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Interview mit A1 Telekom Austria CEO Hannes Ametsreiter: „Wir werden mit LTE ganz gewaltige Möglichkeiten haben.“

Interview-Reihe zur LTE-Auktion in Österreich: Für einen Artikel im Magazin trend anlässlich der Vergabe der 4G-Lizenzen in Österreich  habe ich Interviews mit den CEOs der drei österreichischen Mobilfunk-Anbieter und mit dem Georg Serentschy, Chef der Telekom-Regulierungsbehörde RTR geführt.

Hier ist das zweite Interview dazu. A1 Telekom Austria CEO Hannes Ametsreiter über die Zukunft und das Leben mit der vierten Mobilfunkgeneration LTE.

trend: In diesen Tagen läuft die Auktion für die Frequenzen, die den landesweiten Ausbau der vierten Mobilfunkgeneration LTE ermöglichen. Warum ist LTE für die Branche so wichtig?
Hannes Ametsreiter: LTE ist der Turbo und eine ganz logische Weiterentwicklung. Die Technologie gibt uns mehr Speed, schafft neue Möglichkeiten. Jeder in der Branche wird es machen.

Sie werden viel Geld in den Netzausbau investieren. Aber weshalb sollten Kunden auf LTE wechseln?
Ametsreiter: Die Message für den Kunden ist ganz einfach schneller und besser. Neue Technologien starten immer gleich. Zu Beginn gibt es immer die Sorge, wie man etwas verkaufen kann. Wer das Angebot überhaupt annehmen wird. Zwei Jahre später fragt man sich dann bereits, wie man den dramatisch ansteigenden Traffic bewältigen kann. Beim Schritt von 2G auf 3G war es ähnlich. Die Speed-Addictness ergibt sich automatisch. Die Gewöhnung auf die neue Geschwindigkeit und die neue Bandbreite geht in einem unglaublichen Tempo und man muss sich nie Sorgen machen, ob es Kunden verstehen oder annehmen.

Wie lange wird es dauern, bis LTE auch von der breiten Bevölkerung angenommen wird?
Ametsreiter: Unsere Erfahrung ist, dass neue Technologien immer dann angenommen werden, wenn es eine Unterstützung in allen notwendigen Bereichen gibt. Man braucht die Netze mit der richtigen Technologie, die Hardware – Smartphones, die diese Technologie unterstützen – und dazu noch entsprechende Angebote und Tarife, bei denen der Kunde sagt, dass das Sinn macht, und dann geht es schnell.

Nach der Vergabe der UMTS-Frequenzen passierte lange Zeit kaum etwas. Bis schon Stimmen laut wurden, dass aus UMTS gar nichts wird. Wird nach der LTE-Auktion eine ähnliche Lücke geben?
Ametsreiter: Nein, bei LTE wird es keine Lücke geben. Es kommen jetzt LTE-Geräte in entsprechender Stückzahl auf den Markt. Es wird ein smoother Übergang von 3G auf 4G kommen. Das scheint mir sehr gut zu funktionieren und die Adaption wird relativ rasch gehen.

Mit LTE werden Bandbreiten von 100 Mbit/s und mehr in Aussicht gestellt. Aber welche Bandbreite darf sich ein einzelner Benutzer erwarten?
Ametsreiter: Mobilfunk ist eine Shared Ressource, das darf man nie vergessen. Ich teile mir immer eine Basisstation mit der Anzahl der gleichzeitig aktiven Nutzer. Wenn ich um drei Uhr morgens alleine im Netz bin steht mir die volle Geschwindigkeit, die bei über 100 MBit liegen kann, zur Verfügung. Wenn abends viele gleichzeitig im Netz sind wird die Bandbreite eben auf die Zahl der Nutzer aufgeteilt. Jeder, der eine Division von 100 MBit auf 200 Benutzer beherrscht – die man sehr leicht im verbauten Gebiet haben kann – kann sich ausrechnen, welche Bandbreite zur Verfügung stehen wird. Das ist für uns auch das sehr starke Argument für das Festnetz-Breitband, weil man dort Bandbreiten zuteilen kann. Insgesamt ist Technologie aber natürlich effizienter, schneller und sie hat auch deutlich bessere Latenzzeiten. So hat man eine deutlich bessere Experience.

Ein Vorteil von LTE sind auch die deutlich geringeren Reaktions- oder Latenzzeiten der Netze. Weshalb auch mobiles Online-Gaming ein Thema ist.
Ametsreiter: Gegen die Latenzzeiten im Festnetz-Breitband hat man allerdings mit dem mobilen Breitband immer noch keine Chance. Deshalb sind wir auch überzeugt, dass die Konvergenz-Strategie richtig ist und den Glasfaser-Ausbau weiter voran treiben. Unsere Strategie ist, Glasfaser immer näher an die Kunden heran zu bringen. Wir haben jetzt so gut wie alle Hauptverteiler und Mobilfunk-Basisstationen an Glasfaser angeschlossen. Jetzt schieben wir Glasfaser noch näher an die Kunden heran und bauen auch Fiber-to-the-Home, um noch mehr bestätigte Bandbreite anbieten zu können.

Die vor zwei Jahren angekündigte Glasfaser-Offensive, in deren Zuge Sie eine Milliarde investieren wollen, ist also mit LTE nicht zu Ende?
Ametsreiter: Die Glasfaser-Offensive läuft trotz LTE weiter. Da haben wir viel investiert, und das werden wir auch in Zukunft tun. Wir sind überzeugt, dass die stärkste Infrastruktur Österreichs aus Festnetz-Breitband, Glasfaser im speziellen, und den besten Mobilfunktechnologien besteht. Beides muss man sicherstellen, damit man zu den Kunden kommt.
trend: In Südkorea und Australien wird bereits die zweite LTE-Generation, LTE-Advanced (LTE-A) ausgerollt. Damit werden Daten-Übertragungsraten von 1 Gbit/s und mehr möglich. Warum starten Sie nicht gleich mit LTE-A?
Ametsreiter: LTE-A wird von den Endgeräten noch nicht unterstützt. Deshalb müssen wir mit LTE beginnen, und da gibt es noch jede Menge zu tun. Die Vergabe der Frequenzen ist der erste Schritt.

Und danach? Wo wird man LTE zu Jahresende verwenden können?
Ametsreiter: Wir werden bis Ende des Jahres 45 Prozent der Gesamtbevölkerung mit LTE versorgen, das ist ein enormer Schub. Wir haben damit dreimal so viel LTE wie der Zweitbeste in Österreich und sind klar führend. Wir investieren massiv und holen auch einen Vorsprung heraus.

Welche Folgen wird das immer verfügbare mobile Breitband-Internet auf den Alltag haben?
Ametsreiter: Die Bedeutung von Connectivity wird durch LTE deutlich steigen. Die Zukunft ist All-IP. Es wird völlig egal sein, ob der Traffic über eine Festnetz- oder eine Mobilfunk-Infrastruktur läuft. es geht in Richtung Daten und Daten werden das alles Bestimmende in unserer Kommunikation, in unserem Leben sein. Daten können Sprache, Musik, ein Schlüssel für eine Tür, Geld sein. Alles was digitalisierbar ist kann durch Datenströme abgebildet werden. Das schafft ungeahnte Möglichkeiten. Wir sind erst am Beginn der Entwicklung und die neue Technologie, 4G wird dem einen nächsten Schub geben, ein echter Turbo für neue Dienste sein.

Und Smartphones werden dafür die universellen Werkzeuge sein?
Ametsreiter: Wir müssen uns vom traditionellen, alten Telefonie-Denken lösen. All IP bedeutet viel mehr. Connectivity wird es mit SIM-Karten in Autos, Kameras – in praktisch allen Dingen geben, die uns umgeben. Mit einer klassischen Telefonie hat das überhaupt nichts zu tun. Dieses Digital Living, von dem ich glaube, dass es uns massiv erfassen wird. Wir werden auch ganz gewaltige Möglichkeiten haben, indem ich einfach digital unterschreibe oder bezahle. Die Digitalisierung wird in den Alltag einziehen. So werden neue Möglichkeiten geschaffen. Im Gesundheitsbereich, in allen Bereichen, wo man heute ansteht und man in Kostenprobleme läuft kann Technologie möglicherweise eine Lösung bieten, Dinge sehr viel kostengünstiger umzusetzen.
Das ist eine sehr spannende Entwicklung, die eigentlich nichts mehr mit Telefonie zu tun hat. Es geht um Datentransaktionen, die in Lösungen eingebettet sind, die den Menschen bestmöglich unterstützen sollen. Man muss sich klar überlegen, wie die Technologie den Alltag unterstützen und beeinflussen wird. Smartphones wird es natürlich in jeglicher Form geben.

Wird mit LTE das mobile Internet das Festnetz-Breitband ablösen?
Ametsreiter: Trotz LTE wird und kann das mobile Breitband nie ein Ersatz für das Festnetz-Breitband sein. Würde wir heute den gesamten Traffic, der über das Festnetz-Breitband läuft auf den Mobilfunk umlegen, dann würden die Netze in der Sekunde zusammenbrechen. Das gewaltige Volumen ist nicht abbildbar. Wir haben eine gute Chance, dass wir über das Festnetz-Breitband weiterhin enorme Volumina an Daten schaufeln. Die sind wichtig für Cloud-Computing – ein Riesen-Trend. Die Kombination beider Möglichkeiten ist unser eigentliches Asset.

Welchen Effekt wird LTE für Österreichs High-Tech Branche haben?
Ametsreiter: Wir sind am Beginn zu einer Entwicklung der Digitalisierung des täglichen Lebens. Mobilfunker und Breitband-Internet-Anbieter spielen dabei eine immer wesentlichere Rolle. Ich hoffe, dass sehr viele neue Firmen entstehen, die Applikationen entwickeln. Ich glaube, dass es uns als Land dann gut geht, wenn wir eine gute Infrastruktur haben, die uns in allen Bereichen erfasst. Das bezieht Schule ein, das tägliche Wirtschaftsleben und auch das Privatleben. Die Bedeutung der unserer Branche ist daher stark steigend.

Haben Sie konkrete Vorstellungen von den Diensten der Zukunft?
Ametsreiter: Nein, und man kann keine Prognosen abgeben, was geschehen wird und welche Produkte und Lösungen kommen werden. Die ergeben sich immer im Lauf der Zeit. Eine Firma Facebook hat niemand vorhergesagt. Sie ist plötzlich entstanden und ist heute eine der am weitesten verbreitete Applikationen der Welt. Das ist ein Beispiel dafür, dass man weltweit unheimlich erfolgreich sein kann, wenn man den digitalen Hebel richtig nutzt. Wir werden in Zukunft noch viele Success-Stories sehen, die entstehen, wenn innovative Unternehmer die neuen Technologien hebeln. Das haben wir bei Facebook, YouTube, Skype und verschiedensten Firmen gesehen. Ich glaube, dass diese Entwicklung dem ganzen nochmals einen Turboschub geben wird. LTE ist ein weltweiter Standard und insofern auch eine großartige Möglichkeit für Entwickler, auf dieses Service aufzusetzen.

Sie haben ja mit A1 TV ein großes IP-TV-Angebot. Wollen Sie das auch über LTE ausrollen?
Ametsreiter: Es ist ein klares Ziel, das IP-TV-Produkt der Telekom Austria auch über LTE in die Haushalte zu bringen. Die Zukunft ist Seamless Content und Multi-Device. Fernsehen wird damit ganz anders aussehen. Ich kann den Content auf allen Geräten und jederzeit konsumieren. Wichtig sind der ganz einfache Access und Produktpakete. Die klassischen Telekommunikations-Unternehmen werden zu Kommunikationsunternehmen.