Financing Stars: „Geld ausgeben ist super!“

Financing Stars: "Geld ausgeben ist super!"

Financing Stars Bernhard Baumgartner (li) und Jürgen Vogl. © Jürgen Vogl

 Jürgen Vogl und Bernhard Baumgartner sind seit Jahren in der österreichischen Business-Kabarett-Szene aktiv. Für ihr neues €COmedy Programm "Financing Stars" haben sie sich die Unterstützung von Bernhard Felderer, dem früheren Direktor des Instituts für Höhere Studien und heutigen Präsident des österreichischen Staatsschuldenausschuss geholt. "Financing Star" Jürgen Vogl im Interview.

Bernhard Baumgartner und Sie sind seit Jahren als Wirtschafts-Kabarettisten aktiv. Für das neue Programm „Financing Stars“ haben Sie sich die Unterstützung von Bernhard Felderer, dem früheren Direktor des Instituts für Höhere Studien und heutigen Präsident des österreichischen Staatsschuldenausschuss geholt. Wie ist es dazu gekommen?
Jürgen Vogl: Hintergrund ist, dass Herr Felderer meinen Partner Bernhard Baumgartner bei einer Gala gesehen hat. Felderer meinte damals, er würde so gerne ein Kabarett über die Finanzwirtschaft sehen, in dem sie Finanzwelt mit Humor erklärt wird, weil das mit der nüchternen, trockenen Methode offenbar nicht möglich ist und es ihn nervt, dass sich niemand auskennt.

Was kann man sich von dem Programm erwarten?
Jürgen Vogl: Wir haben uns eine Fernsehshow ausgedacht. Die „Financing Stars.“ Wir wollen damit die ganze Finanzwelt ansprechen. Den Raika-Angestellten aus Gänserndorf genauso wie den Versicherungsvertreter oder den Bank-Generaldirektor. Und natürlich auch den kleinen Sparer, der nicht weiß, was er mit seinem Geld machen soll.

Welche Rolle spielt Herr Felderer dabei?
Jürgen Vogl: Ich hatte mit ursprünglich vorgestellt, dass er unser David Attenborough wird, der Biologe aus den BBC-Dokumentationen, der alles erklären kann. Ich hätte es total super gefunden, wenn er zum Beispiel bei der Börse vorbeigeht und die Börse erklärt – also den seriösen Part gibt und wir dann unseren Blödsinn dazu machen. Die Idee hat Felderer zwar gefallen, aber letztlich hat er wohl um sein seriöses Image gefürchtet und wollte dann doch nicht mitmachen. Aber er stand uns bei der Entwicklung des Programms als Berater zur zur Seite und wird auch zur Premiere kommen. Auf die Bühne wollte er nicht.

Was kann man sich unter „Financing Stars“ vorstellen? Banker, die wie die „Dancing Stars“ vor einer Jury antanzen und alternative Anlageprodukte vorführen?
Jürgen Vogl: Nein, wir spielen eine Fernseh-Show, wie in einem Live-Studio. Bernhard und ich sind Moderatoren von Cash Cow TV, einen privaten Fernsehsender, dessen erfolgreichste Sendung eben „Financing Stars“ ist. Wir moderieren die Sendung und sind, weil wir so erfolgreich sind, schon auf dem Sprung nach Amerika.
Unsere Show ist eine Art „TV total“, das Thema ist aber Wirtschaft und Finanzen. Mit einem Außenstudio auf Cayman Islands, von wo unser der Mitarbeiter der „Geldpresse“ Nachrichten liefert. Es gibt das Institut für Höhere Schadenwirtschaft und dessen Leiter, einen Hedgefondsmanager, Power-Point-Präsentationen über Offshore-Märkte und Offshore-Finanzplätze. Biene Maja und Willi werden über das Wirtschaftswachstum sprechen: Brauchen wir immer mehr Klatschmohn oder sollen wir uns einfach einmal in die Wiese legen? Aber auch einen Finanzastrologen, der Horoskope von allen Unternehmen hat und daraus deren Entwicklung vorhersagt.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung des Programm?
Jürgen Vogl: Am schwierigsten war es sicher, abzuschätzen, welches Wissen wir voraussetzen können. Was können die Leute im Publikum von Finanzprodukten, Offshore-Märkten oder Fremdwährungskrediten wissen? Für das öffentliche Programm haben wir das Niveau jetzt relativ weit unten angesetzt. In der Hoffnung, dass es zumindest die Finanzer im Publikum verstehen.

Die Häuslbauer haben mit Fremdwährungskrediten Schwarzgeld gewaschen

Wie erklärt man Finanzprodukte in einem Kabarett? kann man darüber lachen?
Jürgen Vogl: In unserem Programm gibt es zum Beispiel einen History-Channel, in dem wir erklären, wie Fremdwährungskredite erfunden wurden und wie sie funktionieren. Warum konnte denn die Schweiz das Geld so billig hergeben? Wie konnte es sein, dass das Zinsniveau in der Schweiz bei 1,5 Prozent und bei uns bei acht Prozent lag? Ganz einfach deswegen, weil in den Schweizer Banken Milliarden Schwarzgeld liegen. Das wurde dann von den österreichischen Häuslbauern weiß gewaschen.

Herr Felderer ist Präsident des österreichsichen Staatsschuldenausschuss. Wie schätzen denn die Financing Stars die österreichischen Staatsschulden ein?
Jürgen Vogl: Entspannt. Interstellar sind wir ja eigentlich schuldenfrei. Sogar die ganze Erde. Wir schulden niemanden etwas. Aber Staatsschulden einfach erklären – das ist schwierig. Das kann auch Herr Felderer nicht. Etwa die Frage, wem wir das Geld eigentlich schulden. Wenn man die Staatsschulden aufteilt, dann entfallen auf jeden Österreicher ungefähr 38.000 Euro. Wem aber kann ich die 38.000 Euro zahlen, wenn ich meinen Teil der Staatsschulden zurückzahlen will? Wir haben versucht, das herauszufinden. Aber es ist unmöglich, weil Staatsanleihen und Aktien so schnell gehandelt werden. Vor 20 Jahren war die Haltedauer einer Aktie bei vier Jahren, heute bei 20 Sekunden. Das Geld geht in Sekundenschnelle von A nach B. Bei den Summen, die dabei verschoben werden, wird einem schwindlig. Herr Felderer war unser Joker, damit wir inhaltlich keinen Topfen von uns geben. Aber selbst ein Experte wie er kann auf einfache Fragen oft keine klare Antwort geben.

Lotto und Sportwetten sind die Hedgefonds des kleinen Mannes

Viele stellen sich die Frage, was sie mit ihrem Geld machen sollen. Zinsen gibt es schließlich so gut wie keine mehr. Was wäre denn die Empfehlung der „Financing Stars“, wenn man plötzlich 100.000 Euro hat – wie zum Beispiel die Gewinner der „Großen Chance“ im ORF, aber keine Idee, was man damit anstellen soll?
Jürgen Vogl: 38.000 Euro davon sind Staatsschulden. Die bekommt also Herr Felderer. Wir werden daher bei unseren Vorstellungen eine Sammelbox aufstellen, wie in der Kirche. Wer 38.000 Euro dabei hat, kann sich gleich entschulden. Herr Felderer wird sich dann darum kümmern, dass das Geld in die richtigen Hände kommt. Entweder in die des Bundespräsidenten oder des Finanzministers. Dem Herrn Schelling kann man ja vertrauen. Bleiben noch 62.000 Euro. Die sollte man zum Großteil ausgeben.

Also leben wie George Best, der einmal sagte: „Das meiste Geld habe ich für Alkohol und Frauen ausgegeben, den Rest verprasst“?
Jürgen Vogl: Geld ausgeben ist grundsätzlich eine super Sache. Unser Rat als „Financing Stars“ wäre es, 67,4 Prozent der verbleibenden 62.000 Euro in direkte private Wohlstandsinvestitionen zu stecken. Autos, Schuhe oder was auch immer. Bleiben noch 20.000 Euro. Davon könnte man die Hälfte in die Hedgefonds des kleinen Mannes investieren. Lotto, Sportwetten und so weiter – oder auch in Aktien. High-Risk-Investments eben Den Rest könnte man wieder splitten. 5000 Euro in einen Sparstrumpf stecken, der an der Tür hängt und den Rest in einen Bausparer investieren. Dann hat man ein Sparbuch und man kann der Mama oder der Oma beim Weihnachtsessen zeigen, dass man brav spart und für die Zukunft vorsorgt.

Wie stehen die „Financing Stars“ zu Wetten auf Rohstoffe und Währungen?
Jürgen Vogl: Sehr aufgeschlossen. Es ist ja so, dass die Rohstoffe in der 1-Cent-Münze mehr wert sind, als der nominelle Wert der Münze. Man könnte also die 5000 Euro im Sparstrumpf als 1-Cent-Münzen sparen. Und ein paar Dollar sollte man auch kaufen. Um sie später einmal den Enkelkindern zeigen zu können. Damit sie wissen, wie die alte Weltwährung ausgesehen hat.

Und wenn man heute ein Unternehmen gründen möchte – wo sollte man das tun?
Jürgen Vogl: Das ist derzeit nicht ganz so einfach. Irland war in der Vergangenheit super, oder Delaware. Aber jetzt geht die EU gegen Steuerinseln vor. Vielleicht sollte man jetzt ein wenig abwarten. Es wird sicher bald neue Offshore-Destinationen und Möglichkeiten geben. Schwimmende Firmeninseln im Meer vielleicht oder auch Satelliten-Adressen im Weltall.

FINANCING STARS

€COmedy von Jürgen Vogl und Bernhard Baumgartner
Premiere: 10.11.2014, Casanova, Wien
Weitere Termine im November und Dezember 2014 in Wien und Salzburg sowie im Jänner, Februar und März 2015 in Wien.
Weitere Informationen zum Programm:
www.voglohnee/financing-stars

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