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Interview | Martin Giesswein, Nokia: „Es ist noch nichts verloren“

Mein Interview vom 19. Juli 2012 mit Nokia Österreich General Manager Martin-Hannes Giesswein über die Perspektiven Nokias und die Zukunft des Unternehmens in Österreich. Nokia CEO Stephen Elop hatte am Tag davor mit der Qartalsbilanz einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro bekannt gegeben. Nach horrenden 1,34 Milliarden Verlust im Quartal davor.

Nokia Österreich General Manager Martin-Hannes Giesswein

Nokia hat soeben einen Quartalsverlust von 1,4 Milliarden Euro bekanntgegeben. Davor waren es 1,34 Milliarden. Wie geht es nun weiter? Welche Folgen haben diese Verluste für Nokia Österreich?
Giesswein: Dieser Quartalsbericht zeigt, in welcher Situation wir uns befinden. In einer wirtschaftlich sehr schwierigen Transformationsphase, die alle Bereiche betrifft. Es gab deswegen auch das Announcement vom 14. Juni, dass Nokia noch mehr auf die Kosten achten muss und auch ein Mitarbeiter-Reduktionsprogramm mit einem globalen Abbau von 10.000 Personen gefahren werden muss. Das ist natürlich sehr negativ, ist aber ein Teil der Transformation, durch die wir gehen müssen.

Die ja nun schon sehr lange dauert. Stephen Elop wurde im September 2010 CEO und hat im Februar 2011 den neuen Kurs und die intensive Kooperation mit Microsoft angekündigt.
Zwei Monate danach wurde der Vertrag mit Microsoft unterschrieben und wieder sechs Monate später ist das erste Smartphone aus dieser Kooperation heraus vom Fließband gelaufen. Wir konnten in Österreich noch zum Weihnachtsgeschäft, am 23. Dezember mit dem Verkauf in Österreich starten und haben die neue Ära eingeleitet.

Das war aber bestenfalls noch für Last-Minute-Shopper. Und die Konkurrenz von Android und Apple war sehr stark.
Natürlich ist ein neues Ökosystem wie Windows Phone nicht so ausgebaut wie Android oder iOS. Das ist eine lange Reise, verbunden mit einer langen Zeit, in der die Umsätze fehlen und die Kosten sehr genau beobachtet werden müssen. Aber auch Android hat rund 18 Monate gebraucht, bis es eine relevante Größe erreicht hatte. Apple hat mit dem iPhone und iOS das Marktgeschehen geändert, aber auch das ging nicht von einem Tag auf den anderen. Wir stehen eben jetzt am Anfang. Die Situation ist aber seither sicher nicht einfacher geworden. Der Umstieg ist für uns daher extrem hart.

In Summe dauert der Prozess nun aber doch schon fast zwei Jahre. Das Jahr 2011 war eigentlich ein verlorenes Jahr, ganz ohne neues Smartphone und auch 2012 kommt erst langsam in Schwung. Verliert man da nicht manchmal den Glauben?
Nein. Unser Motto und Ansatz heißt: „Transformation durch Innovation“. Damit versuchen wir, aus dieser schwierigen Situation herauszukommen. Es gibt auch Erfolge. Wir hatten binnen sechs Monaten das erste Gerät, sechs Monate später können wir bereits vier Lumia-Smartphones anbieten. Vom kostengünstigen 610 bis zum Topmodell, dem Lumia 900.
Von den Usern und vom Handel werden unsere Geräte gut angenommen. Es ist aber auch so, dass ein neues User-Interface und ein neues Ökosystem erklärt werden müssen. Das ist für Verkäufer, die lange Zeit nur iPhones und Android Geräte verkauft haben oft nicht leicht.

Und dann fehlen die Umsätze.
Es gibt für uns aber nicht nur das Smartphone-Geschäft. Das Mobile Phone Geschäft ist hoch stabil und hochinteressant. Die Hälfte aller in Österreich verkauften Geräte sind Mobile Phones. Nokia hat hier eine historische Stärke. Wir haben die Mobile Phones in unserer Transformationsphase weiterentwickelt.

Die wahren Umsatzbringer sind diese 50, 100 Euro Geräte aber nicht.
Deshalb müssen wir das Windows Ökosystem auch erklären. Jeder versteht, wie iPhone, iTunes und iTunes Store zusammenspielen und funktionieren. Wie das bei Windows ist, dass man mit Cloud-Systemen, Skydrive, der Office- und Exchange Integration oder Xbox live sehr viele Möglichkeiten hat.

Vieles davon gab es bei Nokia aber auch schon vorher, ohne der Kooperation mit Microsoft. Der richtige Push des Partners scheint da noch nicht gekommen zu sein.
Das ist richtig. Durchaus selbstkritisch gesagt war es für Nokia aber notwendig, Partner zu finden, mit denen man mehr sein kann. Samsung macht Android-Handys und ist damit sehr erfolgreich. Aber dahinter steht keine Partnerschaft. Kein Zusammenarbeiten mit Google. Nokia arbeitet mit Microsoft sehr eng zusammen, bis in die Forschung und Entwicklung. Wir können mehr bieten. Wir sind aber noch nicht dort, wo wir hin müssen. Aber warum braucht man im Business-Bereich ein iPhone? Doch nur weil es schön ist. Es gibt Hypes und viel Irrationales am Markt. Das ist auch klar, weil Smartphones sehr persönliche Geräte sind.

Aber wo kann bei der heute ohnehin schon fast alles umfassenden Funktionalität von Smartphones das Asset von Nokia sein?
Heute steht Google in der Internetwelt für „Was“ – die Suche. Facebook steht für „Wer“ – wer ist mit wem verbunden und in Kontakt. Nokia hat bereits eine sehr starke Position im Bereich der Location Based Services. Das „Wo“ – Das ist das Ausschlaggebende, auf das wir uns fokussieren. Diese Position wollen wir ausbauen. Mit Navteq können wir Kartenmaterial von über 190 Ländern anbieten. Es gibt täglich 24 Millionen Routing-Anfragen von Windows Phones. Wir sind in der Navigation zehnmal effizienter als Google, bieten echte Offline-Navigation an. Bei vier von fünf Autos mit Dashboard-Navigation steht eine Nokia-Technologie dahinter. Immer mehr Firmen gehen mit uns Kooperationen im Bereich der Navigation ein. Yahoo, Bing, T-Mobile, Garmin, Porsche, Microsoft. Hier entsteht etwas.

Software ist aber eigentlich das Geschäft von Microsoft. Fürchten Sie nicht, dass Nokia bei der Kooperation mit Microsoft das gleiche Schicksal erleidet wie Ericsson in der Kooperation mit Sony? Ericsson war ja auch ein guter Hersteller von Handys, mit einem guten Standing. Jetzt macht Sony alles alleine.
In unserer Branche kann sich natürlich alles immer ändern. Von der Partnerschaft mit Microsoft profitieren sowohl Nokia als auch Microsoft. Wir haben rund 30.000 Patente. Das ist auch ein gutes Geschäft und eine starke Position in der Kooperation mit Microsoft.

Die Frage bleibt, ob Nokia es schafft, Windows Phones zur iPhone und Android Alternative aufzubauen. Zum Start von Windows Phone 7 hatten ja zahlreiche Hersteller darauf gesetzt. Inzwischen sind die meisten aber wieder zu Android übergelaufen. Redet man sich den Markt nicht schön?
Als wir in die Kooperation eingestiegen sind gab es rund 7000 Apps. Jetzt sind es über 100.000. Die Entwickler setzen also auf uns. Da ist etwas Tolles passiert. Die Ankündigungen der anderen Hersteller deuten aber darauf hin, dass in Zukunft mehr Windows-Geräte anderer Hersteller kommen. Die sind zwar auch Mitbewerber, aber wie auch Elop sagt ist es gut, wenn andere Hersteller auf Windows setzen und das Ökosystem verbreiten.

Die Frage nach der Zukunft von Nokia Österreich haben Sie noch nicht beantwortet. Die Ankündigung, dass weltweit 10.000 Mitarbeiter entlassen werden steht im Raum. Was bedeutet das für Österreich?
Dazu kann ich wenig sagen. Ob und inwieweit die angekündigten Restrukturierungen Österreich betreffen ist bis jetzt noch nicht klar.

Sie haben noch keine Auflagen, Vorgaben und Sparziele?
Nein. Wir haben klare Aufträge, aber keine Vorgaben, wie viel wir sparen müssen.

Und die Bedeutung des Standort Österreich innerhalb Nokias?
Es gab die Region Alps/Southeast Europe, die bis nach Israel reichte und von Österreich gesteuert wurde. Jetzt gehören wir zu Zentral- und Osteuropa. Das hat sich verschoben. Das ist der momentane Stand der Dinge. Im Konzern verändert sich das aber oft. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie denn derzeit noch in Wien?
Das darf ich leider nicht sagen. In den letzten Monaten gab es aber außer den normalen Fluktuationen keine Veränderungen.

Und die 10.000 Mitarbeiter, die noch abgebaut werden sollen treffen Sie nicht?
Die stehen natürlich im Raum wie ein rosa Elefant, an den man am besten nicht denkt. Klar drückt so eine Ankündigung auf die Stimmung, aber man muss weiter fokussiert arbeiten, so lange keine Informationen da sind, welche Auswirkungen das auf uns hat. Derartige Announcements sind für kein Unternehmen leicht. HP und Nokia Siemens Networks haben angekündigt, 17.000 Mitarbeiter abzubauen. Das gehört leider heute zu den Gegebenheiten in Konzernen. Dem muss man sich stellen.

Als Chef müssen Sie aber wissen, wieviele Mitarbeiter Sie brauchen. Kämen Sie auch mit einer Mannschaft, die vielleicht um ein Drittel kleiner wäre zurecht?
Wir sind jetzt schon schlank aufgestellt für die Aufgaben, die wir haben. Wenn es nach mir ginge würde ich immer einen Mitarbeiter mehr brauchen.

Sieht man das in Finnland auch so?
Das würde ich schon sagen.

Wie viel Verlust dürfen Sie in Österreich noch machen?
Wir bilanzieren als internationale Gruppe, da gibt es also kein dezidiertes Österreich-Ergebnis.

Aber wieviel von den 1,4 Milliarden, die im letzten Quartal angefallen sind entfallen auf Ihre Region?
Die Marktgegebenheiten sind in jedem Land anders. Das hängt von der Kaufkraft der Kunden und von den Mobilfunkbetreibern ab. In Österreich steht eine Konzentration an. Es gibt einen starken Druck auf das EBIT der Netzbetreiber. Ökonomisch haben wir mit unseren Geräten da ein gutes Standing.

Interview | Thilo Sarrazin

Mein Interview mit dem Volkswirt, Politiker (Sarrazin SPD-Finanzsenator in Berlin), ehemaligen Vorstand der Deutschen Bundesbank, Autor und Euro-Kritiker Thilo Sarrazin, geführt am 4. Juli 2012. Sarrazin erklärte darin Eurobonds und ESM für falsch und bemerkte, dass Griechenland die Eurozone verlassen sollte.

Thilo Sarrazin / Foto © Elke Mayr/WirtschaftsBlatt
Thilo Sarrazin / Foto © Elke Mayr/WirtschaftsBlatt

„Hinter ESM und Eurobonds steht ein falscher Solidaritätsgedanke“

Herr Sarrazin, im österreichischen Parlament wurde heute für den Euro-Rettungsschirm ESM abgestimmt. Wie beurteilen Sie die Entscheidung des österreichischen Nationalrats?
Sarrazin: Ich war seit Beginn der Diskussion ein strikter Gegner jedweden Rettungsgedankens. Aller Aktionen, mit denen versucht wird, innerhalb der gemeinsamen Währungsunion einzelne Staaten vor den Folgen ihres eigenen finanziellen Handelns zu schützen. Das ist eine grundsätzlich falsche Richtung. Eine Währungsunion kann nur funktionieren, wenn es auch die finanzielle Verantwortung für die Folgen des eigenen Handelns gibt. Alles Andere führt dazu, dass die Staaten, welche letztlich als Bürgen herangezogen werden, in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden. Die anderen Staaten werden in ihrem inneren Antrieb, selbst für geordnete Verhältnisse zu sorgen geschwächt werden.

Sie hätten dem Rettungsschirm nicht zugestimmt?
Das ist für mich eine Frage jenseits des Geldes, einer grundsätzlichen Fehlsteuerung. Hinzu kommt, dass der ursprüngliche ESM, über den im deutschen Bundestag am letzten Freitag und im österreichischen Parlament am heutigen Tag abgestimmt wurde, in seinem Inhalt verändert wurde ist und eine Geschenkpackung mit wechselndem Inhalt ist. Jetzt soll er auch für Banken zur Verfügung gestellt werden.

Monti hat eine Klausel durchgesetzt, mit der der Inhalt des ESM in die Richtung einer vollständigen politischen Beliebigkeit gerutscht ist. Wenn jetzt der europäische Rat gemeinsam mit der Kommission der Meinung ist, er müsse das Recht anders interpretieren, dann gibt es dafür keine Sanktionsmöglichkeiten. Das europäische Recht ist in eine Rolle unverbindlicher Absichtserklärungen gerutscht. In eine Euro-Lyrik unbestimmten Inhalts. Ich sehe eine gewisse Perversion der Demokratie darin, dass sich sowohl der deutsche Bundestag als auch der österreichische Nationalrat die Demütigung gefallen haben lassen, etwas zuzustimmen, von dem sie genau wissen, dass sich sein Inhalt schon wieder geändert hat. Sie wissen aber nicht, in welche Richtung. Das ist eigentlich satirereif.

Also auch keine weiteren Hilfszahlungen an schwächelnde Mitgliedsstaaten der Euro-Zone?
Ja, weil dahinter ein falscher Solidaritätsgedanke steht. Solidarität muss dort Platz greifen, wo sich jemand aus eigener Kraft nicht helfen kann. Wer krank wird, hat den Solidaritätsanspruch der allgemeinen Krankenversicherung und wer ohne sein Verschulden arbeitslos wird, hat den Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung. Das ist Solidarität. Staaten, die innerhalb der Eurozone mit ihren Haushalten Probleme bekommen, haben dagegen alle Instrumente, die Verhältnisse zu ändern. Sie beherrschen die Ausgabenseite, das Arbeitsrecht, die Abgabenseite. Niemand hindert Franzosen, Spanier oder Italiener daran, Abgabenquoten und Ausgabenquoten zu senken oder zu erhöhen, am Arbeitsmarkt Reformen durchzuführen. Nur der Wunsch, unangenehmen Entscheidungen auszuweichen. Die ganze Rettungspolitik dient nur dem Zweck, mit nordeuropäischen Mitteln – ich zähle Österreich zu Nordeuropa – den südeuropäischen Konsum zu finanzieren. Das finde ich einigermaßen absurd.

Demzufolge auch keine Eurobonds?
ESF oder Rettungsschirm oder Eurobonds bezeichnen immer nur eine Sache, nämlich mehr und mehr Schulden der Südländer unter eine Garantie der Nordländer zu stellen. Wenn eine Union meint, man muss sich an Regeln halten, dann ist sie gut. Wenn eine Union meint, man kommt gegenseitig für die Schulden auf, dann ist sie schlecht. Wenn es eine gemeinsame, strikte Bankenaufsicht gibt, dann ist das gut. Wenn aber Deutsche und Österreicher für die Löcher spanischer Banken zahlen müssen, dann ist sie schlecht.

Sie haben bereits im März 2010 diagnostiziert, dass Griechenland ein Euro-Dauersünder und somit ein Problem für Europa sein wird.
Ja, ich habe damals gesagt, dass diese Politik dazu führen wird, dass die EZB Inflation finanzieren wird.

Was hätte anders laufen können, wie hätte man Ihrer Meinung nach damals handeln sollen?
Ich habe damals überlegt und in meinem Buch (Europa braucht den Euro nicht: Wie uns politisches Wunschdenken in die Krise geführt hat) geschrieben, was ich getan hätte, wenn ich im April 2010 griechischer Finanzminister geworden wäre. Ich hätte sofort erklärt, dass das Land auf unbegrenzte Zeit die Zinszahlungen und Tilgungen auf seine Schulden einstellt. Das hätte den Staatsbankrott bedeutet. Gleichzeitig aber auch, dass Griechenland einen Kapitalexport von im Jahr sieben Prozent erspart hätte. Die Griechen wären damit sofort kreditunfähig geworden und hätten sich nicht mehr im Ausland verschulden können. Das hätte schockartig die Disziplin erzwungen, die dem Land fehlt. Gleichzeitig wären die griechischen Banken in Not geraten, was binnen weniger Wochen zum Austritt aus dem Euro geführt hätte. Das hätte ein halbes Jahr lang ungeordnete Verhältnisse verursacht, danach wäre Griechenland aber mit einer um 40 bis 50 Prozent abgewerteten Drachme wieder ein Partner, ein attraktiver Produktionsstandort, ein Dienstleister für Verkehr und als Tourismus geworden. Das Nachbarland Türkei, das wegen der dynamischen Wirtschaft der letzten 15 Jahre bewundert wird, hat die türkische Lira gegenüber dem Euro seit der Einführung des Euro um 80 Prozent abgewertet. Das ist ein Teil des türkischen Erfolgsmodells.

Die griechische Regierung versucht jetzt die Sparauflagen der EU wieder zu lockern. Was sagen Sie dazu?
Das ist doch ein völlig folgerichtiges Verhalten. Die Griechen haben sich der Konsolidierung einfach verweigert und es gab den großen Erfolg, dass das Ausland 70 Prozent der Außenverpflichtungen übernommen hat. Vor einigen Tagen war die Rede davon, dass die EZB weitere Griechenland-Hilfen für notwendig hält. Das heißt, auch der Rest der Staatsschuld wird in absehbarer Zeit vom Ausland übernommen werden. Die Griechen werden dann sagen, dass zwar die Schulden weg sind, sie aber so arm sind und noch mehr Geld brauchen, damit im Land mehr investiert werden kann. Das werden wir auch noch tun. Wir werden das Land durchschleppen, ähnlich wie Italien Sizilien durchschleppt. Griechenland ist das Sizilien Europas. Das Land hat ein permanentes Leistungsbilanzdefizit von zehn Prozent des BIP. Das heißt, dass wir letztlich pro Jahr 30 bis 50 Milliarden Euro Transfer leisten müssen, und das für eine unabsehbare Zukunft. Damit haben wir den Griechen überhaupt keinen Gefallen getan.

Wie könnte man ihnen einen Gefallen tun? Strukturreformen verlangen? Das Land zwingen?
Die Griechen sind auch nicht dümmer als wir. Das zu unterstellen wäre eine Beleidigung. Sie müssen ein Interesse an Strukturreformen bekommen. Das geht nur, wenn ihnen alle anderen Möglichkeiten, sich aus der Krise herauszuschummeln, genommen werden. Dann können wir auch ihnen überlassen, welche Reformen sie machen wollen. Es führen viele Wege nach Rom. Die Griechen sollen ihre Volkswirtschaft selbst organisieren. Und wenn das mit Korruption und Staatswirtschaft ist, dann ist das ihre Entscheidung. Nur wir sollten dafür nicht zahlen. Dann können wir sie auch nicht bevormunden.

Wie könnte denn ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro technisch funktionieren?
Das müsste im Rahmen eines Bankfeiertages von vier bis fünf Tagen geschehen. Während der Zeit werden die Gesetze beschlossen und am Ende sind die Euro-Guthaben und Verpflichtungen in allen Banken Griechenlands in Drachmen-Guthaben und Verpflichtungen umgestellt. Danach wird ausgehend von einem Kurs von 1:1 die Drachme mit dem Euro frei gehandelt. Am Anfang wird die Drachme bis auf 20 Prozent ihres Werts fallen, sich dann aber bei 50 Prozent einpendeln.

Dann käme eine Wirtschaftskrise…
Dann gäbe es natürlich eine große Wirtschaftskrise, die etwa ein halbes Jahr dauern würde. Aber da muss man durch, wie die Türkei 1978, 1979. Bei Euro-Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland würde es auch einige Insolvenzen geben, aber nachdem auch heute schon nur noch gegen Vorkasse nach Griechenland geliefert wird. wäre das auch überschaubar. Auch wenn die Griechen im Euro wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen sie Lohnsenkungen in allen Bereichen durchführen. Der Kaffee darf natürlich nicht wie in Wien im Hotel Sacher 8,80 Euro kosten, sondern vielleicht 2,50 Euro. Das muss sich alles einpendeln, und dann ist das machbar. Die Euro-Freunde haben ja im Augenblick vor nichts größere Angst, als dass ein Euro Austritt Griechenlands klappen könnte und am Ende sogar die Griechen entdecken, dass sie ihre Volkswirtschaft jetzt besser in Griff haben als vorher. Dann könnte das ja zu einem Vorbild werden.

Sie haben ihrem neuen Buch den Titel „Europa braucht den Euro nicht“ gegeben. Was wären denn Alternativen dazu? Sollten Deutschland, Österreich, Italien und die anderen Staaten wieder ihre nationalen Währungen einführen?
Mein Buch untersucht analytisch, was der Euro bisher genützt hat. Den Deutschen hat er bisher nichts genützt, den Südländern geschadet. Die Frage ist: Was macht Europa aus? Zufriedenheit, Sicherheit, Frieden und Freiheit, Wohlstand und Wachstum und Arbeit für alle, die arbeiten wollen. Das ist für die Menschen wichtig. Für die Leute in den Gemeindebauten, den Menschen mit zwei, dreitausend Euro Nettoeinkommen, ist wichtig, dass sie eine Arbeit haben, eine Perspektive, einmal im Jahr in den Urlaub fahren und die Raten für ihr Auto bezahlen können. Dass die Kinder eine vernünftige Schulausbildung haben und dass der Staat funktioniert. Die Währung ist da gleichgültig.

Kann man abschätzen, was ein Austritt Griechenlands, Spaniens oder Italiens aus der Eurozone kosten würde?
Da gibt es natürlich wilde Berechnungen. Es kommt darauf an, ob ein Austritt im Rahmen einer allgemeinen Weltwirtschaftskrise stattfindet oder als Notaustritt im Rahmen einer langen Reihe katastrophaler Jahre oder ob es ein rational gemanagter Austritt ist. Ein Austritt würde immer dazu führen, dass die Wirtschaft ein bis eineinhalb Jahre lang schrumpft, die Arbeitslosigkeit steigt. Eine Umstellung wäre nicht einfach und würde erhebliche Einmalkosten mit sich bringen. Das wären aber nichts Anderes als bisher schon eingetretene Verluste, die sichtbar werden. Sunk Costs, wie Betriebswirte sagen. Das Geld war schon vorher futsch. So teuer kann ein Austritt Griechenlands aber gar nicht sein, wie eine Dauerfinanzierung des Landes durch Transfers aus nordeuropäischen Kassen wäre.

Interview | Michael Krammer, Orange: „Wir sind kein Non-Profit-Unternehmen“

Interview mit Orange-CEO Michael Krammer zu den Gerüchten über eine mögliche Netzehe mit T-Mobile und den hart umkämpften österreichischen Mobilfunkmarkt.

Seit einigen Tagen ist geht das Gerücht um, Orange und T-Mobile wollen ihre Handynetze zusammenlegen. Das würde wirtschaftlich Sinn machen, aber was ist da dran?
Krammer: Wir haben im April 2011 bekannt gegeben, dass wir in den ländlichen Gebieten unsere UMTS-Infrastruktur zur gegenseitigen Nutzung freigeben wollen. Da sind wir derzeit im Testbetrieb, der im Raum Salzburg schon recht gut funktioniert. Im Raum Salzburg. Alles Weitere sind aber Zukunftsspekulationen oder Projekte, die noch nicht entschieden sind.

Aber Sinn würde so ein Projekt doch machen?
Dazu gibt es eine ganz klare Antwort. In Österreich, einem Land mit dem maximalen Nutzerpotenzial von 8,3 Millionen Menschen und einer Zuwachsrate von 0,6 Prozent pro Jahr sind langfristig vier Infrastrukturen nicht haltbar.

Weshalb nicht?
Der Innovationszyklus im Mobilfunk beträgt ungefähr zehn Jahre. 1980 gab es den analogen Mobilfunk, 1990 kam GSM, 2000 UMTS und 2010 dann LTE. Diese Serie werden wir nicht durchbrechen. Wir werden um herum 2020 den nächsten Evolutionsschritt sehen. Das bedeutet aber, dass jedes Mal eine neue Netzinfrastruktur und neue Endgeräte, die subventioniert unters Volk gebracht werden müssen, notwendig sind.

Und somit jedes Mal neue Investitionen…
Natürlich, einen doppelseitigen Investitionsaufwand, der auf der Seite der Infrastruktur größer ist. Gleichzeitig sinken die Preise und der Markt ist weiterhin reguliert. Auch im Roaming und bei den Terminierungsentgelten. Vier leistungsfähige Infrastrukturen, die diesem Innovationszyklus Stand halten sind da schlicht nicht machbar. Außer die Mobilfunkunternehmen werden zu Non-Profit-Unternehmen. Aber das ist nicht vorgesehen.

Auf welchen Zeithorizont werden die vier derzeitigen Netze noch zu halten sein?
Die Kooperationen haben in Kleinbereichen ja schon begonnen. Hutchison hatte beispielsweise nie ein eigenes GSM-Netz und kooperiert in diesem Bereich mit A1. Wir haben im April die Kooperation im 3G Bereich mit T-Mobile bekannt gegeben. Das wird weiter gehen. Ich bin mir sicher, dass es in maximal drei Jahren nur noch drei komplette Infrastrukturen geben wird.

Es gibt aber dennoch heute schon viel mehr Marken. Red Bull etwa, Ihre Diskont-Tochter Yesss, Bob und so weiter. Wird sich dieser Trend weiter fortsetzen?

So ist es. Im Jahr 2000 gab es in Österreich vier Handynetze und vier Marken. Heute gibt es ebenfalls vier Netze und 13, 14, vielleicht sogar schon 15 Marken. Der Wettbewerb entsteht immer aufgrund von Marken und Angeboten, nicht auf Basis von Netzinfrastrukturen. Es muss sicher eine gewisse Anzahl von Netzen geben. Eines ist zu wenig. Aber sobald es zwei Netze gibt, die Marken eigene Angebote ermöglichen entsteht Wettbewerb.

Was den Wettbewerb vorantreibt…
..und die Preise drückt. 2001 gab es zum Beispiel bei One den Tarif „Everyone“ mit einer Grundgebühr von 199 Schilling und einer Gesprächsgebühr von zwei Schilling in alle Netze. Wenn man damals 500 Minuten telefoniert und 180 SMS verschickt hat, dann hat man dafür 90 Euro bezahlt. Heute ist das alles in einem Tarif um 15 Euro monatlich enthalten.

Die niedrigeren Preise haben aber auch dazu beigetragen, dass die Leute ihre Handys öfter und mehr nutzen.
Ja, aber die Netzbetreiber verdienen trotzdem nicht mehr. Laut Statistik Austria lagen die durchschnittlichen Ausgaben eines Haushalts für Kommunikation im Jahr 1993/94 bei 1,9 Prozent des Haushaltsbudgets. Das war damals ausschließlich Festnetztelefonie. Im Jahr 2010 lag der Anteil bei 1,7 Prozent des Budgets. Aber für die gesamte Kommunikation. Da ist das iPhone, das Internet, der Telefonanschluss, einfach alles dabei. Inflationsbereinigt bedeutet das für das Jahr 1993 monatliche Ausgaben von 46 Euro und 36 Euro für alle Leistungen zusammen im Jahr 2010.

Was aber auch daran liegt, dass die Kommunikation 1993/94, zur Zeit des Monopols, noch sehr, sehr teuer war.
Ja, sicher. Meine erste Freundin in Graz hat 2000 Schilling Telefonrechnung verursacht.

Zusammengefasst: die Fusion von Netzen ist aufgrund von steigenden Kosten und sinkenden Margen für alle Betreiber sinnvoll?
Richtig. Und muss auf jeden Fall überlegt werden, auch im Sinne des Wirtschaftsstandortes Österreich. Wenn man als kleiner Markt mit den Innovationen Schritt halten will und die Vorreiterrolle im Bereich Mobilfunk nicht abgeben will, dann muss man das zulassen und fördern.

Der Wettbewerb in Österreich ist beinhart. Marktauftritte, Werbeaktionen, Preise werden kopiert. Als Konsument hat man mitunter den Eindruck, dass man alles geschenkt bekommt. Auch wenn das nicht stimmt. Wie positionieren Sie Orange in diesem Umfeld? Wie können Sie da Marktanteile gewinnen?
Wir untersuchen natürlich permanent die Entscheidungskriterien der Kunden, weshalb sie bei einem Betreiber loyal sind und warum sie wechseln würden. Da gibt es als ausgesprochene Gründe den Preis und die Netzabdeckung. In Wahrheit ist aber das Beziehungsmanagement der wichtigste Punkt. Wie der Betreiber mit mir in Rechnungsfragen umgeht, wenn ich Probleme mit der Bedienung des Smartphones habe und so weiter. Das ist für die Loyalität der Kunden entscheidend. In einem Markt wie Österreich stellt sich daher die Frage, ob es besser ist, immer wieder aggressiv um neue Kunden zu kämpfen oder ob es besser ist, zuerst einmal auf die eigenen Kunden zu schauen und dort Up- und Cross-Selling zu machen. Wir haben uns dafür entschieden. Das ist für uns die effizientere Methode um die Umsätze stabil zu halten, und das ist die Devise.

Gleichzeitig werden aber Kunden mit immer längeren Fristen an die Netzbetreiber gebunden.
Die Bindung ist notwendig, um die subventionierten Endgeräte zu refinanzieren. Unser Ziel ist aber eindeutig, die Kunden weit über diese Minimalbindungsdauer zu halten. Deswegen setzen wir auch auf eigene Shops und Aktionen speziell für unsere Bestandskunden.

Und wie leben Sie damit, dass Neukunden nur noch mit erheblichem Kraftaufwand zu gewinnen sind und gleichzeitig regulatorische Eingriffe die Einnahmen sinken lassen?
Unsere Branche ist wahrscheinlich diejenige, die den Lebenszyklus einer Industrie am schnellsten durchlaufen hat. Der Privatisierung im Jahr 1996 folgte ein gigantisches Wachstum, dann die Konsolidierung. Jetzt befinden wir uns in einer Branche. Die Mitarbeiterzahl in der Branche hat sich seit dem Jahr 2000 halbiert. Natürlich gab es zu Beginn auch noch erhebliches Optimierungspotenzial. Daran haben wir gearbeitet, und deshalb sind unsere EBITDA-Margen immer noch von über 30 Prozent. Irgendwann ist es aber einmal vorbei mit dem Optimieren. Und wir brauchen diese Marge auch, weil wir einen hohen Investitionsbedarf haben und mit zwei Millionen Kunden ein relativ kleiner Betreiber sind. Skaleneffekte sind in unserer Branche enorm wichtig.

Investitionen werden da aber immer mehr zu einem Risiko.
Es wird zunehmend schwieriger, eine hohe EBITDA-Marge zu erwirtschaften und vollständig alle Technologiesprünge mitzumachen. Und es auch nicht klug, das alles alleine zu machen. Automobilhersteller arbeiten schon längst so. Mehrere Hersteller bauen auf einer Plattform verschiedene Autos. Genau dahin wird sich die Mobilfunkbranche hin entwickeln. Ganz sicher. Das ist der nächste Evolutionsschritt. Bei uns ist sonst nicht mehr viel an Effizienzsteigerung möglich.

Und wer wird dann am Markt überleben?
Unsere Eigentümer kennen den Trend zur Netzzusammenlegung. Es gibt in Polen eine Kooperation zwischen T-Mobile und Orange, in England ein Joint Venture, in Spanien eine Kooperation zwischen der Vodafone und Orange. Da brauchen wir uns in Österreich nicht davor verschließen. Und wir brauchen einer France Telekom nicht erzählen, dass das in Zukunft Sinn macht.

An einem Thema kommt man in Österreich in der Branche derzeit nicht vorbei: Der Telekom-Affäre. Kennen Sie eigentlich den Herrn Hochegger? Wollte der Sie auch beraten?
Nein. Nie. Ich habe ihn nie kennengelernt.

Wie sehr schadet diese Affäre Ihrer Branche?
Das ist ganz klar die Geschichte eines teilverstaatlichten Unternehmens, der Telekom Austria. Ein Unternehmen an der Nahtstelle zur Politik. Für mich stellt sich abgesehen aller illegaler Dinge, die dort passiert sind die Frage, ob in einem vom Staat regulierten Markt, in dem es nur eine gewisse Anzahl von Frequenzen gibt: Bin ich in erster Linie derjenige, der darauf achtet, dass der Wettbewerb gut funktioniert oder schaue ich darauf, dass das Unternehmen, an dem ich beteiligt bin, eine möglichst gute Dividende abwirft? Das habe ich mich auch gefragt, als manche Telekommunikationsgesetze und Universaldienstverordnungen herausgekommen sind.

Industriellenpräsident Veit Sorger sagt, dass die Telekom Austria voll privatisiert werden sollte. Ist das auch Ihre Meinung?
Als jemand, der ein Unternehmen betreibt, das keine Besitzverhältnisse zum österreichischen Staat hat, kann ich nur sagen: „Gleiche Bedingungen für alle.“ Das wäre mehr als fair. Dann würde auch die gesamte Problematik der Nähe zur Politik gelöst.

Bei den Lizenzvergaben geht es ja auch immer um riesige Summen. Können Sie da ruhigen Gewissens sagen, das immer alles mit rechten Dingen zugeht?
Diese Verfahren sind sehr transparent. Dort sind die Bedingungen für alle gleich. Problematisch sind andere Bereiche, wo Gesetze und Verordnungen gemacht werden, die den gesamten Markt betreffen. Wie eben die berühmte Universaldienstverordnung, bei der es um rund zehn Millionen Euro geht, die die Telekom Austria von den anderen Betreibern kassiert.

2012 sollen wieder neue Frequenzen vergeben werden. Die der Digitalen Dividende, also die durch die Digitalisierung des Fernsehens frei gewordenen. Sie haben gleichzeitig gefordert, dass bereits bestehende Frequenzen für künftige Technologien geöffnet werden. Was ist da wichtiger?
Wir brauchen beides. Es gibt die klare Empfehlung der EU-Kommission, die bestehenden GSM-Frequenzen freizugeben, um sie für LTE verwenden zu können. Das ist in Österreich noch nicht umgesetzt. Wir brauchen auch in Kürze die Frequenzen der Digitalen Dividende, weil der Bedarf an Datendiensten explodiert. Bei Orange hat sich alleine im letzten der durchschnittliche Datenverkehr verdreifacht, durch Apps, Tageszeitungen, die Apps machen, Videoclips und so weiter. Die Basis dafür sind Frequenzen. Wenn unsere GSM-Frequenzen, für deren Nutzung wir bis 2017 die Lizenz haben, für LTE freigegeben würden, dann könnten wir sehr schnell mit dem Ausbau beginnen.

Was passiert, wenn Ihre Lizenzen im Jahr 2017 auslaufen?
Es gibt die glorreiche Idee, diese schon 2012 zur Wiederversteigerung zu bringen. Das ist mir völlig unverständlich. Warum soll ich etwas, das ich noch fünf Jahre habe und nutzen darf schon bezahlen, damit ich es nach 2017 weiter benutzen darf? Außerdem ist es eine massive Ungleichbehandlung, wenn diejenigen, bei denen die Frequenzen 2015 auslaufen, zur gleichen Zeit wieder investieren müssen wie diejenigen, deren Lizenzen noch zwei oder vier Jahre länger laufen. Das wäre wirtschaftlich bedenklich.

Interview | Markus Rose, rosecast.com: Gar nicht rosig

Im August 2011, kurz nach meinem Arbeitsbeginn beim Wirtschaftsblatt und einem weiteren  großen Börsecrash, habe ich folgendes, nicht ganz ernst gemeintes Telefoninterview mit dem Finanzastrologen Markus Rose geführt. Er sieht die Ursache für internationale Börsencrashes in Planetenkonstellationen.

Manche Leser des WirtschaftsBlatt Online waren offenbar überfordert damit, dass im Leben nicht alles bierernst ist. Trotz ihrer teils vernichtenden Kommentare war das Interview aber einer der meistgelesenen Artikel des August 2011. Zur Einstimmung noch einige Original-Kommentare dazu:

Ulrich L: Wenn das Wirtschaftsblatt jetzt schon einen solchen Schwachsinn veröffentlicht, dann ist da Ende tatsächlich nahe. unverzeihlich, auch in der Ferienzeit.

AndiKr: Oder ist die Blattlinie des Wirtschaftsblattes in Richtung „völliger Schwachsinn“ verändert worden? Ich kämpf‘ gerade damit, meinen Kotz-Reflex zu unterdrücken. Hätte nie gedacht, so etwas hier entdecken zu müssen….

yoreskimofriend: seriös oder nicht, das ist für das wirtschaftsblatt der bisherige tiefpunkt. was für ein haufen schwachsinn…

realestate: wirklich in einer seriösen zeitung Raum eingeräumt werden?!

fg: Das Wirtschaftsblatt ist keine seriöse Zeitung.

…muss  noch mehr gesagt werden? Ich schätze nicht! Wohlan, hier ist der Artikel:

Astrologie und Aktientrading pasen zusammen wie die Faust aufs Auge. Nicht für Markus Rose, der die Bewegungen der Planeten am Himmel von Dublin aus analysiert und daraus Schlüsse auf die Entwicklung der Börsekurse zieht. Seine Beobachtungen bietet er unter http://www.rosecast.com an. Der von „Timer Digest“ mehrfach als Top Trader ausgezeichnete Stern- und Börsespezialist über die Macht des Pluto und des Uranus.

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Herr Rose, Sie behaupten, der Börsecrash von vergangener Woche sei durch die Bewegungen der Planeten erklärbar?
Markus Rose: Der Börsecrash und jede andere Bewegung an den internationalen Börsen. Langfristige Tendenzen ebenso wie kurzfristige Intraday-Schwankungen. Im Prinzip kann man jede einzelne Kursschwankung aus der Konstellation der Planeten unseres Sonnensystems und der Position der Zwergplaneten ablesen.

Das klingt mit Verlaub unseriös.
Das denken viele, und Schuld daran ist, dass Astrologie wie sie von den meisten betrieben wird ein Scherz ist. Der Großteil der Astrologen arbeitet immer noch wie die Wissenschaftler von vor 300 Jahren. Sie geben auch den Aszendenten viel zu große Bedeutung. Der ist aber in der Finanzastrologie völlig irrelevant.

Und wie arbeiten Sie?
Ich sehe mich als mathematischer Astrologe und habe eine eigene Software entwickelt, um die Bewegungen der Planeten analysieren zu können. Der Aszendet, die Spitze des ersten Hauses, und das Medium Coeli, die Spitze des zehnten Hauses, sind für meine Arbeit unwichtig. Sie sind vom Ort abhängig und beeinflussen nur die Stimmungen und die Persönlichkeiten. Ich orientiere mich an der Stellung der Planeten zueinander. Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Neptun, Uranus und Pluto. Daneben gibt es noch eine Reihe von Zwergplaneten. Eris, Makemake, Haumea, Sedna, Orcus, Quaoar und Varuna, die das Geschehen mit beeinflussen. Sie können Konstellationen der großen Planeten aufheben oder neue bilden. Die wenigsten Astrologen beobachten diese Zwergplaneten. Deshalb können sie auch die Kursschwankungen an den Börsen nicht vorhersagen.

Wie hoch ist denn Ihre Trefferquote?
Ich will nicht prahlen, aber sie liegt schon bei 75 Prozent und höher. Bei den langfristigen Trends ebenso wie bei den kurzfristigen Ausschlägen.

Den Kurssturz vom 8. August haben aber Sie auch nicht vorhergesehen. Weshalb nicht?
Das stimmt. Ich hatte den 4. und den 8. August nicht als schlechte Tage für den Markt erkannt. Aber ich hatte in meinem Forecast von Ende Juli bereits den 9. August als einen Tag mit starken Aufwärtsbewegungen und den 10. August als einen Tag mit großen Verlusten gesehen. Beides war richtig. Der 9. August war im Standard & Poor’s 500 der Tag mit dem größten Plus im Jahr 2011 und am 10. August gab es wieder ein kräftiges Minus.

Und was hatten Sie übersehen?
Etwas vereinfacht gesagt hatte ich gesehen, dass Mars und Uranus am 9. August im Quadrat, also im Winkel von fast genau 90 Grad zueinander stehen. Um den 10. August gab es außerdem ein Quadrat zwischen Uranus und Pluto und am 10. August entstand eine ganz seltene Konstellation, ein großes Kreuz zwischen Uranus, Pluto, Mars und Juno. Uranus steht für Aufruhr und Revolution steht, Pluto, der in der Finanzastrologie für große Unternehmen, das Bankensystem und Schulden, Mars in der traditionellen Astrologie für Krieg und Gewalt und in der Finanzastrologie für Volatilität. Der Asteroid Juno steht schließlich für Angst, Gier und Ernüchterung.  Als ich am 8. August aufwachte hatte ich bereits das schlechte Gefühl, etwas übersehen zu haben und als die Börsen dann massiv gefallen sind habe ich mich natürlich auch gefragt, was ich übersehen hatte und dann eine neue Erkenntnis gewonnen, die vom das Quadrat von Uranus und Pluto und der Position der Zwergplaneten – ganz wichtig ist hier Sedna – ausgelöst wurde. Nicht nur der Börsecrash, auch die Unruhen in London wurden von dieser seltenen Konstellation ausgelöst.

Wie geht es nun an den Börsen weiter? Was sagen die Sterne? Ist das Schlimmste überstanden?
Die gute Nachricht ist, dass sich Pluto und Uranus seit dem 8. August wieder voneinander weg bewegen. Die schlechte Nachricht aber ist, dass sie sich bald wieder aufeinander zu bewegen und im zweiten Quartal 2012 sogar ein exaktes Quadrat bilden werden. Und dass diese Konstellation in den nächsten Jahren noch mehrere Male eintreten wird. Das nächste Quadrat entsteht am 24. Juni 2012. Es folgt ein weiteres im Jahr 2012, bis in den März 2015 werden wir genau sieben solcher Quadrate haben.

Das bedeutet, uns stehen bis dahin noch sieben Börsecrashes bevor?
Nein, das kann man so nicht sagen, denn da gibt es wie erwähnt noch eine Menge anderer Faktoren, die berücksichtigt werden müssen. Aber es bedeutet, dass die Finanzmärkte auch 2012 und 2013 extrem volatil sein werden. Ich weiß aber jetzt schon, dass es am 6.6.2013 einen Börsecrash geben wird. Und England wird im Jahr 2012 große Probleme bekommen. Im Juni 2012 wird es dort zu einer Art Crash kommen.