Artikel aus 12 Jahren trend: „Mrs. Sporty“ Steffi Graf

Juli 2009: Ex Tennisprofi Steffi Graf kommt mit ihrer Damen-Fitnesskette Mrs. Sporty nach Österreich.

„Was das Geschäft betrifft, kenne ich mich nicht aus“

Interview. Die Tennis-Ikone Stefanie Graf hat mit Mrs. Sporty eine Fitnesscenter-Kette für Frauen ins Leben gerufen. Nun soll stark expandiert werden. trend traf die frühere Spitzensportlerin, die eigentlich keine Geschäftsfrau sein will, zum Gespräch.

In der Mrs.-Sporty-Filiale in Berlin-Schmargendorf herrscht Volksfeststimmung. Auf einer großen Bühne präsentieren sich unter Jubel sportliche Damen in den besten Jahren, die ihren inneren Schweinehund erfolgreich bekämpft haben. Die Begeisterung steigt noch, als Sport-Ikone Stefanie Graf, Mitbegründerin der Damen-Fitnesskette, zwei von ihnen als „Mrs. Sporty des Jahres“ auszeichnet. Im Berliner Innenstadthotel Melina gibt sie dem trend anschließend eines ihrer seltenen Interviews.

Sie kommen eben von der Feier zur „Mrs. Sporty des Jahres“. Sind Sie überrascht, dass Ihnen die Leute fast noch so zujubeln wie bei Ihren großen Erfolgen am Centrecourt?
Graf: Ja, deswegen mussten wir für das Interview auch hierher ausweichen. Es war eine tolle Stimmung, aber es gab auch Grund zu feiern. Man konnte das neue Körpergefühl und die Lebensfreude, die die Frauen durch das Training erreicht haben, richtig spüren.

Sie haben mit Mrs. Sporty eine Fitness-Franchisekette für Damen in die Welt gesetzt. Gibt es nicht schon genug Fitnesscenter und Ernährungsberater?
Wir haben ein klares Bedürfnis der Frauen gesehen und ein effektives Konzept vorgestellt. Ich selbst gehe ja auch nicht gerne in große Clubs, und als Mutter weiß ich, dass es jede Frau schwer hat, sich die Zeit einzuteilen. Wir kommen mit den Clubs nahe an die Frauen heran und bieten ihnen in dreißig Minuten ein Training für den ganzen Körper an. Die Kompaktheit des Konzepts macht den Unterschied.

Sehen Sie sich, gemessen an der schnellen Expansion von Mrs. Sporty, heute als eine erfolgreiche Unternehmerin?
Als Unternehmerin sehe ich mich eigentlich nicht wirklich.

Wenn nicht Unternehmerin, was dann?
Eine Bezeichnung dafür …, also wenn Sie eine Bezeichnung dafür wollen, dann bin ich in erster Linie Mutter und irgendwo dahinter auch Unternehmerin.

Aber Sie sind doch das Gesicht des Unternehmens und damit maßgeblich am Erfolg beteiligt. Wie stark spielt Ihre Person eine Rolle?
Die praktische Umsetzung des Konzepts ist mir persönlich sehr wichtig, und ich bringe mich besonders bei dem Ernährungskonzept ein. Inwiefern der Erfolg von mir persönlich abhängt, kann ich jedoch nicht sagen. Ich kann aber aus meinen Erfahrungen schöpfen und habe dabei eine große Glaubwürdigkeit.

Von wem stammt denn das Konzept? Von Ihnen?
Die Idee als solche kam von einem Partner meines Mannes, aber viele Teile des Konzepts stammen von mir. Ich kann aus meiner langjährigen Erfahrung sprechen und versuche, mein Wissen an unsere Mitglieder weiterzugeben.

Und weshalb wird Mrs. Sporty als Franchisekette geführt?
Was das Geschäftliche betrifft, kenne ich mich – ganz offen gesagt – auch nicht so gut aus. Mich hat die Idee überzeugt, dass wir Frauen für Sport und gesunde Ernährung begeistern können, gleichzeitig auch den Franchisenehmern eine Möglichkeit geben können, sich selbstständig zu machen und mit einem sinnvollen Konzept erfolgreich zu sein. Wir haben in vier Jahren über 300 Clubs und 80.000 Mitglieder erreicht. Mit diesem Erfolg haben wir überhaupt nicht gerechnet.

In Österreich steht jetzt ein Expansionskurs auf dem Programm. In welcher Größenordnung ist das vorstellbar?
Wir wollen in den nächsten Jahren auch in Österreich flächendeckend vertreten sein. Wir streben in allen Märkten die Marktführerschaft an und wollen dieses Ziel in den nächsten fünf Jahren erreichen. Insgesamt werden wird dann weit über 1000 Clubs in Deutschland, Österreich und der Schweiz eröffnet haben. Durch die geringen Investitionen sind unsere Clubs auch in Orten mit weniger als 8000 Einwohnern sehr erfolgreich.

Was sagen Sie den Frauen, die Sie als Kunden gewinnen wollen?
90 Prozent der Frauen über 35 bewegen sich nicht genug, und der Prozentsatz, der überhaupt keinen Sport betreibt, ist riesig. Es gibt unheimlich viele Clubs, keine Frage, aber das Angebot ist oft nicht ansprechend genug. Es gibt also ein großes Potenzial an Kundinnen, die nicht den Weg zum Sport gefunden haben. Ich bin ja mit dem Sport groß geworden, und daher weiß ich, wie gut Sport für mich ist und welche Energien und Motivation mir regelmäßiges Training gibt. Viele Frauen kennen das Gefühl vielleicht noch nicht, und genau das möchte ich ihnen vermitteln. Mein persönliches Ziel ist es, so viele Frauen wie möglich zum Sport zu motivieren, und Mrs. Sporty ist dafür einfach ein sehr guter Weg.

Sind denn die regulären Fitnesscenter zu männlich in ihrer Position? Was spricht denn Frauen besonders an?
Es ist schwer, einzelne Dinge herauszuholen, weil ich überzeugt bin, dass es an dem Gesamtpaket liegt. Jede Frau hat ihre eigenen Gründe, warum sie zu uns kommt. Manche kommen weil sie nirgendwo sonst so ein schnelles und effektives Training erhalten, und viele kommen, weil sie sich einfach in der Clubatmosphäre und mit der Betreuung vor Ort wohlfühlen.

Sie waren selbst Leistungssportlerin. Möchten Sie auch mehr Frauen dazu bewegen, oder geht es Ihnen nur um den Breitensport, eine Art Wohlfühlerlebnis zu vermitteln?
Wenn Einzelne durch unser Konzept zu anderen Sportarten finden, dann ist das toll. Wir möchten Frauen zunächst einmal überhaupt zum Sport bewegen und sie dabei unterstützen. Vielleicht kann ich dabei eine Art Vorbild sein.

Sehen Sie eigentlich auch einen Zusammenhang zwischen körperlicher und beruflicher Fitness? Viele Manager waren einmal Leistungssportler.
Es gibt viele Studien, die das belegen. Schüler, die am Vormittag Sport treiben, sind zum Beispiel geistig viel aktiver. Das Konzentrationsvermögen wird gesteigert, sie schaffen ganz andere Ergebnisse, weil das Gehirn richtig aktiviert wird. Sport baut Stress ab, hilft die Gedanken zu ordnen und gibt Energie. Und ohne Disziplin geht es nicht, im Sport ebenso wenig wie im Beruf. Der Leistungssport ist daher eine sehr gute Schule für die Karriere.

Ihre aktive Sportkarriere haben Sie ja sehr früh beendet. Warum? Gab es für Sie nichts mehr zu gewinnen?
Körperlich gesehen war das sicher nicht zu früh. Ich hatte schon 1996, 1997 massive Knieprobleme und konnte nicht mehr ohne Schmerzen laufen. Zu dieser Zeit war ich auch viel in Österreich bei Willi Dungl. Ohne ihn hätte ich es nicht mehr geschafft, noch einmal zum Sport zurückzukommen. Eigentlich hatte ich mich damals schon vom Tennis verabschiedet und auf die Zeit danach gefreut. Eine Rückkehr in den aktiven Sport habe ich dann nach meinem Rücktritt 1999 nie in Erwägung gezogen. Ich kann aber auch auf eine Karriere zurückblicken, von der ich das Gefühl habe, dass ich wirklich alles gegeben und erlebt habe. l

Mrs. Sporty. Ex-Tennis-profi Stefanie Graf turnt vor.
Die Fitnesskette für Damen, Mrs. Sporty, wurde 2005 von Stefanie Graf und Partnern gegründet, darunter jenes Unternehmertrio, das hinter dem weltweiten Branchenprimus „24 Hour Fitness“ steht. 2008 wurde die erste Mrs.-Sporty-Filiale in Österreich eröffnet. Jetzt ist Expansion angesagt. Die vielfache Wimbledon-Siegerin Graf rührt die Werbetrommel für das Franchisekonzept. Bis 2013 sollen in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Italien weit über tausend Clubs entstehen. Dann soll Mrs. Sporty die Nummer eins aller Sport-und Ernährungsclubs sein. Derzeit gibt es 300 Filialen mit 80.000 Mitgliedern, die monatlich drei Millionen Euro an Mitgliedsbeiträgen einbringen. Franchisenehmer zahlen 5,7 Prozent ihres Umsatzes als Lizenzgebühr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.