Der andere Frank: Frank Polzer, Gründer von RE/Max Europa

Juni 2008: Frank Polzer, der Immobilienmagnat aus der Steiermark

Der andere Frank

Porträt. Jeder kennt Frank Stronach – doch nur wenige Frank Polzler. Der gebürtige Steirer wanderte nach dem Krieg ebenfalls nach Kanada aus, ist auch 75 und mit seiner Immobilienkette Re/Max genauso erfolgreich wie sein Namensvetter Stronach.

Die Steiermark ist stolz auf ihre Töchter und Söhne, die im Ausland ihren Weg gemacht haben. Auf der offiziellen Homepage des Landes hat das Büro für Auslandssteirer eine Ehrentafel der 111 erfolgreichsten Persönlichkeiten eingerichtet. Angeführt wird diese fast erwartungsgemäß von Arnold Schwarzenegger und dem Magna-Gründer Frank Stronach.

Ein Name fehlt in der langen Liste jedoch: der des 75-jährigen Frank Polzler. Das ist wenig verwunderlich, denn obwohl Polzlers Lebenslauf erstaunliche Parallelen zu Stronachs aufweist, ist er ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Polzler ist gleich alt wie Stronach, stammt aus dem gleichen Eck – er wurde in Prebensdorf im Ilztal, nur 14 Kilometer von Stronachs Geburtsort Weiz entfernt, geboren – und verließ nahezu zur gleichen Zeit wie Stronach die Oststeiermark, um in Toronto Karriere zu machen.

Dort hat er die Immobilien-Franchisekette Re/Max, den McDonald’s des Immobilienhandels, aufgebaut. In Nordamerika ist Re/Max heute mit rund 37 Prozent Marktanteil unangefochtener Marktführer. Mit mehr als 120.000 Maklern in 67 Ländern, davon 35 in Europa, ist es obendrein das größte und laut einer Studie der US-Zeitschrift „Entrepreneur Magazine“ auch das beste Franchiseunternehmen der Immobilienbranche. Inzwischen setzt die Gruppe jährlich weit über zwölf Milliarden US-Dollar an Provisionen um.

Zur Jahrtausendwende ist Polzler wieder nach Österreich zurückgekehrt, um von hier aus Europas Immobilienmarkt aufzumischen. Thomas Malloth, Obmann des Fachverbands der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, findet es beachtlich, wie gut es dem Unternehmen gelungen ist, sich in Europa und speziell in Österreich zu behaupten: „Re/Max hat sich rasant entwickelt. Andere Franchiser haben das zuvor auch schon versucht und sind gescheitert.“

Bei allen Erfolgen ist Polzler, der innerhalb seines Unternehmens nur „Mister P.“ genannt wird, weil den Namen „Pölzler“ – das ö ist im Lauf der Zeit verloren gegangen – niemand aussprechen konnte, relativ unbekannt geblieben. Ihm ist das nicht unrecht, denn er meint, dass Bekanntheit auch ein Sicherheitsproblem schaffe.

Vergleiche mit Frank Stronach drängen sich zwar auf, doch Polzler will darauf nicht wirklich eingehen. „Ich kenne ihn und schätze, was er geleistet hat, aber er hat seinen Weg gemacht und ich meinen“, meint Polzler. Persönlich kennen gelernt hat er den Magna-Boss erst in Österreich bei einem Abendessen in Stronachs Villa in Ebreichsdorf. Viel mehr als höflicher Small Talk kam dabei jedoch nicht aufs Tapet: „Frank ist eben Frank und redet am liebsten darüber, was er macht. Es heißt immer, ich wäre der zweite Stronach. Das ist aber Unsinn. Und ich bin auch kein Milliardär.“

Ausgesorgt hat der joviale Austrokanadier mit dem perfekt gestutzten Bart und dem exakt gezogenen Scheitel jedoch auf jeden Fall. „Geld ist für mich kein Thema mehr“, sagt er. Er ist auch definitiv wohlhabend genug, um sich jeden Luxus leisten zu können. Auch wenn ihm der gar nicht so wichtig zu sein scheint. Im gleichen Deutsch-Englisch, das auch Frank Stronach auszeichnet, erklärt er: „Ich habe vier Wohnsitze und fast zu viel Besitz, kann aber auch immer nur in einem Bett schlafen und einen Anzug tragen.“ Der ist allerdings stilbewusst ein Maßanzug aus bestem dunkelblauem Tuch, in dessen Revers ein goldenes Re/Max-Logo steckt. An der linken Hand trägt er einen schweren, mit drei großen Brillanten besetzten Goldring und eine Rolex Cellini, an der rechten einen goldenen Armreif.

Selbstbewusst und immer zu Scherzen aufgelegt, meint er, dass er mit seinen 75 Jahren noch lange nicht alt genug sei, um in den Ruhestand zu gehen: „Ich brauche die Herausforderung. Den ganzen Tag Golf spielen würde mich zu Tode langweilen.“ Vielleicht, meint er, gäbe es in der Oststeiermark ein besonders gutes Wasser. Möglicherweise liege es aber auch am Kernöl, dass er ebenso wie Stronach trotz des Alters und der schlohweißen Haare immer noch vor Energie strotzt und sich nicht zur Ruhe setzen will. „Ich habe keine anderen Hobbys und kann bei der Arbeit viel reisen, was ich gerne mache. Warum sollte ich etwas anderes tun?“

Zu seiner größten Reise ist Polzler 1953 aufgebrochen. „Viele sind weggegangen. Das Land war noch immer besetzt, und es gab einfach nichts, keine Möglichkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen“, erinnert sich der gebürtige Oststeirer. Stronach sei ein Jahr nach ihm nach Toronto gekommen und habe später viele weitere Steirer nach Kanada geholt, um Magna aufzubauen.

Polzlers ehemals relativ wohlhabende Familie – sein Vater besaß eine Mühle und ein Sägewerk – hatte während des Krieges alles verloren. Der Vater war gestorben, und die Mutter hatte auf Anraten einiger Verwandter alles verkauft und das Geld auf die Bank gelegt. „Nach dem Krieg hatten wir nichts mehr, und ich verkaufte am Gleisdorfer Bahnhof Veilchen und selbst nicht benötigte Dinge aus den Carepaketen, die uns eine Tante aus Amerika schickte.“

Mit zwanzig hatte er seine Bäckerlehre abgeschlossen, packte seine Habseligkeiten in einen grünen Koffer und verkaufte sein Motorrad, um die 160 Dollar teure Überfahrt von Bremerhaven nach Toronto bezahlen zu können. Daran denkt er noch heute mit Schrecken: „Es war fürchterlich! Die Fahrt dauerte drei Wochen, und wir hatten einen entsetzlichen Seegang. Wir waren zu sechst in der Kabine, und ich war während der ganzen Fahrt seekrank. Damals schwor ich mir, niemals wieder auf einem Schiff zu fahren.“

Die Angst vor einer neuerlichen Atlantik-Überquerung war wohl auch ein Grund, warum der Steirer in den folgenden Jahren nicht gleich wieder nach Österreich zurückgekehrt ist, denn die erste Zeit in der neuen Heimat war nicht leicht. Er hatte Mühe, sich mit seinem schlechten Hauptschul-Englisch durchzuschlagen, und verrichtete für 35 Dollar pro Woche in einer Bäckerei Hilfsdienste. Damit verdiente er gerade genug, um die Miete bezahlen zu können.

Erst als er gemeinsam mit einem Schweizer Konditor ein eigenes Geschäft eröffnen konnte, begann sich die Lage zu ändern. „Gut zwei Jahre später wollte plötzlich jemand die Bäckerei kaufen. Mir war das recht, denn ich hatte es schon satt, täglich um zwei Uhr morgens aufzustehen und für die anderen Frühstück zu machen“, erzählt Polzler.

Er fand Arbeit in einem Immobilienbüro. Und plötzlich befand er sich in seinem Element. Binnen eines Jahres war er der beste Verkäufer und begann, richtig Englisch zu lernen, um zur Maklerprüfung antreten und selbst ein Immobilienbüro eröffnen zu können.

1960, als der gelernte Werkzeugmacher Stronach mit dem Detroiter Burton Pabst einen Partner fand, seine Firma Accurate Tool and Die in Multimatic Investments Inc. umbenannte und erste Aufträge als Zulieferer für die Automobilindustrie an Land ziehen konnte, eröffnete Polzler in Toronto sein erstes eigenes Immobilienbüro, das im Lauf der sechziger Jahre zu einem kleinen Unternehmen mit 160 Mitarbeitern und sechs Büros wuchs.

Mitte der siebziger Jahre verlor Polzler jedoch beim Bau eines großen Bürogebäudes viel Geld und stand plötzlich knapp vor dem Bankrott. Die Rechnungen waren bereits bezahlt, als der Bauunternehmer pleiteging. Das Geld war damit dahin, ohne Aussicht darauf, die geplanten Büros je vermieten zu können. Durch Zufall stieß er auf Re/Max, das damals ein sehr kleines Unternehmen im Raum Denver in Colorado war.

Dave und Gail Liniger hatten das Immobilienbüro Re/Max 1973 in Denver gegründet und eben begonnen, ihr Konzept als Franchisemodell anzubieten. Polzler war einer der Ersten, die sich dafür interessierten, und wollte gleich die Master-Franchise-Lizenz. „Ich hatte erkannt, dass man einen starken Markennamen brauchen wird, um auch in Zukunft Geschäfte zu machen. Und ich mochte die Philosophie von Re/Max. Sie waren extrem professionell und hatten die besten Leute.“

1980, Stronach hatte Multimatic bereits in Magna umbenannt und war zu einem wichtigen Partner der Automobilindustrie geworden, begann Polzler, Re/Max in Kanada und in den USA aufzubauen. „Damals meinten alle, ich sei verrückt und ich würde bald bankrott sein“, sagt er. Und im Prinzip war er das auch. Er hatte immer noch 1,5 Millionen Dollar Schulden aus dem Fehlschlag mit dem Bürogebäude, und das Geschäft lief nur langsam an.

Binnen weniger Jahre wandte sich das Blatt jedoch. Nach sieben Jahren war Re/Max bereits die größte Immobilienkette im ganzen Land. „Der Vorteil des Franchisesystems liegt vor allem in der Vernetzung“, erklärt Polzler. Innerhalb eines großen Unternehmens sei es wesentlich einfacher, geeignete Objekte zu vermitteln und die Kunden überregional zu begleiten.

Im weitläufigen Kanada und in den USA konnten Re/Max und die weiteren Großen der Branche wie Century 21 und Goldwell Banker so schon rund 80 Prozent der Immobilienbüros für sich gewinnen. Mit über 7000 Büros in 67 Ländern, in denen über 120.000 Makler arbeiten, ist Re/Max damit der Branchenführer.

Eine Position, die es dem Unternehmen auch leichter macht, mit Krisen, wie der aktuellen am US-Immobiliensektor, umzugehen. „In den USA werden vielleicht fünf Millionen Menschen ihre Häuser verlieren, und das ist natürlich ein Problem“, räumt Polzler ein. Schuld daran seien sowohl die Verkäufer als auch die Käufer. „Und natürlich auch die Banken, die hochriskante Kredite in der Höhe von 150 Prozent des Werts der Häuser vergeben haben, weil sie davon ausgegangen sind, dass die Häuser in wenigen Jahren zum doppelten oder dreifachen Wert weiterverkauft werden können.“ Für die Immobilienhändler könne die Krise jedoch nur ein Vorteil sein, denn die fünf Millionen Menschen würden wieder einen Platz zum Wohnen brauchen, und in ihre Häuser würden eben andere einziehen. Polzler: „Es zeigt sich schon, dass wir aus der Krise in den USA viel besser herauskommen werden als unsere Mitbewerber.“

Seit der Jahrtausendwende verfolgt Polzler ein neues Ziel. Er übertrug seiner Tochter die Führung der US-Gruppe, seinem Sohn die kanadische und nahm mit seinem Langzeitpartner Walter Schneider den europäischen Markt in Angriff. Mit der Master-Franchise-Lizenz für ganz Europa von der Ukraine bis nach Island ist er mittlerweile auf dem Weg, Re/Max in allen Ländern zu installieren. „Wir hatten lange nicht an Europa gedacht, weil die Leute hier traditionell nicht so oft übersiedeln wie in Nordamerika. Dann analysierten wir den Markt und stellten fest, dass die Jüngeren ebenso mobil sind, und wussten, dass es auch hier einen Platz für uns gibt.“

Vom Ares Tower in Wien aus koordiniert Polzler das Geschäft in Europa, das laufend mehr wird. Mittlerweile ist Re/Max mit 1660 Büros in 35 Ländern vertreten, und Österreich ist sehr zur Freude des Austrokanadiers mit 95 Büros und 333 Maklern eines der Vorzeigeländer. „Österreich ist immer noch meine Heimat, hier habe ich meine Verwandtschaft, und ich möchte das Immobiliengeschäft hier verändern, es professioneller machen und den Maklern bessere Verdienstmöglichkeiten bieten“, sagt Polzler, der dabei wieder fast ein wenig wie Frank Stronach klingt.

Die alteingesessenen Makler wollen sich natürlich nicht nachsagen lassen, sie hätten ihr Geschäft bisher nicht richtig gemacht, und sehen Re/Max auch nicht als übermächtigen Konkurrenten. „Im Massengeschäft können Franchiseketten sicher noch zulegen, aber für Spezialgeschäfte mit großen Projekten wird man immer eine individuelle Betreuung brauchen“, ist sich Immobilien-Fachverbandschef Malloth sicher. Und Martin Lenikus, Chef der ERIN Alpha Immobilien GmbH, meint: „Europa ist ein wenig anders als Nordamerika. Es gibt bei uns trotz des Erfolgs von McDonald’s noch Haubenrestaurants und Würstelstände. Diese Vielfalt wird auch im Immobiliengeschäft erhalten bleiben.“

Polzler ist dennoch zuversichtlich, letztlich der lachende Gewinner zu sein: „Heute macht die alte Garde hier noch 80 Prozent des Geschäfts. In zehn, fünfzehn Jahren wird das genau umgekehrt sein. Nur die Großen werden überleben.“ Und der agile Mittsiebziger lässt keinen Zweifel daran, dass er der Mann sein möchte, der diese Entwicklung vorantreiben will: „Mein Arzt meinte, ich könnte hundert Jahre alt werden. Ich habe aber mit meinen Kindern vereinbart, dass sie mich aus dem Weg schaffen, wenn ich wirr im Kopf werde. Bis dahin bleibe ich.“

Frank Polzler wurde 1933 als Franz Pölzler in Prebensdorf (Bezirk Weiz) geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierte er eine Bäckerlehre und emigrierte 1953 nach Toronto, Kanada.

1960 stieg Polzler in das Immobiliengeschäft ein und erwarb 1979 die Master-Franchise-Lizenzen für die Immobilienkette Re/Max, die er in der Folge in Kanada, den USA und in Europa aufbaute. Der 75-Jährige lebt heute in Toronto und in Wien und leitet nach wie vor die Geschäfte von Re/Max Europa.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.