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Face off Facebook

Fast fünf Jahre lang war ich Mitglied bei Facebook. Im Herbst 2008 bin ich dem in Österreich damals noch relativ kleinen Netzwerk beigetreten. Knapp 300.000 Österreicher waren da erst bei Facebook, etwa 3,6% der Bevölkerung.

Am Anfang waren meine Facebook-Freunde noch echte Freunde. Ich fand dazu schnell noch einige alte Freunde und entfernte Verwandte wieder und knüpfte neue Freundschaften. Ich postete, likte, lud Fotos und Videos hoch, teilte Links und probierte zu Beginn auch das eine oder andere Spiel zum Zeitvertreib aus. Das ging mir jedoch schnell auf die Nerven und eine der ersten Schranken die ich Facebook setzte war, dass ich in meiner Timeline sämtliche Informationen über Spielstände von Farmville & Co blockierte.

Mittlerweile hat das Netzwerk in Österreich etwa zehnmal so viele Mitglieder und mein Facebook-Freundeskreis ist ungefähr gleich schnell gewachsen. Kein Wunder, denn inzwischen sind geschätzte 99 Prozent meiner Bekannten auf Facebook und mit ihren Smartphones immer und überall mit dabei. Bei jedem Anlass, ob öffentlich oder privat. Und ich bis jetzt ebenso. Die Folge: Von meinen am Ende fast 300 Freunden kannte ich vielleicht ein Viertel wirklich, und selbst davon waren viele rein berufliche Kontakte. Aber alle bekamen laufend Momentaufnahmen aus meinem Leben serviert.

Klar bietet Facebook die Möglichkeit, in den Kontoeinstellungen festzulegen, wer was sehen darf und wer nicht. Aber, und das gebe ich offen zu: Es war mir immer zu aufwändig, mich damit zu beschäftigen und für jeden einzeln zu bestimmen, was er sehen und tun darf und was nicht. Freundschaftsanfragen ablehnen wollte ich auch nicht. Man will ja nicht als arrogant verschrien sein.

Vor einigen Monaten habe ich dann meine Timeline aufgeräumt. Stunden damit verbracht, Privates zu löschen. Der nächste Schritt zurück ins Privatleben folgte heute Mittag: Ich habe mein Facebook Profil deaktiviert. Noch nicht endgültig gelöscht, aber de facto bin ich damit jetzt weg. Face off. Und es tat nicht einmal weh. Einfach den Link zum Deaktivieren des Kontos aufrufen (wer es nachmachen will, klickt hier) und ein paar Klicks später war es geschehen. Und um nicht gleich wieder in die nächste Falle zu tappen habe ich auch die Facebook-App vom iPhone und vom iPad entfernt. Es gibt noch einen radikaleren Weg, nämlich das Konto gleich ganz löschen. Wer das will, klickt hier. Nach zwei Wochen Bedenkzeit ist dann vom Benutzerprofil nichts mehr übrig.

Entschuldigung, lieber Alexis, Christian, Florian, Gerald, Maria, Susanne und wie ihr alle heißt. Vielleicht hat Facebook recht. Vielleicht werdet ihr mich vermissen. Eigentlich kann ich mir das aber nicht richtig vorstellen. Wer von Euch meine Telefonnummer hat kann mich gerne anrufen. Und wer die nicht hat kann mir ein Mail schicken. Vielleicht trinken wir auch einmal einen Kaffee und möglicherweise zeige ich Euch dann auch Fotos von meinen Freizeitaktivitäten. Vom Berg, vom Meer, vom Städteausflug, sogar von den Kindern, die ihr auf Facebook nie zu sehen bekommen habt. Auf meinem Smartphone habe ich sie immer dabei. Aber eben nicht mehr für euch alle online und jederzeit sichtbar. Schon gar nicht für Freunde von Freunden und deren Freunde.

Vielleicht werde ich mein Konto auch eines Tages wieder aktivieren. Die Möglichkeit dazu gibt es. Bis dahin verabschiede ich mich mit Andrew Gold: „Thank you for being a friend

gold