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Elfenbein, Bärenfelle, Tigerzähne – blutige Geschäfte im Internet

Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) schlägt Alarm: Im Internet blüht der Handel mit Wildtieren, Wildtierteilen und daraus gefertigten Produkten. Geschätzte 7,8 Millionen Euro wurden im Jahr 2014 damit umgesetzt. Echtes Elfenbein steht besonders hoch im Kurs. Mit den fragwürdigen Produkten werden Millionen umgesetzt. In Österreich ist die Internet-Plattform willhaben.at eine Drehscheibe für die blutigen Geschäfte.

Elefanten-Stoßzähne, Elfenbein-Schnitzereien, Hörner von Nashörnern, Bärenfelle, Tigerzähne oder präparierte Reptilien und exotische Vögel: Im Internet boomt Geschäft mit „Souveniers“ der besonderen Art: Der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) hat den Online-Handel mit Wildtieren, Wildtierteilen und Produkten daraus untersucht und ist zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen: Auf insgesamt 280 Internet-Plattformen in 16 Ländern haben die Tierschützer insgesamt 33.006 bedrohte Wildtiere, Wildtierteile oder Produkte gefunden.

Ich habe die Probe aufs Exempel gestellt und dabei festgestellt, wie einfach es ist, an die fragwürdigen Produkte zu kommen. In Österreich zeigte sich das Internetportal „willhaben.at“ als eine der Drehscheiben für die Wildtier-Produkte. Dort wurden etwa ganze Elefanten-Stoßzähne angeboten (Zwei Stück, je 4,5 Kilo schwere Elefantenzähne), in die eine Elefantenherde geschnitzt wurde. Aus Elfenbein geschnitzte Elefanten auf Horn oder aus Elfenbein geschnitzte „Partysticks mit Tiermotiven“.

„Willhaben.at“: Elefanten-Stoßzähne und Elfenbein-Schnitzereien.  (Screenshots vom 25.11.2014)

Auch andere fragwürdige Produkte wurden – zumeist unter dem Deckmantel „Antiquität“ oder „Kunsthandwerk“ – über die österreichische Internet-Plattform angeboten. Felle von Grizzlybären etwa – garantiert aus Nichtraucherhaushalten – oder Ketten mit Tigerzähnen.

Die Veröffentlichung des Artikels auf Format.at blieb nicht ohne Folgen. Kurz darauf meldete sich Willhaben-Sprecher Sprecher Thomas Reiter, der betonte, die sechs Mitarbeiter des Unternehmens, die mit der Überprüfung der Inserate beschäftigt sind, wären keineswegs überfordert, die Angebote auf ihre Legalität zu prüfen.

Hintergrund: Unter den Artenschutz fallen laut Reiter etwa im Falle von aus Elfenbein gefertigten Gegenständen lediglich Objekte, die nach 1980 nach Österreich gebracht wurden. Daher sei auch der Handel mit Elfenbein, das schon über 35 Jahre im Land ist, legal. Nachzuweisen, dass es sich um legale Angebote handle, sei Pflicht der Verkäufer. Es gäbe entsprechende Zertifikate, mit denen das möglich sei, erklärt Reiter. „Wir können aber als Marktplatz nicht nicht jedes Zertifikat kontrollieren und garantieren, dass keine illegalen Produkte gehandelt werden.“

STOSSZÄHNE UND FAHRRÄDER

Während sich der Internet-Marktplatz eBay schon lange nicht mehr darauf einlässt, jedes Angebot auf seine Legalität zu prüfen müssen und den Handel mit Elfenbein zum Beispiel schon seit 2009 grundsätzlich nicht mehr gestattet, will willhaben.at davon nicht lassen. „In der Geschäftsleitung wurde das diskutiert, aber beschlossen, den Handel mit Elfenbein weiter zuzulassen“, sagt Reiter und erklärt weiter: „Unseren Geschäftsbedingungen zufolge sind die Verkäufer für ihre Angebote haftbar. Sie machen sich auch strafbar, wenn sie illegale Produkte zum Verkauf anbieten.“ Auch bei Fahrrädern – die, wie Reiter selbst sagt in Österreich oft gestohlen und über willhaben.at weiterverkauft werden, müsse man sonst einen Eigentumsnachweis fordern.

Verkäufer halten die Geschäftbedingungen wie die Recherche zeigte jedoch nicht davon ab, auch illegale Wildtier-Produkte zu inserieren. Zumindest funktioniert bei willhaben aber die Kontrolle auf Zuruf: Die im Zuge der Recherche zu diesem Artikel gefundenen Angebote – Bärenfelle und kunstvoll geschnitztes Elfenbein – wurden als Reaktion auf die Berichterstattung offline genommen.

Abgesehen davon, dass es bei einem Großteil der Anzeigen nicht möglich ist, mit Gewissheit zu sagen, ob es sich um legale Angebote handelt, für die alle artenschutzrechtlichen Bestimmungen für den Handel mit geschützten Tieren eingehalten wurden, ist es Robert Kless, dem Kampagnenleiter für Wildtierhandel beim IFAW-Deutschland, allerdings gleichgültig, ob es sich um Antiquitäten handelt oder nicht: „Meist fehlen entsprechende nachprüfbare Belege. Der Online-Handel erhöht die Bedrohung ohnehin gefährdeter Arten und ermöglicht es kriminellen Händlern, unauffällig und anonym ihrem blutigen Geschäft nachzugehen“, erklärt er und weist auf die dramatische Zunahme derartiger Angebote hin: Bei einer gleichartigen Untersuchung im Jahr 2008 hat der IFAW nur 7000 Angebote auf 183 in elf Ländern gefunden. Kless fordert daher Online-Marktplatzbetreiber auf, mit der Polizei und dem Zoll zusammenzuarbeiten und den Verkauf bedrohter Tiere oder ihrer Produkte gänzlich zu verbieten: „Sie müssen leicht zugängliche und verständliche Informationen über die geltenden artenschutzrechtlichen Bestimmungen sowie über die Gefahren für das Überleben von bedrohten Arten durch den illegalen Handel bereitstellen.“

„Willhaben.at“: Bärenfelle und Tigerzahn-Gürtel. (Screenshots vom 25.11.2014)

STRENGERE REGELN GEFORDERT

Im Kampf gegen den illegalen Tierhandel verlangt der IFAW von den Regierungen auch schärfere Gesetze. Mehr als ein Drittel der 2014 international erfassten Anzeigen waren demnach Elfenbein-Angebote, 26 Prozent boten Reptilien an. 54 Prozent der Verkaufsanzeigen betrafen lebende Tiere, 46 Prozent Wildtierprodukte oder -teile. Den gesamten Angebotswert bezifferte der IFAW auf 7,8 Millionen Euro. Etliche Anzeigen gab die Organisation zur Weiterverfolgung an die Behörden weiter – wegen Zweifeln an der Legalität.

Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert die Einfuhr bedrohter Reptilien nach Europa auch außerhalb des Internet-Handels. In der EU seien Wildfänge frei verkäuflich, die in ihren Herkunftsländern aber geschützt seien. „Professionelle Tierschmuggler haben sich auf solche Arten spezialisiert, denn dies verspricht maximalen Profit bei minimalem Risiko“, berichtete die Biologin der Organisation, Sandra Altherr.

Als besonders wertvoll gelten nach ihren Angaben derzeit Borneo-Taubwarane für 8.000 Euro pro Paar, neuseeländische Waldgeckos für 5.300 Euro je Paar und fransige Baumschleichen aus Guatemala für 2.800 Euro pro Paar. Aufgefallen ist der Organisation, dass sich in Hamm im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen im Umfeld einer Reptilienbörse eine regelrechte Drehscheibe für die Tiere in ganz Europa entwickelt habe.