Schlagwort-Archive: Social Web

Elvis Presley, Facebook und WhatsApp

50.000.000 Elvis Fans Can’t be Wrong ist der Titel des neunten Albums von Elvis Presley, das im November 1959 rechtzeitig zum großen Weihnachtsgeschäft veröffentlicht wurde. Auf dem Cover ist Elvis in vierzehnfacher Ausführung zu sehen. Der King of Rock trägt einen goldglänzenden Anzug und lächelt seine Fans selbstbewusst an.

50,00,00 Elvis Fans Can't Be Wrong - Elvis Presley
Elvis Presley Album Cover, 1959

Elvis war damals DER Star schlechthin und das Cover der Platte wurde zu einer Ikone, die in den folgenden Jahrzehnten von etlichen Künstlern nachgestellt wurde. Das Album zählt zu den einflussreichsten Hits-Compilations aller Zeiten.

Dabei lässt die Sammlung der Elvis-Singles der Jahre 1958 und 1959 keinen Zweifel offen: Elvis hatte bei der Veröffentlichung seinen künstlerischen Zenit bereits deutlich überschritten. Die Songauswahl ist so schwach, dass die zehn Titel gut 50 Jahre später bloß noch für wahre Kenner relevant sind. Sie sind austauschbar und nichtssagend. Kaum eine Radiostation der Welt hat sie noch im Programm.

Facebook ist heute DER Star unter den sozialen Netzwerken schlechthin. Nach sensationellen Wachstumsraten und einem IPO, der zumindest die Gründer steinreich gemacht hat, hält Facebook bei gut einer Milliarde Benutzern. 1.000.000.000 Facebook-Nutzer – die können doch nicht irren. Sollte man meinen. Facebook ist heute so allgegenwärtig wie es Elvis Presley in den Rock’n’Roll Sendungen des US-Radios im Jahr 1959 war.

(Das ist zugegeben eine Vermutung. 1959 war ich noch nichteinmal geboren und meine Kenntnisse der US-Radiolandschaft von vor gut fünf Jahrzehnten sind äußerst rudimentär.)

Das Social Web wird mittlerweile in Betriebssysteme von Smartphones und Tablet PCs – den Massenmedien der Gegenwart – integriert, fehlt auf kaum einem Computer und wenn man heute auch nur ein Foto mit dem Handy macht, kommt garantiert der Satz: „Stell das auf Facebook!“

facebook nutzerzahlen
Entwicklung der Facebook-Nutzerzahlen

Trotzdem könnte Facebook – so wie Elvis im Jahr 1959 – den Zenit bereits überschritten haben. Indizien dafür sind rückläufige Zuwächse bei den Nutzerzahlen – OK, bei einer Milliarde Mitgliedern mag das Argument zählen, dass irgendwann einmal ein Plafond erreicht sein muss. Verschiedene Statistiken zeigen allerdings, dass die Nutzungsdauer gleichzeitig stagniert oder sogar sinkt. Das ist noch nicht in allen Märkten zu erkennen, aber im Kernland USA bereits offensichtlich – siehe die nachfolgende Grafik. Die zeigt zwar den nicht mehr ganz aktuellen Zeitraum von Dezember 2010 bis Dezember 2011, ist dafür aber eindeutig.

grafik_nutzung_social_networks
Nutzungsdauer Sozialer Netzwerke in den USA

Wenn Facebook DER Star unter den Social Networks ist, dann ist WhatsApp DER Shooting Star unter den Social Apps schlechthin. In fast hundert Ländern ist WhatsApp inzwischen die meistverkaufe iPhone-App und im Android Store führt die App die Download-Charts ebenso an. Mit ein Grund: Die App ist für alle Smartphone-Systeme und sogar billige Nokia Handys der Serie S40 und S60 verfügbar. Auch wenn Smartphones auf den Wunschzetteln von Teenagern ganz oben stehen hat noch lange nicht jeder Schüler eines. Bei WhatsApp kann praktisch jeder mitmachen.

whatsapp

WhatsApp ist vom Grunde her ein aufgebohrter SMS-Dienst. Neben Einzelnachrichten können damit auch Gruppenchats mit bis zu 30 Personen abgewickelt und Fotos, Videos oder Sprachnachrichten verschickt werden. Die Nachrichten werden als Push-Meldungen verschickt und landen somit sofort am Display des Empfängers. Steht ein WLAN zur Verfügung, dann werden die Nachrichten darüber verschickt. Für die Benutzer ist das kostenlos. Im Gegensatz zu Facebook ist WhatsApp obendrein werbefrei und das von den US-Amerikanern Brian Acton und Jan Koum gegründete Unternehmen versichern auch, abgesehen von den Telefonnummern keine Daten zu sammeln oder zu speichern.

Das kommt an. Die App wird genutzt wie kaum eine andere: Rund zwei Milliarden Nachrichten werden täglich über WhatsApp verschickt. Die Jugendlichen sind sehr vorsichtig mit dem, was sie auf Facebook posten und wie sie das soziale Netzwerk nutzen. Sie halten den Kontakt innerhalb des vielleicht auch aufgrund des Alters noch einigermaßen überschaubaren Freundeskreises lieber über die Smartphone-App WhatsApp. König Facebook ist noch lange nicht tot, aber die Thronfolger bereiten sich auf die Nachfolge vor. WhatsApp lässt das milliardenschwere Facebook-Reich mitunter etwas alt aussehen.