Artikel aus 12 Jahren trend: Familie Pentek – die Zeitnehmer der Nation

August 2010: Mit Chips zum Erfolg: Franz Pentek und seine Familie sind die Zeitnehmer der Nation

Die Chip-Champions

Sport. Der burgenländische Familienbetrieb Pentek timing ist in Österreich unangefochtener Marktführer für Zeitmessungen bei öffentlichen Sportveranstaltungen. Seit vielen Jahren halten die Penteks Österreich am Laufen.

Es ist ein Freitagnachmittag im Juli. Das Thermometer zeigt 33 Grad, und im Radio wird das heißeste Wochenende des Jahres angekündigt. „Da hilft nur Wasser oder Eis“, rät der Moderator. Franz Pentek, der in Stoob im Mittelburgenland eben einen seiner Kastenwägen belädt, hat dafür jedoch kein Ohr. Er geht noch einmal seine Checkliste durch und prüft, ob sich auch wirklich alles im Fahrzeug befindet, was er für das Wochenende braucht: Sensormatten, Kabel, Computer, Akkus, Zeitmessgeräte, Chips …

Der rüstige Herr, dem man seine bald 60 Jahre nicht ansieht, wird damit nach Kärnten fahren, wo an diesem Wochenende der Faaker-See-Lauf stattfindet. Ein weiterer Transporter wird mit den Utensilien für den Halbmarathon in Bruck an der Glocknerstraße beladen, und in einen dritten kommen die Zeitmessgeräte für den Zwei-Länder-Lauf im oberösterreichischen Oberkappel. Für Franz Pentek, seine beiden Söhne Peter und Andreas, seine Frau Silvia und ihre Mitarbeiter ein ganz normales Wochenende. Von März bis Oktober sind sie praktisch immer auf Tour. An manchen Wochenenden betreut der Familienbetrieb mit dem originellen Geschäftsmodell bis zu 17 Sportveranstaltungen.

Zeit zum Baden, wie es der Radiomoderator empfiehlt, bleibt da keine, meint Pentek. Und er muss es wissen, denn von Zeiteinteilung hat wohl kaum jemand mehr Ahnung als er – die personifizierte Stoppuhr Österreichs. Seit 22 Jahren ist er im ganzen Land unterwegs, um die Zeiten von Läufern, Radlern und Schwimmern bei unterschiedlichsten Bewerben zu messen.

Über 200 Wettkämpfe betreut die Pentek timing GmbH jährlich, von Großveranstaltungen wie dem Vienna City Marathon mit 30.000 Teilnehmern oder dem Ironman Triathlon am Wörthersee bis zu schrulligen Events wie der Langstrecken-Weltmeisterschaft für Oldtimer-Traktoren im Waldviertel, bei der sich Landwirte mit ihren aufgemotzten Traktoren ein 24 Stunden langes Wettrennen liefern. Bei geschätzten 80 Prozent aller öffentlichen Sportveranstaltungen liegt die Zeitnehmung in den Händen der Penteks. Das Unternehmen ist unangefochtener Marktführer im Land.

Aus für die Stoppuhr. „An den Penteks führt in Österreich eigentlich kein Weg vorbei“, meint auch Wolfgang Konrad, Geschäftsführer des Vienna City Marathons. „Sie sind extrem fair, verlässlich und setzen alle unsere Sonderwünsche um.“ Der SMS-Ergebnisservice zum Beispiel, den der Wiener Marathon als erste Veranstaltung weltweit realisieren konnte und der – trotz des extremen Handygebrauchs im Ziel – reibungslos funktioniert. 130.000 SMS wurden am diesjährigen Veranstaltungstag vom Heldenplatz aus verschickt, und dennoch erhielten alle Läufer ihre Endzeit sofort auf ihr Mobiltelefon. Dafür ist natürlich auch die entsprechende Infrastruktur notwendig. Handynetzbetreiber bauen mobile Relaisstationen auf, um den Datenverkehr bewältigen zu können, und mittendrin im hektischen Treiben sitzen die Penteks und garantieren, dass die Zeiten der Läufer korrekt gemessen werden und nicht durcheinanderkommen.

In den Anfangsjahren war das nicht ganz einfach. Da standen Franz Pentek und seine Leute noch mit Stoppuhren und Notizblöcken bewaffnet im Ziel. Rasch war klar, dass diese Art der Zeitnehmung keine große Zukunft haben würde, und deshalb tüftelte der Mann, für den die Zeitmessung damals bloß ein Hobby war, an verschiedenen Lösungen: etwa mit Barcode-Scannern, die beim Zieleinlauf einen auf der Startnummer aufgedruckten Code lesen konnten. Durchgesetzt hat sich diese Methode nicht.

Im April 1996, zwei Tage vor dem Wien-Marathon, bekam Pentek aber einen Anruf, der alles veränderte. „Ein Herr Maschmeyer bot uns die Generalvertretung für die Zeitnehmung mit dem neu entwickelten Championchip an“, erinnert er sich. Als Elektrotechniker hatte sich Pentek bereits damit beschäftigt und war von der Technologie überzeugt. Der Haken an der Sache war allerdings, dass er sich rasch entscheiden musste und innerhalb weniger Tage eine Million Schilling – rund 72.000 Euro – aufbringen sollte.

Chip-Zeitalter. Es war der Punkt, an dem sich Pentek klar werden musste, ob er sein Hobby zum Beruf machen sollte oder nicht. Zwei schlaflose Nächte später nahm er das Angebot an. Er kratzte all seine Ersparnisse zusammen und sicherte sich die Generalvertretung für das Championchip-System. Damit hatte sein Unternehmen gegenüber den Mitbewerbern endgültig die Nase vorn und mit dem Vienna City Marathon auch gleich einen Großkunden an der Hand, der ihm seither Jahr für Jahr an einem Wochenende die Hälfte des Jahresumsatzes einbringt, der irgendwo bei knapp einer Million Euro liegt.

Die korrekte Reihung und die exakte Zeitmessung sind mit dem Championchip, den jeder Sportler am Körper trägt, nicht mehr die große Herausforderung. Aber Peter Pentek, der ältere Sohn des Firmengründers, entwickelte rund um den Chip Zusatzservices, die das Unternehmen noch unverzichtbarer machten.

Der 35 Jahre alte Softwaretechniker, der schon als 14-jähriger Bursch quer durch Österreich von Veranstaltung zu Veranstaltung zog, ist für viele inzwischen der eigentliche Kopf der Pentek timing GmbH. Er hat den SMS-Ergebnisservice entwickelt, ebenso einen Zahlungs- und Anmeldeservice für Veranstalter, und er hat aus der Webseite des Unternehmens einen Tummelplatz für österreichische Amateursportler gemacht. Dort finden diese die Resultate aller von Pentek betreuten Bewerbe seit dem März 1997 – sodass man sie auch nach Jahren noch stolz neuen Freunden zeigen kann. Schon länger sind das nicht mehr nur schnöde Ergebnislisten mit Zwischen- und Endzeiten. Auch der Verlauf des Rennens, die Entwicklung der Platzierungen und die Zieleinläufe werden grafisch dargestellt, Teilnehmer-Urkunden können ausgedruckt werden, und über den Members-Club können sich Sportler untereinander zu Duellen herausfordern.

„Wir müssen uns weiterentwickeln“, erklärt der Juniorchef. Er weiß, dass die Erwartungen der Veranstalter und der Teilnehmer an öffentlichen Sportveranstaltungen ständig steigen und dass der Championchip, der den Penteks in den vergangenen 15 Jahren einen recht passablen Wohlstand verschafft hat, auf lange Sicht auch nicht das Maß aller Dinge sein wird. „Die Tendenz geht zu Einwegchips. Das System mit den Leih- und Kaufchips, wie es Pentek hat, ist überholt“, sagt etwa Vienna-City-Marathon-Chef Konrad. „Damit wäre das Problem des Handlings gelöst.“ Derzeit gebe es jedoch noch niemanden, der solche Einwegchips zu einem vernünftigen Preis anbietet. Konrad: „Bis dahin gibt es zu Pentek eigentlich keine Alternative.“

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