Patricia Neumann, Generaldirektorin IBM Österreich

Mit IT-Superkraft zurück in die Normalität

Die Corona-Krise hat in vielen Bereichen einen ungeahnten Digitalisierungs-Schub ausgelöst. IBM Österreich Generaldirektorin Patricia Neumann über Entwicklungen, Erfahrungen und Lehren der COVID-19-Krise und den Kampf der Supercomputer gegen das Corona-Virus.

Shutdown. Geschlossene Geschäfte, und Betriebe. Sperrstunde für Hotellerie, Gastronomie, Theater, Museen, Sport- und Spielplätze. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie haben so wie in den meisten Ländern Europas im Frühjahr 2020 zu einem weitgehenden Stillstand geführt. Abgesehen von den wenigen, für die Infrastruktur notwendigen Unternehmen wurde, wenn überhaupt, fast nur noch im Home-Office gearbeitet.

Der IT-Riese IBM blieb dabei keine Ausnahme. Von den weltweit rund 350.000 Mitarbeitern wurden 98 Prozent ins Home-Office geschickt. In Österreich lag die Quote mit 99 Prozent sogar noch etwas höher. Das Headquarter am Wiener Donaukanal durfte nur noch von den Mitarbeitern betreten werden, die für die Systemsicherheit und für den Betrieb und die Wartung des eigenen Rechenzentrums sorgen mussten.

Und es wird noch eine ganze Weile dauern, bis das Haus wieder richtig zum Leben erweckt wird. „Es gibt den großen Wunsch vieler Mitarbeiter, an den Arbeitsplatz zurückkehren zu dürfen. Das ist aber nicht ganz einfach und wird in Wellen ablaufen“, sagt IBM Österreich Generaldirektorin Patricia Neumann, die bei diesem Thema auf extreme Vorsicht setzt und die von der Regierung empfohlenen Maßnahmen in ihrem Unternehmen sogar noch um einiges strenger handhaben lässt. Bis in den Juni werden erst rund 15 Prozent an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sein. In zwei Monaten dann in etwa 25 Prozent und im Herbst dann vielleicht die Hälfte. Für alle weiteren Mitarbeiter gibt es noch keinen Plan.

Das neue Normal

Gut möglich und für Neumann auch vorstellbar, dass es zu permanenten Home-Office-Lösungen kommt.Zu den Lehren, die sie aus der Krise gezogen hat, gehört nämlich auch, dass der Betrieb auch so aufrecht bleiben kann. Und mit den zur Verfügung stehenden IT-Lösungen mitunter sogar effizienter und nachhaltiger. Als Beispiel dafür führt Neumann die von dem Unternehmen jährlich in veranstaltete „Think“-Konferenz an, die im Jahr 2020 in San Francisco stattfinden hätte sollen und in deren Rahmen Arvind Krishna als neuer Chairman und CEO des Konzerns vorgestellt wurde: „In normalen Jahren wären wir alle dorthin geflogen, doch dann wurde die Veranstaltung kurzfristig auf eine digitale Experience umgestellt und die erste Erkenntnis war, dass es einen enormen Zugriff gab. Die Teilnehmerzahlen haben sich vervielfacht.“

Wie sich generell in der Krise gezeigt hat, welche Bedeutung funktionierende, stabile und vor allem auch sichere IT-Lösungen haben. „In der COVID-19-Krise hat man sehr gut gesehen, dass es Unternehmen leichter hatten, die in der Digitalisierung weiter voraus waren“, sagt Neumann. Die Work-Cloud von Unternehmen sei sehr komplex und bei größeren Unternehmen und etwa bei Banken, Energieversorgern oder Fluglinien auch sehr kritisch. Bestätigt habe sich jedenfalls die Notwendigkeit von Cloud-Lösungen. Ob Hybrid-Cloud-Lösungen, bei denen Anwendungen teilweise auch in internen Rechenzentren laufen, Private oder Public Clouds oder Edge Computing. „Unternehmen haben auch Verantwortung, den sicheren Betrieb 7 x 24 aufrecht zu halten und mit unseren Lösungen sind wir hier ein Partner, der flexible und ausfallsichere Lösungen zur Verfügung stellen kann“, sagt Neumann.

Lernen mit und in der Krise

Doch auch abseits der Wirtschaft hat sich in der COVID-19-Krise die Bedeutung von IT-Lösungen gezeigt und sich die Digitalisierung als Innovationsbeschleuniger erwiesen. Etwa im Bildungsbereich, wo in Schulen und Universitäten binnen weniger Tage auf Distance-Learning umgestellt werden musste. Der Schulterschluss der Ministerien, Gesundheit und Bildung, gemeinsam mit Digitalisierungs-Ministerin Margarete Schramböck, hat nach einem etwas holprigen Start dazu geführt, dass die Lehrpläne im Unterrichtsjahr 2019/20 trotz der geschlossenen Bildungsstätten mit nur wenigen Abstrichen durchgezogen werden konnten. „Mit Webex for our Kids, einem Programm, bei dem IBM-Mitarbeiter in Schulen geschickt wurden, um dort zu unterstützen, haben wir in Österreich auch innerhalb der IBM eine Vorreiter-Rolle ausgeübt. Das Programm wurde mittlerweile europaweit ausgerollt“, berichtet Neumann.

Patricia Neumann, Generaldirektorin IBM Österreich
IBM Östererich Chefin Patricia Neumann: „Entscheidende Rolle der IT im Kampf gegen COVID19“ © Pepo Schuster, austrofocus.at

Supercomputer gegen Corona

Im Forschungsbereich haben sich in der Corona-Krise die Mittel der Digitalisierung ebenfalls als Hoffnungsschimmer für eine möglichst baldige Rückkehr in die Normalität erwiesen. Unter der Mitwirkung von IBM wurden weltweit Supercomputer vernetzt, sodass eine Rechenleistung von unvorstellbaren 430 Peta-FLOPS entstanden ist. Der bisher stärkste Computer der Welt kämpft nun gegen das Corona-Virus und die COVID-19-Pandemie. „Berechnungen, die normalerweise Tage dauern, können damit auf wenige Minuten oder Sekunden reduziert werden“, sagt Neumann in der Hoffnung, die Zeit, bis ein Wirkstoff gegen das Virus gefunden ist so zu verkürzen.

In einem weltweiten Netzwerk, dem World Community Grid, wird zudem freie Rechenleistung von Computern ebenfalls der Forschung zur Verfügung gestellt. Eine am PC installierte APP lässt dabei die IT-Ressourcen geballt gegen das Virus antreten. Mit einem „Call for Code“ hat IBM zudem weltweit Developer aufgerufen, ihre Fähigkeiten in den Dienst der Weltgesundheit zu stellen und Preise für innovative und kreative Lösungen ausgelobt.

„Zu Beginn des Jahres 2020 hatten wir alle noch ganz andere Ziele und Erwartungen“, sagt Neumann. Ausgerüstet mit Schutzmasken und Desinfektionsmitteln und mit Abstand versucht die Welt seither, wieder in die Position zu kommen, die Ziele wieder aufnehmen zu können. Oder zumindest neu zu evaluieren. Der Weg dahin ist noch weit. Es gibt noch zu viele Risken, weiß auch die IBM-Chefin: „Man muss bei der Lockerung auch über Österreich hinausschauen. Die Richtlinien in der IBM können daher auch strenger sein als die der Regierung und wir haben unsere Guideline auch Sebastian Kurz zur Verfügung gestellt.“ Denn die derzeitige günstige Entwicklung in Österreich könne sich auch wieder umkehren. Neumann: „Was bleibt ist die entscheidende Rolle der IT, im Kampf gegen COVID-19, für ein digitales Österreich und im People’s Business, der Rückkehr an den Arbeitsplatz und der Rückkehr in die Normalität.“  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.