Archiv der Kategorie: 02 Texte aus trend

Interview mit Hutchison 3G CEO Jan Trionow: „LTE ist wie ein flächendeckend verfügbares WiFi Netzwerk“

Interview-Reihe zur LTE-Auktion in Österreich: Für einen Artikel im Magazin trend anlässlich der Vergabe der 4G-Lizenzen in Österreich  habe ich Interviews mit den CEOs der drei österreichischen Mobilfunk-Anbieter und mit dem Georg Serentschy, Chef der Telekom-Regulierungsbehörde RTR geführt.

Hier ist das vierte Interview dazu. „3“-CEO Jan Trionow wagt einen Ausblick in die vierte Mobilfunkgeneration LTE.

3-CEO Jan Trionow

3-CEO Jan Trionow

trend: In Österreich steht der landesweite Rollout der vierten Mobilfunkgeneration LTE an. Was wird sich dadurch verändern?

Jan Trionow: Die Veränderungen in der Branche sind schon länger im Gange. Der Fokus der Dienste entwickelt sich weg von Sprachdiensten hin zu Datendiensten. Smartphones und USB-Modems haben dazu einen Beitrag geleistet, das Breitband-Internet über Mobilfunk auf eine ganz einfache und bequeme Art und Weise zur Verfügung stellen.
LTE wird diesen Prozess nochmals beschleunigen. Zum einen weil LTE die Möglichkeit gibt, noch leistungsfähigere Dienste anzubieten – noch höhere Datenraten, noch kürzere Latenzzeiten. Damit wird das Thema Performance generell, aber auch neue Dienste eine neue Dimension erreichen. Auf der anderen Seite wird mit LTE den Betreibern auch das Mittel in die Hand gegeben, das Ganze auch effizient zu produzieren. Es ist eine Technologie mit der wir effizient das weiter exponentiell steigende Datenvolumen bearbeiten können.

Wird sich dadurch auch die strategische Ausrichtung von Drei ändern?
Trionow: Wir haben uns als Angreifer positioniert und wollen die Rolle mit den Möglichkeiten von LTE weiter einnehmen. Drei stand von Anfang an dafür, am Telefon mehr zu machen als bloß Sprache und SMS. Es war unsere Vision, dass sich unser Leben dadurch ändert. Das tritt jetzt ein und wird mit LTE Realität. Dazu muss LTE landesweit funktionieren. Es reicht nicht, es punktuell in den Städten zu haben. Das wird der Technologie nicht zum Durchbruch verhelfen. es geht darum, die Dienste landesweit anzubieten, die Technologie reif für den Massenmarkt zu machen.

Wann wird der Massenmarkt etwas davon haben?
Trionow: Im Fall von LTE wird der Nutzen für die Bevölkerung wesentlich schneller sichtbar werden als das bei UMTS der Fall war. Zum einen gibt es Versorgungsauflagen, die Richtung nahezu 100 Prozent gehen. Viel wichtiger aber ist, dass diesmal der Bedarf vorhanden ist. Am Anfang von UMTS hat man sich die Frage gestellt, wozu man das überhaupt braucht. Das ist heute kein Thema. Es geht darum, ob man wirtschaftlich einen möglichst schnellen Roll-Out schafft. Wir bei 3 haben eine einmalige Chance. Wir sind gerade dabei, aus ehemals zwei Netzen – dem von Orange und dem früheren Netz von 3 ein neues zu machen. Wir fassen also ohnehin das ganze Netz an, und bei der Gelegenheit werden wir auch gleich landesweit LTE ausrollen. Unser Plan ist sehr klar. Bis Anfang 2015 soll es landesweit LTE geben. Das werden Versorgungsgrade jenseits der 95 Prozent sein, also etwas, das das Attribut landesweit durchaus verdient.

Wie wird sich durch LTE die Tarifstruktur ändern?
Trionow: Heute unterstützt LTE bis zu 150 Mbit/s. die werden allerdings geteilt werden müssen. Die aktuelle Spitzenrate wird daher von der Netzdimensionierung, aber auch vom Tarif abhängen. Es wird in der Tariflandschaft mit LTE eine sehr starke Differenzierung geben zwischen sehr günstigen Einsteigertarifen und Tarifen, die zu einem höheren Preis eine Top-Performance haben. Diese ganze Palette, von günstigen Einsteiger-Tarifen bis zu hochwertigen Premium-Angeboten, kann man mit LTE anbieten. Als Branche sind wir da auf dem Weg. Die Differenzierung haben wir heute schon im Portfolio, mit LTE wird man sie richtig erleben können.

Kann das mobile Internet mit LTE das Festnetz-Internet ersetzen?
Trionow: Besonders im ländlichen Bereich ist das mobile Breitband auch ein Standortfaktor. Die Hoffnungen gehen in Richtung Glasfaser, der wirklich machbare Schritt ist aber in nächster Zeit LTE. Es geht daher darum, jetzt mit LTE in die Fläche zu kommen. Dann mit einem Glasfaser-Ausbau sicherzustellen, dass die Mobilfunkstationen angebunden sind. Gerade in Österreich, wo es auch Gebiete mit relativ geringer Bevölkerungsdichte gibt, geht es darum einen hohen Versorgungsgrad zu erreichen. Man kann Österreich eben nicht mit Hongkong oder Singapur vergleichen.

Was kommt nach LTE?
Trionow: Landesweites LTE mit 100, 150 Mbit wird ein Riesenschritt. Mit dem ersten Schritt ist die Reise noch nicht zu Ende, wie weit wir aber in Zukunft weitermachen können hängt auch von der wirtschaftlichen Gesamtsituation ab. LTE Advanced ist eine neue Technologie, bei der auch die Endgeräte noch ihren Preis haben. Die derzeitigen Piloten zeigen was möglich ist. Das ist sehr interessant, es wird aber noch einige Zeit dauern, ehe das für den Massenmarkt relevant wird.

Also laufend weitere Technologien und Investitionen?
Trionow: Die Diskussion um Regulierung, die Frequenzauktion und die Kosten der Frequenzen ist deshalb auch extrem wichtig. Die Politik und der Regulierer dürfen nicht übertreiben und der Branche die Mittel entziehen, die sie für weitere Investitionen braucht. Wir werden auch weitere Frequenzen benötigen. Die Digitale Dividende 2 ist ein wichtiges Spektrum, das wir brauchen werden. Die EU hat sich bereits positioniert, dass dieses Spektrum mittelfristig zur Verfügung gestellt wird. Es wird auch für Österreich wichtig sein, sie möglichst schnell dem Mobilfunk zur Verfügung zu stellen. Heute passiert in dem Frequenzbereich noch DVB-T 2. Dort muss die medienpolitische Sicht angepasst werden.

Soll die Frequenzvergabe anders geregelt werden?
Trionow: Aktuell läuft in Österreich eine Auktion von Frequenzen für Mobilfunk. Die Minimalpreise wurden dabei auf 526 Millionen festgelegt. Auf der anderen Seite gibt es ein Fernsehspektrum, das de facto gratis vergeben wird. Auf diesen Frequenzen läuft ein Bezahl-Bündel für Privatfernsehen. Auf einem mobilen Breitbandnetz läuft vor allem Video. Natürlich YouTube, aber auch die Mediatheken der einzelnen Fernsehsender. Das heißt in beiden Fällen geht es um Videoübertragung, das Internet bietet aber eine viel größere Vielfalt. Zu behaupten, dass ein terrestrisches Fernsehen medienpolitisch wichtiger wäre als ein Breitband ist daher aus meiner Sicht falsch. Warum schenke ich dem einen die Frequenzen und zocke den anderen ab? Das ist für mich nicht nachvollziehbar.

Werden die Mobilfunkanbieter zu Fernsehanbietern?
Trionow: Wir sind im IP-TV bereits sehr stark unterwegs mit Mobile TV. Da geht es darum, dieses Produkt immer leistungsfähiger zu machen. Heute sind es SD-Formate, mit LTE und den höheren Kapazitäten wird die Qualität unserer Videosignale steigen und wir werden besser geeignet sein für Übertragungen auf dem großen Schirm. Das ist heute zum Teil bereits erlebbar, wir brauchen aber mehr Kapazität und mehr Geschwindigkeit, und das bietet LTE. Mobilfunker werden damit in Zukunft eine ähnliche Rolle einnehmen wie Kabelnetzbetreiber. Das ist bereits vorgezeichnet. Inwieweit es darüber hinausgehen wird ist noch unklar.

Wie wird sich mit LTE die mobile Kommunikation verändern?
Trionow: Mit LTE ist es zum ersten Mal geglückt, einen echten Weltstandard zu definieren. Das bedeutet, dass es wesentlich günstiger ist, LTE in elektronische Geräte einzubauen. So wie heute in jedem Laptop und vielen anderen Geräten ganz selbstverständlich WiFi integriert ist wird in Zukunft auch LTE drin stecken. LTE und das mobile Breitband werden so in immer mehr Winkel unseres Lebens vordringen. Günstig und einfach sein und dort Wert schaffen. LTE wird universell verfügbar sein. Stellen Sie sich eine Welt mit einem flächendeckend verfügbarem WiFi Netzwerk vor. Das ist, was LTE in Zukunft bieten können wird.

Daten überall und jederzeit nutzen?
Trionow: Es wird ganz selbstverständlich, dass ich alle Dinge, die ich zuhause machen kann zum Beispiel auch auf meinem Display im Auto machen kann oder auf meinem kleinen Navi-System auf meinem Mountainbike. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wenn die Connectivity immer und überall günstig verfügbar ist, dann werden die Daten auch mehr und mehr in die Cloud wandern. Ich brauche meine Daten, meine Applikationen nicht ständig bei mir. Cloud-Services werden daher durch die Verbreitung von LTE massiv gefördert werden. Jedes elektronische Gerät, jede Straßenlaterne, jeder Gehsteig vor dem ein Parkplatz ist und viele andere Dinge sind günstig und sinnvoll mit LTE verbindbar. Ein bisschen sind wir heute auch schon in dieser Welt. Mit LTE werden die Möglichkeiten viel, viel größer.

Interview mit T-Mobile CEO Andreas Bierwirth: „LTE ist der Ausweg für den Mobilfunk“

Interview-Reihe zur LTE-Auktion in Österreich: Für einen Artikel im Magazin trend anlässlich der Vergabe der 4G-Lizenzen in Österreich  habe ich Interviews mit den CEOs der drei österreichischen Mobilfunk-Anbieter und mit dem Georg Serentschy, Chef der Telekom-Regulierungsbehörde RTR geführt.

Hier ist das dritte Interview dazu. T-Mobile CEO Andreas Bierwirth setzt auf LTE als Motor und Impulsgeber für die unter enormen Kostendruck stehende Mobilfunkbranche.

T-Mobile CEO Andreas Bierwirth
T-Mobile CEO Andreas Bierwirth

trend: Österreichs Mobilfunkbranche steht vor dem Ausbau der vierten Mobilfunkgeneration LTE. Kolportiert werden Investitionskosten von rund 100 Millionen je Netzbetreiber. Ist das korrekt?

Andreas Bierwirth: Für den Fall, dass man ein LTE-Netz alleine aufbaut, ohne Synergien mit einem Partner zu nutzen, liegen die Kosten deutlich über 100 Millionen Euro. Wir liegen bereits heute bei jährlichen Investitionen in den österreichischen Markt in der Höhe von rund 100 Millionen. Dieser Betrag muss für den Roll-Out nochmals signifikant erhöht werden. Es muss viel investiert werden, damit Österreich ähnlich flächendeckend mit LTE versorgt ist, wie das heute bereits mit UMTS der Fall ist.

Wann wird das so weit sein?
Bierwirth: Bereits jetzt sind die Innenstadtlagen der größeren Städte mit LTE versorgt. Im Jahr 2014 wird das in die mittelstädtische Breite gehen. Im ländlichen Bereich wird es je nach Bestimmung 2014 eine erste Ausbaustufe geben, aber die flächendeckende Versorgung wird das Thema des zweiten Jahres sein.

Es heißt also warten, wie nach der UMTS-Auktion im Jahr 2000?
Bierwirth: Im Grunde genommen wurde UMTS viel zu früh gelauncht, weil lange Jahre die Telefonie und die Kommunikation über SMS dominiert hat. Mobile E-Mails wurden erst später ein breites Thema. Die massive Verbreitung von Smartphones und Tablets, mit denen man Fotos und Videos verschicken kann, hat in den letzten zwei Jahren eingesetzt. In dieser Zeit ist auch die Nachfrage nach Datenvolumen explodiert.
Ich bin aber überzeugt, dass der Ausbau von LTE signifikant schneller erfolgt. Einerseits weil die Nachfrage nach mobilem Breitband-Internet und mehr Geschwindigkeit auch durch die Produkte, Smartphones und Tablet PCs bereits vorhanden ist. Wir müssen bereits jetzt Kapazitätsengpässe beseitigen. Zweitens wird die Wettbewerbsdynamik, die wir in Österreich traditionell haben, einen schnellen Ausbau und eine hohe Netzqualität erfordern.

Was wäre, wenn LTE jetzt nicht ausgebaut wird?
Bierwirth: Würde man kein LTE einführen und stattdessen auf UMTS weiterarbeiten und gleichzeitig die Entwicklung der Endgeräte weitergehen wie es weltweit der Fall ist, dann gäbe es schon in zwei Jahren massive Kapazitätsengpässe. Wir könnten dann Übertragungsgeschwindigkeiten bei weitem nicht mehr so liefern, wie wir sie dem Kunden versprochen haben. Es gäbe Gesprächsabbrüche, Datenabbrüche, man würde gar nicht mehr ins Internet kommen. Wir brauchen LTE tatsächlich auch, um die vorhersehbaren Kapazitätsengpässe zu vermeiden.

LTE bedeutet zunächst einmal mehr Bandbreite. Welche Übertragungsraten wird es zum Start für einzelne Benutzer geben?
Bierwirth: Wir sind überzeugt, das LTE ähnlich wie UMTS mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen wird. Es ist heute noch gar nicht absehbar, wo die finale Geschwindigkeit von LTE liegen wird. Wir haben in einem Test-Case einen Geschwindigkeitsrekord von über 300 Mbit/s erreicht. Die Entwicklung von LTE bleibt nicht stehen. Ähnlich wie UMTS wird sich die Technologie sehr dynamisch weiterentwickeln. Kommerziell sind derzeit Geschwindigkeiten von 100 bis 150 Mbit/s anbietbar. Wobei auch ein LTE-Netz wie auch ein UMTS-Netz ein sehr atmendes Konstrukt ist, und man je nach Tageszeit und der aktuellen Nutzung einmal mehr und einmal weniger Bandbreite zur Verfügung hat.

Durch die höheren Bandbreiten können Sie aber auch mehr Kunden als bisher bedienen?
Bierwirth: Richtig. Jetzt, wo wir mit UMTS langsam an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen, wundern sich manche bereits, dass ihr Smartphone einmal schneller und einmal langsamer ist. LTE bedeutet nur Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s. Auch ein Kunde mit zehn oder zwanzig Mbit/s, die wir heute bereits mit UMTS anbieten, kann und sollte auf LTE wechseln. Diese Kunden werden wir ohne Aufpreise in die LTE Technologie rüberziehen. LTE kann sehr viel zuverlässiger und stabiler das Produkt liefern, das der Kunde auch gekauft hat; eine stabile Geschwindigkeit. Wir bieten heute bereits mit UMTS Geschwindigkeiten bis zu 40 Mbit/s an, die auch erreicht werden. In Zukunft werden wir das sehr stabil anbieten können. Das wird den Alltag prägen. Dass man stabil Fotos und Videos versenden und empfangen kann und Smartphones und Tablet PCs voll ausnutzen kann.

Und in Zukunft? Welche Bandbreiten wird man mit LTE erreichen? Wohin geht da die Phantasie?
Bierwirth: Wir sind mit unseren Phantasien etwas zurückhaltend, weil die im Moment sehr schnell sind. Mit LTE Advanced, das in Südkorea und in Australien bereits ausgerollt wird, sind Übertragungsraten von 3 GBit/s im Download möglich. Das ist exorbitant höher als bei LTE. Beim Start von UMTS konnte man sich die Geschwindigkeiten, die wir heute erreichen auch nicht vorstellen. Ich glaube, es wird einen Wettbewerb und einen Forschungswettbewerb bei der Technologie geben. Wo immer das Ende ist kann man heute nicht sagen.
Mit den zukünftigen Bandbreiten wird das Thema Mobilfunk jedenfalls in Bereiche vordringen, die bisher dem klassischen Festnetz vorbehalten waren. Es gibt ja nicht überall Glasfaserkabel, bis in die Haushalte und wahrscheinlich ist es kostenbedingt auch gar nicht möglich, überall Glasfaserkabel zu verlegen. Bei Firmen und Innenstadtlagen, die einen kontinuierlichen Datenverkehr haben sicherlich ja, aber bei Privathaushalten und der zersiedelten Struktur, die es in Österreich gibt ist das nur schwer vorstellbar. Mit LTE können wir Internet zuhause in einer Qualität anbieten, die mit dem Festnetz nicht möglich ist. Das eröffnet den Mobilfunkern zusätzliche Potenziale.

Das eröffnet Ihrer Branche neue Wachstumschancen?
Bierwirth: Die große Wachstumschance im Mobilfunk ist, dass die Anzahl der Devices pro Haushalt stark zunehmen wird. In Österreich ist bei den Kunden weitgehend eine Sättigung erreicht. Jeder hat ein Handy. Die Handys werden weiter durch Smartphones und weitere Geräte ersetzt werden. Wir müssen lernen, statt dem neuen Handykunden unsere bestehenden Kunden viel stärker zu durchdringen und auch die Vielschichtigkeit des mobilen Kommunikationserfordernisses aus einer Hand abdecken zu können. Das Mobiltelefon und der Tablet sind dabei nur ein Thema. Darüber hinaus geht es jetzt sehr stark in die Haushalte hinein: Smart Home: Wie bedient man Geräte in einem Haus? Das Thema Energy und Gesundheit: In Zukunft wird man vielleicht Arztbesuche vermeiden können. Leute, die zuckerkrank sind können sich zum Beispiel selbst zuhause regelmäßig untersuchen und die Ergebnisse zum Arzt schicken.

Das eröffnet Ihrer Branche neue Wachstumschancen. Ist Österreich mit LTE am Weg zur digitalen Gesellschaft?
Bierwirth: Das große Schlagwort der letzten Jahre, die Digitalisierung der Gesellschaft, hat jetzt eingesetzt. Ein bisschen wird jetzt auch die Science Fiction wahr. Apples neues iPhone 5s kann man zum Beispiel mit dem Fingerabdruck sperren und entsperren. Das war früher Science Fiction, jetzt Realität. Wahrscheinlich wird das bald Standard sein und wir werden das gar nicht mehr als etwas Besonderes empfinden. Ob im Haushalt oder als Geldbörse – wir gehen immer mehr in das normale Alltagsleben der Kunden. Bereits heute sagen viele, dass sie ohne Smartphone nicht mehr auskommen können. Das wird noch mehr werden. Die Kommunikationsinfrastruktur wird zum entscheidenden Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens. Ohne LTE ist das nicht möglich. Es ist der Motor, der die Geräte zum Laufen bringt und die Vernetzung der Geräte ermöglicht.

Telefonieren ist dabei eigentlich nur noch eine Nebensache?
Bierwirth: Und die Tarife verändern sich auch zu Datentarifen. Das Mobilfunknetz und der Tarif sind die Motoren, die Hardware ist das Auto. In der mobilen Kommunikation kauft man sich beides getrennt voneinander. Ich kann ein super Auto kaufen, aber einen sehr schwachen Motor einbauen. Dann kann man eben nicht so viel damit machen. Mit dem richtigen Motor beginnen die Geräte zu leben. Es ist auch eine Frage, ob ein Handy ein reines Statussymbol ist oder ob man damit arbeiten will. Ob es außen Gold oder innen Gold sein muss.
Für die österreichische Mobilfunkindustrie, die im Vergleich zu anderen europäischen Ländern am unteren Ende der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit steht, ist das auch der Ausweg. Wir müssen an der wachsenden Datennachfrage so partizipieren, dass es uns wieder möglich ist, nachhaltig zu investieren und im europäischen Schnitt der Mobilfunkbetreiber mitzuhalten. Das ist derzeit nicht so möglich.

LTE als Hoffnungsträger für die ganze Branche?
Bierwirth: Wir müssen das Datenwachstum, die Digitalisierung, diesen Wachstumsmarkt, der da ist, ausnutzen. In anderen Industrien, etwa der Airline-Industrie, gibt es gibt Jahre, da läuft es richtig gut und rund und dann wieder Jahre, in denen die Nachfrage zurückgeht. In der Mobilfunkindustrie gibt es eine konstant wachsende Nachfrage. Das ist schon einmal ein sehr guter Boden, auf dem man aufbauen kann. Wir müssen lernen, entsprechend davon zu partizipieren.

Ist Ihre Branche nicht selbst schuld, wenn sie zu wenig verdient und sich der Markt bereinigt?
Bierwirth: Wenn man nach den Ursachen sucht, warum es der Industrie in ganz Europa schlecht und in Österreich noch viel schlechter geht, dann gibt es drei wesentliche Gründe. Erstens wurden wir aus der Zeit der Überrenditen herunterreguliert. Teilweise auch auf einen Level, wo es längst keine Überrenditen mehr gab. Das hat auch politische Gründe. Man wollte dem Endkunden mit niedrigen Telefonkosten zeigen, dass Europa funktioniert.
Der zweite Punkt ist die Wettbewerbssituation, spezifisch in Österreich mit – wahrscheinlich – Überkapazitäten. Wenn man bedenkt, dass es selbst in den USA nur vier große Anbieter gibt. Teilweise hatten wir in Österreich mehr.

Das hat sich mit der Fusion von 3 und Orange erledigt. Und drittens?
Bierwirth: Der dritte und unterschätzte Punkt ist, dass wir unsere Preispunkte in den Tarifmodellen bisher in schrumpfenden Märkten hatten. Unsere Preispunkte in den klassischen Tarifmodellen lagen besonders in den Bereichen Stimme und SMS. Der Datenbereich war eher ein Beiprodukt, das es unlimitiert dazu gab. Auch deshalb, weil nach dem Start von UMTS die Kapazitäten lange Zeit brach klagen und man hoffte, durch die Beiprodukte die Kapazitäten mehr nutzen zu können.
In den letzten zwei Jahren hat sich das mit einer rasanten Geschwindigkeit umorientiert. Das Thema Stimme ist vielleicht noch stabil, aber das Thema SMS ist stark schrumpfend. Bei der Stimme wird das auch bald der Fall sein. Wenn man an Skype und andere Applikationen denkt.

Sind neue Datentarife die Hoffnung für die Zukunft?
Bierwirth: Wir müssen als Industrie Preispunkte im Markt definieren. Diese Tarifpunkte müssen mit aller kommerziellen Kreativität entwickelt werden und der Kunde muss sich daran gewöhnen. Mit Geschwindigkeit oder Datenvolumen können die Kunden noch nicht so viel anfangen. Die Menschen haben kein Gefühl dafür, wie viel Daten sie tatsächlich verbrauchen. Wenn man eine Minute lang telefoniert oder zehn SMS verschickt, dann weiß man das. Man kann aber nicht genau sagen, welche Datenmenge man verbraucht. Das ist relativ abstrakt und die Kunden müssen das mühsam erlernen. Hier müssen wir zu Modellen kommen, die Kunden als einfach und interpretierbar erachten. Das ist die Kür, die wir jetzt leisten müssen, um die Erlöse unserer Branche wieder zu stabilisieren. Für mich ist das der größte Paradigmenwechsel, den die Industrie mit LTE durchlaufen muss.

Inwiefern wird sich die Bedeutung der Mobilfunkanbieter durch die LTE-Einführung verändern, möglicherweise zunehmen?
Bierwirth: In der letzten Zeit waren Netzbetreiber ein Beipropdukt. Die Kunden haben ein iPhone gekauft, aber nicht zwangsläufig einen Tarif bei T-Mobile. Die Wahrnehmung was man kauft wird sich ändern. Die Bedeutung des Service Anbieters und seiner Dienstleistungen zunehmen. Wir sind diejenigen, die diese vernetzte Welt, die jetzt entsteht, ermöglichen und garantieren. Die Welt vernetzt sich mit Clouds und wir sind der Dreh- und Angelpunkt zwischen den Cloud Services und den Datenbanken, mit einem Anspruch an die Performanz, die es früher nicht gab. Wenn früher einmal ein Telefonat abgebrochen ist, dann hat man das verziehen. Wenn ich aber in einem Geschäft einkaufe und bezahlen möchte und das nicht funktioniert, dann wird das nicht mehr akzeptiert. Wir müssen jetzt eine 100-Prozent-Garantie für unsere Dienste geben. Der Anspruch an uns wird viel größer. Für uns als Industrie ist das auch eine Chance, überhaupt wieder wahrgenommen zu werden.

Sie wollen den Thron von Apple und Samsung zurück erobern?
Bierwirth: In der Vergangenheit war nur der Preis entscheidend. Die Tarife waren völlig identisch und die Kunden wollten eigentlich nur die Endgeräte haben. In Zukunft wird das anders sein. Wenn ich weiß, dass mein Provider zuverlässig ist, dann bin ich auch weniger bereit zu wechseln. Die Kundenbindung zu den Anbietern wird zunehmen. Banken werden auch ganz selten gewechselt, außer man hat einmal eine ganz schlechte Erfahrung gemacht. Das wird auch bei uns bald der Fall sein.
Ich bin überzeugt, dass uns die nächsten Jahre als Unternehmen in der Relevanz deutlich steigern werden. Gleichzeitig müssen wir aber auch eine Mindestrendite erfüllen, die derzeit verglichen mit dem europäischen Schnitt nicht gegeben ist.

Das heißt die Kunden werden für mehr Bandbreite und mehr Daten auch mehr zahlen müssen?
Bierwirth: Es ist die Frage, ob wir einen Tarif mit einer Bandbreite von 100 Mbit zu den gleichen Konditionen anbieten können wie einen Tarif mit 10 Mbit. Oder ob der Tarif in Zukunft vielleicht um drei oder fünf Euro teurer sein kann. Hier dürfen wir keine Scham haben, für eine Mehrleistung auch mehr zu verlangen. Wie in der Automobilindustrie, wo auch Autos mit stärkeren Motoren mehr kosten.
Unsere Industrie hat sich in den letzten Jahren technologisch extrem entwickelt, aber die Produkte sind derzeit nicht wirklich preiswürdig. Wir müssen jetzt gegenüber unseren Kunden den Motor herausarbeiten. Ihnen klar machen, dass nicht nur Apple oder Samsung für sie wichtig sind. Dass wir diejenigen sind, die alles ermöglichen.

Aber werden die Kunden das auch verstehen?
Bierwirth: Es muss den Kunden auch Spaß machen, den Motor zu kaufen. Das Kundenerlebnis muss sich verändern. Ich muss auch beraten und die vernetzte Welt erklären können. Das ist auch für unsere Mitarbeiter in den Shops eine ganz andere Herausforderung als ein Handy oder ein Smartphone zu verkaufen. Etwa wenn es um die Datenübermittlung vom iPad zu einem anderen Gerät geht. Welche Cloud-Services man dafür nutzen kann und wie man das einstellt. Das sind zum Teil komplexe IT-Beratungen. Die müssen wir unseren Kunden aber anbieten. Wir haben eine große Chance, diese Stellung in Zukunft einzunehmen.

Nach der Frequenzvergabe ist vor der Frequenzvergabe: Die EU-Kommission hat bereits eine Digitale Dividende 2 in Aussicht gestellt, bei der die 700 Mhz-Frequenzen vergeben werden sollen. Sind die denn notwendig?
Bierwirth: Wir brauchen mehr Frequenzen. Nicht heute, aber übermorgen. Der Gedanke wird natürlich in der Industrie weiter getragen. Wir beobachten über die internationalen Verbände genau, wo Frequenzen frei werden, die uns übertragen werden können. Das Thema ist aktuell. Plus dass wir auf den bestehenden Frequenzbändern mit Innovation mehr Daten übertragen können. Verdichtung und Komprimierung sind die Stichworte. Wir werden aber über die nächsten Jahrzehnte nicht mit den derzeitigen Frequenzen auskommen.

Hat bei alldem das Festnetz noch eine Zukunft?
Bierwirth: Die Zeit des Festnetzes ist noch lange nicht vorbei. Wir kommen auch aus einem Konzern, der in vielen Ländern Festnetz anbietet. Ich glaube, da muss man zwei Dinge sehen. Das Festnetz ist, wenn es einmal ausgerollt ist, von den Produktionskosten her wesentlich günstiger. Mobilfunk hat relativ geringe Fixkosten, aber relativ hohe variable Kosten. Beim Festnetz ist das umgekehrt. Kombinationen von Festnetz und Mobilfunk bleiben daher spannend. Der Mobilfunk geht in Bereiche des klassischen Festnetz und das Festnetz ebenfalls in neue Bereiche – etwa Fernsehen oder Video on Demand.

Interview mit A1 Telekom Austria CEO Hannes Ametsreiter: „Wir werden mit LTE ganz gewaltige Möglichkeiten haben.“

Interview-Reihe zur LTE-Auktion in Österreich: Für einen Artikel im Magazin trend anlässlich der Vergabe der 4G-Lizenzen in Österreich  habe ich Interviews mit den CEOs der drei österreichischen Mobilfunk-Anbieter und mit dem Georg Serentschy, Chef der Telekom-Regulierungsbehörde RTR geführt.

Hier ist das zweite Interview dazu. A1 Telekom Austria CEO Hannes Ametsreiter über die Zukunft und das Leben mit der vierten Mobilfunkgeneration LTE.

trend: In diesen Tagen läuft die Auktion für die Frequenzen, die den landesweiten Ausbau der vierten Mobilfunkgeneration LTE ermöglichen. Warum ist LTE für die Branche so wichtig?
Hannes Ametsreiter: LTE ist der Turbo und eine ganz logische Weiterentwicklung. Die Technologie gibt uns mehr Speed, schafft neue Möglichkeiten. Jeder in der Branche wird es machen.

Sie werden viel Geld in den Netzausbau investieren. Aber weshalb sollten Kunden auf LTE wechseln?
Ametsreiter: Die Message für den Kunden ist ganz einfach schneller und besser. Neue Technologien starten immer gleich. Zu Beginn gibt es immer die Sorge, wie man etwas verkaufen kann. Wer das Angebot überhaupt annehmen wird. Zwei Jahre später fragt man sich dann bereits, wie man den dramatisch ansteigenden Traffic bewältigen kann. Beim Schritt von 2G auf 3G war es ähnlich. Die Speed-Addictness ergibt sich automatisch. Die Gewöhnung auf die neue Geschwindigkeit und die neue Bandbreite geht in einem unglaublichen Tempo und man muss sich nie Sorgen machen, ob es Kunden verstehen oder annehmen.

Wie lange wird es dauern, bis LTE auch von der breiten Bevölkerung angenommen wird?
Ametsreiter: Unsere Erfahrung ist, dass neue Technologien immer dann angenommen werden, wenn es eine Unterstützung in allen notwendigen Bereichen gibt. Man braucht die Netze mit der richtigen Technologie, die Hardware – Smartphones, die diese Technologie unterstützen – und dazu noch entsprechende Angebote und Tarife, bei denen der Kunde sagt, dass das Sinn macht, und dann geht es schnell.

Nach der Vergabe der UMTS-Frequenzen passierte lange Zeit kaum etwas. Bis schon Stimmen laut wurden, dass aus UMTS gar nichts wird. Wird nach der LTE-Auktion eine ähnliche Lücke geben?
Ametsreiter: Nein, bei LTE wird es keine Lücke geben. Es kommen jetzt LTE-Geräte in entsprechender Stückzahl auf den Markt. Es wird ein smoother Übergang von 3G auf 4G kommen. Das scheint mir sehr gut zu funktionieren und die Adaption wird relativ rasch gehen.

Mit LTE werden Bandbreiten von 100 Mbit/s und mehr in Aussicht gestellt. Aber welche Bandbreite darf sich ein einzelner Benutzer erwarten?
Ametsreiter: Mobilfunk ist eine Shared Ressource, das darf man nie vergessen. Ich teile mir immer eine Basisstation mit der Anzahl der gleichzeitig aktiven Nutzer. Wenn ich um drei Uhr morgens alleine im Netz bin steht mir die volle Geschwindigkeit, die bei über 100 MBit liegen kann, zur Verfügung. Wenn abends viele gleichzeitig im Netz sind wird die Bandbreite eben auf die Zahl der Nutzer aufgeteilt. Jeder, der eine Division von 100 MBit auf 200 Benutzer beherrscht – die man sehr leicht im verbauten Gebiet haben kann – kann sich ausrechnen, welche Bandbreite zur Verfügung stehen wird. Das ist für uns auch das sehr starke Argument für das Festnetz-Breitband, weil man dort Bandbreiten zuteilen kann. Insgesamt ist Technologie aber natürlich effizienter, schneller und sie hat auch deutlich bessere Latenzzeiten. So hat man eine deutlich bessere Experience.

Ein Vorteil von LTE sind auch die deutlich geringeren Reaktions- oder Latenzzeiten der Netze. Weshalb auch mobiles Online-Gaming ein Thema ist.
Ametsreiter: Gegen die Latenzzeiten im Festnetz-Breitband hat man allerdings mit dem mobilen Breitband immer noch keine Chance. Deshalb sind wir auch überzeugt, dass die Konvergenz-Strategie richtig ist und den Glasfaser-Ausbau weiter voran treiben. Unsere Strategie ist, Glasfaser immer näher an die Kunden heran zu bringen. Wir haben jetzt so gut wie alle Hauptverteiler und Mobilfunk-Basisstationen an Glasfaser angeschlossen. Jetzt schieben wir Glasfaser noch näher an die Kunden heran und bauen auch Fiber-to-the-Home, um noch mehr bestätigte Bandbreite anbieten zu können.

Die vor zwei Jahren angekündigte Glasfaser-Offensive, in deren Zuge Sie eine Milliarde investieren wollen, ist also mit LTE nicht zu Ende?
Ametsreiter: Die Glasfaser-Offensive läuft trotz LTE weiter. Da haben wir viel investiert, und das werden wir auch in Zukunft tun. Wir sind überzeugt, dass die stärkste Infrastruktur Österreichs aus Festnetz-Breitband, Glasfaser im speziellen, und den besten Mobilfunktechnologien besteht. Beides muss man sicherstellen, damit man zu den Kunden kommt.
trend: In Südkorea und Australien wird bereits die zweite LTE-Generation, LTE-Advanced (LTE-A) ausgerollt. Damit werden Daten-Übertragungsraten von 1 Gbit/s und mehr möglich. Warum starten Sie nicht gleich mit LTE-A?
Ametsreiter: LTE-A wird von den Endgeräten noch nicht unterstützt. Deshalb müssen wir mit LTE beginnen, und da gibt es noch jede Menge zu tun. Die Vergabe der Frequenzen ist der erste Schritt.

Und danach? Wo wird man LTE zu Jahresende verwenden können?
Ametsreiter: Wir werden bis Ende des Jahres 45 Prozent der Gesamtbevölkerung mit LTE versorgen, das ist ein enormer Schub. Wir haben damit dreimal so viel LTE wie der Zweitbeste in Österreich und sind klar führend. Wir investieren massiv und holen auch einen Vorsprung heraus.

Welche Folgen wird das immer verfügbare mobile Breitband-Internet auf den Alltag haben?
Ametsreiter: Die Bedeutung von Connectivity wird durch LTE deutlich steigen. Die Zukunft ist All-IP. Es wird völlig egal sein, ob der Traffic über eine Festnetz- oder eine Mobilfunk-Infrastruktur läuft. es geht in Richtung Daten und Daten werden das alles Bestimmende in unserer Kommunikation, in unserem Leben sein. Daten können Sprache, Musik, ein Schlüssel für eine Tür, Geld sein. Alles was digitalisierbar ist kann durch Datenströme abgebildet werden. Das schafft ungeahnte Möglichkeiten. Wir sind erst am Beginn der Entwicklung und die neue Technologie, 4G wird dem einen nächsten Schub geben, ein echter Turbo für neue Dienste sein.

Und Smartphones werden dafür die universellen Werkzeuge sein?
Ametsreiter: Wir müssen uns vom traditionellen, alten Telefonie-Denken lösen. All IP bedeutet viel mehr. Connectivity wird es mit SIM-Karten in Autos, Kameras – in praktisch allen Dingen geben, die uns umgeben. Mit einer klassischen Telefonie hat das überhaupt nichts zu tun. Dieses Digital Living, von dem ich glaube, dass es uns massiv erfassen wird. Wir werden auch ganz gewaltige Möglichkeiten haben, indem ich einfach digital unterschreibe oder bezahle. Die Digitalisierung wird in den Alltag einziehen. So werden neue Möglichkeiten geschaffen. Im Gesundheitsbereich, in allen Bereichen, wo man heute ansteht und man in Kostenprobleme läuft kann Technologie möglicherweise eine Lösung bieten, Dinge sehr viel kostengünstiger umzusetzen.
Das ist eine sehr spannende Entwicklung, die eigentlich nichts mehr mit Telefonie zu tun hat. Es geht um Datentransaktionen, die in Lösungen eingebettet sind, die den Menschen bestmöglich unterstützen sollen. Man muss sich klar überlegen, wie die Technologie den Alltag unterstützen und beeinflussen wird. Smartphones wird es natürlich in jeglicher Form geben.

Wird mit LTE das mobile Internet das Festnetz-Breitband ablösen?
Ametsreiter: Trotz LTE wird und kann das mobile Breitband nie ein Ersatz für das Festnetz-Breitband sein. Würde wir heute den gesamten Traffic, der über das Festnetz-Breitband läuft auf den Mobilfunk umlegen, dann würden die Netze in der Sekunde zusammenbrechen. Das gewaltige Volumen ist nicht abbildbar. Wir haben eine gute Chance, dass wir über das Festnetz-Breitband weiterhin enorme Volumina an Daten schaufeln. Die sind wichtig für Cloud-Computing – ein Riesen-Trend. Die Kombination beider Möglichkeiten ist unser eigentliches Asset.

Welchen Effekt wird LTE für Österreichs High-Tech Branche haben?
Ametsreiter: Wir sind am Beginn zu einer Entwicklung der Digitalisierung des täglichen Lebens. Mobilfunker und Breitband-Internet-Anbieter spielen dabei eine immer wesentlichere Rolle. Ich hoffe, dass sehr viele neue Firmen entstehen, die Applikationen entwickeln. Ich glaube, dass es uns als Land dann gut geht, wenn wir eine gute Infrastruktur haben, die uns in allen Bereichen erfasst. Das bezieht Schule ein, das tägliche Wirtschaftsleben und auch das Privatleben. Die Bedeutung der unserer Branche ist daher stark steigend.

Haben Sie konkrete Vorstellungen von den Diensten der Zukunft?
Ametsreiter: Nein, und man kann keine Prognosen abgeben, was geschehen wird und welche Produkte und Lösungen kommen werden. Die ergeben sich immer im Lauf der Zeit. Eine Firma Facebook hat niemand vorhergesagt. Sie ist plötzlich entstanden und ist heute eine der am weitesten verbreitete Applikationen der Welt. Das ist ein Beispiel dafür, dass man weltweit unheimlich erfolgreich sein kann, wenn man den digitalen Hebel richtig nutzt. Wir werden in Zukunft noch viele Success-Stories sehen, die entstehen, wenn innovative Unternehmer die neuen Technologien hebeln. Das haben wir bei Facebook, YouTube, Skype und verschiedensten Firmen gesehen. Ich glaube, dass diese Entwicklung dem ganzen nochmals einen Turboschub geben wird. LTE ist ein weltweiter Standard und insofern auch eine großartige Möglichkeit für Entwickler, auf dieses Service aufzusetzen.

Sie haben ja mit A1 TV ein großes IP-TV-Angebot. Wollen Sie das auch über LTE ausrollen?
Ametsreiter: Es ist ein klares Ziel, das IP-TV-Produkt der Telekom Austria auch über LTE in die Haushalte zu bringen. Die Zukunft ist Seamless Content und Multi-Device. Fernsehen wird damit ganz anders aussehen. Ich kann den Content auf allen Geräten und jederzeit konsumieren. Wichtig sind der ganz einfache Access und Produktpakete. Die klassischen Telekommunikations-Unternehmen werden zu Kommunikationsunternehmen.

Artikel aus 12 Jahren trend: Portrait des ÖBB Chefs Christian Kern

Juni 2011: Road to Nowhere? ÖBB-Chef Christian Kern als Talking Head

Zug zum Tor

Porträt. Vor einem Jahr trat Christian Kern an, um zu schaffen, woran seine Vorgänger scheiterten: die Sanierung der ÖBB. Bislang machte er eine gute Figur. Aber die großen Bewährungsproben kommen noch: Personalabbau, Teilprivatisierungen, Geldspritze vom Staat.

ÖBB-Chef zu sein heißt, sich mitunter recht sonderbaren Aufgaben widmen zu müssen. Voller Elan begab sich Christian Kern nicht lange nach seinem Amtsantritt vor knapp einem Jahr auf Besuchstour auf einer niederösterreichischen Nebenbahn. An jedem Bahnhof hielt der Zug, und jedes Mal spielte eine Blasmusikkapelle für den hohen Gast auf. Je länger die Fahrt ging, desto kleiner wurden die Orte und die Kapellen. Am Ende stand Kern frierend in einem für ihn typischen, dunklen Designeranzug und schmaler Krawatte bei drei Grad und Nieselregen einem Blechbläserquartett gegenüber, das „Meet the Flintstones“ zum Besten gab. Und dem Top-Manager fiel der Song „Once in a Lifetime“ von den Talking Heads ein, in dem die Frage gestellt wird: „Well, how did I get here?“

Seither versucht Christian Kern, sich von händeschüttelnden Bürgermeistern, die um den Erhalt ihrer Nebenbahn zittern, so gut wie möglich fernzuhalten. „Aber ganz gelingt das natürlich nicht“, sagt er. Dem studierten Kommunikationswissenschafter und Medienprofi ist bewusst, dass er als ÖBB-Chef an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit steht – und sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht möglicherweise unnötigen Verpflichtungen nur zum Teil entziehen kann: „Bis zu einem gewissen Grad muss man mitspielen. Sonst wird man zerstückelt, zerfleischt und zerhackt. Und kommt zu gar nichts mehr.“

Der Weg, der Christian Kern zum begehrten Objekt für Blasmusiker machte, ist ungewöhnlich genug. Management lernte er, als er als 22 Jahre alter Student von seiner damaligen Lebensgefährtin verlassen worden war und sich plötzlich in recht jungen Jahren als alleinerziehender Vater durchschlagen musste. Die Notwendigkeit, das Studium, den Job als Wirtschaftsjournalist und die Erziehung des heute 23-jährigen Sohns zu koordinieren, lehrte ihn, so effizient wie möglich zu handeln – und prägte seinen Managementstil nachhaltig. „Es ist bewundernswert, wie er den Beruf und die Erziehung seines Sohns unter einen Hut gebracht hat“, sagt der frühere SPÖ-Klubobmann Peter Kostelka, als dessen Sprecher der heutige ÖBB-Chef von 1994 bis 1997 arbeitete.

Mittlerweile ist Kern, 45, vierfacher Vater. Und wenn er etwas bedauert, dann ist es der Umstand, dass Karriere und Familie trotz aller Effizienz schwer vereinbar sind.

1997 wechselte der in der SPÖ Sozialisierte in den Verbund, wo er sich in den Vorstand hocharbeitete. Sein Förderer dort war Hannes Sereinig. Das Verhältnis zu Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber hingegen blieb sachlich-kühl. Mit ein Grund dafür, dass Kern zusagte, als man ihm den ÖBB-Chefsessel anbot.

Natürlich kam die Vorhaltung, Kern wäre nur wegen seiner Parteizugehörigkeit in diese Position gelangt. Was ÖBB-Aufsichtsratspräsident Horst Pöchhacker zurückweist. Er sieht ihn als idealen Weichensteller für die Zukunft der ÖBB: „Wir brauchen jetzt genau so einen Typen. Jemand, der sich offen vor die Leute stellt und Probleme klar anspricht.“ Kerns Talent, druckreif zu sprechen, und sein Charisma nennt Pöchhacker zusätzlich zu seinen analytischen Fähigkeiten ein Glück für die Bahn. Sprachlich auffällig verhielt sich Kern schon als Kind. „Obwohl er aus einer typischen Simmeringer Sozialdemokratenfamilie stammt, kam ihm nie ein Wort Wiener Dialekt über die Lippen. Wir fanden es etwas komisch, dass er nur feinstes Hochdeutsch sprach“, erinnert sich einer, der mit Kern im Arbeiterbezirk Simmering zur Schule ging.

ÖVP-Verkehrssprecher Ferdinand Maier kritisiert, Kern würde die Lage der Bahn überdramatisieren und dadurch das Unternehmen schädigen: „Wenn die ÖBB ein börsennotiertes Unternehmen wären, dann müsste Kern die Verantwortung für Kursverluste tragen.“ Der Angesprochene ist darüber verwundert, und Pöchhacker kontert: „Wir sind nun einmal nicht börsennotiert. Es geht darum, die Leute wachzurütteln und ein Bewusstsein für den Zustand der ÖBB zu schaffen.“

Sanierungsfall. Wachgerüttelt sind mittlerweile alle. Auch Infrastrukturministerin Doris Bures spricht plötzlich offen vom „Sanierungsfall ÖBB“. Und nach dem ersten Jahr unter Kerns Führung weiß jeder Interessierte im Land, wie es um die ÖBB steht: sehr schlecht. Es krankt an allen Ecken und Enden. Der ganze Konzern muss abgespeckt, umgebaut und auf die zukünftigen Geschäfte vorbereitet werden.

Die enormen Verluste der Rail Cargo Austria (RCA) sind ein Klotz, der den Tanker ÖBB zum Sinken bringen könnte. „Wenn unser Sanierungsplan nicht hundertprozentig funktioniert und wir abweichen, setzt sich die Spirale der Eigenkapitalvernichtung fort. Dann können wir das Kreuz darüber machen“, meint Kern.

Und so sind in Kerns Sanierungsplan eine ganze Reihe unpopulärer Maßnahmen enthalten. Jobs werden reduziert, Zugverbindungen aufgelassen, Preise erhöht und Dienstleistungen gestrichen. Insgesamt sollen die Kosten dadurch um 400 Millionen Euro verringert werden. Alleine bei den Personalkosten ist vorgesehen, rund 250 Millionen Euro einzusparen. Der Personalstand soll um 4000 auf unter 40.000 gesenkt werden.

Die Einsparungen sind quasi Vorleistungen, weil Kern zur Sanierung der ÖBB auf 400 Millionen Euro Finanzspritze vom Bund hofft. Bekommt er die nicht, wird es ganz schwer – und ein mehrheitlicher Verkauf der Güterverkehrssparte wohl unvermeidlich (siehe Kasten „Kernfragen“, Seite 32).

Proteste der Belegschaft, ihrer Vertreter, der Kunden und der Politiker sind aufgrund des Sparkurses vorprogrammiert. Doch Kern sieht keine andere Möglichkeit. „Ich will nicht gewählt werden. Ich muss nicht beliebt sein“, erklärt er bestimmt. Am Ende würden die Zahlen und nicht seine Popularität entscheiden, ob er einen erfolgreichen Job macht oder nicht.

Die lustige Zeit, in der sich ÖBB-Chefs für ein Foto eine Zugbegleiterkappe aufsetzten und grinsend in die Kamera winkten, sind vorbei. Die Benchmarks von Kern sind das Geschäftsergebnis und die Zufriedenheit der Kunden. Er macht keinen Versuch, die 353 Millionen Euro Miese der RCA schönzureden, und wehrt sich entschieden gegen Verdächtigungen, er habe – etwa bei der Tochtergesellschaft in Ungarn – viel zu großzügig abgewertet, um wie Phönix aus der Asche emporzusteigen.

Um zu schaffen, woran vier Top-Manager vor ihm gescheitert sind, würde der begeisterte Fußballfan sogar seinen Herzensklub Austria Wien verkaufen. „Ich würde es bedauern, bei dieser Entscheidung die Austria in die Gosse treten zu müssen, aber eine sanierte Bahn wäre mir sogar lieber als ein Champions-League-Titel der Austria“, gesteht er.

Erste Erfolge. Das nicht veröffentlichte Ergebnis des ersten Quartals 2011 zeigt, dass der eingeschlagene Kurs erste Früchte trägt: ein ganz kleines Plus, aber vor allem um fast 50 Millionen Euro besser als budgetiert. „Die Zahlen bestätigen unseren Weg, aber wir sind noch lange nicht über den Berg“, sagt Kern, der weiß, dass ein Turnaround noch in weiter Ferne ist. Ein positives Ergebnis zum Jahresende 2011 ist weit außer Reichweite. Das Ziel bleibt, den operativen Verlust auf 43 Millionen zu halbieren.

Sichtlich fassungslos ist der ÖBB-Chef darüber, wie sehr die wahre Situation der Bahn vor seiner Zeit unter den Tisch gekehrt wurde, wie das Unternehmen künstlich starkgeredet und Probleme nicht angegriffen wurden. Sogar der Espresso, den er sonst so gerne trinkt, scheint ihm da nicht mehr zu schmecken. Die 2003 beschlossene Zerschlagung der Bahn habe zu massiven Synergieverlusten geführt, den Overhead dramatisch aufgeblasen und das Netzwerk zerfallen lassen, stellt er fest: „Heute sieht unser Vertriebsnetz aus wie ein Emmentaler.“ Zudem seien die ÖBB in keiner Weise auf Wettbewerber wie die Westbahn AG und weitere Regionalbahnbetreiber, die am Start stehen, vorbereitet worden.

Abverkauf. Familiensilber zu verkaufen wäre eine Option, um das Dahinschmelzen des Eigenkapitals zu kompensieren. Kern ließ daher Investmentbanker der Schweizer UBS ein Konzept für den Verkauf der zehn ÖBB-eigenen Wasserkraftwerke und des Immobilienportfolios ausarbeiten. Das Ergebnis: Rund 1,5 Milliarden Euro Erlöse wären möglich, alleine die Kraftwerke könnten gut eine Milliarde bringen. Mit dem Verbund gäbe es auch einen sehr interessierten Käufer, wie Sprecherin Beate McGinn bestätigt: „Aus einer Zusammenführung der ÖBB-Wasserkraftwerke mit dem Verbund-Kraftwerkspark sind zweifellos erhebliche Synergien erzielbar, mit großen Vorteilen für die österreichische Volkswirtschaft.“

Auch ÖVP-Mann Ferdinand Maier fordert diesen Schritt vehement, doch Kern hat die Überlegungen schon wieder verworfen. Denn die Kraftwerke sind Assets des Infrastrukturbereichs, und die Verkaufserlöse dürften nicht verwendet werden, um die Löcher im Güter- und Personenverkehr zu stopfen. Das könnte ein Beihilfeverfahren wegen verbotener Querfinanzierung in Brüssel auslösen. Außerdem liefern die Kraftwerke und Immobilien einen Ergebnisbeitrag von rund 100 Millionen Euro pro Jahr, die der Bund dann mehr für die Infrastrukturfinanzierung zahlen müsste. Einzelne Immobilien werden dennoch auf den Markt geworfen. Kern: „Wir tun das laufend. Das ist ein sehr profitables Geschäft, vielleicht sogar unser profitabelstes überhaupt.“

Neun Jahre hätte er noch, um die ÖBB vom Rande der Insolvenzgefahr zu einem gewinnbringenden Unternehmen zu führen, wenn seine persönlichen Lebensziele sich erfüllen: „Ich möchte diesen Job zehn Jahre lang machen. Danach hätte ich immer noch mehr Berufsjahre übrig, als ich in der Bahn verbracht habe, und ich will daher am Managermarkt vermittelbar bleiben.“ Zurück in die Politik zu gehen ist für ihn jedenfalls keine Option. Auch wenn er immer wieder als SPÖ-Personalreserve für höhere Weihen gehandelt wird. Kern würde nach den ÖBB eher die Finanzbranche reizen, vielleicht ein Job in einer Investmentbank. Ein persönliches Himmelfahrtskommando dürften die ÖBB also keinesfalls werden, betont er. Hinter der im Herbst gestarteten Kommunikationsoffensive, die von manchen Kritikern als Selbstinszenierung bezeichnet wird, steckt also auch Kalkül: Der Manager Kern soll positiv im Gespräch bleiben.

Sanierungsplan. Die bisherigen Verhandlungen mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaften sind für den Zug-Führer nicht schlecht gelaufen. Es konnte ein Arbeitszeit-Agreement vereinbart werden, das eine höhere Flexibilität beim Einsatz von Mitarbeitern bringt. Individuelle Gehaltserhöhungen wurden ausgesetzt, Überstunden, die etwa bei den Lokführern bis zu 20 Prozent des Einkommens ausgemacht haben, spürbar reduziert. Doch nun stehen die wirklich harten Brocken bevor. Ende 2010 hatten die ÖBB noch 42.419 aktive Mitarbeiter, und Kerns Vorgabe lautet, auf unter 40.000 Mitarbeiter zu kommen. Der Punkt, dass von dem Mitarbeiterabbau auch Führungskräfte betroffen sind – insgesamt wurden bereits 270 Managementposten gestrichen -, dürfte laute Proteste bisher vermieden haben. Der mächtige Bahngewerkschafter Willi Haberzettl, der sich seit einem Jahrzehnt, seit der Ära des ÖBB-Generals Helmut Draxler, mit allen anlegt, wollte die Pläne kurz vor den Kollektivvertragsverhandlungen nicht kommentieren. Doch Kern ist klar, dass einiges auf ihn zukommt: „Die Kollektivvertragsverhandlungen werden noch eine wilde Geschichte, und mit dem Betriebsrat stehen intensive Debatten an.“

Das große Problem ist, dass der Mitarbeiterabbau bei den ÖBB kaum mehr über natürliche Abgänge möglich ist, weil nur noch wenige Mitarbeiter über 50 Jahre alt sind. Es bleiben daher letztlich nur zwei Optionen: Golden Handshakes oder Frühpensionierung. Bei Zweiterem blockiert wegen der verheerenden Optik die Politik – auch wenn ein Gutachten des Arbeitsrechtlers Wolfgang Mazal sagt, das Aktienrecht verpflichte den ÖBB-Chef eigentlich zu Frühpensionierungen, solange sie gesetzlich erlaubt sind. Aber auch für Sozialpläne braucht Kern die Hilfe der Politik: Damit Leute freiwillig gehen, muss das Angebot großzügig sein. 30 Monatsgehälter liegen am Tisch, im Schnitt um die 120.000 Euro pro Person. Ohne Kapitalerhöhung können sich die ÖBB solche Aktionen nicht lange leisten.

Kerns Pläne zur Personalreduktion beinhalten den Ausbau von Joint Ventures wie jenem mit der Voestalpine zur Weichenwartung und Instandhaltung. Die Automatisierung soll die Zahl der Verkehrsleitstellen von 500 auf fünf verringern. Für zahlreiche Standorte im Bereich der Kontraktlogistik wurde eine Schließungsliste erstellt. Die Rail Cargo muss um 3500 so genannte Headcounts reduzieren – ÖBB-Mitarbeiter, Leasingkräfte, Überstunden.

Bei der Produktion, also der Bereitstellung und Führung von Zügen, will Kern 80 Millionen herausholen, im IT-Bereich und im Einkauf sind jeweils 40 Millionen Sparvolumen vorgesehen.

Eine Initiative im Customer Service soll den ÖBB endlich auch ermöglichen, Kunden gezielt anzusprechen. Derzeit sind die Daten der 1,6 Millionen Vorteilskartenbesitzer in 18 verschiedenen miteinander nicht kommunizierenden Systemen gespeichert. Es ist daher nicht möglich, Aussagen über den Erfolg einzelner Marketingaktivitäten zu treffen. Kern: „Das wäre aber eine Voraussetzung dafür, dass wir die Kunden in unsere Züge bekommen.“

Auf schlecht frequentierten Lokalstrecken sollen Busse statt Zügen fahren. Kern-Kritiker Ferdinand Maier ätzt, dass die ÖBB aufgrund ihrer Beförderungsstatistiken eigentlich schon jetzt in „Österreichische Bundesbusse“ umbenannt werden müssten. Doch Kern weiß, dass derartige Spitzen parteipolitisch motiviert sind, und lässt sich nicht vom Kurs abbringen. „Ich war sechs Monate im Gespräch, ehe ich mich für den Job entschieden habe. Es war mir klar, dass das keine Ayurveda-Kur wird“, resümiert er. Er habe keine Alternative zur Härte, ansonsten müsse er am Ende eine andere Zeile aus dem Talking-Heads-Song „Once in a Lifetime“ zitieren: „Same as it ever was.“

Artikel aus 12 Jahren trend: Das Red Bull Fieber

Mai 2011: Im Namen der Dose: Dietrich Mateschitz und sein Red Bull Imperium

Jenseits der Dose

Red Bull & co. Vor fünf Jahren noch als Totgeburt abgeschrieben, ist die Eröffnung des Red Bull Rings in Spielberg am 15. Mai der nächste Beweis für den langen Atem von Gründer Dietrich Mateschitz. Bei der Formel 1 und Teilen des Mediengeschäfts hat er die Trendumkehr schon geschafft.

Die Pressekonferenz nach dem Rennen gewann Sebastian Vettel souverän. Auch wenn er sich in den letzten Runden des Großen Preises von Shanghai am 17. April geschlagen geben musste, punktete der deutsche Red-Bull-Racing-Fahrer nach der Zieleinfahrt mit unvergleichlich besserem Schmäh. Vettel wies nach der kühl-arroganten Analyse des Rennsiegers Lewis Hamilton verschmitzt darauf hin, dass sich dessen McLaren-Teamkollege Jenson Button auf dem Weg zum Boxenstopp in die Red-Bull-Schleife verirrt hatte. Dann grinste der Weltmeister breit: „Ich weiß auch nicht, warum alle immer so gern bei Red Bull Station machen.“

Das saß. Selbst wenn die anderen einmal die Nase vorn haben, so die Botschaft, geht die Post in Wahrheit doch bei Red Bull ab. Und mit zwei Siegen und einem zweiten Rang hat Vettel die Formel-1-Saison ja ähnlich furios begonnen, wie er die letzte beendet hat. 105 Punkte hat der Rennstall des Getränkekonzerns nach drei Runden, 20 Zähler vor Verfolger McLaren. Zur Erinnerung: Gründer Dietrich Mateschitz hat seinen Energy-Drink-Konzern erstmals vor sechs Jahren in die Schnellfahrer-Liga manövriert. McLaren bestreitet mittlerweile seine 45. Saison.

Mateschitz kann in diesen Tagen seine Genugtuung nicht verhehlen. Vor wenigen Jahren hatte man in Wirtschaftskreisen landauf, landab noch die Meinung gehört: „Gut, die Energy-Drinks beherrscht er. Aber der Rest ist Spielerei. Das wird sich nie rechnen.“ Mit den anhaltenden Triumphen von Vettel und dem zweiten RB-Racing-Piloten Mark Webber sieht er jedoch erstmals auch einen Return für seine enormen Investitionen in die Formel 1 (siehe dazu die Rechnung auf der vorherigen Seite). Neue Sponsoren wie Infiniti/Nissan springen auf den Erfolgszug auf, bestehende Partnerschaften werden vertieft und verlängert – so etwa mit der thailändischen Biermarke Singha. Sie gehört dem Bhirombhakdi-Clan, einem Geschäftspartner des Haupteigentümers von Red Bull, der Familie Yoovidhya. Auf 40 Millionen Euro werden 2011 die Sponsoring-Einnahmen klettern, erwarten die Red-Bull-Leute – eine Steigerung um ein Drittel. Laut Schätzungen liegt die Summe, die aus dem Red-Bull-Marketingbudget zugebuttert werden muss, inzwischen knapp unter der 100-Millionen-Euro-Grenze.

Vom Rand ins Zentrum. Im Laufe seiner Geschichte hat Mateschitz eine fast unüberschaubare Anzahl von Nebenaktivitäten entwickelt, vom Wellness-Drink bis zum Fußball-Sponsoring, vom Tourismus bis zum Society-Magazin. Zwar ist noch keines der Red-Bull-Geschäftsfelder jenseits der Dose profitabel, aber eine Trendumkehr zeichnet sich in einigen Bereichen bereits ab. Und damit scheint gegen alle Unkenrufe Mateschitz’ Plan aufzugehen, den sein Freund Hans Mahr kennt: „Prinzipiell muss sich alles bei ihm rechnen. L’art pour l’art hilft dem Laden nicht.“ Der ehemalige RTL-Mann hat ihn vor Jahren auch bei der Entwicklung des Red-Bull-Fernsehgeschäfts beraten.

Gerade der Medienbereich hatte nach anfänglichem Irrlichtern zuletzt mit der Welt-Expansion des „Red Bulletin“-Magazins, das dieses Jahr auf fünf Millionen Exemplare Druckauflage kommen soll, und der positiven Resonanz auf den Sender Servus TV mehr Positivmeldungen vorzuweisen als je zuvor (siehe Kasten auf Seite 34). Auch ein Berater, der das Magazingeschäft begleitet hat, will mit Sicherheit wissen, „dass die Medienaktivitäten zu einem profitablen Unternehmen werden sollen“.

Selbst abseits der Red-Bull-Welt hat Mateschitz Erstaunliches entwickelt: Auf der im Jahr 2003 gekauften Fidschi-Insel Laucala ist ein Tourismusresort de luxe entstanden. Eine Privatresidenz mit vier Schlafzimmern um 24.605 Euro pro Nacht – laut Agenturen findet die betuchte Klientel an erlesenen Angeboten wie diesem durchaus Gefallen (siehe auch Seite 32).

Wiederauferstehung. Und nun Spielberg. Beim schon tot geglaubten Projekt einer Rennstrecke im steirischen Ort, nur 60 Kilometer von Mateschitz’ Geburtsort Sankt Marein entfernt, hat er Durchhaltevermögen bewiesen. Am 15. Mai fällt dort der Startschuss für eine neue Ära. Mit einem historischen Formel-1-Rennen, einer Kunstflugshow und Motorsport-Heroen der vergangenen Jahrzehnte wird die Wiederauferstehung des Österreichrings als Red Bull Ring gefeiert. Mit dabei im Eröffnungsreigen ist natürlich auch Weltmeister Vettel.

Es ist der Neuanfang einer vermeintlich unendlichen Geschichte. 60.000 Besucher sollen an drei Veranstaltungstagen, begleitet von Champagnerkorken-Knallen und lautem Motorenlärm, die Probleme vergessen lassen, die es am Weg bis dahin gab. Seit 2003 hatte sich Mateschitz um die Wiederbelebung des Rings bemüht. Der ursprüngliche Plan für ein 700-Millionen-Euro-Riesenprojekt mit Partnern wie dem deutsch-französischen Luftfahrtkonzern EADS und Volkswagen an seiner Seite wurde vom steirischen Umweltsenat zu Fall gebracht. Darauf verbündete sich Mateschitz mit VW, KTM und Magna und wollte 150 Millionen Euro in ein kleineres Projekt investieren. Doch das Ringen mit Politikern und Bürgerinitiativen entnervte die Partner bald. Als der UVP-Bescheid im Jahr 2007 endlich vorlag, stand der Red-Bull-Chef wieder ganz alleine da.

Doch der hielt an seinem „Herzensprojekt“, wie es die lebende Rennsport-Legende Niki Lauda bezeichnet, fest. Er beauftragte die Architekten Günther Domenig und Gerhard Wallner mit der Planung und begann zusätzlich zur Rennstrecke auch in die Hotellerie der Region zu investieren: beispielsweise in das Steirerschlössl, ein Jugendstilhaus, das Mateschitz in ein Nobelhotel verwandelt hat, in den Countryclub Murhof, das Schloss Talheim bei Pöls oder den Schönberghof.

Formel-1-Comeback. Als Wohltätigkeitsveranstaltung sieht Mateschitz das Investment von über 70 Millionen Euro in seiner Heimat jedoch nicht, stellt Spielberg-Projektchef Thomas Tebbich klar: „Es gibt einen Businessplan, nach dem das Projekt Gewinne abwerfen soll.“ Mit Konzerten, Autorennen, Flugshows und Ähnlichem soll sich das Engagement nach wenigen Jahren rechnen. Selbst die Ex-Partner kehren zurück: KTM bietet seinen X-Bow am Red Bull Ring zur Vermietung an, VW hat den neuen Touareg dort getestet, und Audi präsentierte den neuen A6 – noch vor der Eröffnung.

Dass das Konzept auch eine Rückkehr der Motorsport-Königsklasse in die Steiermark beinhaltet, will Tebbich dezidiert nicht ausschließen. „Der Ring hat das entsprechende Zertifikat des internationalen Automobil-Dachverbands FIA und ist damit für Formel-1-Rennen zugelassen.“ Derzeit sei das aufgrund der Umweltauflagen zwar nicht möglich, doch die sind – wie man aus der steirischen Landesregierung hört – verhandelbar. Mateschitz müsse lediglich einen entsprechenden Antrag vorlegen. Tebbich wehrt jedoch voreilige Erwartungen ab: „Wir wollen erst einmal sehen, wie unser Programm angenommen wird. Über andere Rennserien und Veranstaltungen werden wir zu gegebener Zeit diskutieren.“ Mateschitz-Kenner Niki Lauda sieht jedenfalls kein Hindernis für eine Rückkehr der Formel 1 nach Spielberg: „Ob und wann das geschieht, entscheidet aber letztlich Mateschitz alleine, denn ihm gehört der Ring. Wenn er das möchte, dann wird sich ein Weg finden.“

Stur, stolz, steirisch. Typisch Mateschitz, würde Norbert Kraihamer mit Blick auf Spielberg sagen. Der 51-Jährige kennt das Innenleben des heutigen Weltkonzerns mit Sitz im Salzburger Fuschl so gut wie nur wenige andere: Er war zwischen 1996 und 2006 für Red Bull tätig, zuletzt als Auslands- und Marketingchef. Kraihamer war vor seinem Ausscheiden sogar als einer der Kronprinzen von Mateschitz gehandelt worden.

„Eine der heiligen Regeln lautete immer: Nie auf halbem Weg umkehren“, erzählt Kraihamer. Das habe zu Beginn für die irrwitzige Idee gegolten, ein klebrig-gummibäriges Gesöff als neue Produktkategorie zu etablieren – und später für alle anderen, scheinbar meilenweit vom Dosen-Geschäft entfernten Aktivitäten auch. Selbst bei spektakulären Flops hat sich Mateschitz nie dazu entschließen können, etwas gänzlich bleiben zu lassen oder gar zu Grabe zu tragen.

Beispiel Afro Coffee: 2006 war Mateschitz mit seinem langjährigen Werbepartner Johannes Kastner in Kapstadt auf einen Südafrikaner namens Grant Rushmere gestoßen, der dort ein knalliges Lokal im Afro-Design etabliert hatte. Doch die angekündigte Europa- und Weltexpansion im Stile eines Hard Rock Café glückte nie, Rushmere ging nach Insiderberichten zu früh in Eigenregie an die Öffentlichkeit – der Oberbulle verzeiht solche kleinen Verstöße gegen die zentralisierte Kommunikationspolitik nie. Bis auf ein Afro Coffee in der Salzburger Bürgerspitalsgasse ist das Projekt nicht vom Fleck gekommen. Dennoch wird es für etwaige Wiederbelebungsversuche im Portfolio gehalten.

Beispiel Carpe Diem: 1993 gründete Mateschitz das Unternehmen, das dem Vertrieb eines fermentierten Kräuterteegetränks namens Kombucha dient. Aber weder „Classic“, „Quitte“, „Cranberry“ noch die anderen Sortimentsvarianten und -neuzugänge konnten das Unternehmen in all den Jahren aus der Verlustzone bugsieren. Auch das letzte veröffentlichte Geschäftsjahr 2009 endete mit einem negativen Betriebsergebnis von 6,6 Millionen Euro. „Wenn man sich wie Red Bull aus dem Cashflow finanziert, kann man sich solche Liebhaberei leisten“, spottet die Branche.

Umso wichtiger ist, dass das Dosengeschäft weiter floriert. Ob Mateschitz das gelingt?

Dosen mit Dellen. „Er hat sich die Freiheit genommen, sich in dem Produkt zu verwirklichen“, sagt Markus Würcher, ehemals Regionaldirektor für Südeuropa, und meint pointiert: „Red Bull is Mateschitz in a can.“ Und sein Produkt, die Dose, enttäuscht ihn nicht. Mit ihr fährt Mateschitz bis auf das Krisenjahr 2009 stets steigende Umsätze ein, zuletzt waren es rund 3,8 Milliarden Euro (siehe Grafik Seite 30).

Dass er deshalb auch jedes Jahr mehr verdient, trifft aber nicht zu. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) dümpelt vielmehr vor sich hin. 2009 lag es auf dem Niveau von 2004. Natürlich reicht ihm das Geld selbst nach Ausschüttungen immer noch, um seine geschäftlichen Steckenpferde zu finanzieren, Formel 1, Medien und exotische Getränke.

Aber langsam sollten die lahmen Gäule auch mal in Trab verfallen. Denn im Stammgeschäft mit den Energy-Drinks ist der Konzern mit Sitz im Salzburger Fuschl da und dort an seine Grenzen gekommen. In den USA, dem wichtigsten Einzelmarkt, kratzt der Konkurrent Monster des Herstellers Hansen an der Marktführerschaft der Österreicher.

In Österreich, Keimzelle von Red Bull und Testmarkt von Anbeginn, hat das Dosen-Geschäft durch neue, unerwartete Konkurrenten Dellen bekommen. Den Eigenmarken der großen Handelshäuser wie Flying Power (Hofer) und S-Budget (Spar) ist es gelungen, Red Bull in den Supermärkten zu überflügeln. Das geht aus den Zahlen des Marktforschers Nielsen für Februar 2011 hervor. Danach brachten es die Eigenmarken – gemessen an ihrem kumulierten Absatz – auf einen Marktanteil von 51 Prozent, während der von Red Bull auf 33 Prozent sank. Ein Jahr zuvor lagen Marke und Eigenmarken noch gleichauf bei etwa 40 Prozent. Diese Entwicklung ist umso erstaunlicher, als die Energy-Drinks der großen Ketten noch sehr jung sind. S-Budget wurde 2008 gestartet und schlug ein Jahr später Red Bull bereits in den zur Spar-Gruppe gehörenden Geschäften. Der Erfolg ließ die Rewe-Gruppe (Billa, Merkur) im November 2010 mit einem Produkt ihrer Billiglinie Clever nachziehen. Beide Gebinde kosten mit 49 beziehungsweise 29 Cent nur einen Bruchteil des Originals. Auch Red Bull muss daher preisaggressiver als bisher am Markt auftreten.

Die bittere Folge: Die Margen kommen unter Druck. Wenn das Beispiel von S-Budget & Co auch in anderen, größeren Märkten Schule macht, bleibt Mateschitz in Zukunft deutlich weniger Spielraum für seine kostspieligen Nebenaktivitäten. Spätestens dann müssen aus den Verlustbringern im Sport-, Tourismus-, Medien- und Getränkebereich rentable Geschäftsbereiche geworden sein.

From zero to hero. Noch ist aber Österreich nur eins von 160 Ländern, wo der Getränkekonzern seine Gebinde feilbietet, und noch sieht Mateschitz das Potenzial seines Energy-Drinks nicht ausgeschöpft. 2011 erwartet er das erfolgreichste Jahr der 35-jährigen Firmengeschichte überhaupt. Und in fünf Jahren will er den Absatz von aktuell 4,2 auf acht Milliarden Stück verdoppelt haben.

Auf diesem Weg zu Hilfe kommen sollen ihm die flotten Sprüche seines Formel-1-Stars Vettel. Der 23-Jährige verkörpert die Red-Bull-Welt fast perfekt: Mateschitz verpflichtete den „no name“ als Rookie beim Red-Bull-Zweitteam Scuderia Toro Rosso – vom Underdog zum jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten dauerte es nur drei Jahre. Und die Chancen, dass er auch in den nächsten Jahren regelmäßig Siege einfährt, stehen gut. Nicht nur bei Pressekonferenzen nach dem Rennen. l

Formel Bull

  • Einnahmen 2010: 110 Millionen Euro
  • 70 Millionen Euro aus Prämien für Konstrukteurs-WM, Siege und Punkte. Der Sieger der Konstrukteurs-WM erhält prozentuell die höchsten Anteile der Formel-1-Einnahmen.
  • 30 Millionen Euro von Sponsoren (Total, Rauch, Casio, Pepe Jeans rd. 5 Mio., Singha Brauerei – Partner von Yoovidhya in Thailand, Alpine Stars. Neu 2011: Infiniti/Nissan, Platform Computing). 2011 erwartet: 40 Millionen Euro.
  • 10 Millionen Euro Sonstiges (z. B. Merchandising)
  • minus Gesamtkosten 2010 für Red Bull Racing und Toro Rosso: 200 Millionen Euro (davon 160 Millionen für RB Racing)
  • u. a. Entwicklung: 70 Millionen Euro
  • u. a. Gehälter und Prämien: 60 Millionen Euro
  • minus 90 Millionen Euro (= Marketingaufwendungen von Red Bull)

Formel-1-Markenwert für Red Bull 2010 (Werbeäquivalent laut Berechnungen von Formula Money’s ROI Review): 248 Millionen Euro

Quellen: Fachmedien, Schätzungen

Mehr über Red Bull im Blog-Beitrag „Tod eines Unbekannten“