellerie und Gastronomie die Branche wechseln wollen.
Es haben sich auch schon ein paar unserer Leute etwas Anderes gesucht. Das ist ihnen auch nicht zu verübeln. Es ist leider das große Problem in der Branche, dass sich profilierte Mitarbeiter anderswo umsehen. Es sind zwei, drei Rezeptionisten Richtung Immobilienbranche gegangen, wo gesucht wird.
Der Rest ist gottseidank geblieben. Das ist auch wahnsinnig wichtig. Wir sind ein Familienbetrieb und haben sehr viele langjährige Mitarbeiter, die teilweise seit 30, 40 Jahren in der Firma sind. Das sind genau die Mitarbeiter, die die Firma zusammenhalten und sie ausmachen. Das Schwierige ist, sie jetzt bei Laune zu halten. Gar nicht, weil sie sich verändern wollen würden. Sie wollen arbeiten, rufen an und fragen, ob ich etwas für sie zu tun habe und sie etwas machen können. Wir telefonieren auch viel, versuchen die Leute aufzubauen. Die Situation ist für sie psychisch sehr belastend. Sie machen sich wirklich Sorgen um die Firma. Was sehr schön ist. Die Mitarbeiter stehen wirklich hinter uns. Bei jeder Pressekonferenz der Regierung gehen gleich die WhatsApp-Gruppen los und diskutiert. Es gibt wirklich einen schönen Zusammenhalt.

Zu Ihren Hotelgästen gehören traditionell auch viele Kongressgäste. Nun ist der Kongresstourismus seit einem Jahr tot und in der Pandemie haben Veranstalter gelernt, dass Kongresse auch digital abgehalten werden können. Ist das ein Geschäft, das in diesem Umfang vielleicht gar nicht mehr kommen wird?
Das mag durchaus sein. Ich glaube aber nicht, dass es ganz aufhören wird. Es wird vielleicht ein bisschen weniger werden. Aber vielleicht ist das auch gar nicht schlecht, wenn man an den Overtourism denkt, den wir alle weltweit in den letzten Jahren erlebt haben. Ich glaube aber, dass gerade jetzt, wo die Leute zuhause sitzen, einander wieder sehen möchten. Man wird zwar vieles digital abwickeln können, aber die Menschen wollen sich austauschen, und das bleibt beim Digitalen leider extrem auf der Strecke: Die Gespräche zwischendurch, die Absprachen, das Informelle, der Tratsch, der Austausch, der in jeder Branche dazugehört. Es wird aber noch lange dauern, bis sich das wieder normalisiert hat.

Wir haben alles versucht, aber wir hatten überhaupt keine Chance.

Wenn die Pandemie und Lockdown Situation noch länger anhält – etwa bis in den Sommer – was dann?
Dann wird es richtig eng. Wir haben enge Kontakte mit der Hausbank. Bis zum Sommer sind wir abgesichert. Auch durch geförderte Kredite. Aber selbst wenn Kredite gefördert sind: wir müssen sie trotzdem zurückzahlen. Bis zum Sommer geht das gut. Dann müssten wir wirklich weiterschauen und überlegen was wir machen. Eventuell eine Immobilie zu verkaufen. Aber ich denke positiv.

In der Branche sind wohl nicht alle so gut abgesichert. Rechnen Sie mit einem Bereinigungsprozess?
Den wird es sicher geben. Es wird in der Hotellerie in einem gewissen Umfang eine Marktbereinigung kommen müssen. Ich weiß schon von einigen kleineren Kollegen, die verkauft haben. Manche an andere Kollegen. Der Immobilienmarkt ist im Moment sehr gut. Es ist wahrscheinlich auch ein guter Zeitpunkt, um zu verkaufen. Ich fürchte, dass es im Sommer und im Herbst generell eine größere Pleitewelle geben wird. Nicht nur im Tourismus. Dann wird der Immobilienmarkt nicht mehr so günstig sein wie jetzt. Insofern verstehe ich die Kollegen.
Die Wiener Hoteliers hatten aber schon auch das Glück, dass die letzten Jahre sehr gute Jahre waren und es einen Polster gab. 2018 und 2019 waren Rekordjahre. 2020 waren wir auch ausgebucht. Bis im Februar die Stornos begonnen haben. Wäre die Pandemie 2009 oder 2010 gekommen, dann würden wir ganz anders dastehen. Aber man kann natürlich trotzdem Pech haben. Wir haben alle mehr investiert als wir ursprünglich gedacht hatten, weil eben davor so gute Jahre waren. Und man will auch ein schönes Haus, kein abgewohntes. Der Kongressgast geht nicht ins Besenkammerl, sondern will das schönste Zimmer.

Wie sehr hat sich denn die Pandemie im letzten Jahr auf Ihr Geschäft ausgewirkt?
Im letzten Jahr hatten wir 20 Prozent der Umsätze des Jahres 2019. Da ging es allen Kollegen in der Stadt in etwa gleich. Im Juni durften wir zwar aufsperren, aber Kongresse, Tagungen oder Seminare waren erst ab Juli erlaubt. Dann war aber Sommerpause und im September kam schon wieder die Reisewarnung aus Deutschland und das Jahr war praktisch vorüber. Wir hatten überhaupt keine Chance. Dabei haben wir wirklich alles versucht. Auch unsere Gäste waren kreativ. Wir haben zum Beispiel Veranstaltungen ins Freie verlegt – etwa eine Weinverkostung mit 20 italienischen Weinproduzenten. Die waren dankbar, dass sie kommen durften. Damals war das erlaubt. Eine Woche später wäre es schon wieder verboten gewesen.

Und 2021?
Wir müssen lachen, positiv bleiben. Es geht nicht anders. Aber es wird noch eine sehr harte Zeit. Wir sind in unserer Branche auch ein eigener Menschenschlag, der gerne unter Leuten ist. Gerne Gast und Gastgeber. Dann ist es doppelt hart. Ich sehe für den Herbst aber gute Chancen, dass wir wieder 50 Prozent Auslastung haben. Im Sommer wird es noch schwierig, denn die Leute sind natürlich urlaubshungrig und Städtetourismus ist dann nicht das erste, das man macht.
Es wäre schon schön, wenn die Theater wieder aufmachen. Aber – und ich mache mir damit keine Freunde, wenn ich das sage – es ist besser, alles weiterhin zugesperrt zu lassen. Es macht keinen Sinn, da und dort punktuell etwas zu erlauben. Man hat ja in den Weihnachtsferien an den Skifahrern am Semmering gesehen, wozu das führt. Ein kleines Skigebiet in mit einem großen Einzugsgebiet – Wien und Niederösterreich – die Leute halten keinen Abstand, halten sich nicht an Sicherheitsmaßnahmen. Das macht keinen Sinn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.