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Geldmaschine Social Media Monitoring

Sind Social Media (SoMe) Portale eine Goldgrube für Unternehmen? Googelt man zum Thema Crowdsourcing, dann sieht es fast so aus. Die Kommentare und Aktivitäten der Freunde und Follower verraten viel über Kunden, Produkte oder Mitbewerber: Was Kunden wollen, woran sie interessiert sind und was sie beschäftigt. Was an aktuellen Produkten gut oder verbesserungswürdig ist, was sich die Kunden wünschen und was sie kritisieren. Welche Aktivitäten die Mitbewerber setzen, worauf man reagieren sollte…

Theoretisch scheinen SoMe Portale eine hervorragende Quelle für Marktanalysen und Marktforschungen zu sein. Das Feedback kommt direkt, ungefiltert und ungeschönt. Eben nicht für Präsentationen beim Vorstand aufbereitet. Trotzdem fällt es vielen Unternehmen schwer, Schlüsse daraus zu ziehen was über sie und ihre Produkte online diskutiert wird.

Die Crux ist, dass man Social Media im Prinzip nicht lernen kann. Dass es keinen Leitfaden und keine Regeln wie im traditionellen Marketing gibt und bei den Analysen immer mit ein gewisser Anteil an Leuten gibt, die sich einfach nur lustig machen, Spaß haben wollen oder die SoMe Aktivitäten der Unternehmen bewusst untergraben. Unternehmen, die SoMe nur als Tool sehen, um sich selbst schön zu präsentieren und dabei die Kommunikation mit den Communities scheuen oder gleich ganz blockieren haben es einfach nicht verstanden.

Interessiert sind sie aber natürlich daran, was auf den SoMe Portalen so diskutiert wird. Viele aber, ohne sich die Zeit dafür nehmen zu wollen, selbst nachzulesen. Da kommen diverse Agenturen und Software-Anbieter ins Spiel, die einfache, automatisierte Analysen in Aussicht stellen. Klingt super. SoMe Analysen auf Knopfdruck, das ist doch was. Erst recht, wenn die Tools obendrein noch Vorstands-taugliche Grafiken auswerfen, die zeigen, wie viele Fans man wieder gewonnen hat, wie viele Kommentare es auf diverse Postings gab und dass überhaupt alles super ist. Das kostet zwar, aber bei dem, was sonst noch für diverse Marketing-Aktivitäten ausgegeben wird ist das oft ein Klacks.

Stopp. Wer glaubt, dass diese Tools wirklich brauchbare Ergebnisse auswerfen, macht einen großen Fehler. Ihre Auswertungen sind weitgehend nichtssagend. Die wirklich interessanten Daten kennen nur Facebook, Google und Konsorten selbst. Die automatischen Tools können eigentlich nichts anderes als die von den Benutzern freigegebenen Daten sammeln und in ansprechende, für das Marketing taugliche Charts übersetzen. Eine Goldgrube sind die SoMe Portale in dieser Hinsicht bloß für die Unternehmen, die solche Lösungen anbieten. Garstig gesagt aber nichts anderes tun, als das Internet auszudrucken. Und das eben auch nur soweit sie es können.

 

Ethority Gridmaster, Hootsuite, How Sociable, Quintly, SocialBench, Social Mention, Sysomos, Topsy oder Wisdom sind solche Tools. Und es gibt vermutlich noch tausende weitere. Alle haben eines gemeinsam: Die Kosten für Enterprise-Lösungen sind recht erheblich. 79 der Fortune 100 Unternehmen verwenden dem Slogan auf der Hootsuite Homepage zufolge Hootuite zur Analyse der SoMe Portale. Die restlichen 21 Prozent haben vermutlich andere Lösungen im Einsatz.

Die Fortune 100 Unternehmen werden sich das leisten können. Viel mehr als Start-Up-Förderungen für Hootsuite & Co sind ihre Ausgaben aber kaum. Schnelle, billige und gute SoMe Analysen gibt es nicht. Wirklich wichtige Fragen wie ob die SoMe Strategie nachhaltig ist, zum jeweiligen Unternehmen passt oder gar was die Community denkt oder sich wünscht bleiben offen.

Unternehmen, die die Sache wirklich ernst nehmen sollten besser in SoMe und Community Manager investieren. Jobs im eigenen Unternehmen schaffen und sich ernsthaft damit auseinander setzen, was die Communities diskutieren. Auch wenn solche qualitativen Analysen Zeit und Geld kosten. Und man am Ende vielleicht nicht das erfährt, was man gehofft hatte zu hören. Dass die Community das eigene Unternehmen möglicherweise gar nicht so super findet, wie man selbst glaubt. Doch das ist der eigentliche Wert von SoMe Analysen: Damit können Unternehmen ihre Kommunikation oder Produkte adaptieren, etwas Neues schaffen. Und mit Glück können sie damit am Ende sogar noch Geld verdienen.