Ungarisches Roulette: Hans Asamers „Euro Vegas“

Juni 2008: Der Schotterbaron Hans Asamer will mit „Euro Vegas“ ins Casinogeschäft einsteigen.

Ungarisches Roulette

Glücksspiel. Schotterbaron Hans Asamer will einen Steinwurf hinter der österreichisch- ungarischen Grenze ein Riesencasino bauen.

In der 1600-Seelen-Gemeinde Bezenye in Westungarn herrscht postkommunistische Tristesse. Die Grenze zu Österreich ist keine zehn Kilometer entfernt, aber der Westen scheint dennoch unendlich weit weg und die Zeit vor der Wende stehen geblieben zu sein. Die Straßen sind Flickwerk, die Häuser großteils desolat, die einzige Tankstelle ist aufgelassen. Ein verwittertes, handgemaltes Hinweisschild mit der Aufschrift „Bank“ ist das einzige Reklameschild im Ort, Autoverkehr gibt es praktisch keinen.

Das wird wohl nicht mehr lange so bleiben, denn dort, wo jetzt noch die Raps- und Maisfelder der Bauern von Bezenye bis zum Horizont reichen, will der oberösterreichische Unternehmer Hans Asamer in den nächsten Jahren das Euro Vegas, einen gigantischen Casino- und Entertainmentkomplex, aus dem Boden stampfen. Mit einem 80 Meter hohen Hotelturm, von dessen Skybar man bei Schönwetter bis nach Bratislava sehen können soll, einem Convention Center für 4000 Besucher und einem riesigen Casino als Hauptattraktion. 1300 bis 1500 Slot Machines, rund hundert Spieltische für Black Jack und Roulette sowie ein eigener Pokerbereich mit dutzenden Tischen sollen Besucher aus Österreich, Ungarn und der Slowakei anlocken.

An einem kleinen Schotterteich an der Straße von Hegyeshalom nach Bezenye sind bereits erste Baucontainer aufgestellt. Darin legen der 72-jährige Schotterbaron und sein Team letzte Hand an das Projekt und planen die nächsten Schritte für das 350 Hektar große Areal. In einer zweiten Bauphase soll noch ein weiteres Casino errichtet werden. Dazu sind dann unter anderem auch noch ein Golfplatz, exklusive Einfamilienhäuser am Schotterteich, ein Thermalbad samt Wellnessresort und Restaurants, etwa die „Mole Ost“ nach dem in Neusiedl am See gelegenen Vorbild „Mole West“, geplant.

Alfred Supersberger, Geschäftsführer des Komplexes, kommt bei der Erklärung der Pläne ins Schwärmen: „Daneben wird es eine Toy-Box geben, eine permanente Ausstellung von Luxusautos und dazu eine Autorennstrecke. Es wird international die einzige Location sein, wo man hinfliegen und einen Ferrari oder einen Bentley sehen und sogar testfahren kann.“

In Supersbergers und Asamers Fantasie ist das Euro Vegas längst ein pulsierendes Tourismusresort, ein Publikumsmagnet und eine unermüdlich sprudelnde Geldquelle. „In unserem Einzugsgebiet leben acht Millionen Menschen, und es gibt in unmittelbarer Nähe drei internationale Flughäfen. Sobald man hier ein Casino aufsperrt, kommen auch die Gäste“, meint Asamer zuversichtlich.

Mit seinem Enthusiasmus konnte er schon einige überzeugen. Darunter auch die Tourismusexperten der Credit Suisse, die sich bereit erklärt haben, das insgesamt schätzungsweise 700 Millionen Euro teure Projekt zu finanzieren. „Ein bisschen was müssen wir natürlich auch setzen“, räumt der Schottertycoon ein. Schon die Projektentwicklung und die Baugenehmigung verschlingen 16 Millionen Euro – für Asamer, der beteuert, selbst in keinem Casino zu spielen, das notwendige Spielgeld.

Ursprünglich wollte er auf dem Gelände ein Logistikzentrum errichten. Eine Drehscheibe für den Transport zwischen Wien, Bratislava, Györ und Budapest. „Dann haben wir aber durch Zufall Leute aus Las Vegas kennen gelernt, Joe Jackson, den Vater von Michael Jackson, und Joe Krumm, damals Präsident des Caesar’s Palace. Sie haben uns die Tore geöffnet und für die Idee eines Spielcasinos begeistert“, erzählt Asamer, der seither davon träumt, auf den gleich hinter der österreichischen Grenze gelegenen 3,5 Millionen Quadratmeter Baugrund ein Casino von amerikanischem Format zu errichten: „Die klassischen amerikanischen Casinos funktionieren ganz anders als die europäischen. Dort wird nur die Hälfte des Geschäfts mit dem Casino selbst gemacht, der Rest entfällt auf Tourismus und Entertainment, wie eben in Las Vegas. Genau so etwas wollen wir auch machen, und daher sind wir auch auf den Namen Euro Vegas gekommen.“

Die wichtigsten Hürden scheinen inzwischen genommen zu sein. Damit der Casinokomplex überhaupt in die kleine pannonische Tiefebene gebaut werden kann, wurde sogar schon das ungarische Glücksspielgesetz geändert und ein besonderes Steuerzuckerl erfunden. Für die neu definierte Klasse der Kategorie-1- Casinos mit mindestens 1000 Spielplätzen hat Ungarn die Spielsteuer, die in Österreich bei 80 Prozent liegt, auf zehn Prozent gesenkt. Davon sollen auch die zukünftigen Gäste profitieren. „Für ein Casino dieser Größenordnung ist das ein eindeutiger Wettbewerbsvorteil, denn die Gewinnausschüttung wird wesentlich höher sein als in österreichischen Casinos“, kündigt Supersberger an.

Ob die Ausschüttungen tatsächlich die Besucher in Massen nach Westungarn locken werden, muss sich allerdings erst herausstellen. Vergleichbar günstige Spielsteuern wie in Ungarn gibt es nämlich auch in Tschechien und Slowenien, und dort sind in unmittelbarer Nähe zur österreichischen Grenze auch schon ähnliche Casinos in Betrieb. Das US-Unternehmen Trans World Corporation (TWC) hat zum Beispiel an der tschechischen Grenze in Wullowitz, rund eine Autostunde von Linz entfernt, das Themencasino Route 55 eröffnet, und letzten Dezember ging nur wenige hundert Meter hinter dem Grenzübergang Spielfeld das „Mond-Casino“ in Betrieb.

Nicht alle diese Casinos, darunter auch das neu eröffnete „Mond“, laufen so prächtig, wie sich das die Betreiber wünschen würden, und ein weiteres, vom US-Casinobetreiber Harrah’s Entertainment im slowenischen Goriska geplantes Mega-Unterhaltungs- und -Casinozentrum steht überhaupt an der Kippe. Falls überhaupt, wird es voraussichtlich viel kleiner als ursprünglich konzipiert gebaut werden. Ungarische Medien sahen auch schon das Euro Vegas, für dessen Betrieb Asamer 2006 die Lizenz erhalten hat, als erledigt an. Die Wirtschaftszeitung „Napi Gazdaság“ berichtete, das Projekt sei eingestellt.

„Das ist Blödsinn“, sagt Asamer, „Spekulationen ungarischer Medien. Die Leute glauben, wenn man eine Konzession hat, kann man zwei Monate später loslegen. Das ist aber nicht so einfach.“ Die Bürokratie sei in Ungarn immer noch eine Bremse, inzwischen sei jedoch die Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen und der weitere Plan auf Schiene. Noch im Mai soll die Baugenehmigung beantragt werden, die Ausschreibung über den Sommer laufen und im Herbst die Vergabe und der Baubeginn erfolgen. Asamer: „Alle warten darauf, dass wir anfangen.“

Robert Kammerhofer, der Bürgermeister von Bezenye, sieht ebenfalls keinen Grund, warum das Projekt kurz vor dem Baubeginn noch kippen sollte, und erwartet, dass das Projekt die ganze Region Westungarn beleben wird. Schließlich sollen schon zur Eröffnung im Herbst 2010 1100 bis 1200 Mitarbeiter in Euro Vegas arbeiten, und für die Mitarbeiter sollen auch in der Region dringend benötigte moderne Wohnanlagen errichtet werden.

Casinos-Austria-Generaldirektor Karl Stoss nimmt das Geschehen jenseits der Grenze zum einen sportlich. „Den Casinos Austria sind durch die grenznahen Casinos bisher noch keine Gäste ausgeblieben. Bislang mussten wir keine Einbußen hinnehmen“, sagt er. Mit großem Einsatz sei es gelungen, der neuen Konkurrenz im grenznahen Bereich erfolgreich Paroli zu bieten. Zum anderen hegt er allerdings sehr wohl Bedenken: „Es gibt allerdings große Gefahren durch die ungleichen Bedingungen beim Spielerschutz und in der Besteuerung. Nicht nur für uns als Unternehmen, sondern vor allem auch für suchtgefährdete Menschen in Österreich, die dort ohne jedwede Sicherheitsmaßnahmen uneingeschränkt spielen können.“

Dass der Casinos-Austria-General die grenznahen Casinos und das Projekt Euro Vegas als große Gefahr erachtet, ist für Asamer und Supersberger sogar ein Adelsprädikat. „Das zeigt uns, dass man uns ernst nimmt“, meinen sie unisono. Und dass sie mit ihrem Projekt nicht ganz falsch liegen, zeige auch, dass ähnliche Projekte von den Casinos Austria in Russland und von Novomatic in Kalifornien geplant werden.

Auch dass der Austro-Milliardär Frank Stronach mit Tourismusprojekten wie dem Magna Globe Resort Park, der als „Stronach-Kugel“ bekannt wurde, gescheitert ist, irritiert die beiden nicht. „Ohne Casino kann man so etwas nicht machen, und dafür braucht man eine Lizenz, wie wir sie haben. Sonst geht man unter“, meint Asamer, der bereit ist, jede Wette einzugehen, dass sein Euro Vegas ein Erfolg wird. Schließlich seien ähnliche Projekte, etwa das Casino Loutraki am Golf von Korinth, sehr erfolgreich und die größten Casinos in Europa irgendwo in the middle of nowhere gelegen, mit einem nicht annähernd so großen Einzugsgebiet. Asamer: „Über diese Frage sind wir schon lange hinweg. Das Thema ist für uns umfassend abgehandelt. Sonst würden wir das, was wir machen, schlicht und ergreifend nicht tun.“

Es gebe außerdem mehrere unabhängige Gutachten, die das Projekt Euro Vegas sehr positiv bewerten. Im Übrigen sei Euro Vegas mit keinem österreichischen Casino vergleichbar. Supersberger: „Es wird ein Touristenresort sein. Im Vordergrund steht das Entertainment und nicht die großen High-Roller (Spieler mit hohen Einsätzen, Anm.), wie das in Europa üblich ist, wo hunderttausende Euro in ganzen Nächten verspielt werden.“ In Nordamerika würden die Besucher pro Besuch etwa 70 Dollar, also rund 50 Euro, im Casino ausgeben. Das Konzept funktioniere durch die Kombination von Casino, Hotel, Spa und Show. Asamer: „Das Geheimnis ist, dass man die kritische Masse überschreiten muss, und das werden wir mit Sicherheit.“

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