Sparen um jeden Preis: Erinnern Sie sich noch an Least Cost Router?

November 1999: Georg Pölzl, heute Post Generaldirektor und damals Chef von max.mobil (jetzt T-Mobile), wollte mit Least Cost Routern größter Festnetzanbieter in Österreich werden. Und einige andere auch.

Sparen um jeden Preis

Telefonieren ist billig wie noch nie. Mit Routern versprechen die Anbieter, Telefonkosten um ein weiteres Drittel zu drücken. Doch nicht jeder Router senkt Telefonkosten.

Wir wollen größter privater Festnetzanbieter werden!“ Der max.mobil-Geschäftsführer Georg Pölzl hat sich die Latte hochgelegt. Um sein Ziel zu erreichen, geht er ungewohnte Wege: Wer über einen alternativen Telefonnetzbetreiber telefonieren will, muss neuerdings kein Fachgeschäft mehr besuchen, sondern kann seine Anmeldung dafür auch beim täglichen Einkauf an der Billa-Kasse abgeben.

Im „Null-Schilling-Vorteilspack“ von Billa erhält er neben Handy und Freisprechanlage auch einen so genannten Router für automatische Verbindungen jedes Telefonats in das Festnetz von max.mobil. Als Draufgabe gibt es sogar noch 100 Gratis-Telefonminuten. Der Konsument muss sich nur für zwölf Monate bei max.mobil anmelden. Das ist alles.

Im Ringen um die Gunst der Kundschaft sind neben den inzwischen üblichen Gratishandys nun die Router die Renner der vorweihnachtlichen Zeit. Das Versprechen, mit ihnen um bis zu einem Drittel billiger telefonieren zu können, reicht, damit sie ungeschaut weggehen wie die warmen Semmeln.

Hinter den Offerten der alternativen Telekom-Unternehmen, Router gratis oder gegen eine geringe Gebühr zur Verfügung zu stellen, steckt der beinharte Kampf um jede Telefonminute. Die wesentlichste Aufgabe der Geräte ist es nämlich, sicherzustellen, dass jedes Telefonat über den entsprechenden alternativen Anbieter geführt wird, ohne dass der Kunde dafür eine vierstellige Vorwahlnummer eingeben muss – für die Kunden bequem, für die Unternehmen lukrativ. Mit den bunten Kästchen, die Telefongebühren anscheinend einfach wegzaubern, gelingt es ihnen nämlich, Kunden fester an sich zu binden.

Ob Router tatsächlich beim Sparen helfen, hängt vor allem vom eigenen Telefonverhalten ab, dennoch scheuen die Anbieter nicht davor zurück, ihren Kunden mit Dialern das Blaue vom Himmel zu versprechen. „Ein Router ist die ideale Lösung, um Telefonkosten zu senken“, sagt etwa RSL-COM-Vertriebsdirektor Heinz Trauner. „Nur wenn 100 Prozent der Telefonate mit uns geführt werden, können 30 Prozent gespart werden.“ Im Call-by-Call-VerfahrenW, wo Anrufer bei jedem Telefonat über Anbieter und Tarif entscheiden können, würden mehr als die Hälfte der anfallenden Gespräche ohne die notwendigen VorwahlnummernW geführt. Die Folge seien, so Trauner, geringe Einsparungen und unzufriedene Kunden.

Auch Hans Schwab, Vertriebsleiter der Anfang November ins Telefongeschäft eingestiegenen AIT, bemüht sich, die Kundenvorteile hervorzuheben: „Sie müssen keine komplizierten Codes wählen oder Knöpfe drücken und können telefonieren wie bisher, nur billiger.“

Dass der uneingeschränkte Einsatz eines Routers aber auch Kostennachteile für den User bringt, zeigt ein einfaches Beispiel: Der regionale Freizeittarif der Telekom Austria liegt bei 40 Groschen je Minute, der vieler alternativer Anbieter bei 85. Das heißt, jedes Telefonat, das über einen Router geführt wird, kostet mehr als das Doppelte als ohne Router (siehe Kapitel „Plug and Save“ auf Seite 14). Es hängt also von der Destination des Gesprächs und den Telefongebühren ab, ob es sich lohnt, ein Gespräch über einen Alternativen zu führen. Nur wenige Router oder Dialer sind in der Lage, da dem User automatisiert behilflich zu sein.

Georg Serentschy, Telekom-Experte beim Beratungsunternehmen Arthur D. Little, mahnt die Unternehmen ob dieser Halbwahrheiten zur Vorsicht: „Ich halte von Routern gar nichts. Mit Tricks werden die alternativen Anbieter die Privathaushalte nicht für sich gewinnen.“

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