AUT in Afrika

Südafrika. 9000 Kilometer von der Heimat entfernt hat eine Reihe von Auslandsösterreichern große Unternehmen aufgebaut und damit die Wirtschaft im Land am Kap der Guten Hoffnung mitbestimmt. trend-Redakteur Peter Sempelmann hat die Austro-Afrikaner besucht.

(aus trend 06/2010)

Sonnenaufgang im Mziki Safari Ressort; Foto © Peter Sempelmann

Um halb sechs Uhr morgens erwacht die Natur. Exotische Tierstimmen liegen in der Luft. Zebras, Antilopen, Giraffen, Nashörnern, Elefanten und hunderte fremde Vogelarten sind zu hören. Ranger füllen heißen Kaffee in Plastikflaschen und stecken sie in die Innentaschen ihrer Jacken. Ein alter Trick, um während der Fahrt im offenen Land Cruiser nicht zu frieren. Denn noch ist es kalt. Der afrikanische Winter mit seinen Morgenfrösten steht vor der Tür und es wird eine Weile dauern, bis die Sonne herauskommt und ihre wärmenden Strahlen auf das Land wirft. „Der frühe Morgen ist aber die beste Zeit, um die Wildtiere zu beobachten“, versichert Werner Pallamar und drängt zum Aufbruch. Wer etwas erleben will darf nicht warten, dass das Abenteuer zu ihm kommt.

Das ist auch das Lebensmotto des gebürtigen Wieners. 1964 hat die Abenteuerlust den damals 26 Jahre alten Werbeassistenten der Austrian Airlines nach Südafrika verschlagen. Heute gehört dem inzwischen komplett weißhaarigen Raubein, das seinen Wiener Dialekt noch immer nicht abgelegt hat, eine Farm am vom Vaalkopdam aufgestauten Hex River, die mit über 6000 Hektar beinahe so groß ist wie der Wiener Bezirk Ottakring.

Werner Pallamar im Mziki Nature Ressort; Foto © Peter Sempelmann

Pallamar ist einer von rund 20.000 Österreichern, die derzeit in Südafrika leben. Viele sind in den 60er und 70er Jahren gekommen und haben hier Wurzeln geschlagen. Der Staat Südafrika hatte damals Fachkräfte aller Art regelrecht aus Europa ins Land gelockt. Wer bereit war, zumindest ein halbes Jahr zu bleiben, dem wurde die Anreise bezahlt, die Neuankömmlinge wurden in Hotels untergebracht und erhielten für die ersten Wochen sogar ein kleines Taschengeld. Viele sind geblieben und etliche haben in der Folge im Land am Kap der Guten Hoffnung selbst Unternehmen gegründet und die Wirtschaft des Landes mitbestimmt.

Mitte Mai sind die Unternehmer, die sich untereinander großteils gut kennen zu ihrem Jahrestreffen zusammen gekommen. Christian Neuberger, der aus Österreich stammende Geschäftsführer des Johannesburger Gold Reef Casinos hat sie in das an einer historischen Stelle gelegene Haus eingeladen. Dort, wo heute Glücksritter an den Spieltischen sitzen lag einst die erste Goldmine Südafrikas. Rund 50, zum großteils schon etwas betagtere Herren und Damen sind der Einladung gefolgt. „Zu den besten Zeiten hatte der Österreichische Club etwa 500 Mitglieder“, sagt Thomas Zilk.

Der Sohn des verstorbenen Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk lebt seit 17 Jahren in Südafrika, hat hier geheiratet und stellt mit seinem Unternehmen City Watch International Uhren für Merchandising-Zwecke her. Daneben hat Zilk auch das Masibambane College gegründet, in dem derzeit in 23 Klassen über 700 Kinder unterrichtet werden. Im Kreis der Österreicher ist Zilk sehr engagiert, aber trotz vieler Initiativen verlieren sich die Landsleute immer mehr. „Südafrika hat sich sehr verändert und mittlerweile haben die meisten der hierher ausgewanderten Österreicher erwachsene Kinder, die hier aufgewachsen sind. Ihnen bedeutet der Austrian Business Circle nur noch wenig.“

Thomas Zilk im Masibambane College; Foto © Thomas Zilk

Dabei wäre es für die meisten recht einfach, zu den Treffen zu kommen. Der Großteil der Österreicher lebt nämlich in und um Johannesburg, in der Provinz Gauteng. Und das nicht ohne Grund. „Die Provinz Gauteng ist die kleinste, aber gleichzeitig auch die mit Abstand wirtschaftsstärkste des Landes. Auf nur 1,4 Prozent der Landfläche werden 38 Prozent des südafrikanischen BIPs erwirtschaftet“, erklärt Stefan Pistauer, Leiter der österreichischen Außenhandelsstelle in Johannesburg. Zehn Prozent des gesamten afrikanischen BIPs werdn in Gauteng produziert und die Wirtschaft von Gauteng ist damit fast so groß wie die Nigerias. Dabei leben in Gauteng 9,5 Millionen Menschen und in Nigeria 135 Millionen.“

I. Werner Pallamar
130 Kilometer von der Wirtschaftsmetropole Johannesburg und eine halbe Fahrstunde vom gigantischen Vergnügungspark Sun City entfernt, wo Pallamar seine Mziki Safari Lodge eingerichtet hat, merkt man von der hektischen Geschäftigkeit nichts. Geschäftsreisende aus Europa, Amerika oder Australien finden hier ein Afrika-Erlebnis wie aus dem Bilderbuch. Die Natur in ihrer rauen und wilden Ursprünglichkeit, verbunden mit kolonialistischer Eleganz. Ein Hideout, an dessen Lagerfeuerstelle Pallamar schon mit Wirtschaftsdelegationen, Ministern und Prominenten wie dem Unternehmer Hannes Androsch oder Wiens Altbürgermeister Helmut Zilk debattiert hat.

Mziki Safari Lodge; Foto © Peter Sempelmann

Schon die Autofahrt von Johannesburg, der größten Stadt des südlichen Afrikas, zu der Game Lodge, der Wildfarm, ist ein kleines Abenteuer. Die 40-Tonnen LKWs, die das reiche Eisenerz vom nahe gelegenen Thabazimbi, dem „Berg aus Eisen“ abtransportieren, haben die Asfaltpiste in eine Kraterlandschaft verwandelt. Wer nicht achtgibt riskiert schnell eine Reifenpanne oder gar einen Achsenbruch und die nächste Werkstatt ist weit entfernt. Hier wird selbst ein fast unverwüstlicher Land Cruiser, wie ihn Pallamar fährt, bis an die Belastungsgrenzen strapaziert.

„Das Land hier habe ich mit einem Modegag finanziert“, erzählt der Exil-Wiener später im Schatten der Lodge bei einem Glas Spritzer. Es waren Ohrstecker mit kleinen Brillanten, die er Ende der 70er Jahre um 50 südafrikanische Cent nach Südafrika importierte und um 9,95 Rand weiter verkaufte. Nach einem halben Jahr und 450.000 Ohrsteckern machte er Kassa und freute sich des Geldes. Dazu hatte er auch alle Möglichkeiten, denn ein Rand war damals noch gut einen Euro wert und das Leben in Südafrika war obendrein extrem günstig. „Es gab außerdem praktisch keine Steuern und keine Einschränkungen. Für Weiße war Südafrika ein Paradies“, gibt Pallamar zu. Wem es nichts ausmachte, in einem von Rassenhass und Apartheid geprägten Polizeistaat zu leben, der konnte schnell reich und glücklich werden.

Game Drive am Hex River; Foto © Peter Sempelmann

Schnelle Geschäfte trieben die Wirtschaft des Landes voran. „An Nachhaltigkeit dachte kaum jemand. Ein Unternehmen aufbauen, es wieder verkaufen und das nächste beginnen, so wurde das gemacht“, sagt Pallamar und erzählt von seinem nächsten Coup als Unternehmer. Gemeinsam mit einem Partner gründete er das Verlagshaus PTP und begann Magazine zu verlegen. Bald gehörte zu dem Unternehmen eine Druckerei und kurz darauf sogar eine eigene Papierfabrik. PTP verlegte sieben Titel, darunter die südafrikanische Ausgabe des Economist und das Barclaycard Magazin, mit einer Auflage von 600.000 Stück das größte Magazin des Landes.

Ende der 80er Jahre war Pallmar in Südafrika ein Mann mit großem Einfluss und PTP hatte über 600 Mitarbeiter. Dann aber beendete der Freitod seines Partners beendete den Höhenflug. Eine Tat, über die er bis heute nicht richtig weggekommen ist. „Er ist in den Park gegangen und hat sich in den Kopf geschossen. Selbstmord wegen einer Frau“, schüttelt er den Kopf.

Zunächst versuchte er den Laden noch am Laufen zu halten, aber er musste sich bald eingestehen, dass er das nicht konnte. „Ich war aber der Drucker, er der Zeitungsmacher. Ich wusste nicht, wie man Redaktionen führt“, gibt Pallmar zu. Eine Zeit lang mischte der Exil-Wiener noch im Papiergeschäft mit, dann verkaufte er aber auch die Fabrik und konzentrierte sich auf seine Farm und sein Herzensprojekt, das Community Center und die Aids-Vorsorgeklinik für werdende Mütter, die er im unweit des Mziki Safari Ressorts gelegenen Township Lethabong bauen ließ. „Aids ist im Township ein riesiges Problem. Es sterben sehr viele daran. Der Friedhof von Lethabong wird jedes Jahr größer“, erklärt Pallamar und erzählt resignierend, dass inzwischen sogar eine der Straßen, die zum Friedhof führt, nach ihm benannt wurde.

Werner Pallamar vor dem von ihm errichteten Community Center im Township Lehtabong; Foto © Peter Sempelmann

II. Karl Kebert
Karl Kebert, der in Heidelberg, etwa 50 Kilometer südlich von Johannesburg, lebt, hat ein ähnlich bemerkenswertes Projekt ins Leben gerufen. Auf dem Gelände seiner Molkerei Montic Dairy hat Kebert eine Schule für die Kinder seiner Mitarbeiter eingerichtet. „Ich wollte, dass sie eine bessere Zukunft haben und lesen und schreiben lernen“, sagt Kebert. Ein funktionierendes öffentliches Schulsystem gibt es in weiten Regionen Südafrikas nämlich bis heute nicht und Kebert lies deshalb Klassenzimmer, eine Schulküche und eine Bibliothek errichten und bezahlt aus eigener Tasche die Lehrer der Schule, in der mittlerweile 700 Kinder unterrichtet werden. Nur dass der Rasen des Fußballplatzes immer noch nicht angelegt wurde tut dem ehemaligen Mittelfeldspieler des Wiener Fav AC in der Seele weh. „Ich habe den Eltern gesagt, dass sie sich darum kümmern müssen, aber nichts geschieht“, meint er enttäuscht. Dennoch ist Kebert stolz auf das Schulprojekt, das mittlerweile seit 20 Jahren läuft. Gleich daneben ist inzwischen auch schon ein College entstanden und wenn Kebert mit seinem BMW vor der Schule vorfährt wird er von den Kindern lautstark begrüßt.

Karl Kebert mit Schülern der von ihm errichteten Montic Dairy Farm School; Foto © Peter Sempelmann

In Österreich hatte Kebert in den 60er Jahren bei den ÖBB eine Schlosserlehre gemacht. „Wenn ich zuhause geblieben wäre könnte ich längst in Pension sein, wie alle meine alten Freunde“, scherzt er. Wohl wissend, dass der Ruhestand mit seiner umtriebigen Natur nur schwer zu vereinbaren wäre. „Mich hat die Abenteuerlust hierher geführt“, sagt Kebert, der den Entschluss nach Südafrika zu gehen nie bereut hat. Schon zwei Tage nach seiner Ankunft hatte der Wiener einen Job gefunden und mit viel Geschick arbeitete er sich rasch nach oben. Mitte der 70er Jahre wurde er für zwei Jahre nach Libyen entsandt, um dort für Pepsi Cola eine Abfüllanlage aufzubauen. Wieder zurück in Südafrika stieg er selbst ins Getränkegeschäft ein. Sieben Jahre lang verkaufte er unter der Marke Fruity Pfirsich- und Birnensaft in Dosen, ehe er das in der Zwischenzeit größer gewordene Unternehmen an einen Mitbewerber abgab.

Keberts Montic Dairy LKWs beliefern den Großraum Johannesburg; Foto © Peter Sempelmann

Mit dem Erlös finanzierte Kebert sein nächstes Projekt: Montic Dairy, eine Molkerei, die er jetzt zur größten im Raum Johannesburg-Pretoria ausbauen will. Dazu hat er in eine Anlage investiert, die Bakterien aus der Milch herausfiltert und die Haltbarkeit von Frischmilch dadurch auf drei Wochen verlängert. „Wir müssen die Milch von den Bauern holen, verarbeiten und dann selbst in die Kühlregale der Supermärkte stellen. Länger haltbare Milch bedeutet für uns einen viel größeren Aktionsraum“, erklärt Kebert, der sich ausrechnet, den derzeitigen Jahresumsatz von 300 Millionen Rand mit der neuen Anlage bald vervielfachen zu können.
Die Möglichkeit dazu besteht jedenfalls. In den nahe gelegenen Townships gibt es mehr als genug Menschen, Arbeitskräfte und sollten die Produktionshallen zu klein werden, dann bietet das 500 Hektar große Firmenareal noch hinlänglich Platz für weitere. „Alles hier ist für die Expansion ausgelegt und ich kann das jederzeit finanzieren“ sagt Kebert.

Karl Kebert, Molkereibesitzer und Flugunternehmer mit sozialer Ader; Foto © Peter Sempelmann

Das Montic-Gelände ist sogar so groß, dass Kebert mit seinem zweiten Unternehmen, der Hubschrauberfluglinie Starlite Aviation ebenfalls noch große Sprünge machen. „Ich hatte das Geld und wollte fliegen“, antwortet der Unternehmer lapidar auf die Frage, wie er zur Fliegerei gekommen ist.

1996 machte Kebert den Hubschrauber-Flugschein und kaufte mit drei Partnern den ersten Hubschrauber. Mittlerweile arbeiten 23 Piloten für das Unternehmen, das damit die größte Hubschrauber-Airline in der südlichen Hemisphäre ist. Und die Starlite Helikopter bringen nicht nur Geschäftsreisende zu ihren Zielen. Sie fliegen praktisch überall hin, wo es brenzlig ist. Im Sturm zu Bohrinseln, in Krisengebiete wie Darfur oder den Kosovo oder in Katastrophengebiete wie das überschwemmte Mozambique oder das vom Tsunami heimgesuchte Indonesien.

Starlite Airlines ist die größte Helikopter-Fluglinie der südlichen Hemisphäre; Foto © Peter Sempelmann

Für Kebert und seine Partner ist das nicht nur Passion, sondern auch ein einträgliches Geschäft. Mit 13 Hubschraubern hat Starlite Aviation zuletzt 50 Millionen Dollar umgesetzt. Und in den nächsten Jahren soll das Unternehmen kräftig wachsen. 20 Großraumhubschrauber vom Typ Puma und insgesamt 50 Maschinen sollen bald in den Starlite-Hangaren in Durban und Heidelberg stehen.

Black Economic Empowerment bei Montic Dairy; Foto © Peter Sempelmann

III. Günther und Anna Grumptmann
Freilich sind nicht alle Österreicher, die nach Südafrika gegangen sind derart erfolgreich. „Anfang der 70er Jahre hat in Österreich jeder behauptet, dass man sich dort schnell eine goldene Nase verdienen kann. So einfach war das natürlich nicht“, lacht der Linzer Günther Grumptmann heute über seine Naivität. Der gelernte Schriftsetzer fand zwar umgehend Arbeit und seine Frau Anna verdiente als Schneiderin für die jüdischen Geschäftsleute Johannesburgs ebenfalls bald relativ gut, der ursprüngliche Traum, in sechs Monaten reich zu sein und als gemachte Leute wieder nach Österreich zurückkehren zu können war jedoch bald geplatzt. „Wir hätten das aber niemals zugegeben und sind deshalb geblieben“, sagt Grumptmann. Durch seinen Fleiß arbeitete sich jedoch rasch nach oben, aber als ihm sein damaliger Chef anbot, ihn an seiner Druckerei zu beteiligen gründete Grumptmann lieber sein eigenes Unternehmen.

Anne und Günther Grumptmann in ihrer Druckerei The Bureau; Foto © Peter Sempelmann

Die Druckerei The Bureau, die das Ehepaar Grumptmann 1993 gegründete, war bald gut im Geschäft. Schon Ende der 90er Jahr wurden dort 20 Magazine, Jahresberichte und vieles mehr gedruckt. Wir hatten damals sogar vor, ein Filialnetz aufzubauen und an die Börse zu gehen“, erzählt Grumptmann. Kurz darauf platzte jedoch die Dot.com-Blase und das Ehepaar war froh, dass es die hochtrabenden Pläne noch nicht umgesetzt hatte. „Heute ist ein Börsegang kein Thema mehr“, sagt Grumptmann. Auch die Idee mit den Filialen hat er verworfen. Stattdessen begnügt er sich lieber mit dem was in den vergangenen 17 Jahren erreicht wurde. Das Bureau zählt immerhin zu den Top 300 Companies im Wirtschaftszentrum Gauteng und die Grumptmanns drucken heute unter anderem sämtliche Drucksorten für den Kruger Nationalpark und alle Apple-Fotobücher für das südliche Afrika. „Wir mussten viel arbeiten, haben aber auch viel erreicht. In Österreich wäre das nie möglich gewesen“, ist sich Grumptmann sicher.

IV. Hubert Plettenbacher, Georg Brandner und Gerhart Mischinger
Techniker wie Hubert Plettenbacher oder Georg Brandner hatten es etwas leichter als die Grumptmanns. Plettenbacher kam 1968 als HTL-Ingenieur aus Steyr nach Johannesburg kam gründete hier das Stahlbauunternehmen Ramfab. Mit 200 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 80 Millionen Rand ist Ramfab ein für südafrikanische Verhältnisse recht respektables Unternehmen. 99 Prozent der südafrikanischen Unternehmen haben nämlich weniger als 50 Mitarbeiter.
Der aus Bischofshofen stammende Georg Brandner, der 1972 nach dem Abschluss seiner Elektrikerlehre zum Kap der Guten Hoffnung aufgebrochen ist, hat sich mit seinem Stahlbauunternehmen August General noch besser gemacht. August General hat sich mit dem Bau der Bühnen der Opernhäuser in Pretoria und in Johannesburg hervorgetan. Vor kurzem konnte Brandner einen Auftrag über eine Milliarde Rand, rund 100 Millionen Euro, für den Bau der Filteranlage für ein Kohlekraftwerk an der Grenze zu Simbabwe an Land ziehen. Für die Firma, die mit ihren 400 Mitarbeitern in normalen Jahren etwa 300 Millionen Rand umsetzt, ein riesiger Deal.

Georg Brandner präsentiert stolz die von ihm gebaute Bühne des Johannesburger Opernhauses; Foto © Peter Sempelmann

„Wir hatten auch einmal einen „Plan B“ und überlegt, nach Österreich zurück zu gehen. Als die Apartheid 1994 abgeschafft wurde wusste ja keiner, wie es weiter gehen wird. Wir haben damals ein Haus in Zell am See gekauft und meine Familie ist sogar schon nach Österreich zurückgegangen“, sagt Brandner, der heute froh ist, dass relative Stabilität im Land herrscht und die Familie wieder im Land ist. Sein Sohn soll das Unternehmen bald übernehmen, doch der hat schon andere Ideen im Kopf. „Solar- und Photovoltaikanlagen werden in Südafrika mit Sicherheit bald ein riesiges Geschäft sein“, meint er. Dass er dabei mitmischen will ist gut zu verstehen. Die Energieversorgung ist im Land alles andere als zuverlässig. Und im Winter, wenn es auch in Südafrika morgens Temperaturen rund um den Gefrierpunkt geben kann, scheint zudem fast immer die Sonne.

Georg Brandner, Chef des Stahlbauunternehmens August General; Foto © Peter Sempelmann

Gerhart Mischinger, der schon in den siebziger Jahren mit dem Isoliertechnikunternehmen Käfer Thermo zu Reichtum gelangt ist, hat indessen heute schon fast mit Südafrika abgeschlossen. „Unser Unternehmen hatte schon 1980 rund 500 Mitarbeiter“, sagt Mischinger. Heute bäckt er etwas kleinere Brötchen. Mischinger gehört das Unternehmen Technimac, das Maschinen zur Produktion von Plastiksäcken herstellt und mit 24 Leuten rund fünf Millionen umsetzt. „Das Land ist aber nicht mehr, was es einmal war. Als weißer Unternehmer hat man es durch die Black Economic Empowerment Regelungen schwer“, sagt er. Die Absicht dahinter – die Lebensbedingungen der großteils schwarzen Bevölkerung zu verbessern und sie in die Wirtschaft einzugliedern – wäre sicher gut, aber nicht ohne Grund hätten viele Weiße das Land verlassen. „Wäre ich zwanzig oder dreißig Jahre jünger würde ich nie und nimmer hier ein Unternehmen gründen, ja gar nicht nach Südafrika auswandern.“

Unternehmer Gerhart Mischinger würde heute nicht mehr nach Südafrika auswandern; Foto © Peter Sempelmann

V. Fritz und Tom Figl
Der vom Wiener Fritz Figl mitgegründete Kunststoffkonzern Xactics ist eines der größten Unternehmen, das je von einem Österreicher in Südafrika gegründet wurde. „Mein Vater war Werkzeugmacher und ist Ende der 50er Jahre mit meiner Mutter nach Kapstadt gegangen. Er war damals 21, sie 19 Jahre alt“, erzählt der drahtige, groß gewachsene heute 41 Jahre alte Tom Figl, der mit seinen strohblonden Haaren und leuchtend blauen Augen ganz und gar nicht in das Bild passt, das man von Südafrika hat.

Tom Figl; Foto © Forrest Beaumont

Die Geschichte seines Vaters ist schnell erzählt. Der hatte einfach einen besonders guten Riecher. Als die Kunststoffgetränkeflaschen aufkamen gründete er im Jahr 1966 die Firma Xactics. Mit den Flaschen belieferte das Unternehmen die pharmazeutische Industrie und die gesamte Lebensmittelindustrie. Später kam der Coca Cola Konzern hinzu. Bald war Xactics der größte Kunststoffproduzent der südlichen Hemisphäre. Zu seiner Hochblüte hatte das Unternehmen mehr als 1.500 Mitarbeiter und Werke in Johannesburg, Durban und Kapstadt. Neben Coca Cola waren auch Nestlé und Unilever Kunden. Mitte der 80er Jahre, nach 25 statt wie ursprünglich geplant nur drei Jahren in Südafrika verkauften die Eigentümer, Figl und seine vier Partner, das Unternehmen an Kohler Packaging, das später wieder von Lenco Packaging und danach von Mondi übernommen wurde.

Fritz Figl pendelt heute noch zwischen Österreich und Südafrika und Tom flog mit dem Uni-Abschluss in der Tasche später ebenfalls wieder nach Kapstadt zurück und stieg dort ins Textilgeschäft ein. Ausgerechnet könnte man sagen, denn obwohl Arbeitskräfte in Afrika sehr günstig sind – der Mindestlohn liegt bei 300 Euro pro Monat bei einer 40 Stunden Woche – ist die Textilindustrie Südafrikas in den letzten zehn Jahren durch die harte Konkurrenz aus China und Indien beinahe zum Erliegen gekommen. Das bekamen auch etliche Auslandsösterreicher zu spüren. Zahlreiche Vorarlberger waren in den 60er und 70er Jahren als Textilarbeiter nach Südafrika gegangen und hatten dort Fabriken aufgebaut. Nur wenige von ihnen konnten den Asiaten bis heute Stand halten. Siegfried Rohner aus Dornbirn ist einer von ihnen. Er ist immer noch Mitgesellschafter von Rotex Fabrics, deren Vorstandsvorsitzender Tom Figl heute ist. Siegfried Rohner kümmert sich mit seinem Sohn Martin bis heute um die technischen Belange und die Entwicklung des Unternehmens. Für die Finanzen von Rotex ist der Südafrikaner Sam Schaffer zuständig.

Tom Figl in der Designabteilung von Rotex Fabrics; Foto © Forrest Beaumont

Trotz der widrigen Umstände hat sich Figl gut gemacht. „Ich habe vor sieben Jahren mit drei Mitarbeitern begonnen. Heute arbeiten in unserer Designabteilung 60 und in unserer Textilfabrik nochmals 180 Leute“, sagt Figl, dessen Rotex Fabrics im vergangenen Jahr trotz der Wirtschaftskrise einen Umsatz von 150 Millionen Rand, etwa 15 Millionen Euro, erwirtschaften konnte.
Die Textilfabrik, in der Figl Stoffe und Kleidung für Kaufhausketten wie Woolworth, Edgars, Foscini oder Mr. Price produziert, liegt in Atlantis, einer während der Apartheid inmitten eines unwirtlichen, wüstenähnlichen Küstenabschnitts gegründeten Siedlung für Schwarze 40 Kilometer außerhalb von Kapstadt. Wie alle Siedlungen für die „ehemals unterprivilegierte Bevölkerung“, so die offizielle Diktion in Südafrika, ist auch Atlantis von Armut und einer hohen Arbeitslosenrate geprägt. Offiziell sind 24 Prozent der Bevölkerung ohne Arbeit, realistischeren Schätzungen zufolge suchen jedoch 40 Prozent der Bevölkerung Arbeit und in den Townships gar 80 Prozent und mehr. „Atlantis war ursprünglich auch als Industriegebiet geplant. Wir sind aber heute einer der der letzten verbliebenen Arbeitgeber“, meint Figl, der selbst nicht weiß, wie lange sein Geschäft noch gut gehen wird. Im Moment liefe es ja ganz gut, aber es wäre eben ein Groschengeschäft. Nach Österreich zurück zu gehen ist für ihn trotzdem keine Option. „Natürlich habe ich wie alle Ausländer die hier leben einen Plan B, aber hier in Kapstadt kann ich leben wie nirgendwo sonst auf der Welt.“

VI. Siegfried Errath
Einen Plan B hatte der Kärntner Siegfried Errath Zeit seines Lebens nicht. Trotz der mitunter recht chaotischen Zustände, die in Südafrika seit nun mehr als zwanzig Jahre herrschen. Die Rassentrennung, ihre Abschaffung und die Etablierung einer neuen Ordnung halten das Land immer noch in Atem. Viele Europäer sind deshalb in ihre alte Heimat zurückgekehrt. Für Errath war das niemals ein Thema. „Es gibt keine lieberen und gutmütigeren Menschen als unsere Schwarzen. In jedem anderen Land wäre nach der Abschaffung der Apartheid der Bürgerkrieg ausgebrochen“, meint er. Sicher sei die Kriminalität seither stark gestiegen. Aber die Veränderungen hätten dem Land und seiner Wirtschaft gut getan: „Früher war der Markt auf die Weißen beschränkt. Jetzt gibt es auch noch die 55 Millionen Schwarze. Wenn ich noch einmal 30 sein könnte wüsste ich hier so viel anzufangen. Ich könnte jeden Tag ein neues Unternehmen gründen.“

Sigfried Errath, Unternehmer in Südafrika; Foto © Peter Sempelmann

Im Oktober 1964 ist Erath im Alter von 25 Jahren nach Südafrika gekommen. „Zuhause am Nassfeld gab es damals wenig Perspektiven. Ich hatte ja nur einen Volksschulabschluss. Damit hätte ich Holzarbeiter oder Postbusfahrer werden können“, meint Errath. Stattdessen wählte er das Abenteuer, bewarb sich auf eine Annonce der damals im Aufbau befindlichen Atlas Aircraft, die Fachkräfte suchte.

Beim österreichischen Bundesheer war er nach seiner Lehre zum Automechaniker in die Ausbildung für Flugzeugmechaniker gerutscht, und das war sein Passierschein in eine bessere Zukunft. „Südafrika hat damals für die Überfahrt bezahlt und die Neuankömmlinge aus Europa bekamen für die ersten Wochen außerdem ein Quartier in einem Hotel und etwas Taschengeld“, erinnert sich der Self-Made-Man, dessen erstes Gehalt gerade einmal 250 Rand betrug. Das war für Errath damals aber schon eine Menge Geld. Ein Rand entsprach Mitte der 60er Jahre noch rund 40 österreichischen Schilling und die Gallone Benzin wurde damals um 17 Cent, ein Burger um zehn Cent verkauft.

Siegfried Errath; Foto © Peter Sempelmann

Errath musste sich also nicht lange bescheiden und hatte binnen zehn Jahren genug Geld gespart, um sich selbstständig zu machen. Zunächst sicherte er sich bei den wichtigsten europäischen Herstellern die Rechte als Genralimporteur für Ventile. Etwas später begann er damit, rund um diese Ventile Schmieranlagen für die Bergbau- und Minenindustrie zu bauen. Sein Unternehmen Omsa war bald ein wichtiger Partner der südafrikanischen Schwerindustrie. Inzwischen besteteht die Omsa Gruppe aus fünf Unternehmen, die mit 140 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 200 Millionen Rand, derzeit etwa 20 Millionen Euro erwirtschaften.
Inzwischen managt sein Sohn Marco die Omsa-Gruppe weitgehend, ganz aus dem Geschäft zurückziehen wird sich Errath aber vermutlich nie – so wie sein erklärtes Vorbild Frank Stronach, den er hofft, irgendwann einmal persönlich kennen zu lernen.

VII. Franz Gmeiner
Um das Zentrum von Johannesburg, die Innenstadt mit ihren von weitem sichtbaren Hochhäusern, macht Errath aber trotz seiner Sympathie für die schwarze Bevölkerung inzwischen wie fast alle Weißen einen weiten Bogen. „Früher einmal gab es hier die besten Hotels und die besten Lokale der Stadt. Wir waren oft hier. Heute ist es aber einfach zu gefährlich“, meint Errath.

Franz Gmeiner, Herr über die Immobilienkette Orion Group; Foto © Peter Sempelmann

Franz Gmeiner, der heute 52 Jahre alte Sohn eines Fleischermeisters aus Steyr, kann über diese Befürchtungen nur schmunzeln. „Es ist natürlich keine gute Idee, hier mit einer goldenen Rolex am Arm spazieren zu gehen, aber gefährlich?“ Gmeiner schüttelt den Kopf. „Glauben Sie mir. Ich arbeite im Hotel Devonshire in der Innenstadt von Johannesburg. Wir haben kein besonderes Wachpersonal und unsere Türen sind rund um die Tür geöffnet. Wenn hier eine Gewalttat verübt worden wäre wüsste ich das. Seit ich das Haus gekauft habe ist mir aber nichts dergleichen zu Ohren gekommen.“

Mit der Orion Group will Gmeiner in 50 Länder expandieren; Foto © Peter Sempelmann

Die österreichischen Landsleute Gmeiners wollen trotzdem nicht verstehen, weshalb der lieber im verruchten Zentrum der Stadt statt wie sie selbst in bewachten Siedlungen hinter meterhohen Mauern und mit elektrischen Zäunen und Alarmanlagen abgesichert residiert. Vielleicht liegt es daran, dass Gmeiner bereits als sechsjähriger Bub nach Südafrika kam, hier zur Schule und an die Universität ging.

1991 war das Jahr, in dem er den Grundstein zu seinem heutigen Firmenimperium, der Orion Gruppe legte. Südafrika stand damals unter massivem internationalem Druck. Der Staat litt unter den Sanktionen, die ihm wegen seiner rassistischen Politik auferlegt worden waren. Das Ende der Apartheid war absehbar und die Weißen begannen die Innenstadt von Johannesburg zu verlassen. Plötzlich standen ganze Häuser leer und die Immobilienpreise rasselten in den Keller. Gmeiner, der bis dahin als Wirtschaftsprüfer gearbeitet hatte, sah die Chance und griff zu. Er kaufte ein elfstöckiges Bürohaus in Downtown Johannesburg und kurz darauf auch das Hotel Devonshire in Braamfontein.

Franz Gmeiner; Foto © Peter Sempelmann

Seither ist die Orion Gruppe rasch gewachsen. Inzwischen gehören Immobilien im Wert von über einer Milliarde Rand, mehr als 100 Millionen Euro, dazu. Darunter ein Dutzend Hotels, zahlreiche Shopping Center, Bürohäuser und andere Gewerbeimmobilien. Und Gmeiner will noch hoch hinaus. „Heute sind wir in vier Staaten vertreten. Mein Ziel ist, dass wir in 50 Länder expandieren“ erklärt der geschäftstüchtige Austro-Afrikaner, der dabei sogar an eine Expansion nach Amerika, Asien und Europa, möglicherweise sogar nach Österreich denkt. „Wann immer wir ein Objekt sehen, das zu uns passt, greifen wir zu“, sagt Gmeiner, der keine Sorge hat, sich dabei möglicherweise finanziell zu übernehmen. „Schulden sind gut“, sagt er, und „der beste Freund eines Investors ist die Inflation.“

VIII. Gustl Mischkulnig
Über eine allfällige Inflation macht sich August Mischkulnig, der von allen nur Gustl genannt wird, schon lange keine Gedanken mehr. Und über Umsatzzahlen seiner Firma Geecom, die ohnehin nur seine Frau kenne, lohne es sich auch gar nicht zu sprechen.
Gustl, der Radiotechniker aus Reifnitz, dessen Büro von zwei Lindwurm-Statuen bewacht wird, hatte zunächst für Siemens in Südafrika gearbeitet. „Ich wollte die Welt sehen“, erzählt er. Schon als Jugendlicher hat er als Hilfssegellehrer am Wörthersee in Kärnten davon geträumt, einmal so mondän zu sein wie die betuchten Gäste.

Erfolg in der Nische: August Gustl Mischkulnig; Foto © Peter Sempelmann

Durch Zufall wurde er zum Spezialisten für Elektrofilter, aber nach etlichen zermürbenden Erfahrungen hatte er es satt, immer wieder für Siemens die Feuerwehr spielen zu müssen und beschloss, lieber für die eigene Tasche zu arbeiten. „Es gab abgesehen von mir ohnehin niemand, der wirklich wusste, wie die Filter funktionieren und ich hatte eine Idee, wie man sie weiter verbessern konnte“, erzählt Mischkulnig, der sich daraufhin in seine Garage zurückzog und dort ein neues Steuersystem für die Filteranlagen entwickelte.

Mischkulnig, Gründer und Chef von Geecom Elektrofilteranlagen; Foto © Peter Sempelmann

Heute zeigt er bei dem Rundgang durch sein Unternehmen stolz die kleine Werkbank her, an der er damals nächtelang gesessen hatte. Seine Erfindung funktionierte, und Gustl erhielt vom Fleck weg den Auftrag, gleich eine ganze Filteranlage zu bauen. Bald darauf waren es vier und dann zehn, die er bauen sollte. Bald rechnete er sich aus, dass er nach 100 verkauften Anlagen Millionär sein müsste. „Heute habe ich über 3000 verkauft, habe zwei Weltpatente und ein volles Auftragsbuch. Aber trotzdem bin ich immer der Gustl geblieben“, meint er grinsend. Und Geecom ist ein klassischer Familienbetrieb geblieben. Sein Sohn leitet die mechanische Seite der Firma, seine Frau kümmert sich um die Finanzen und Gustl selbst scheut bis heute nicht davor zurück, selbst ins Blauzeug zu schlüpfen und seine Elektrofilter zu reparieren. „Ich könnte die Firma so wie sie ist vervielfachen. In Australien oder in China ein zweites oder ein drittes Mal bauen, aber das kann vielleicht mein Sohn tun. Ich bin auch so zufrieden“, sagt Mischkulnig.

IX. Otto Stehlik
Otto Stehlik, der vor 40 Jahren aus Grieskirchen in Oberösterreich als Rezeptionist in das Johannesburger Herengracht Hotel kam, das damals eines der vier besten Hotels der Welt galt, hat hingegen noch viel vor. Stehlik ist Gründer und Chairman von Protea Hotels, der mit über 130 Hotels größten Hotelkette Afrikas, die in den nächsten Jahren kräftig expandieren soll. Schon zu Jahresende soll es 150 Protea-Hotels geben. Das Portefeuille dafür hat Stehlik jedenfalls, denn im Jahr 2007 verkaufte er die Hotelkette um die hübsche Summe von 1,248 Milliarden Rand an die australische Stella-Gruppe. Kurz darauf kam Stella aber in finanzielle Schwierigkeiten und musste die Hotels wieder verkaufen – an Stehlik, der sie um den halben Preis wieder zurücknahm. Ein Schachzug, der dem charmanten Herrn im eleganten dunklen Anzug, der perfektes Englisch spricht, in seinem Büro im mondänen Sea Point Hotel in Kapstadt ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Otto Stehlik, Gründer und Vorstand von Protea Hotels, der größten Hotelkette Afrikas; Foto © Forrest Beaumont

Richtig begonnen hat Stehliks Karriere im Jahr 1984, als er die nach der südafrikanischen Nationalblume benannte Hotelkette ohne einen Cent Eigenkapital zu investieren ins Leben rief. Die Idee dahinter war einfach: bestehende Hotels mit Potenzial übernehmen, sie besser zu managen und professionell zu vermarkten. Aus den anfangs vier Hotels wurden schon im ersten Jahr 26, dann 40 und bald hundert. Und heute ist Stehlik in Südafrika ein hoch angesehener Mann, mit besten Beziehungen zu den Regierungsstellen und zum Tourismusminster Marthinus van Schalkwyk. Stehlik ist sogar Vorsitzender des Match Advisory Boards, das die Unterkünfte der FIFA-Delegierten organisiert – ein Amt, das außer ihm wohl kaum ein Weißer bekommen hätte. „Ich bin aber Doppelstaatsbürger. 1992, als das Referendum zur Abschaffung der Apartheid durchgeführt wurde, habe ich die südafrikanische Staatsbürgerschaft angenommen, um für die Veränderung im Land stimmen zu können“, erzählt Stehlik, „und im Zuge des Black Economic Empowerment habe ich die radikalste aller Gewerkschaften und die National African Woman’s Alliance an den Protea Hotels beteiligt.“
Dieser Schachzug ermöglicht es Stehlik heute auch, als Weißer die Interessen Südafrikas vor der FIFA zu vertreten. „2006, nach der WM in Deutschland, war die Skepsis groß. Man dachte nicht, dass Südafrika dazu im Stande wäre, eine Weltmeisterschaft zu veranstalten“, erinnert sich der Hotelier, der damals in einem offiziellen FIFA-Hearing die Flagge Südafrikas hoch hielt. „Wir haben die Rugby-Weltmeisterschaft veranstaltet, warum also nicht auch die Fußball WM“, entgegnete er Skeptikern und jenen, die daran zweifelten, dass die dafür notwendige Infrastruktur aufgebaut werden könnte entgegnete er: „Südafrikas Bauwirtschaft baut Dubai. Wir werden daher auch ein paar Stadien aufstellen können.“
Vier Jahre danach, am Vorabend der WM, kann Stehlik deren Anpfiff kaum mehr erwarten. Er sieht die Weltmeisterschaft als eine historische Chance für Südafrika: „Es wird eine gute Weltmeisterschaft werden, wenn nicht sogar eine außerordentlich gute. Sportlich wird Südafrika nicht gewinnen. Aber im Land wird die Weltmeisterschaft noch lange leben.“


Land der guten Hoffnung
Südafrikas Wirtschaft befindet sich im Aufschwung.

Seit dem Ende der Apartheidpolitik und den ersten freien Wahlen im Jahr 1994 ist Südafrika im Umbruch und im Aufschwung. Die Wirtschaft Südafrikas ist von 2005 bis 2008 jeweils um rund fünf Prozent gewachsen, nur 2009 gab es aufgrund der Weltwirtschaftskrise ein leichtes Minus von 1,8 Prozent.
Das Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 10.600 US-Dollar, und mit einem BIP von 280,6 Milliarden US-Dollar (2009) stellt Südafrika die mit großem Abstand stärkste Volkswirtschaft des Kontinents, gefolgt von Ägypten mit 83 Milliarden US-Dollar. Auf nur vier Prozent der Landfläche erwirtschaften rund fünf Prozent der gesamtafrikanischen Bevölkerung (45 Millionen, davon 4,3 Millionen Weiße) 23 Prozent des BIP des Kontinents; exklusive der Ölförderungen liegt der Anteil sogar bei 50 Prozent. Die Staatsverschuldung ist mit nur 35,7 Prozent des BIP gering.
Das Land ist extrem reich an Bodenschätzen und verfügt über riesige Vorkommen an Gold, Diamanten, Kohle, Platin, Chrom, Eisenerz, Palladium und Uran. Die größten wirtschaftlichen Probleme sind die Korruption, die Inflation von 7,2 Prozent und die hohe Arbeitslosigkeit. Offiziell sind 24 Prozent der Bevölkerung ohne Arbeit, inoffiziellen Schätzungen zufolge dürfte der Wert jedoch eher bei 40 Prozent liegen. Zusätzlich verschärft wird das Problem durch die starke Zuwanderung aus anderen Teilen Afrikas. In den Townships des Landes haben etwa 80 Prozent der Bewohner keine Arbeit.
Um die wirtschaftliche Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung, die als „previously disadvantaged“ bezeichnet wird, zu beenden, hat die Regierung Südafrikas im Jahr 2004 das Black-Economic-Empowerment- (BEE)-Gesetz verabschiedet.
Unternehmen müssen demnach Auflagen erfüllen, um mit Regierungsstellen oder staatsnahen Betrieben Geschäfte machen zu dürfen. Dazu gehört die Aufnahme von Schwarzen in leitende Funktionen, die Beteiligung von Schwarzen an Unternehmen zu einem Mindestanteil von 25 Prozent plus einer Stimme oder die Förderung von Bildungs- oder Gesundheitseinrichtungen für Schwarze.
Stellen in der Verwaltung werden seither fast ausschließlich mit Schwarzen besetzt. Weiße kommen in staatsnahen Betrieben und in den großen Industriekonzernen nur noch in Ausnahmefällen zum Zug.
Die Gesundheitsversorgung des Landes ist noch weit von internationalen Standards entfernt. Das größte Problem ist Aids. Geschätzte 21,5 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren sind HIV-positiv. In den Townships sind bis zu 50 Prozent der Bevölkerung HIV-positiv. Laut UNAIDS-Bericht sterben in Südafrika jährlich etwa 320.000 Menschen an Aids. Die durchschnittliche Lebenserwartung sank dadurch auf nur 42 Jahre. Hohe Kriminalität, Ineffizienz und Korruption, die auch vor dem Polizeiapparat und der Justiz nicht haltmachen, beeinträchtigen das Leben in Südafrika zusätzlich.

Schwarzhandel
Österreichs Handelsbilanz mit Südafrika

Der Handel zwischen Südafrika und Österreich ist stark von der Schwerindustrie geprägt, wobei Österreich seit über zehn Jahren einen Überschuss erwirtschaftet – zuletzt 126 Millionen Euro. Zwei Drittel aller Importe aus Südafrika sind Rohstoffe wie Erze und Zellulose, die bei uns weiterverarbeitet werden. Österreich exportiert hingegen hauptsächlich Autos, Motoren und andere Maschinenbauprodukte nach Südafrika. Die Wirtschaftskrise hat das Handelsvolumen zwischen den beiden Staaten deutlich gedämpft. Im Jahr 2009 wurden Waren im Wert von 424 Millionen Euro aus Österreich nach Südafrika exportiert. Davon entfielen 62 Millionen auf Motoren, die großteils von BMW-Steyr stammen, 41 Millionen auf Transformatoren, 33 Millionen auf Autos, 23 Millionen auf Schienen und andere Eisenbahnerzeugnisse.
Aus Südafrika wurden im Vorjahr Waren im Wert von 298 Millionen Euro importiert. Davon entfielen 166 Millionen auf Erze, Schlacken und Asche, 16 Millionen auf Zellstoff und immerhin elf Millionen auf Weintrauben und Rosinen.

Bafana Bafana
Was die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika bewegt.

Die Fußballweltmeisterschaft 2010 hat die Wirtschaft Südafrikas gehörig angekurbelt. Im Finanzjahr 2006/07 -wurden bereits 600 Millionen Rand (64 Millionen Euro) für den Neu- und Umbau der Stadien ausgegeben, im Budget 2007 waren nochmals 1,9 Milliarden Rand (204 Millionen Euro) für den Stadionbau veranschlagt.
Gleichzeitig hat die Regierung für den Zeitraum von 2007 bis 2010 ein Sonderbudget von 400 Milliarden Rand (rund 43 Milliarden Euro) aufgebracht, um die Infrastruktur in den sieben Spielstädten auf Vordermann zu bringen. Zusätzlich wurden zahlreiche Straßenbauprojekte vorgezogen, um den erwarteten Verkehr in den Ballungszentren besser abfedern zu können.
Trotz einer regen Bautätigkeit sind jedoch viele Projekte kurz vor Beginn noch nicht abgeschlossen, und im Großraum Johannesburg ist das öffentliche Verkehrsnetz bis heute faktisch inexistent. Der Gautrain, eine Eisenbahnlinie, die Johannesburg mit Pretoria und dem Flughafen verbinden soll, wird bis zum Anpfiff der Weltmeisterschaft jedenfalls nicht fertig sein.
Auch die Tourismuswirtschaft Südafrikas fiebert der WM entgegen. Das Land erwartet im WM-Jahr mehr als zehn Millionen Besucher. Die Fußballweltmeisterschaft wird aktuellen Schätzungen zufolge etwa 300.000 zusätzliche Gäste aus dem Ausland anziehen. Die ursprünglich erhoffte halbe Million WM-Touristen wird jedoch kaum erreicht werden. Im April schätzte Südafrikas Tourismusminister Marthinus Schalkwyk die direkten und indirekten Beiträge der Weltmeisterschaft zur Volkswirtschaft des Landes auf knapp 200 Milliarden Rand, also umgerechnet etwa 20 Milliarden Euro.
Die Bevölkerung Südafrikas, die enthusiastisch hinter ihrer Mannschaft, der „Bafana Bafana“, steht, lässt zur WM ebenfalls einiges springen. So sind etwa seit Jahresbeginn alle Freitage „Soccer T-Shirt Days“. In Büros, Banken und Geschäften gehört das Nationaltrikot seither zur Arbeitskleidung.

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