Interview mit Hutchison 3G CEO Jan Trionow: „LTE ist wie ein flächendeckend verfügbares WiFi Netzwerk“

Interview-Reihe zur LTE-Auktion in Österreich: Für einen Artikel im Magazin trend anlässlich der Vergabe der 4G-Lizenzen in Österreich  habe ich Interviews mit den CEOs der drei österreichischen Mobilfunk-Anbieter und mit dem Georg Serentschy, Chef der Telekom-Regulierungsbehörde RTR geführt.

Hier ist das vierte Interview dazu. „3“-CEO Jan Trionow wagt einen Ausblick in die vierte Mobilfunkgeneration LTE.

3-CEO Jan Trionow

3-CEO Jan Trionow

trend: In Österreich steht der landesweite Rollout der vierten Mobilfunkgeneration LTE an. Was wird sich dadurch verändern?

Jan Trionow: Die Veränderungen in der Branche sind schon länger im Gange. Der Fokus der Dienste entwickelt sich weg von Sprachdiensten hin zu Datendiensten. Smartphones und USB-Modems haben dazu einen Beitrag geleistet, das Breitband-Internet über Mobilfunk auf eine ganz einfache und bequeme Art und Weise zur Verfügung stellen.
LTE wird diesen Prozess nochmals beschleunigen. Zum einen weil LTE die Möglichkeit gibt, noch leistungsfähigere Dienste anzubieten – noch höhere Datenraten, noch kürzere Latenzzeiten. Damit wird das Thema Performance generell, aber auch neue Dienste eine neue Dimension erreichen. Auf der anderen Seite wird mit LTE den Betreibern auch das Mittel in die Hand gegeben, das Ganze auch effizient zu produzieren. Es ist eine Technologie mit der wir effizient das weiter exponentiell steigende Datenvolumen bearbeiten können.

Wird sich dadurch auch die strategische Ausrichtung von Drei ändern?
Trionow: Wir haben uns als Angreifer positioniert und wollen die Rolle mit den Möglichkeiten von LTE weiter einnehmen. Drei stand von Anfang an dafür, am Telefon mehr zu machen als bloß Sprache und SMS. Es war unsere Vision, dass sich unser Leben dadurch ändert. Das tritt jetzt ein und wird mit LTE Realität. Dazu muss LTE landesweit funktionieren. Es reicht nicht, es punktuell in den Städten zu haben. Das wird der Technologie nicht zum Durchbruch verhelfen. es geht darum, die Dienste landesweit anzubieten, die Technologie reif für den Massenmarkt zu machen.

Wann wird der Massenmarkt etwas davon haben?
Trionow: Im Fall von LTE wird der Nutzen für die Bevölkerung wesentlich schneller sichtbar werden als das bei UMTS der Fall war. Zum einen gibt es Versorgungsauflagen, die Richtung nahezu 100 Prozent gehen. Viel wichtiger aber ist, dass diesmal der Bedarf vorhanden ist. Am Anfang von UMTS hat man sich die Frage gestellt, wozu man das überhaupt braucht. Das ist heute kein Thema. Es geht darum, ob man wirtschaftlich einen möglichst schnellen Roll-Out schafft. Wir bei 3 haben eine einmalige Chance. Wir sind gerade dabei, aus ehemals zwei Netzen – dem von Orange und dem früheren Netz von 3 ein neues zu machen. Wir fassen also ohnehin das ganze Netz an, und bei der Gelegenheit werden wir auch gleich landesweit LTE ausrollen. Unser Plan ist sehr klar. Bis Anfang 2015 soll es landesweit LTE geben. Das werden Versorgungsgrade jenseits der 95 Prozent sein, also etwas, das das Attribut landesweit durchaus verdient.

Wie wird sich durch LTE die Tarifstruktur ändern?
Trionow: Heute unterstützt LTE bis zu 150 Mbit/s. die werden allerdings geteilt werden müssen. Die aktuelle Spitzenrate wird daher von der Netzdimensionierung, aber auch vom Tarif abhängen. Es wird in der Tariflandschaft mit LTE eine sehr starke Differenzierung geben zwischen sehr günstigen Einsteigertarifen und Tarifen, die zu einem höheren Preis eine Top-Performance haben. Diese ganze Palette, von günstigen Einsteiger-Tarifen bis zu hochwertigen Premium-Angeboten, kann man mit LTE anbieten. Als Branche sind wir da auf dem Weg. Die Differenzierung haben wir heute schon im Portfolio, mit LTE wird man sie richtig erleben können.

Kann das mobile Internet mit LTE das Festnetz-Internet ersetzen?
Trionow: Besonders im ländlichen Bereich ist das mobile Breitband auch ein Standortfaktor. Die Hoffnungen gehen in Richtung Glasfaser, der wirklich machbare Schritt ist aber in nächster Zeit LTE. Es geht daher darum, jetzt mit LTE in die Fläche zu kommen. Dann mit einem Glasfaser-Ausbau sicherzustellen, dass die Mobilfunkstationen angebunden sind. Gerade in Österreich, wo es auch Gebiete mit relativ geringer Bevölkerungsdichte gibt, geht es darum einen hohen Versorgungsgrad zu erreichen. Man kann Österreich eben nicht mit Hongkong oder Singapur vergleichen.

Was kommt nach LTE?
Trionow: Landesweites LTE mit 100, 150 Mbit wird ein Riesenschritt. Mit dem ersten Schritt ist die Reise noch nicht zu Ende, wie weit wir aber in Zukunft weitermachen können hängt auch von der wirtschaftlichen Gesamtsituation ab. LTE Advanced ist eine neue Technologie, bei der auch die Endgeräte noch ihren Preis haben. Die derzeitigen Piloten zeigen was möglich ist. Das ist sehr interessant, es wird aber noch einige Zeit dauern, ehe das für den Massenmarkt relevant wird.

Also laufend weitere Technologien und Investitionen?
Trionow: Die Diskussion um Regulierung, die Frequenzauktion und die Kosten der Frequenzen ist deshalb auch extrem wichtig. Die Politik und der Regulierer dürfen nicht übertreiben und der Branche die Mittel entziehen, die sie für weitere Investitionen braucht. Wir werden auch weitere Frequenzen benötigen. Die Digitale Dividende 2 ist ein wichtiges Spektrum, das wir brauchen werden. Die EU hat sich bereits positioniert, dass dieses Spektrum mittelfristig zur Verfügung gestellt wird. Es wird auch für Österreich wichtig sein, sie möglichst schnell dem Mobilfunk zur Verfügung zu stellen. Heute passiert in dem Frequenzbereich noch DVB-T 2. Dort muss die medienpolitische Sicht angepasst werden.

Soll die Frequenzvergabe anders geregelt werden?
Trionow: Aktuell läuft in Österreich eine Auktion von Frequenzen für Mobilfunk. Die Minimalpreise wurden dabei auf 526 Millionen festgelegt. Auf der anderen Seite gibt es ein Fernsehspektrum, das de facto gratis vergeben wird. Auf diesen Frequenzen läuft ein Bezahl-Bündel für Privatfernsehen. Auf einem mobilen Breitbandnetz läuft vor allem Video. Natürlich YouTube, aber auch die Mediatheken der einzelnen Fernsehsender. Das heißt in beiden Fällen geht es um Videoübertragung, das Internet bietet aber eine viel größere Vielfalt. Zu behaupten, dass ein terrestrisches Fernsehen medienpolitisch wichtiger wäre als ein Breitband ist daher aus meiner Sicht falsch. Warum schenke ich dem einen die Frequenzen und zocke den anderen ab? Das ist für mich nicht nachvollziehbar.

Werden die Mobilfunkanbieter zu Fernsehanbietern?
Trionow: Wir sind im IP-TV bereits sehr stark unterwegs mit Mobile TV. Da geht es darum, dieses Produkt immer leistungsfähiger zu machen. Heute sind es SD-Formate, mit LTE und den höheren Kapazitäten wird die Qualität unserer Videosignale steigen und wir werden besser geeignet sein für Übertragungen auf dem großen Schirm. Das ist heute zum Teil bereits erlebbar, wir brauchen aber mehr Kapazität und mehr Geschwindigkeit, und das bietet LTE. Mobilfunker werden damit in Zukunft eine ähnliche Rolle einnehmen wie Kabelnetzbetreiber. Das ist bereits vorgezeichnet. Inwieweit es darüber hinausgehen wird ist noch unklar.

Wie wird sich mit LTE die mobile Kommunikation verändern?
Trionow: Mit LTE ist es zum ersten Mal geglückt, einen echten Weltstandard zu definieren. Das bedeutet, dass es wesentlich günstiger ist, LTE in elektronische Geräte einzubauen. So wie heute in jedem Laptop und vielen anderen Geräten ganz selbstverständlich WiFi integriert ist wird in Zukunft auch LTE drin stecken. LTE und das mobile Breitband werden so in immer mehr Winkel unseres Lebens vordringen. Günstig und einfach sein und dort Wert schaffen. LTE wird universell verfügbar sein. Stellen Sie sich eine Welt mit einem flächendeckend verfügbarem WiFi Netzwerk vor. Das ist, was LTE in Zukunft bieten können wird.

Daten überall und jederzeit nutzen?
Trionow: Es wird ganz selbstverständlich, dass ich alle Dinge, die ich zuhause machen kann zum Beispiel auch auf meinem Display im Auto machen kann oder auf meinem kleinen Navi-System auf meinem Mountainbike. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wenn die Connectivity immer und überall günstig verfügbar ist, dann werden die Daten auch mehr und mehr in die Cloud wandern. Ich brauche meine Daten, meine Applikationen nicht ständig bei mir. Cloud-Services werden daher durch die Verbreitung von LTE massiv gefördert werden. Jedes elektronische Gerät, jede Straßenlaterne, jeder Gehsteig vor dem ein Parkplatz ist und viele andere Dinge sind günstig und sinnvoll mit LTE verbindbar. Ein bisschen sind wir heute auch schon in dieser Welt. Mit LTE werden die Möglichkeiten viel, viel größer.

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