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Crowdfunding: With a little help from my friends

Wer hatte  nicht schon einmal eine tolle Idee, aber nicht genug Geld um sie umzusetzen? Keine Bank und auch keinen Investor, der die Idee mindestens genauso grandios fand und die bloß noch fragten, auf welches Konto das notwendige Startkapital überwiesen werden soll? Crowdfunding und Crowdinvesting Plattformen sind neue Möglichkeiten, um vielleicht doch an das notwendige Kapital zu kommen und durchstarten zu können. Freilich ohne Erfolgsgarantie, aber wie beim Lotto gilt der Spruch: „Alles ist möglich!“

In den USA ist das Crowdfunding und das Crowdinvesting bereits weiter verbreitet. Aber auch dort hat die US Securities and Exchange Commission erst am 23. Oktober 2013 einen Vorschlag abgegeben, wie das Crowdfunding in den USA künftig geregelt sein soll. Auf über 500 Seiten wird dabei erklärt, wie und unter welchen Umständen sich private Kleinanleger an Unternehmen beteiligen können sollen (Den ganzen Vorschlag findet man hier pdf-Dokument). Die wichtigsten Punkte daraus:

  • Unternehmen dürfen maximal eine Million Dollar pro Jahr über Crowdfunding einsammeln
  • Investoren mit einem jährlichen Nettoeinkommen unter 100.000 $ dürfen maximal 2000 $ oder 5 % davon investieren, wer jährlich mehr als 100.000 $ netto verdient darf davon zehn Prozent investieren.

SEC

Für einen Artikel im profil habe ich mir vor kurzem die österreichischen Crowdfunding-Plattformen angesehen. Mit conda.at und 1000 x 1000 waren erst zwei Plattformen aktiv, und auch die hatten bisher kaum Erfolge vorzuweisen. Geld zu investieren ist eben Vertrauenssache. Auch wenn es sich nur um relativ kleine Beträge handelt. Hier ist der Artikel zum Nachlesen:

Zur guten Hoffnung 

Investieren. Für Privatanleger war es bisher kaum möglich, in Startups zu investieren. Über das Internet und Crowdinvesting-Plattformen können sich jetzt aber auch Kleinanleger Geld an neu gegründeten Unternehmen beteiligen – mit der Aussicht auf eine hohe Rendite, aber auch dem Risiko eines Totalverlusts.

Das alte Bauernhaus, in dem die Lebenskünstler Christian Frantal und Markus Pötzl ihre Werkstatt eingerichtet haben, erinnert an Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt. Umgeben von Apfelbäumen, Maisfeldern und Pferdekoppeln arbeiten die zwei Aussteiger mit drei Gleichgesinnten an ihrem Traum: Einem in traditioneller Handarbeit gefertigten, hölzernen Wagon, der auf kleinstem Raum Platz zum Wohnen und Arbeiten bietet. Dazu gehören ein Wohn- und Arbeitszimmer mit Kochnische, ein kleines Badezimmer und ein Schlafzimmer, das tagsüber mit Hilfe einer Kurbel im Dach des Wagons verstaut werden kann. Damit der Wagon ganzjährig bewohnbar ist wird er auch entsprechend gedämmt und eine im Dach integrierte Photovoltaik-Anlage soll die zum Leben benötigte Energie liefern.

Soweit der Plan, denn noch haben Frantal und seine Mitstreiter nicht einmal den ersten Prototyp fertig gebaut. Trotzdem haben sie schon jetzt erste konkrete Anfragen für die je nach Größe und Ausstattung zwischen 30.000 und 70.000 Euro teuren Wohnwagons. Für die Gründer, deren Unternehmen erst Ende Juni offiziell im Firmenbuch eingetragen wurde, ein Ansporn, sich noch mehr ins Zeug zu legen.

Das Interesse kommt nicht von ungefähr. Die bodenständigen Handwerker aus Sachsendorf in Niederösterreich haben für ihr Untenehmen mangels Eigenkapital oder eines Bankkredits die neue Finanzierungsform genutzt und sich und ihre Idee dafür öffentlich gemacht. Mit Erfolg. Wohnwagon ist das erste Projekt, das über die neue österreichische Internet-Plattform Conda finanziert wurde. Insgesamt 108 Investoren haben dem Unternehmen über conda.at Geld zur Verfügung gestellt, sich damit an dem Unternehmen beteiligt und die für den Start und den Bau des ersten Prototyps notwendigen 75.000 Euro aufgebracht.

wohnwagon
„Wir wohnen wo wir wollen“ ist das Motto von Wohnwagon.at, dem ersten erfolgreich finanziertem Crowdinvesting-Projekt Österreichs

„Crowdinvesting“ wird diese Art der Finanzierung genannt, bei der sich Privatpersonen über das Internet mit kleinen Beträgen – zwischen zehn und 5.000 Euro – an Start-ups beteiligen und als stille Teilhaber am späteren Unternehmenserfolg partizipieren. In den USA hat das Sytem ausgehend von Kickstarter.com, der ersten Plattform zur Finanzierung neuer Produkten und Innovationen, bereits eine ziemliche Dynamik bekommen. Rund 1,6 Milliarden Dollar haben die Internet-Plattformen im Jahr 2012 eingenommen. In Österreich haben es die Vermittler wegen der komplizierten Gesetzeslage nicht ganz so leicht. Hierzulande dürfen sie den Bestimmungen der Finanzmarktaufsicht (FMA) zufolge auch nur Finanzierungen bis zu 250.000 Euro stellen.

Für ihr Geld werden den Investoren je nach Plattform unterschiedliche Rechte zugestanden. In der Regel bekommen Anleger einen Jahreszins von einem Prozent und werden am Gewinn beteiligt. Bei einem allfälligen Verkauf des Unternehmens wird ihnen entsprechend ihres Einsatzes ein Anteil am Erlös ausbezahlt und nach Ablauf der mehrjährigen Bindefrist, die zwischen vier und zehn Jahren liegen kann, können sie ihre Anteile zu dem zu diesem Zeitpunkt errechneten Unternehmenswert abstoßen.

Für die Anleger ist der Reiz dabei die Chance, dass ein Unternehmen tatsächlich den großen Coup landet und sich damit ihr Einsatz binnen weniger Jahre vervielfacht. Es lebt der Traum vom neuen Apple, das im Jahr 1976 mit einem Startkapital von nur 1300 Dollar gegründet wurde. Wer wäre nicht gerne Mike Markkula, der 1977 als erster Investor bei Apple einstieg und für seine 250.000 Dollar 26 Prozent der Unternehmendanteile bekam? Hochgerechnet auf die aktuelle Marktkapitalisierung von 334 Milliarden Dollar wäre sein damaliges Investment heute knapp 87 Milliarden Dollar wert. Auf 100 Crowdinvestoren umgelegt wäre jeder Einzelne 870 Millionen Dollar schwer.

Apple-Gründer Steve Jobs (re) mit Mike Markkula im Jahr 1977
Apple-Gründer Steve Jobs (re) mit Mike Markkula im Jahr 1977

Den hohen Gewinnaussichten steht jedoch auch das erhebliche Risiko gegenüber, dass viele neu gegründete Unternehmen trotz erfolgreicher Startfinanzierungen, guter Geschäftsideen und ausgeklügelter Businesspläne die ersten Jahre nicht überleben. Optimistischen Schätzungen zufolge liegt die Drop-Out-Quote neu gegründeter Unternehmen innerhalb der ersten fünf Jahre bei 40 Prozent, Pessimisten gehen davon aus, dass überhaupt nur eines von zwölf Unternehmen so lange durchhält. Selbst wenn die tatsächliche Überlebenschance irgendwo in der Mitte liegt müssen sich Investoren bewusst sein, dass es extrem risikoreich ist, in Start-ups zu investieren.

Daniel Horak, einer der beiden Geschäftsführer von Conda, macht sich und potenziellen Kleinanlegern auch keine Illusionen. Obwohl Conda mit Partnern wie der Wirtschaftstreuhand- und Steuerberatungsgesellschaft TPA Horwath, der Rechtsanwaltskanzlei Schönherr, der VBV Vorsorgekasse oder Kapsch zusammenarbeitet und jedes Unternehmen, das eine Finanzierung über die Crowdinvesting-Plattform anstrebt, auf Herz und Nieren prüft, bleibt das Risiko eines Totalausfalls. „Es ist und bleibt absolutes Risikokapital“, bestätigt er.

Für Theresa Steininger, der Geschäftsführerin von Wohnwagon, war es daher auch keineswegs so klar, dass tatsächlich über 100 Leute Geld in das Unternehmen investieren werden: „Man stellt sich das so schön vor. Da gibt es eine Plattform, dann kommt die Cloud, und schon hat man genug Geld. Tatsächlich war es harte Arbeit. Wir haben den Markt ein halbes Jahr lang mit Veranstaltungen und Vorträgen bearbeitet, um die Leute von unserer Idee zu begeistern.“ Zudem hat Steininger die Crowd-Investoren als durchaus kritische Geldgeber kennengelernt, die sich sehr genau über das Unternehmen, seine Ziele und seinen Businessplan informieren, ehe sie auch nur einen Cent investieren. Für die Wohnwagon-Chefin war das eine sehr lehrreiche Erfahrung, denn Schwächen im Businessplan wurden schonungslos aufgezeigt.

Steininger verspricht jedenfalls, dass die Geldgeber aus dem Internet nicht enttäuscht werden. Ab dem nächsten Jahr wird es den Wohnwagon in drei verschiedenen Größen und in zwei Varianten geben: Einer stationären mit einem nur für Transporte genehmigten Fahrgestell für den Zweitwohnsitz im Grünen und einer mobilen, reisefähigen, die wie ein Wohnwagen an ein Auto gehängt werden kann. Für die zweite Variante müssen allerdings noch einige Details geklärt werden. So suchen die Wagon-Bauer etwa noch nach Lieferanten für gut gedämmte, bruchsichere Polycarbonat-Fenster.

Conda-Geschäftsführer Daniel Horak ist indessen damit beschäftigt, neue Projekte, Businesspläne und Start-ups zu prüfen. Und nicht nur die von Start-ups: Auch bestehende kleine Unternehmen, die für ein neues Projekt Geld benötigen, sollen die Plattform zur Finanzierung nutzen können. Aktuell etwa die Brain Company, die versucht, über die Crowdinvesting-Plattform das Kapital zur flächendeckenden Markteinführung einer neuen Software zu bekommen. „Wir wollen den Investoren die Möglichkeit bieten, in mehrere verschiedene Unternehmen, darunter auch einige die schon etwas länger am Markt sind, zu investieren. So wird das Risiko etwas gestreut“, erklärt er

Doch auch Conda selbst hat noch mit den Problemen eines Start-ups zu kämpfen. Das erfolgreich abgewickelte Pilotprojekt Wohnwagon hat den Business-Angels aus dem Internet eine gewisse Publicity beschert. Von dem Ziel, im nächsten Jahr 30 bis 35 Projekte abwickeln zu können und damit auch selbst den Break-Even zu erreichen – Conda behält bei einer erfolgreichen Vermittlung und Finanzierung neun Prozent des Kapitals als Honorar – ist das Unternehmen noch ein ganzes Stück weit entfernt. Ein Großteil der Geschäftsideen und Businesspläne, die Horak und sein Team zu Gesicht bekommen, werden nämlich vom Fleck weg aussortiert, weil sie nicht den Qualitätskriterien der Plattform entsprechen. Horak: „Wir haben mittlerweile rund 250 Anfragen bekommen. Viele Businesspläne sind aber einfach schlecht. Nach dem ersten Check bleiben vielleicht 15 bis 20 Prozent übrig.“ Allen Start-ups, die sich Geld aus der Crowd erhoffen, gibt der Conda-Chef daher den dringenden Rat, zuerst einmal einen ordentlichen Businessplan und einen Finanzplan zu erstellen und vorab ein erstes Feedback aus dem eigenen Umfeld einzuholen: „Viele Gründer vergessen in den Businessplänen die grundlegenden Dinge ihres Geschäfts. Ein Businessplan für einen Online-Shop ohne Eckdaten wie User-Zahlen oder Conversion-Rate ist nicht gut. Auch wenn die Zahlen nie stimmen muss man sich darüber Gedanken machen.“

Ein Grund weshalb den Conda-Gründern oft unausgegorene Businesspläne vorgelegt werden ist, dass die Idee des Crowdinvesting in Österreich noch ziemlich neu. Neben conda.at ist mit 1000×1000.at nur eine weitere heimische Plattform online. Eine dritte, seedsmart.at, ist im Lauf des Jahres über das Beta-Stadium nicht hinausgekommen. Auch wenn der Firmenchef Andreas Köttner betont, dass die Plattform noch heuer in den Echtbetrieb gehen soll sieht es derzeit nicht danach aus.

Wie sehr das Crowdinvesting in Österreich noch im Anfangsstadium ist zeigt die im Februar nach einer zehnmonatigen FMA-Prüfung vom Grazer Reinhard Willfort gestartete Plattform 1000×1000. Trotz bewusst niedrig angesetzter Schwellen für Investoren – beim Equity-Modell kann man sich ab einer Summe von 250 Euro an Unternehmen beteiligen und bei dem zur Finanzierung kleinerer Projekte wie etwa Smartphone-Apps geschaffenen Reward-Modell sogar schon mit fünf Euro – tun sich die Gründer schwer, von der Crowd das notwendige Startkapital zu bekommen.

Von Mitte Februar bis Ende September versuchte etwa der Autor Folke Tegetthoff gemeinsam mit seinem Partner Peter Schreiner von der Crowd 50.000 Euro für seine Idee der „Geschichtenbox“ zu bekommen. Ohne Erfolg: Die 16 Investoren hätten gemeinsam bloß 12.350 Euro zur Verfügung gestellt. Die Finanzierung ist damit gescheitert. Die Crowd-Investoren hatten dadurch das zumindest kein Schaden. Sie erhielten – wie das bei Projekten, deren Finanzierung nicht zustande kommt allgemein üblich ist – ihr Geld zurück.

Für das Buch-Café, das die Wiener Neustädterin Manuela Grabherr-Gappmayer eröffnen wollte, sieht es ebenfalls schlecht aus. 50.000 bis 100.000 Euro hoffte sie in der Zeit vom 28. Juni bis zum 28. Oktober von der Crowd einsammeln zu können. Ende der ersten Oktoberwoche hatten sich jedoch sich erst 20 potenzielle Investoren gefunden, die in Summe 7800 Euro, 16 Prozent des Mindestkapitals, zu finanzieren bereit gewesen wären.

Nicht einmal der Promi-Faktor der Torwart-Legende Michael Konsel zieht: Dem von Konsel mit den Partnern Helmut Hofer-Gruber und Michael Göbharter gestarteten Unternehmen Panna-KO Austria, das eine südamerikanische Spielart des Fußball nach Österreich bringen will, ist es in einem halben Jahr nur gelungen, 15 Investoren anzusprechen. Mit bisher eingesammelten 14.000 Euro ist das Trio noch weit vom Ziel entfernt. Das einzige auf der Website ersichtliche ausfinanzierte Projekt der Plattform ist die vom Initiator selbst ins Leben gerufene Ideenplattform „Neurovation.net“. Insgesamt 84 Investoren finanzierten das Projekt mit 75.100 Euro.

Für den 1000×1000 Geschäftsführer Willfort ist das dennoch kein Grund, an der Idee des Crowdinvesting zu zweifeln: „Für Start-ups ist es mittlerweile extrem schwierig, Finanzierungen zu bekommen. Die Situation hat sich mit Basel III dramatisch verschärft. Banken geben kein Geld mehr her und Risikokapital ist in Österreich kaum vorhanden.“ Diese Lücke könnte und sollte das Crowdinvesting schließen. Willfort: „In einigen Jahren wird das Crowdinvesting ein ganz wichtiges Element bei der Start-up Finanzierung sein.“